Jagoda Marinic Restaurant Dalmatia

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Inhaltsangabe zu „Restaurant Dalmatia“ von Jagoda Marinic

In diesem vielstimmigen Roman erzählt Jagoda Marinic poetisch und sensibel von Heimat und Identität als Voraussetzung für ein erfülltes Leben und die Freiheit, seinen Ort in der Welt zu finden. Mia ist am Ziel ihrer Wünsche: Sie erreicht in Kanada endlich den Durchbruch als Fotografin. Aber mit der ersten großen Auszeichnung, die sie ins Herz der Künstlerszene katapultiert, stellt sich nicht das große Glück ein, sondern die Blockade. Rafael, ihre große Liebe, überredet sie zu einer Reise nach Berlin, der Stadt, in der sie aufgewachsen ist. Als junges Mädchen war sie vor allem an einem Ort glücklich: Im Restaurant Dalmatia ihrer Tante Zora im Wedding. Dorthin kehrt sie zurück und diese Rückkehr wird eine Reise ins Gestern, ins Westberlin der Wendezeit und nach Kroatien, das Land ihrer Eltern.
Eine Suche nach Mias Jugend beginnt und es entsteht das Porträt charakterstarker Menschen wie Zora und deren Sohn Ivo, Mias Großmutter und Mutter, und wie nebenbei erzählt sich die Geschichte zweier Länder Europas, mit denen ihre Leben verwoben sind. Denn all diese Geschichten sind auch Mias Geschichte …

'Jagoda Marinic ist eine großartige Schriftstellerin, ganz nach meinem Herzen.'
Michael Krüger

Eine berührende Reise zu Mijas Wurzeln und wahrscheinlich auch zu den Wurzeln vieler kroatischer Gastarbeiterkinder!

— monerl

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  • Leserunde zu "Restaurant Dalmatia: Roman" von Jagoda Marinic

    Restaurant Dalmatia

    Hoffmann_und_Campe_Verlag

    Mia ist am Ziel ihrer Wünsche: Sie erreicht in Kanada endlich den Durchbruch als Fotografin. Aber mit der ersten großen Auszeichnung, die sie ins Herz der Künstlerszene katapultiert, stellt sich nicht das große Glück ein, sondern die Blockade. Rafael, ihre große Liebe, überredet sie zu einer Reise nach Berlin, der Stadt, in der sie aufgewachsen ist. Als junges Mädchen war sie vor allem an einem Ort glücklich: im Restaurant Dalmatia ihrer Tante Zora im Wedding. Dorthin kehrt sie zurück und diese Rückkehr wird eine Reise ins Gestern, ins Westberlin der Wendezeit und nach Kroatien, das Land ihrer Eltern. Eine Suche nach Mias Jugend beginnt und es entsteht das Porträt charakterstarker Menschen wie Zora und deren Sohn Ivo, Mias Großmutter und Mutter, und wie nebenbei erzählt sich die Geschichte zweier Länder Europas, mit denen ihre Leben verwoben sind. Denn all diese Geschichten sind auch Mias Geschichte ... Leseprobe Hast Du Lust, mit uns zusammen den Roman "Restaurant Dalmatia" von Jagoda Marinic zu lesen, es mit der Autorin und den anderen Lesern zu diskutieren und zu rezensieren? Dann bewirb Dich bis einschließlich 7. Oktober 2013 im Unterthema "Bewerbung" - wir freuen uns auf Deinen Kommentar! Jagoda Marinic ist gebürtige Kroatin und deutsche Autorin und Kolumnistin. Mit ihrem Erstling Eigentlich ein Heiratsantrag (2001) landetesie mit nur 23 Jahren einen großen Erfolg bei Kritik und Publikum. Für den Erzählband Russische Bücher (2005) erhielt sie den Grimmelshausen-Förderpreis. Ihr Roman Die Namenlose war für den Ingeborg-Bachmann-Preis nominiert und wurde von Der Spiegel zu den wichtigsten Neuerscheinungen des Jahres 2007 gezählt. Nach längeren Aufenthalten in Zagreb, Split, New York und Berlin lebt und arbeitet Jagoda Marinic derzeit in Heidelberg. Auf der Website der Autorin könnt Ihr noch mehr über Jagoda Marinic erfahren: http://www.jagodamarinic.de/ Achtung liebe Leser, natürlich endet die Bewerbungsphase fristgerecht und wir freuen uns auf weitere Interessierte!

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  • Restaurant Dalmatia

    Restaurant Dalmatia

    kolokele

    16. August 2014 um 09:57

    Mia, aufgewachsen in Deutschland mit Wurzeln in Jugoslawien, lebt nun in Kanada und ist Fotografin mit erfolgreicher erster Ausstellung. Wie es so ist, Erfolg allein macht nicht glücklich, wenn andere Dinge fehlen. Mia ist in irgendeiner Form gehemmt und das wirkt sich auch auf ihren Alltag und ihre Beziehung aus. Ihr Freund bringt sie dazu, nach Berlin zu reisen, dorthin wo sie herkommt, in der Hoffnung, dass sich die Probleme, die Hemmnisse oder was immer es ist, lösen lassen. Mia stellt sich ihrer Familie und ihrer Vergangenheit, kommt mit Verwandten ins Gespräch, erfährt viel über ihre Familie, setzt Bruchstücke zusammen, denn als Kind nimmt man doch vieles anders war, fehlt einem doch oft der Blick auf die Zusammenhänge. Ob es Mia "heilt", kann ich nicht abschließend beantworten, zumindest setzt sie sich mit vielen Dingen auseinander, die sie bisher nur verdrängt hat, vielleicht der richtige Weg. Das Buch hat mich einerseits fasziniert, weil es doch anders ist, als vieles, was ich bisher gelesen habe. Andererseits fand ich es auch etwas spröde und ließ mich etwas unbefriedigt zurück, ohne den Grund genau benennen zu können. Vielleicht ist mir die Thematik, das Gefangensein zwischen verschiedenen Welten/Ländern/Kulturen und damit die Gefahr, dass einem die eigenen Wurzeln abhanden kommen, einfach zu fremd.

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  • Restaurant Dalmatia

    Restaurant Dalmatia

    Tiffi20001

    24. March 2014 um 13:41

    Klappentext: Erinnerungen sind dein Leben, dein Anker. Von da aus, wenn du festgebunden bist, kannst du ganz leicht treiben und ruhen. Sonst bist du immer wie ein auf offener See: Kein Horizont in Sicht. Das hält die Seele nicht aus. In Kanada sagen sie, der Mensch kann sich neu erfinden. Die meisten tun nichts anderes. Natürlich kannst du dich neu erfinden. Aber nur aus dem Stoff, den du zur Verfügung hast. Man braucht viel Kraft, um aus alten Stoffen neue Kleider zu nähen. Diese Kraft hast du nicht, wenn du nur auf offenere See treibst. Buchgestaltung: Das Cover zeigt neben dem Titel „Restaurant Dalmatia“ in schwarz, drei Streifen in gelb, rot und grau. Das Cover gefällt mir leider nur teilweise, da es mir im Allgemeinen zu wenig aussagekräftig ist und keinen Einblick in das Buch erlaubt. Zudem ist es mir, obwohl kaum etwas auf dem Cover abgebildet, zu überladen. Den Titel dagegen finde ich ganz passend und auch der Klappentext ist gut gewählt, hätte jedoch auch noch aussagekräftiger sein können. Alles in allem gesehen ein Cover, das mich nur bedingt neugierig auf das Buch machen würde. Eigene Meinung: Die Handlung konnte mich im Gegensatz jedoch sehr überzeugen, sie konnte mich von Anfang an fesseln und ich konnte mich durch das ganze Buch hindurch in sie hineinversetzen. Die Thematik an sich finde ich auch sehr spannend und sie wurde im Buch gut umgesetzt. Die Figuren waren mir im Großen und Ganzen alle sehr sympathisch und ich konnte ihre Gedanken/Handlungen gut nachvollziehen. Die Sprache ist wirklich sehr ansprechend gelungen, sie ist sehr angenehm und flüssig zu lesen. Fazit: Ein Buch mit einer tollen Grundthematik und ein spannenden Handlung, das zu empfehlen ist. Autor: Jagoda Marinić ist gebürtige Kroatin und deutsche Autorin und Kolumnistin. Mit ihrem Erstling Eigentlich ein Heiratsantrag (2001) landete sie mit nur 23 Jahren einen großen Erfolg bei Kritik und Publikum. Für den Erzählband „Russische Bücher“ (2005) erhielt sie den Grimmelshausen-Förderpreis. Ihr Roman „Die Namenlose“ war für den Ingeborg-Bachmann-Preis nominiert und wurde vom Magazin „Der Spiegel“ zu den wichtigsten Neuerscheinungen des Jahres 2007 gezählt. Nach längeren Aufenthalten in Zagreb, Split, New York und Berlin lebt und arbeitet Jagoda Marinić derzeit in Heidelberg. Allgemeine Infos: Titel: Restaurant Dalmatia Autor: Jagoda Marinić Verlag: Hoffmann und Campe Seitenzahl: 239 Preis: 19,99 EUR ISBN: 978-3455404579

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  • Identität und Integration oder: die liebe Verwandtschaft!

    Restaurant Dalmatia

    wandablue

    12. February 2014 um 20:54

    Terézia Mora legt mir die Worte in den Mund, um die Handlungsträger des Romans „Restaurant Dalmatia“ zu beschreiben: wie gefordert und erhofft, liegen „unverwechselbare, existentiell relevante, psychologisch komplexe Beziehungen zwischen den Figuren“ vor, welche da sind: die Freunde und Familienangehörigen von Mia Markovich. Was will man mehr? Mia Markovich, ihr Name ist Programm. Denn Mia ist in Berlin Jugoslawin bzw. Kroatin, in Kanada jedoch ganz Deutsche. Im Süden, der alten Heimat ihrer Eltern sollte sie einfach nur zuhause und sie selbst sein: aber mitnichten, so einfach ist es nicht, denn die Heimat war kriegsüberzogen und vieles hat sich verändert. Und auch früher .... ja früher spielt eine grosse Rolle in diesem Buch, obwohl Mia nichts lieber täte, als dieses "früher" abzuschütteln. Restaurant Dalmatia ist natürlich ein Roman über Identitätssuche und über die liebe Vewandtschaft, von der man sich aus vielerlei gewichtigen und berechtigten Gründen losreißt und doch nie loskommt! Aber nicht nur! Geschrieben von der gebürtigen Kroatin Jagoda Marinic ist es für mich das rechte Buch zur rechten Zeit und insofern ein Glückstreffer! Es ist eine Studie über Fatalismus und die Rebellion dagegen, ein Familienroman, Gesellschaftsskizze, Beitrag zur Integration, Heimatverlust und Entfremdung. Ein tiefsinniges Wort reiht sich an das andere und ganz viele davon wandern in mein Büchlein aufzubewahrender Worte. Ob Mia am Ende findet, was sie sucht, bleibt ein bisschen offen. Dass die eingeflochtenen kroatischen Zitate und Redewendungen nirgendwo übersetzt sind, ist der einzige Wermutstropfen des Buches. Fazit: Ein rundum ungetrübtes tiefsinniges Leseerlebnis!

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  • Restaurant Dalmatia

    Restaurant Dalmatia

    buchstabentraeume

    Ich hatte das große Glück, dieses Buch zusammen mit anderen Lesern und der Autorin in einer kleinen, aber feinen Leserunde lesen zu können. Nicht nur die vielen Anmerkungen von Jagoda Marinic, sondern auch die Kommentare der Mitleser waren sehr hilfreich dabei, dieses Buch zu ergründen und es aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten. Deshalb an dieser Stelle ein Dankeschön an die Autorin und die anderen Mitleser. :-) Worum geht es? * * * * * * * * * * Mia lebt in Kanada, ist Fotografin, und befindet sich in einer Schaffenskrise. Seit sie für ihre Werke eine hochrangige Auszeichnung erhalten hat, scheint sie am Ziel ihrer Träume angekommen zu sein. Sie ist unmotiviert, unausgeglichen. Und das schlägt nicht nur ihr auf's Gemüt, sondern auch ihrem Partner Rafael, der Mia schließlich dazu bringt, in ihre alte Heimat Berlin zurückzukehren, um sich praktisch auf die Suche nach sich selbst zu begegnen. Denn Mias Schaffenskrise ist auf dem besten Weg, sich zu einer echten Lebens- und Identitätskrise zu entwickeln. Also reist Mia nach Berlin. In das ehemalige West-Berlin. Allein. Sie reist zurück in ihre Vergangenheit, zurück in das Gestern. Und gedanklich reist sie zurück nach Kroatien, das Land ihrer Eltern. Mia begibt sich auf Spurensuche und findet dabei Stück für Stück immer mehr zu sich selbst. Meine Bewertung * * * * * * * * * * * Mit seinen 240 Seiten ist „Restaurant Dalmatia“ ein eher dünnes Buch, aber es beinhaltet so viel. Im Vordergrund steht Mia, mitsamt ihrer ganzen Lebensgeschichte. Mia ist auf der Suche nach sich selbst, arbeitet in diesem Buch ihre Vergangenheit auf. Mia weiß nicht so richtig, wo sie herkommt. Und noch weniger scheint sie zu wissen, wo sie hingehört. Und so begibt sie sich zurück an den Ort ihrer Kindheit, den Wedding im ehemaligen West-Berlin, und trifft auf Menschen, die sie nicht vergessen hat, an die sie aber auch seit sehr, sehr langer Zeit nicht mehr bewusst gedacht hat. Und während vieler langer Gespräche, die sich stellenweise im Kreis drehen, stellenweise aber auch so viel Philosophie und Weisheit beinhalten, erkennt Mia sich selbst und findet vor allem den Weg zu sich selbst. Und damit verbunden sind die Lebensgeschichte ihrer Eltern und die Lebensgeschichte ihrer Großeltern, die auch einen gewissen Teil von Mia ausmachen. „Restaurant Dalmatia“ erzählt von Heimatlosigkeit, von unterschiedlichen Kulturen, die aufeinander treffen, von dem Gefühl, Gastarbeiter in einem fremden Land zu sein, von Krieg und Mauerfall. Nicht nur das Leben von Mia und den anderen Charakteren wird erzählerisch wiedergegeben, sondern auch das Leben zweier Länder: Kroatien und Deutschland. Dadurch springt die Handlung des Buches nicht nur zwischen den verschiedenen Charakteren, sondern auch zwischen verschiedenen Zeitebenen. Ich würde fast sagen, der Teil, der in der Gegenwart spielt, nimmt den geringsten Raum ein. Denn viel wichtiger ist, was in der Vergangenheit geschehen ist und was Mia letztlich so geprägt hat. Stellenweise war eine Handlung in diesem Buch gar nicht so wichtig, sondern Gespräche standen im Vordergrund. Aber meist wechselten sich intensive Handlung und ruhigere bis aufwühlende Gespräche einfach ab. Ich muss aber sagen, dass mich die Teile des Buches, in denen auch wirklich etwas passiert, mehr gefesselt haben. Die Dialoge waren teilweise schon so philosophisch und so voller Weisheiten, dass mir beim Lesen schon fast der Kopf gequalmt hat. Dann kamen Erzählstränge, in denen endlich wieder auch etwas Handfestes passiert, genau richtig. Die Lektüre von „Restaurant Dalmatia“ fand ich nicht ganz einfach. Das Buch ist doch recht anspruchsvoll geschrieben, teilweise muss man auch zwischen den Zeilen lesen. Jeder Satz drückt bewusst oder unbewusst so viel aus und man muss doch sehr konzentriert lesen, um alle Kleinigkeiten einzufangen. Gleichzeitig ist der Stil von Jagoda Marinic sehr sprach- und bildgewaltig. Sie spielt mit der Sprache und drückt mit wenigen Worten so viel aus. Es ist also kein Buch zum Nebenbei-Lesen, sondern erfordert schon die volle Aufmerksamkeit des Lesers. Ich glaube, mit meiner Rezension kann ich gar nicht ausdrücken, was die Lektüre von „Restaurant Dalmatia“ mit mir gemacht hat. Ich habe mir so viele Sätze markiert, die ich einfach besonders fand, die ich aber gar nicht weiter kommentieren kann, weil man sie einfach so im Raum stehen und auf sich wirken lassen sollte. Mein Fazit * * * * * * * „Restaurant Dalmatia“ ist trotz seines eher geringen Umfangs ein Buch mit enorm viel Inhalt und so vielen wundervollen Sätzen und kleinen Weisheiten, die man immer und immer wieder lesen könnte.

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  • Restaurant Dalmatia

    Restaurant Dalmatia

    nataliea

    "Restaurant Dalmatia" ist ein Roman, welcher eine höchst interessante Thematik der Gastarbeiterkinder behandelt. Mia ist mit ihren kroatischen Eltern in Wedding aufgewachsen und lebt jetzt in Toronto als Fotografin. Ihr Freund Rafael bestärkt sie, sich der Vergangenheit zu stellen und diese aufzuarbeiten, nachdem Mia eine Blockade bzgl. des Fotografierens hat. Sie reist nach Berlin und trifft die grantige Tante Zora wieder, welche Inhaberin des "Restaurant Dalmatia" ist. Auch Jesus ist dort anwesend, den sie im Teenageralter kennen gelernt hat. Durch lange Gespräche findet Mia sich selbst wieder und erfährt viel über die komplizierte Familienkonstellation und auch über schwergetroffene Entscheidungen. Ich hatte einige Schwierigkeiten anfangs in die Geschichte hineinzufinden, da der Schreibstil der Autorin sehr gewöhnungsbedürftig ist. Zum Einen ist dieser an einigen Textstellen sehr poetisch und lyrisch und zum Anderen teilweise eher trocken und schmucklos. Die Handlung an sich besteht aus sehr vielen und doch überschaubaren Zeitsprüngen in die Vergangenheit. Diese Rückblicke erstrecken sich auf die Kindheit, Besuche in Dalmatien oder solche der Familie. Der Roman regt zwar einerseits zum Nachdenken an, aber andererseits fehlt mir persönlich die Tiefe. Es sind einige gute Ansätze vorhanden, die ausbaufähig sind. Auch empfinde ich die äußerst langen Dialoge an manchen Stellen zu langatmig. Und ich bin etwas enttäuscht vom Ausgang der Geschichte, da ich der Meinung bin, dass man innerhalb ein paar Wochen keine Schaffenskrise überwinden kann bzw. sich selbst findet. Dieser Roman konnte mich demnach nicht ganz überzeugen.

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  • Auf der Suche nach Identität und Vergangenheit

    Restaurant Dalmatia

    abunchofcats

    Mia lebt in Kanada und arbeitet als Fotografin. Doch nach ihrer erfolgreichen ersten Ausstellung leidet sie unter einer Art Blockade, die sich auch negativ auf ihre Beziehung zu Freund Rafael auswirkt. Dieser fordert sie auf, sich ihrer Vergangenheit zu stellen und so reist Mia nach Berlin und trifft dort auf ihre Familie und die Spuren der Vergangenheit. Somit erfährt Mia viel über die Ereignisse der Vergangenheit im ehemaligen Jugoslawien und die Ära Tito, die die Menschen und somit auch sie geformt haben. Meine Meinung über das Buch ist sehr zwiespältig. Die Idee des Buches ist durchaus anssprechend und gelungen. Dennoch hapert es für mich als Leser an der Umsetzung. Es ist zum einen nicht überzeugend, dass einige Wochen in Berlin Mia mit der Vergangenheit und ihrer Identität versöhnen und sie gewissermaßen geheilt wieder nach Kanada zurück kehrt. Zum anderen sind viele Dialoge sehr in die Länge gezogen und das Erzählschema wird vorhersehbar. Rhetorische Fragen und Sätze, die sich um ein Wort oder eine Wortgruppe drehen, ziehen das Buch unnötig in die Länge. Des weiteren gibt es plötzliche Zeit- und Personensprünge, so dass man erst einmal überlegen muss, wo man sich als Leser nun befindet. Auf der positiven Seite steht wiederrum, dass man einen Einblick in die Welt der Verwandten bekommt und erkennt, dass sie alle ihr Schicksal haben und sie dadurch verändert wurden und auch Mia dadurch zu der Person wurde, die sie nun ist. Somit ist der Schluss des Buches auch versöhnlich, denn MIa nimmt ihre Identität an und fliegt zurück nach Kanada, auch wenn die letzten Seiten ein wenig zu rasch erzählt werden und dadurch ein wenig an der Oberfläche bleiben. Mein Fazit: Es war interessant, dieses Buch zu lesen, aber weiter empfehlen kann ich es nicht unbedingt.

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  • Rezension zu "Restaurant Dalmatia" von Jagoda Marinić

    Restaurant Dalmatia

    aba

    28. November 2013 um 14:16

    "Ana sah es als ihre Aufgabe, die Erde zu sein, eine Großmutter war die Erde, der Boden, in den eine Familie ihre Wurzeln schlägt" Mit welchen Konflikten müssen Einwanderer-Familien in Deutschland leben? Gegen wie viele Vorurteile müssen sie kämpfen? Fühlen sich die Jugendlichen in diesen Familien den Deutschen dazugehörig, oder leben sie in einer Art Zwischenraum? Zwischen Traditionen und Erinnerungen ihrer Eltern und dem Wunsch, ganz normal, wie alle anderen, zu sein? Mia, eine in Kanada lebende Künstlerin, kehrt nach langer Abwesenheit nach Berlin zurück, die Stadt, in der sie aufgewachsen ist. Im Restaurant "Dalmatia", das im Berliner Stadtteil Wedding liegt, hat sie die schönste Zeit ihrer Jugend verbracht. Zora, die Restaurantbesitzerin, ist Kroatin, genauso wie Mias Eltern. Schon die erste Begegnung mit Zora in deren eigener Umgebung ruft in Mia Erinnerungen an ihre Kindheit hervor, die tief in ihrem Inneren verborgen waren. Die Vergangenheit wird zur Gegenwart. Dies ist für Mia der Anfang von der Suche nach ihrer Identität, nach ihren Wurzeln. In "Restaurant Dalmatia" erzählt uns Jagoda Marinić die Geschichte von Mia, eine Geschichte, die nicht bei ihrer eigenen Geburt als Mija anfängt, sondern viel früher, in dem Land ihrer Eltern. Mia wird es während ihres Aufenthaltes in Berlin klar, dass sie sich von ihrer Vergangenheit abgelöst hat, dass sie irgendwann aufgehört hat, sie selbst zu sein. Während der Suche nach ihrer eigenen Identität erkennt Mia, was für eine Bedeutung ihre Vergangenheit für sie hat und wo ihre Wurzeln liegen. Sie erkennt, dass sie nicht nur das Kind kroatischer "Gastarbeiter" ist, sondern auch, dass sie die ganze Geschichte eines Landes in sich trägt, Traumata aus zwei Kriegen, das Los mehrerer Generationen mit allen ihren Erfolgen und Fehlern, Mütter und Väter, die in ihrer elterlichen Rolle teilweise versagt haben. Jagoda Marinić hat mich mit ihrer Erzählung tief gerührt. Auch wenn manche Dialoge und Auseinandersetzungen wichtig für Mias Erkenntnis waren, sind es die Erzählungen und Beschreibungen von vielen Ereignissen und Schicksalen, was mich bewegt, zum Teil sogar erschüttert hat. Wie Mia zu dieser Erkenntnis kommt, welchen Menschen sie auf der Suche nach ihrer verlorenen Identität begegnet, das erzählt uns Jagoda Marinić in ihrem Roman "Restaurant Dalmatia", der auch über das Schicksal einer ganzen Generation kroatischer Einwanderer erzählt, von "Gastarbeitern", die in Deutschland ein Zuhause gefunden haben, aber auch von denen, die sogar nach vielen Jahren, nach einem ganzen Leben vielleicht, in Deutschland nie richtig angekommen sind. "Restaurant Dalmatia" ist ein Roman mit nachhaltiger Wirkung. Noch lange werde ich daran denken. Mich beschäftigt außerdem die Frage, ob sich Mia ihrer Rolle als Mittlerin zwischen den Generationen und den Kulturen bewusst sein wird... Ich möchte davon ausgehen.

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  • Restaurant Dalmatia

    Restaurant Dalmatia

    Bella5

    Mein Resümee: Der Roman blieb leider hinter meinen Erwartungen zurück und konnte mich nicht ganz überzeugen. Kurzinfo: "Mia ist am Ziel ihrer Wünsche: Sie erreicht in Kanada endlich den Durchbruch als Fotografin. Aber mit der ersten großen Auszeichnung, die sie ins Herz der Künstlerszene katapultiert, stellt sich nicht das große Glück ein, sondern die Blockade. Rafael, ihre große Liebe, überredet sie zu einer Reise nach Berlin, der Stadt, in der sie aufgewachsen ist. Als junges Mädchen war sie vor allem an einem Ort glücklich: im Restaurant Dalmatia ihrer Tante Zora im Wedding.Dorthin kehrt sie zurück und diese Rückkehr wird eine Reise ins Gestern, ins Westberlin der Wendezeit und nach Kroatien, das Land ihrer Eltern. Eine Suche nach Mias Jugend beginnt und es entsteht das Porträt charakterstarker Menschen wie Zora und deren Sohn Ivo, Mias Großmutter und Mutter, und wie nebenbei erzählt sich die Geschichte zweier Länder Europas, mit denen ihre Leben verwoben sind. Denn all diese Geschichten sind auch Mias Geschichte ..." *Achtung - diese Rezension enthält Spoiler! Wer nichts über den Inhalt des Romans erfahren möchte, sollte diese Rezension NICHT lesen!* Zu Beginn der Erzählung hat Mia (nach einem Durchbruch!) eine Schaffenskrise, quasi eine Fotografierblockade. Die Beziehung zu Freund Rafael ist mir allerdings zu nahe am amour fou - Klischee gebaut. "Drama baby, drama!" würde Bruce Darnell sagen. Die Autorin hat versucht, einen Roman zu schreiben, der auch formal hohen literarischen Ansprüchen genügen soll. Literarisch-lyrische Passagen wechseln sich mit dialoghaft -prosaischen Abschnitten ab, was eigentlich sehr löblich ist, in Zeiten, in denen simpel geschriebene Groschenomane wie "50 Shades of Grey" publiziert werden. Die längeren Dialogpassagen in "Restaurant Dalmatia" fand ich aber etwas ermüdend. Die äussere Form soll Mias Seelenzustand, aber auch ihre hybride Identität widerspiegeln. Sie ist nicht nur ein "Zwitterwesen", sondern auch eine Art "Triplewesen" zwischen Elternheimat, Europa und Kanada. Interessant am Roman finde ich manche Details, etwa zu den Mentalitätsunterschieden Europa - amerikanischer Kontinent, in diesem Fall auch sehr treffend - Die Figur Jane packt selber an und hilft gern, das karitative Engagement hat einen ganz anderen Stellenwert als in Europa. Mias Eltern sind relativ hart, ihre Mama verteilt schon mal Ohrfeigen. Da fühlt sich Mia bei Tante Zora schon wohler. Die Tante scheint ganz die temperamentvolle Südländerin zu sein, die auch nicht zimperlich ist. Mia lernt den Spanier Jesus kennen und nimmt ihn mit ins Restaurant. Dieser Jesus gibt im Verlauf der Geschichte dann auch gerne fast messianisch anmutende Weisheiten von sich. Zum Stil - mir ist aufgefallen, dass die diakritischen Zeichen im nicht-deutschen Text mal gesetzt werden, und mal nicht, obwohl ja der Gebrauch nicht fakultativ ist. So ist die Zeichensetzung auf S. 27 noch korrekt, auf S. 43 fehlt sie aber bereits, wo sie eigentlich stehen müsste, weiter im Text steht dann auch "Toni Kukoc (sic!)", "Petrovic (sic!)" etc pp. Es fehlt die Einheitlichkeit bzw Konsequenz bzw korrekte Verwendung. Oder es werden Wendungen zusammen geschrieben, die man "auseinander " schreibt (etwa "Jeli (sic!) " anstatt von "Je li"). Der Lektor sollte dies in der 2. Auflage korrigieren, oder aber ganz auf das code - switching verzichten. Nach dem Motto - richtig oder gar nicht. Wozu hat man schliesslich einen Lektor ? :) Es ist kein Kapitalverbrechen, Fehler im kroatischen Text zu machen, jeder Autor wird seinem eigenen Text gegenüber nach einer Zeit "betriebsblind", aber solche Fehler sind durch ein sorgfältiges Korrekturlesen vor der Veröffentlichung des Hardcovers vermeidbar. Oder man schreibt eben auf Deutsch. Die Umschlaggestaltung des Buches ist so schön, die Form hochliterarisch, die Fehler im Text machen den kunstvollen Aufbau in meinen Augen aber fast zunichte. Nota bene - ich beziehe mich nicht auf die alternierende Schreibweise von Mias Vor-und Zunamen, denn die Schreibweisen des Namens sind ein bewusst gewähltes Stilmittel, das diverse Identitäten, auch den Assimilationsgrad illustrieren soll. Des Weiteren fehlt mir ein Glossar und Fussnoten oder Endnoten mit Übersetzungen. Natürlich dominiert der auf Deutsch geschriebene Text im Roman, sodass man auch argumentieren könnte, dass die Fremdsprache kaum ins Gewicht fällt. Eine Fuss-oder Endnote könnte aber falschen Einschätzungen entgegenwirken und hilfreich sein. Oder auch ein Glossar, weil manche Nuancen dem Leser sonst schlicht "durch die Lappen" gehen. Dies bedeutet auch "Extra-Arbeit" am Text, leider. Die "Sara" - Episode ist ein weiteres unverarbeitetes Trauma für Mia, ihre Kinder - Freundin verschwand spurlos, was Mia immer noch so sehr zu schaffen macht, dass es sie bis in ihre Träume verfolgt. Ein Puzzlestück zu Mias Labilität, quasi. Mir war das zu "dick aufgetragen." Der Handlungsstrang wird jedoch im Text nicht mehr aufgegriffen, und ich halte ihn für redundant, da man auch ohne ein solches Erlebnis eine Identitätskrise entwickeln kann. Schmunzeln musste ich über Zoras Sorge um Mias Gebärmutter, ein Leben ohne Kinder sei quasi wertlos und die 38jährige Mia nicht mehr die Jüngste (biologische Uhr, hallo!). Am Beispiel von Zora erfährt der Leser auch, dass Identität nichts Statisches ist & sich im Laufe des Lebens wandeln kann: "Die können unten nicht mehr mit mir, und ich kann nicht mehr mit denen." (S.68) Diese Passage gefiel mir gut. Es wird auch die Geschichte von Zoras Emigration erzählt. Eigentlich hätte sie als Teenager einen 30jährigen, wohlhabenden Witwer heiraten sollen, plante dann aber, mit ihrer mittellosen Jugendliebe nach Deutschland durchzubrennen. Am Bahnhof wurde ihr Freund verhaftet (Wehrdienst), und so machte sich Zora allein in die Fremde auf. Mia bedauert, kein Teil einer Generation gewesen zu sein, die die Liebe peu à peu entdeckte, wie sie überhaupt bedauert, nicht manche Erfahrung gemacht zu haben, die aber auch teils vom Vater als romantisierte Erinnerung ex post entlarvt wird. Vielleicht hat Mia das Gefühl, dass ihr durch den deutschen Erfahrungshorizont etwas entgangen ist, oder dass sie auch ein anderes Leben hätte leben können. Die Sommer in Dalmatien werden als schön und schrecklich zugleich dargestellt, an Mariä Himmelfahrt fällt das Kind in der überfüllten Kirche in Ohnmacht & wird von den Eltern ausgeschimpft. Es wird auch Mutter Majas Geschichte erzählt, wohin mit den Kindern, sie muss ja arbeiten gehen? Wieder eines zu den Großeltern oder nicht? Die Eltern werden ganz kirre von der ganzen Malocherei. Es kommt oft zu Gewalt, Streit, es hängen Prügel in der Luft. Mias Bruder Luka stellt sich gegen den Vater: "Er war kein Kind mehr in diesem Moment." Da dachte ich, dieses Satzes hätte es nicht bedurft, dem aufmerksamen Leser kommt doch dieser Gedanke ganz von selbst. Teilweise schrammt der Roman an manchen Stellen haarscharf am Kitschigen vorbei, am Klischee, am Pathos. Mia & Jesus setzen sich mit dem Rätsel der Identität auseinander, Jesus ist Mias Welterklärer und weiser Ratgeber. Ich habe mich gefragt, ob er real sein soll, oder eine Figur wie dem magischen Realismus entsprungen. Mia erkennt, dass es stereotype Zuschreibungen überall (!) auf der Welt gibt. Diese Passage fand ich banal. Kroatische Geschichtsverherrlichung, kroatischer Selbsthass, deutscher Selbsthass, German angst, perfides Albion, in diesem Fall aber kanadisch - amerikanisch. Mia tappt selbst in die Klischeefalle, gibt Phrasen und Floskeln von sich. "Europa ist ein altes Schiff..." tut Jesus die Binsenweisheit kund. Klug fand ich aber die Gedanken, die Mia zum Provisoriumscharakter des Lebens der Gastarbeitereltern hatte, sie vergleicht den Gegensatz Amerika /Brd. Ellis Island versus "Deutschland ist kein Einwanderungsland" (Zitat Kohl etc), bundesrepublikanisches Mantra. Hier hätte die Autorin ruhig weiter ausholen dürfen, da sie ja schon die Begrifflichkeiten anspricht. Der krampfige Sprachgebrauch : Gastarbeiter, Migranten, Migrationshintergrund, Damoklesschwert Doppelpass. Man darf bei allen Fehlern, die die Politik gemacht hat, nicht vergessen, dass (anfangs) viele Gastarbeiter tatsächlich den Plan hatten, in die alte Heimat zurück zu kehren, nach ein paar Jahren Arbeiten im Ausland. Aus diesen paar Jahren wurde nicht selten ein ganzes Leben, und natürlich gab es dann auch die Familienzusammenführung etc. Und ob man die USA/Kanada/Australien ausschliesslich als ein nur positives Vergleichsmodell heranziehen sollte ? Bei allen Punkten, die man positiv finden kann und muss, sollte nicht verschwiegen werden, dass es auch dort - obschon anders geartete - Integrationsprobleme gab und gibt. Auch ist es fraglich, ob es allen "Gastarbeitern" oder deren Nachkommen gefallen hätte, als "neue Deutsche" (wenn man also den Vgl zu New Australians zieht) betitelt zu werden. Da gibt es wohl so viele Meinungen wie Migranten. Mia hasst die Dankbarkeit ihrer Mutter. Die Migranten - Mutter geht nicht zum Elternabend (hallo, Klischee!). Mia sieht, dass auch sie selbst geprägt wurde von der elterlichen Erfahrung. Auch hier hätte die Autorin ruhig ein wenig elaborieren dürfen. So geht es mir oft mit dem Roman, wenn etwas anfängt, interessant zu werden, ist es schon wieder vorbei. Klar soll dies das Fragmentarische, Zerrissene von Mias Identität spiegeln, aber ich hatte als Leserin das Gefühl, mit vielen losen Handlungsfäden konfrontiert zu werden. Andererseits hätte ich auch gern mehr über Mias Werdegang erfahren, nicht nur von der Schulerfahrung. Wie und wo wurde sie zur Fotografin ausgebildet, gab es Mäzene, Mentoren, wie gestaltete sich dieser Aufstieg? Als Arbeiterkind hat sie ja eine beachtliche Karriere hingelegt, beachtlicher als viele mit einer "Monoidentität." Daraus könnte man ja auch folgern, dass sie nicht nur eine Labilität & Hang zur Depression mitbekommen hat (was ich nicht so abwegig finde), sondern auch große Stärke und grosses Potential, auch erst die Affinität zu Neuem, Fremden, Kanada. Manches nimmt sie so persönlich, bleischwer, wo bleibt ihr Humor, Sarkasmus ? Schwankt zwischen Komplexen und Wut als junger Mensch. Bei dummen "Balkan/Jugo" - Zuschreibungen hätte sie doch sagen können - "Klar, ich esse kleine Kinder." Stattdessen verkapselt sie die Kränkungen in sich. Während der Lektüre habe ich mich auch gefragt - wo ist das deutsche Umfeld ? Ich denke, dass jeder Nicht-Deutsche im Verlauf seines Lebens Erfahrungen mit Rassismus & Diskriminierung gemacht hat, offen oder versteckt. Aber gleichzeitig viel Gutes. Dieser Dualismus kommt mir im Roman ein wenig zu kurz. Eventuell hätte der Roman über eine humoristisch-sarkastische Schiene besser funktioniert, denn im Lachen offenbart sich oft das Grausamste. Oder auch als Kurzgeschichtensammlung. Es scheint, dass alle dt. Figuren im Roman negativ konnotiert sind, keinerlei positive Erfahrung wird geschildert. Darüber wunderte ich mich. Zur Familengeschichte - Mias "Heimat" ist das Restaurant Dalmatia, da das Verhältnis zu ihrer Kernfamilie recht konfliktreich ist. Der Vater hatte sich kaputt malocht & übertrug seine Unzufriedenheit auf die Kinder. Da er sein ganzes Leben lang geschuftet hatte & gar nicht mehr wusste, wie er als Person von der Arbeit zu trennen ist, fühlte er sich als Arbeitsunfähiger dann nutzlos. Seine Kindheit war hart & gänzlich unromantisch. Mit seinen Kindern konnte er nicht diskutieren. Im Roman wird das Phänomen der innerfamiliären Entfremdung, die oft mit dem Bildungserfolg der Kinder einherging, thematisiert. Ich hätte mir, wie so oft, eine ausführlichere Erzählung gewünscht, dies hätte aber wohl nicht zur Form des Romans gepasst. Mia hat überhaupt kein gutes Verhältnis zur Kern-Familie. Diese Familie tat ihr gar nicht gut. Ihre richtige Familie sind Zora, Cousin Ivo und Jesus. Jesus ist womöglich auch ein Vater-Ersatz, da sie mit dem richtigen Vater nicht reden konnte, Marko bemühte sich auch nicht. Mit zeitlichem Abstand vermisst Mia jedoch auch ihre Mutter, was evtl. ihre Transformation illustrieren soll. Mias Famile lebt auf der ganzen Welt verstreut, die räumliche Distanz ist auch verbunden mit einer bewusst oder unbewusst gewählten Abgrenzung. Cousin Ivo kehrte als in Deutschland sozialisiertes Kind in die Elternheimat zurück, seine nur vordergründige Begründung lautet, dass ihm "Berlin zu assi" sei. Sein alternativer, fleischloser Lebensstil unterscheidet sich jedoch sehr von dem seiner Eltern. Auch das Leben der Grosselterngeneration soll ein Schlüssel zu Mias Identitätskrise sein. Die Passage über die Einsamkeit von Mias Oma, über ihre Katzen und Schafe, fand ich stark. Diese hat mir am ganzen Roman am besten gefallen. Alle 5 Jahre wird sie an Weihnachten nach Berlin eingeladen, wo sie ein Plastikweihnachtsbaum und Familenstreit erwartet. Sie hat aber in ihrem Leben schon ganz andere Dinge erlebt und gesehen. Am Ende ist Mia mit ihren Identitäten versöhnt und kehrt als Mija Marković in ihre Wahlheimat Kanada zurück. Dieses Ende liess mich als Leserin etwas unbefriedigt zurück. Kann man innerhalb von ein paar Wochen eine Identitätskrise, eine "Sowohl-als-auch-Existenz" überwinden, etwas, für das andere Leute ein Leben lang brauchen ? Die heitere Grundstimmung kommt ein wenig deus ex machina, klar, die pessimistische, schwere Stimmung vorher im Text sollte auf diese Auflösung hinführen, dann ein offenes, aber versöhnliches Ende. Mia bleibt wohl "dazwischen". Ich bleibe als Leserin mit meinen Fragen allein: Wie lernte Mia Rafael kennen? Wie wurde sie Fotografin? Wie erging es ihren Eltern in der "alten Heimat", waren sie dann glücklich oder gebrochene Menschen? Was wurde aus Mias Brüdern ? Kann Mia wieder arbeiten, als Künstlerin ? Ist Jesus ein Symbol oder eine Person? Wie steht er zu Zora? Natürlich ist aber auch klar, dass der Focus der Erzählung primär auf Mia liegen soll und dass man daher wohl auf ein Panorama verzichten muss. Es fehlte mir bei aller Dramatik ein wenig an Tiefgang, an Ambivalenz im Text, da in der Gesamtschau Mias Leben aufgrund des Textes fast nur als ein problembehaftetes Leben angesehen werden könnte. Das war mir zu einseitig. Andererseits muss ich als Leserin auch akzeptieren, dass nun einmal bestimmte Schwerpunkte in einem Roman gelegt werden müssen. Fazit: Das fragmenthafte, lückenhafte Element, die Zeitsprünge, die nicht- lineare Erzählweise sollen ein Spiegel von Mias Seelenzustand sein. Der Aufbau soll den Inhalt reflektieren. Für mich funktioniert das aber nur bedingt, die Erzählung hätte wohl als Kurzgeschichtensammlung für meinen Geschmack besser funktioniert (nur meine Meinung, die nicht jeder teilen muss!). Ich hatte mich auf das Buch gefreut, seitdem ich von dessen Erscheinen gelesen hatte, denn es gibt zu wenig Romane über Gastarbeiterkinder, wie Mia eines ist. Es ist daher fantastisch, dass dieses Thema im vorliegenden endlich einmal zur Sprache kommt. Die Autorin schliesst fast eine Lücke. Es gibt massig Literatur (Romane, Biographien) über Spätaussiedler, Kontingentsflüchtlinge, Aufsteigerbiographien etc pp. Aber zur Arbeitsmigration in die Bonner Republik gibt es fast nur Forschungsliteratur. Oder Romane, in welchen ein Deutscher davon berichtet, wie es sei, in eine nicht-deutsche Familie einzuheiraten. Womöglich hatte ich deshalb einfach zu hohe Erwartungen an den vorliegenden Roman. Tolle Ansätze sind auf jeden Fall da, und ich frage mich, weshalb diese Ansätze oft im Ansatz stecken blieben. Der Roman liest sich sehr flüssig und die Autorin macht es dem Leser durch ihre Hinweise leicht, dem Text zu folgen. Ich habe mich während der Lektüre keine Sekunde lang gelangweilt, ich wollte stets wissen, wie es weiter geht. Ein paar Seiten mehr hätten der Geschichte sicher gut getan. Der Roman ist relativ kurz. Ganz wunderbar finde ich aber die Umschlaggestaltung und die Idee, die hinter dem Roman steht. Ich freue mich , dass diese Geschichte erzählt worden ist.

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    • 3
  • Sprachlich oft grandios, manchmal aber etwas sperrig

    Restaurant Dalmatia

    LeChristoph

    26. October 2013 um 16:34

    Mia, im Wedding aufgewachsene Tochter kroatischer Einwanderer, hat in Toronto den Durchbruch als Fotografin geschafft und sich mehr oder weniger vollständig von ihrer Familie und ihrem "alten" Leben losgesagt. Als sie von einer Schaffenskrise geplagt wird, reist sie auf den Vorschlag ihres Freundes Rafael (zu dem die Beziehung zu diesem Zeitpunkt auch etwas problematisch ist) für einige Zeit zurück nach Berlin, um sich mit ihrer Vergangenheit auseinanderzusetzen. Im Wedding trifft sie unter anderem auf ihre Tante Zora, die ebenso resolute wie grantige Chefin des "Restaurant Dalmatia" und den lebensklugen Herumtreiber Jesus. In langen Gesprächen findet Mia viel über sich selbst, das Leben in der Fremde, komplizierte Familienverhältnisse und schwerwiegende Entscheidungen heraus... Die große Stärke von Jagoda Marinics Roman ist seine große Sprachgewalt und die Fähigkeit, zwischen eher lakonischen, fast schon schroffen Passagen und poetischen Abschnitten zu wechseln. Die Handlung dagegen bleibt eher überschaubar und lebt von den vielen Rückblenden (Mias Kindheit, ihre sommerlichen Besuche in Dalmatien, das Leben ihrer engsten Verwandten etc.) sowie den oft brillanten, manchmal aber eben etwas langwierigen Dialogen der Protagonisten in der Gegenwart. Wie sehr anfängliche Eindrücke täuschen können, wird zum Beispiel an Zora, hinter deren burschikosem Auftreten sich eine tief verletzte, entwurzelte Frau verbirgt, grandios beschrieben. Insgesamt ein durchaus lesenswerter, sprachlich oft sehr gelungener Roman, der zum Nachdenken anregt - wenn man denn bereit ist, sich in die ein wenig sperrige und oft fragmentarische Erzählweise hineinzufinden.

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