Jacqueline Spieweg Rattenauge - etwas Besseres als den Tod

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Inhaltsangabe zu „Rattenauge - etwas Besseres als den Tod“ von Jacqueline Spieweg

In einem schneelosen Winter, der kein Ende nehmen will, dessen Tage nicht länger und Nächte nicht kürzer werden, sondern zu einem einzigen Grau verschmelzen, verwischen sich manchmal auch andere Grenzen. Patrik lebt in einer verlassenen Fabrik, zusammen mit 9 Kindern. Sie tauchten eines Tages, als er glaubte im Sterben zu liegen, bei ihm auf und blieben. Woher sie kamen, weiß er nicht, sie beantworten nie Fragen. Die 9 Kinder und eine verrückte Obdachlose versorgen den im Rollstuhl sitzenden Mann, bis das geschieht, was Patrik immer befürchtete: Eines der Kinder verschwindet. Die restlichen Mädchen, sich so ähnlich wie Spiegelbilder, versuchen es zu verheimlichen. Viktor Winter, ein renommierter Wissenschaftler, findet eines Morgens eine Kinderleiche in seinem Büro. Sie erinnert ihn mit Erschrecken daran, dass es einmal 9 Mädchen gab, die ihm ihre Existenz … und ihren Tod zu verdanken hatten. Ein Schatten erwacht. Er ist eine Gestalt des kollektiven Unterbewusstseins, er ist der Rattenfänger, der Wanderer, der Schwarze Mann und er ist auf der Suche nach den Kindern. Wie bei einem fehlerhaftem Programm, dass seinen Zweck schon lange verloren hat, “programmiert” sich die Wirklichkeit in der Nähe des Schattens um. Die Grenzen zwischen “Real” und “Märchen” werden neu gezogen.

Phantastisch und gut geschrieben, leider in der Handlung zu verwirrend

— Ein LovelyBooks-Nutzer
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  • Etwas besseres als den Tod?

    Rattenauge  - etwas Besseres als den Tod
    odenwaldcollies

    odenwaldcollies

    09. August 2016 um 11:13

    Die blinde Katharina zieht bei ihren Eltern aus, um sich aus deren besorgten Umklammerung zu lösen. Dabei trifft sie auf Patrick, der im Rollstuhl sitzt und in einer Lagerhalle wohnt, zusammen mit neun identisch aussehenden blonden Mädchen. Irina, eine Freundin von Patrick macht sich auf, um den Froschkönig zu bekämpfen und gelangt dabei an eine Reihe von Zaubersprüchen. Im Büro eines Wissenschaftlers liegt die Leiche eines jungen Mädchens. Und eine alte einäugige Sagengestalt erwacht aus einem langen Schlaf und fordert alte Schulden ein. Kennt ihr den Dämmerzustand zwischen Wachsein und Schlaf? Den Zustand, in dem sich die Gedanken aufmachen und eigenen, nicht vorhersehbaren Wegen folgen? Genauso ist dieses Buch: Wirklichkeit und Traumwelt (oder besser in diesem Fall die Märchenwelt) fransen an den Rändern aus und vermischen sich. Das heißt jedoch nicht, dass es in dem Buch keine Handlung geben würde, ganz im Gegenteil. Während der Roman anfangs immer mehr Fragen aufwirft, werden diese durch die Autorin nach und nach beantwortet, soweit das möglich ist; denn genauso wie der Dämmerzustand bei jedem Menschen individuell ist, so ist auch die Wahrnehmung der Realität durch die Charaktere in dem Buch unterschiedlich. Dadurch bleibt es dem Leser offen, für welche Realität er sich entscheidet – oder sich Gedanken zu machen, ob es noch weitere Möglichkeiten gibt. Es gibt nicht die eine Lösung, sondern viele Lösungen, daher bleiben ein paar Fragen vage, was meiner Meinung hervorragend zu dem Roman passt. Die Autorin spielt sehr geschickt mit den Perspektiven und den beiden Realitäten: teilweise wechseln innerhalb weniger Sätze die Perspektiven und diese wiederum sind von verschiedensten Elemente der Märchen- oder Sagenwelt durchzogen. Der Roman hat eine Menge Charaktere, so dass ich anfangs befürchtet habe, den Überblick zu verlieren, aber das war unbegründet, da die Figuren irgendwie alle miteinander verbunden sind. Eine meiner Lieblingsfiguren ist Irina, eine Obdachlose mit einem ganz speziellen Hobby. Ihre Welt besteht aus wuchernden Dornensträuchern, Prinzen, die sich dämlich bei der Befreiung von Rapunzel anstellen und einem bösen und hinterlistigen Froschkönig, den es zu bekämpfen gilt. Ausgerechnet Irina, die den Eindruck macht, den Bezug zur Realität verloren zu haben, ist das Bindeglied zwischen der realen und der Märchenwelt – und mit ihren gefundenen Zaubersprüchen schubst sie die Handlung in die richtige Richtung. Katharina und Patrick muss man ebenfalls gern haben, sie sind herzensgute Menschen mit einem Handicap, die den Weg in die Freiheit suchen bzw. gefunden haben. Ein Rätsel geben die neun Mädchen auf, die bei Patrick leben und sich um den kranken Mann kümmern: warum sehen sich optisch alle gleich aus? Einige weitere Figuren kämpfen tagtäglich mit ihren persönlichen Dämonen, aber nach und nach bieten sich Auswege an, die Hoffnung geben. Dagegen geraten diejenigen mit offenen Schulden am Zahltag in ihren persönlichen, gruseligen Albtraum – und dass alles ohne Blutvergießen, dafür kann man diese Albträume durchaus als kafkaesk bezeichnen. Dabei zerfasern die Wirklichkeit und die Wahrnehmung der Schuldner, so dass sie diese unterschiedlich erleben. Und es stellt sich die Frage, ob sie wirklich etwas besseres als den Tod bekommen haben. Die Grundstimmung dieses hervorragenden Romans ist eher düster, aber am Ende auch hoffnungsvoll, jedenfalls für die Protagonisten, die keine offene Schulden haben. Mich hat der Roman völlig in seinen Bann gezogen und es hat mich überhaupt nicht gestört, dass manche Dinge am Ende vage bleiben, im Gegenteil, das passt so viel besser.

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  • Phantastisch und gut geschrieben, leider in der Handlung zu verwirrend

    Rattenauge  - etwas Besseres als den Tod
    Ein LovelyBooks-Nutzer

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    08. June 2013 um 18:02

    Dies ist definitiv eines der merkwürdigsten, phantastischsten und rätselhaftesten Bücher, das ich je gelesen habe. Und so gut mir auch der Schreibstil der Autorin gefällt, so richtig verstanden habe ich nicht, um was es inhaltlich geht. Die Grundidee, der Kriminalfall, der letztendlich das Resultat eines wissenschaftlich unseriösen Forschungsprojektes ist, ist richtig gut. Auch die psychotischen Verwirrungen der Personen sind richtig gut geschildert und lassen einen in ihre jeweilige Welt abtauchen. Doch es sind mir einfach zu viele Personen, die anscheinend verrückt geworden sind, und bei einigen weiß ich noch immer nicht, was sie mit dem Fall zu tun hatten. Selbst diejenigen, die ich bis fast zum Schluss für real und normal gehalten habe, erliegen am Ende einer surrealen Scheinwelt. Ich frage mich auch, was die Ratten überhaupt mit allem zu tun haben, aber ich denke, sie waren genauso wenig real wie (fast) alles andere. Oder war hier der Sensemann der Rattenfänger? Es gibt viel Spielraum für eigene Vorstellungen. Zu viel, denke ich. Nach dem ersten Drittel des Buches hätte ich beinahe aufgegeben, denn es war mir alles zu verwirrend. Lediglich meine Neugier und der angenehme Schreibstil haben mich weiterlesen lassen, doch leider wurde alles immer verworrener und bis zum Schluss entwirrt sich für mein Verständnis auch zu wenig. Wer also gerne rätselt und sich auch nach Beenden des Buches noch Gedanken über die einzelne Schicksale, deren Ende nicht unbedingt zufriedenstellend ist, machen möchte, der sollte sich dieses Buch zu Gemüte führen. Wer allerdings eine Handlung mit Hand und Fuß und vor allem einem richtigen, schlüssigen Ende erwartet, der sollte sich lieber etwas anderes suchen. Außerdem muss ich auch noch erwähnen, dass ich über so einige Rechtschreib- und Zeichensetzungsfehler gestolpert bin, mehrmals auch über fehlerhafte Grammatik oder fehlende Worte. Ich denke ein weiteres Lektorat wäre hier noch einmal angebracht. (Hinweis: Ich habe das E-Book gelesen)

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  • Jacqueline Spieweg - Rattenauge

    Rattenauge  - etwas Besseres als den Tod
    Marny

    Marny

    13. May 2013 um 19:24

    Patrik sitzt im Rollstuhl und lebt in einer verlassenen Fabrik. Bei ihm sind 9 Mädchen, die sich ähneln wie Spiegelbilder und eines Tages einfach auftauchten. Er weiß nicht, woher sie kamen und fürchtet den Tag, an dem sie ihm weggenommen werden. Als eins der Kinder verschwindet, versuchen die restlichen Mädchen, es vor ihm zu verheimlichen. Der Wissenschaftler Viktor Winter findet in seinem Büro eine Kinderleiche, welche ihn an 9 Mädchen erinnert, die ihm ihre Existenz aber auch ihren Tod zu verdanken hatten. An dieser Geschichte hat mir als erstes die dichte und wechselhafte Atmosphäre gefallen, die mich auf eine leise Art fasziniert hat. Die Sprache ist manchmal poetisch und transportiert viele Dinge. Bilder, Gefühle, Stimmungen. Auf eine ganz eigene Art und Weise, sehr intensiv. Es gibt unzählige Realitäten, die sich verändern und überschneiden. In diesem Ausmaß war das eine neue Erfahrung für mich, sowohl von der Anzahl als auch den unterschiedlichsten Sichtweisen her. Eine Erfahrung, die mir sehr gefallen hat, auch weil mein Kopf schön beschäftigt war und ich einfach in ganz unterschiedliche Richtungen denken konnte. Wo es so viele verschiedene Realitäten gibt, sind natürlich auch einige Figuren zu finden. Anfangs musste ich da schon ein wenig aufpassen, um auch alle zuordnen zu können. Aber da jede ihre ganz eigene Geschichte, individuelle Gedanken und Gefühle hatte, klappte das recht gut. Da gab es zu jeder Figur eine Verbindung, keine war mir gleichgültig. Später wechselt die Erzählperspektive dann auch öfter mal absatzweise, womit sicher nicht jeder klar kommt. Mir hat gefallen, dass dem Leser dort auch etwas zugetraut wird – und es hat Spaß gemacht, die Perspektiven so “ungeordnet” zu wechseln und manche Szenen aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu erleben. In dem Roman gibt es auch viele Verbindungen und Hinweise auf Märchen. Die eingestreuten Märchen-Aspekte sind ein fester Bestandteil und tragen zum besonderen Charme dieser Geschichte bei. Dabei geht es nicht nur um den Rattenfänger, der auf der Suche nach den Kindern ist. Es geht um viele Märchen und jeder entdeckt da wohl ganz unterschiedliche Hinweise. Auch aus der nordischen Mythologie taucht eine Figur auf, diese war mir zwar etwas zu weit weg, aber ich habe die Andeutungen doch sehr genossen. Im Verlauf der Geschichte fragt man sich immer öfter, was real und was Einbildung, Wahn oder Märchen ist. Die Grenzen verschwimmen, alles verbindet sich und wird miteinander verwoben, um es später wieder zu trennen. Das Ende kam für mich gefühlt plötzlich, aber nachdem sich mein Kopf eingeschaltet hatte und etwas sortiert hat, wirkt es auf mich dann doch rund. Nur wegen einer Figur grübele ich noch etwas… “Rattenauge” ist sicherlich keine Geschichte für jeden, aber alle, die tiefe Geschichten mit verschiedensten Realitäten, Märchenmotiven und einem gewissen Anspruch mögen, sollten es sich auf keinen Fall entgehen lassen! Ein spannender phantastischer Roman, der mich nicht nur fasziniert sondern auch noch länger beschäftigt hat.

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  • und wieder GRIMMiges Morden?

    Rattenauge  - etwas Besseres als den Tod
    ChristineElinor

    ChristineElinor

    06. April 2013 um 22:22

    Die Wechselwirkung zwischen Märchen und Mythen einerseits und der realen Welt andererseits ist derzeit ja eines der im Fernsehen hochgehypten Themen. Das liegt, wie jeder der sich auf Rattenauge einlässt, unschwer feststellen kann, dass unserer irrsinnige Welt eigentlich unter der Zuhilfenahme altbekannter Mythen erstaunlich stimmig zu erklären ist. Spiewegs eigenwilliger Fantasy-Roman beginnt mit Patrick, einem Mann, der an den Rollstuhl gefesselt, in einer alten Fabrik lebt und dort von 9 geheimnisvollen Kindern und einer Obdachlosen versorgt wird. Diese kleine Welt ist von Märchen durchwoben, die Kinder trinken aus Teetassen Zaubertränke und hassen den Froschkönig. Als eines der Mädchen spurlos verschwindet, verlässt Patrick seine abgeschottete Welt, und begibt sich auf eine gefahrvolle Suche. Erstaunlicherweise gerät er jenseits des Fabriktors nicht etwa in die Wirklichkeit, sondern wird immer tiefer in eine Geschichte gezogen, in der Mythos, Wahn und Wirklichkeit untrennbar miteinander verwoben sind. Spieweg schildert die Ereignisse in einer wunderbar zwischen Altertum und Moderne balancierenden Sprache aus verschiedenen, geschickt miteinander verwobenen Perspektiven heraus in einer Weise, die mir als bekennendem Liebhaber der alten nordischen Mythologie das Herz höher schlagen lässt. Das Aufgreifen der uralten Motive in einer zunächst modernen Welt, ist für sich gesehen schon so unterhaltsam und spannend, dass man fast vergisst, dass man eigentlich einen außerordentlich spannend und mitreißend geschriebenen Krimi liest. Die mythologisch vertrauten Figuren haben ebenso wie die modernen Protagonisten erhebliche Probleme damit, die vielschichten Verflechtungen ihrer Welten, die für die in Rattenauge geschilderten Ereignisse verantwortlich sind, aufzulösen. Weltenretten ist eben zu jeder Zeit und auf jeder Ebene ein schwieriges Geschäft, dem zu folgen für den Leser vergnüglich, spannend und entweder in Bezug auf Sagen und Mythen lehrreich oder erfrischend ist. Die dabei auftretenden von Spieweg mitreißend in Szene gesetzten Verwicklungen beschreibt der Klappentext aussagekräftig aber dennoch etwas lapidar mit: Als das Gewebe wieder getrennt und die Grenzen zwischen realer Welt und Märchen neu gezogen werden, finden sich manche der Romanfiguren am Ende auf der falschen Seite wieder." Das ist ungefähr so richtig, als würde man sagen, ein großer Bordeaux besteht auch nur aus vergorenem Traubensaft. Fazit: Dieses Buch ist eine unbedingte Leseempfehlung für alle, die sich auf eine Achterbahnfahrt zwischen Mythos und Metro einlassen wollen. 4,5 Sterne Ich gebe 3 Sterne für Bücher, die ich gern gelesen habe, 4 für Bücher, die ich guten Herzens weiterempfehle und 5 für die seltenen Bücher, die ich immer wieder lesen will und werde.

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  • Surreales Lesevergnügen

    Rattenauge  - etwas Besseres als den Tod
    stefanie_maucher

    stefanie_maucher

    29. March 2013 um 18:03

    Rattenauge ist ungewöhnlich, aber, mein Fazit vorweg: Lesenswert! Die Autorin, Jacqueline Sieweg, erzählt einerseits eine sehr düstere, böse und "reale" Geschichte über ein Experiment, das zu weit geht. 9 tote Kinder sind die dramatische Folge von Dr. Winters Versuchen. Andererseits erzählt sie ein Märchen. Oder besser gesagt: Viele der uns bekannten Märchen wurden neu erzählt, bzw. Elemente daraus in Kontext mit der "Realhandlung" gesetzt, sodass eine abenteuerliche Mischung aus Thriller und Märchen entstand. Die Übergänge zwischen "Realität" und "Märchen" finden fließend statt, wechseln, von Absatz zu Absatz, werden oft wie Brotkrumen in den Text gestreut. Oft brauchte ich einen Moment, um mich in diesen "Schlingen" zurechtzufinden. Doch wenn man sich auf diese Erzählform einlassen kann, der Text erst mal "fliesst", dann ist es sehr einfach, die Fäden zu verknüpfen, die Textebenen zu vereinen und das Gesamtbild zu erkennen. Mich hat Rattenauge eingefangen, wie der Rattenfänger die Kinder und die düstere Geschichte hinter dem Märchenwald wird mir noch eine Weile wie ein Stein im Magen liegen. Klare Kauf- und Leseempfehlung!

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