Jacques Poulin

 4 Sterne bei 42 Bewertungen

Lebenslauf von Jacques Poulin

Klassiker der frankokanadischen Literatur: Jacques Poulin, Jahrgang 1937, ist ein kanadischer Schriftsteller. Er studierte Psychologie und arbeitete nach seinem Abschluss als Übersetzer, bis er sich ganz dem Schreiben widmete.

Sein Debüt als Autor gab er mit seinem Roman „La Tournée d´automne“. Den Internationalen Durchbruch schaffte er mit seinem mehrfach ausgezeichneten und international bekannten Werk „Volkswagen Blues“. Mit diesem Buch schuf Poulin einen modernen Klassier der frankokanadischen Literatur.

Alle Bücher von Jacques Poulin

Cover des Buches Volkswagen Blues (ISBN: 9783446267619)

Volkswagen Blues

 (41)
Erschienen am 21.09.2020
Cover des Buches La Tournée d'automne (ISBN: 9782742709922)

La Tournée d'automne

 (1)
Erschienen am 15.01.1997

Neue Rezensionen zu Jacques Poulin

Cover des Buches Volkswagen Blues (ISBN: 9783446267619)M

Rezension zu "Volkswagen Blues" von Jacques Poulin

Amerikanische Franzosen oder französisches Amerika
michael_lehmann-papevor einem Jahr

Amerikanische Franzosen oder französisches Amerika

 

Es ist ein langer Weg. Und es ist eine Art zu Reisen, die in der Regel eher jungen Leuten mit Abenteuerlust zugeschrieben wird und nicht mittelalten Schriftsellern, wie Jack es ist.

Mit einem alten VW „Bulli“ ist er auf Fahrt. Auf der Suche. Nach seinem Bruder, von dem wenig mehr aktuell geblieben ist als eine alte Postkarte.

 

Es beginnt in Gaspé, genauer in der Meeresbucht etwas außerhalb des kleinen Ortes.

 

„Vor der Abfahrt prüfte er wie immer drei Dinge: dem Ölstand, das Eis im Kühlschrank und den Keilriemen des Lüfterrads.

 

„Der VW war uralt und verrostet, aber der Motor lief bestens“. Was sogar die Heizung im Bulli angeht, wo der Kenner weiß, dass nicht wenige der alten Camping Gefährte Probleme mit den Heizbirnen haben.

 

Aber um den Wagen muss man sich erstmal keine Sorgen machen. Alt aber zuverlässig, wenn man gewisse Regeln beachtet. Mit hochklappbarem Dach versehen und gemütlich.

 

Eine Fahrt, auf der Jack nicht lange, eigentlich nur zwei Seiten zu Beginn der Lektüre, alleine bleibt. Ein junges Mädchen in Begleitung einer Katze steigt ein. Eigentlich nur für fünf Kilometer in die Stadt, aber auch das wird anders werden, als was sich Jack eigentlich vorgenommen hatte.

 

Wie das junge Mädchen, so ist die Fahrt mit verschiedenen Begegnungen versehen, kreuz und quer durch den Nordamerikanischen Kontinent und damit kreuz und quer durch die Zeit, durch die Traditionen, die Klischees, die Träume und Visionen ebenso, wie durch abgehalfterte Realitäten und Menschen mit je eigener Geschichte, die Spuren hinterlassen hat.

 

Und allmählich schält sich ein roter Faden der Erzählung heraus. Jack, der Bulli , die Katze und das Mädchen finden Spur um Spur längst vergangener Zeiten. Zeiten der Gewalt gegen Indianer, Zeiten der französischen Dominanz in verschiedenen Gebieten, die eine Spur der Verwüstung damals hinterlassen, die in der Gegenwart mehr als nur zu ahnen noch ist.

 

„Das „Feld“, wie sie es nannten, war eigentlich nur eine von Grasbüschelnd bewachsene Brachfläche hinter dem Trailer Park. Der Kater streunte dort gerne herum. Offenbar hatte er nicht sehr viel übrig für Asphalt“.

 

Vielleicht auch nicht viel über für die Trostlosigkeit, die an manchen Stellen dem Land wie ein Geruch aus den Poren dringt in anonymen und verwahrlosenden Trailerparks genauso, wie im latent Gewaltgeschwängerten Chicago.

 

Und doch bietet diese Kulisse an Landschaften, Schönheit und Hässlichkeit, Moderne Erfolge und längst versiegte Träume den Hintergrund für nicht nur eine „Reise zu sich selbst“, die auch Leser außerhalb Amerikas an ihre Träume und die Veränderungen der Welt im Lauf der Jahrzehnte erinnert mitsamt der Frage, was das eigentlich ist, die eigene Person. Wie man so geworden ist, wie man ist und ob es einen Ausgang hinein in erfülltere und glücklichere Zeiten hingeben kann. Es ist dabei nicht unerheblich, dass Jack genau 40 Jahre alt geworden ist. Halbzeit im Leben quasi. Und Zeit für das eigene Erwachsenwerden, was in diesem Werk heißt, sich auf die Reise zu vielen orten hin zu begeben und am Ende darauf zu achten, ob und was all die Begegnungen innerlich auslösen.

 

Ein „privaten Talk“ mit einer „nackten Frau“, auch wenn dieser nur einen Dollar kostet, wird da nicht sonderlich hilfreich sein. Außer einen schalen Geschmack zurückzulassen.

 

In kurzen Kapiteln und sehr flüssig im Stil zieht Pulin den Leser unentwegt tiefer in die Persönlichkeiten und Lebensgeschichten seiner Protagonisten herein und bietet so am Ende eine wunderbare Lektüre über das Leben selbst und die große Reise, die dieses an sich darstellt.

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Cover des Buches Volkswagen Blues (ISBN: 9783446267619)renees avatar

Rezension zu "Volkswagen Blues" von Jacques Poulin

Roadtrip durch Amerika mit einem Blick in die Vergangenheit
reneevor einem Jahr

Dieses Buch konnte mich richtig begeistern. Ein Roadtrip durch Amerika wird hier beschrieben. Zwei vollkommen unterschiedliche Menschen begegnen sich und fahren gemeinsam durch Amerika. Jack Waterman, ein Schriftsteller, auf der Suche nach seinem Bruder Théo und die unstete und lesebegeisterte Halbindianerin Pitsémine, vom Schriftsteller Jack liebevoll wegen ihrer langen Beine Große Heuschrecke genannt, reisen zusammen von Quebec bis nach San Francisco in einem alten VW-Bus. So schrullig und liebevoll wie die beiden gezeichnet werden, erinnert mich das Ganze sehr an den französischen Film mit der wunderbaren Amelie. Doch genauso warmherzig wie die beiden beschrieben werden, wie die Annäherung der beiden funktioniert, werden auch Blicke auf die Geschichte Amerikas geworfen, auf die Annäherung der Weißen an die Indianer, die wenig warmherzig verlief, was auch immer wieder zum Ausdruck kommt und auch ungeheuer wichtig ist, denn nur ein nicht Vergessen und ein Aufarbeiten kann das Ganze verändern. Von daher kann die Annäherung der beiden Protagonisten auch als eine Metapher gedeutet werden. Wobei diese Annäherung der beiden Hauptfiguren auch voller weiser Blicke auf das Leben ist und sehr zum Nachdenken anregt. Allesamt ist dieses Buch eine perfekt gelungene Betrachtung der Eroberung Amerikas durch die europäischen Menschen und gleichzeitig ein wirklich gelungener Blick auf den Menschen und sein Handeln und Denken, egal ob Europäer oder Indianer, und damit auch ein Plädoyer gegen die Diskriminierung und ebenso ist dieses Buch eine Feier der Bibliophilie. Wunderbar! Und genauso interessant ist es, dass dieser in Amerika/Kanada schon 1984 erschienener Roman nun auch bei uns erschienen ist oder besser gesagt, erst jetzt bei uns erschienen ist. Ich wünsche diesem Buch wirklich viele Leser!!!

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Cover des Buches Volkswagen Blues (ISBN: 9783446267619)Wolfgang_Kunerths avatar

Rezension zu "Volkswagen Blues" von Jacques Poulin

Stilles "Roadmovie"
Wolfgang_Kunerthvor einem Jahr

Volkswagen Blues von Jacques Poulin wird schon als Kultbuch gepriesen, soweit würde ich zwar nicht gehen, das soll das Buch allerdings keineswegs herabwürdigen. Dieses geschriebene Roadmovie ist ein sehr ruhiges Buch, was aber meiner Meinung nach genau seine große Stärke ist. So wird die mehr oder weniger abenteuerliche Reise der beiden Hauptcharaktere Jack und Pitsémine in ihrer Langsamkeit sehr authentisch geschildert. Ihre Suche nach Jacks Bruder fließt eigentlich unspektakulär dahin, immer wieder unterbrochen und gleichzeitig bereichert von Nebengeschichten und teilweise unterhaltsamen Ereignissen. Die Beziehung der beiden entwickelt sich ebenso unaufgeregt und Pitsémines Katze und der VW Bus sind als Nebendarsteller eine absolute Bereicherung. 

Diese unaufgeregte  Handlungsschilderung ist sicherlich nicht jedermanns (-fraus) Sache, doch empfinde ich sie als perfektes Stilmittel für dieses Buch. Eine so lange Reise kann man meines Erachtens nur so perfekt schildern und die kleinen Geschichten rundherum, vor allem die Besiedlungs- und Ureinwohnerproblematik Amerikas betreffend, sind eine schöne Bereicherung. 

Wie anfangs erwähnt, vielleicht kein Kultbuch, aber ein sehr unterhaltsamer stiller Roman und von meiner Seite eine absolute Leseempfehlung.

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Gespräche aus der Community

Ein Träumer mit Schreibblockade auf der Suche nach seinem Bruder und Inspiration, eine Halb-Innu mit unersättlichem Bücherdurst und stetiger Rastlosigkeit, gebündelt in einem charmanten alten VW-Bus auf dem Weg in das Abenteur ihres Lebens. Mit viel Wärme, Einfühlungsvermögen und Witz erzählt Jacques Poulin eine Geschichte, die uns mit einem ungewöhnlichen Paar von Québec bis nach San Francisco führt. 

Wir suchen 35 Leser*innen, die das Buch vor dem Erscheinungstermin lesen
und auf LovelyBooks sowie drei weiteren Seiten rezensieren möchten.

Wer hat Lust, es sich auf dem Nebensitz eines sehr ungewöhnlichen Pärchens für einen Roadtrip durch Nordamerika gemütlich zu machen?

Diese Geschichte berührt das Herz und zeigt: manchmal ist die simple Bekanntschaft mit einem Fremden der Beginn eines neuen Selbst. 

Gemeinsam mit dem Hanser Verlag vergeben wir vor dem offiziellen Erscheinungstermin 35 Rezensionsexemplare von Jacques Poulins "Volkswagen Blues".

Wir möchten alle Gewinner*innen bitten, ihre Rezensionen bis zum 24.09.2020 sowohl hier auf LovelyBooks zu teilen, als auch auf drei anderen Plattformen (Buchshops, Blogs und Co.).

Hier können die Rezensionen geteilt werden:

- Amazon

- Thalia

- Hugendubel

- Instagram

- Facebook

- Blog

- Weltbild

- Pustet

- buecher.de

Wir freuen uns auf eure Rezensionen!

Bitte beantwortet folgende Frage, um teilzunehmen:
Würdet ihr einen Roadtrip machen wollen? Und wenn ja, wohin? Bitte gebt außerdem mit an, auf welchen 3 Seiten - zusätzlich zu LovelyBooks - ihr eure Rezension teilen werdet!

Wenn ihr keine Aktionen von den Hanser Literaturverlagen verpassen wollt, dann folgt der Verlagsseite.

232 BeiträgeVerlosung beendet

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