Jake Hinkson

 4 Sterne bei 5 Bewertungen

Lebenslauf

Jake Hinkson erhielt einen MFA in Kreativem Schreiben von der UNC-Wilmington. Sein Roman „Hell on Church Street“ wurde 2016 mit dem französischen Prix Mystère de la Critique ausgezeichnet und No Tomorrow 2018 mit dem Grand Prix des Littératures Policières. Er lebt jetzt in Chicago, wo er an der Chicago Academy for the Arts Kreatives Schreiben unterrichtet.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Jake Hinkson

Cover des Buches Die Tochter des Predigers (ISBN: 9783910918320)

Die Tochter des Predigers

(3)
Erschienen am 07.10.2025
Cover des Buches Verdorrtes Land (ISBN: 9783948392369)

Verdorrtes Land

(2)
Erschienen am 18.10.2021

Neue Rezensionen zu Jake Hinkson

Cover des Buches Die Tochter des Predigers (ISBN: 9783910918320)
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Rezension zu "Die Tochter des Predigers" von Jake Hinkson

SalanderLisbeth
Scheinheilige Gottesfurcht im Bible Belt der USA

Als er den Gürtelclip endlich entfernt hat, schiebt er die Pistole ins Holster und legt beides zurück in die geräumige Mittelkonsole. „Ich wusste nicht, dass Sie eine Waffe haben“, sagte Lily. „Ich bin ein schwuler Mann in Arkansas“, antwortete er. „Selbstverständlich habe ich eine gottverdammte Waffe.“ Auszug Pos. 1901 von 3703

Die 18-jährige Lily Stevens lebt mit ihrer Familie in Arkansas in einer kleinen Gemeinde. Sie sind nicht nur Mitglieder der Oneness-Kirche, sogenannte Pfingstkirchler, die einen strengen Glauben leben, ihr Vater David ist auch der Prediger der kleinen Gemeinde. Das macht die aktuelle Situation noch schwieriger, denn Lily ist im 5. Monat schwanger und ihr Verlobter und Vater des Kindes, Peter Cutchin ist seit einigen Tagen spurlos verschwunden. Während jeder in der Gemeinde vermutet,  der 19-Jährige hätte wegen der Verantwortung kalte Füße bekommen und wäre kurz vor der Hochzeit einfach abgehauen, will Lily das nicht glauben. Für die eingeschworene Gemeinde ist eine sitzengelassene und hochschwangere Braut eine Katastrophe und Lilys Vater David Stevens wird dafür verantwortlich gemacht, seine Tochter nicht hart genug im Zaum gehalten zu haben. Er droht seinen Posten zu verlieren. Das Verhältnis zu Peters Mutter Cynthia ist schwierig, sie sieht Lily als Schuldige in Bezug auf die Schwangerschaft und dass Peter abgehauen ist. Sie legt die Heilige Schrift besonders streng aus und Handys sind für sie beispielsweise das Tor zur Sünde.

Außer an den Herrn und Sagrotan glaubt sie nur an die Unantastbarkeit der Mutterschaft, aber sie ist bei diesem Thema genauso unflexibel wie bei den anderen. Auszug Position 604 von 3703

Nachdem auch der Sheriff die Sache nicht ernst nimmt, wendet sich Lily hilfesuchend an Allan Woodson, einem Arbeitskollegen von Peter. Beide arbeiten an der Rezeption des Hotels Corinthian Inn. Es stellt sich heraus, dass Allan auch noch ihr Onkel ist, das Ergebnis einer lang verschwiegenen Affäre von Lilys Opa, ebenfalls Pfingstprediger vor über 40 Jahren. Lily bekommt mit, dass die Kriminellen Chance Berryman und Eli Buck ebenfalls auf der Suche nach  Peter sind und zu gewalttägigen Methoden greifen. Allan versucht anfangs noch, Lily von den beiden fernzuhalten, erkennt aber, dass er sich nicht länger raushalten darf. Im Corinthian Inn geht es um Prostitution Minderjähriger und Menschenhandel. Er kann Lily nicht alleine ziehen lassen, die zum ersten Mal in ihrem Leben die behütete Gemeinde der Pfingstler, Richtung Little Rock verlässt. Eine Spur führt sie in das von Eli geführte Bordell. In der Hauptstadt Arkansas wird Lily mit ihr bislang unbekannter brutaler Gewalt und niederen Abscheulichkeiten konfrontiert. 

Bei dem Roman handelt es sich mehr um ein Sozialdrama als um einen Thriller. Die im Präsens gehaltene Handlung mit wechselnden Erzählperspektiven schreitet gemächlich dahin, kommt mit gezügelter Action aus und weiß mit einigen Wendungen zu überraschen. Es kommt dann zu einer eskalierenden Gewaltszene, die aber nicht im Detail geschildert wird, die ich aber trotzdem zu heftig und übertrieben fand. Der Erzählstil ist leicht zugänglich, ich fand es von Anfang an sprachlich ohne jegliche Raffinesse. 

Positiv zu bewerten sind die Protagonisten Lily und Allan. Den Weg, den die bisher gehorsame Predigertochter Lily, die sich weder schminken noch die Haare schneiden oder Hosen tragen darf, zur mutigen Frau, die sich von niemandem aufhalten lässt, geht, ist glaubhaft geschildert. Sie zweifelt zunehmend an Gott, den sie in ihrer verzweifelten Lage vermisst, gibt aber ihren Glauben nicht auf. Auch Allan, ihr hühnenhafter, schwuler Onkel ein absoluter Sympathieträger, der zu Hause seinen Stiefvater pflegt, ist kein Superheld, hält sich mit Sarkasmus im Hintergrund und guckt oft weg, kann aber im entscheidenden Moment über seinen Schatten springen. Die Dialoge zwischen Lily und Allan sind lebendig und unterhaltsam, unterbrechen das Düstere. Alle anderen Figuren waren mir zu blass gestaltet. Die Kriminellen Chance Berryman und Eli Buck stehen sinnbildlich für White Trash, agieren aber sehr hirnlos und dämlich. 

Mit „Die Tochter des Predigers“, im Original „Find him“ hat der amerikanische Autor Jake Hinkson eine Geschichte in einem religiös geprägten Landstrich der USA angesiedelt. Man merkt, dass er weiß, wovon er spricht. 1975 in Arkansas geboren, wuchs er in einer frommen Familie auf. Sein Vater war Diakon einer evangelischen Kirche, mehrere Onkel Pastoren. Seit seinem 14. Lebensjahr lebte er in einer von seiner Familie geleiteten religiösen Gemeinschaft in einer abgelegenen Gegend, dem sogenannten Bibelgürtel der USA. In seinen Romanen behandelt er immer wieder die religiösen Strukturen im amerikanischen Bible Belt und kritisiert die heuchlerische und scheinheilige Gottesfurcht der Gemeinden.

Cover des Buches Die Tochter des Predigers (ISBN: 9783910918320)
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Rezension zu "Die Tochter des Predigers" von Jake Hinkson

Janko-Unchained
Jake Hinkson - Die Tochter des Predigers

Jake Hinkson - Die Tochter des Predigers

(Polar Verlag)

 

- hochemotionales und einfühlsam skizziertes Sozialdrama -

 

Conway, Faulkner County, Arkansas im September 2019. Die 18-jährige, schwangere Oneness-Pfingstkirchlerin Lily Stevens sucht ihren Verlobten Peter Cutchin. Vor einer Woche wollten sie heiraten. Peters Mutter Cynthia, ebenfalls Pfingstkirchlerin, wollte das nicht. Doch seit neun Tagen ist Peter wie vom Erdboden verschluckt und niemand weiß, wo er ist. Alle reden auf Lily ein, Peter sei vor der Verantwortung der Vaterschaft geflüchtet. Als die Highschool-Schülerin weder seitens ihrer Eltern, noch der Polizei oder gar der unverschämten und ignoranten Cynthia ernsthaft Hilfe erhält, überlegt sie sich auf eigene Faust nach ihrem Verlobten zu suchen. Zuvor hatte Lily erfahren, dass der ehemalige Schulschläger Chance Berryman und dessen gewaltbereiter Kompagnon Eli ebenfalls herauszufinden versuchen, wo sich Peter aufhält. Offensichtlich hatten die drei irgendein schräges Ding am Laufen. Da kann man sich als Leser schon denken, wohin der Hase läuft, doch der denkt gar nicht daran und wechselt die Spur, wie ein angeschossener Rammler..., eine falsche Fährte nach der anderen hinter sich herziehend.

 

Das hochemotionale, einfühlsam skizzierte und exzellent arrangierte Sozialdrama "Die Tochter des Predigers", des US-amerikanische Schriftstellers Jake Hinkson, geht mit den Startzeilen ordentlich zur Sache. Der 1975 in Little Rock, Arkansas geborene Autor gestaltet seinen Plot, den er in diesem religiös geprägten Landstrich ansiedelt und mit kleinen verstreuten Hinweisen versieht, aufwühlend und ereignisreich. Die düstere und mitreißende Story schreitet lange Zeit gemächlich dahin, kommt mit gezügelter Action aus, geht ansonsten aber runter wie Öl. Aufgrund der lebendigen und einnehmenden Konversation, die Hinkson zwischen seinen Akteuren aufbaut, taucht der Leser augenblicklich in die authentische, im Präsens gehaltene Handlung ein. Die eingeschworene Kirchengemeinde ist nicht pingelig, wenn es um sogenannte "Aufsässigkeit" geht und so bekommt auch Prediger David Stevens, seines Zeichens liebe- und verständnisvoller Vater der sitzengelassenen und schwangeren Braut, die Hölle heiß gemacht. Ohne Rücksicht auf Verluste schickt der Jake Hinkson, der heute in Chicago lebt, seine leidende und missverstandene Hauptakteurin in einen dreckigen, atmosphärisch dichten Sumpf aus Konservatismus, Misstrauen, Wut, Heuchelei, Falschheit, Abhängigkeit, Prostitution, Menschenhandel und brutaler Gewalt.

 

"Hätte er versucht, mich oder meine Nichte anzufassen, hatte ich vor, ihm das Hirn wegzublasen. Er scheint ohnehin nicht viel Verwendung dafür zu haben." Zitat S. 190

 

Außer ihrem Onkel Allan, der wie ihr Verlobter im Hotel Corinthian Inn arbeitet, scheint niemand ernsthaft Interesse daran zu haben, Lily bei ihrer Suche nach Peter zu unterstützen. Stattdessen beleidigt man ihre Intelligenz, vertröstet, belügt und verprügelt sie. Dass sich innerhalb des anspruchsvollen und komplexen Themas, mit seiner bedrohlichen Atmosphäre, sowie der ausführlichen und cinematischen Skizzierung des landschaftlichen Settings etwas Niederträchtiges und Schändliches zusammenbraut, ist so klar wie das Amen in der Kirche. Jeder hat sein Päckchen zu tragen. Lily plagen Selbstzweifel, Allan wird von Gewissensbissen zerfressen und Eli fängt irgendwann an Gespenster zu sehen. Allmählich zieht ein gewaltiges Sodom und Gomorrha über dem Faulkner County auf, das sich in einer Verkettung unglücklicher Umstände explosionsartig entlädt. Ein echtes Happy End sucht man, trotz der dezenten, aber kaum von der Hand zu weisenden Situationskomik, vergebens. "Die Tochter des Predigers" ist ein intelligentes, lesenswertes Sozialdrama im Thriller-Knuspermantel, über die Heuchelei so mancher Kirchengänger, deren falscher Stolz und der Frage, wem sie mit ihrer Haltung Schaden zufügen. Vor allen Dingen aber auch, ob sie damit leben können und was es mit den Betroffenen macht.

 

(Janko)

 

http://www.jakehinkson.com/

https://www.facebook.com/jake.hinkson.5

https://www.instagram.com/jakehinkson

 

Brutalität/Gewalt: 60/100

Spannung: 86/100

Action: 67/100

Unterhaltung: 90/100

Anspruch: 83/100

Atmosphäre: 82/100

Emotion: 83/100

Humor: 14/100

Sex/Obszönität: 30/100

 

https://www.lackoflies.com - Wertung: 87/100

 

https://www.lackoflies.com - Altersempfehlung: ab 15 Jahren (aufgrund diverser Schockmomente und des allgemeinen Kontexts)

 

Jake Hinkson - Die Tochter des Predigers

Polar Verlag

Kriminalroman / Thriller

ISBN: 978-3-910918-32-0

352 Seiten

Taschenbuch (Broschur)

Originaltitel: Find Him (2022)

Aus dem Amerikanischen von Jürgen Bürger

Erscheinungstermin: 07.10.2025

EUR 17,00 Euro [DE] inkl. MwSt.

 

Weitere Formate:

ISBN eBook (epub): 978-3-910-91839-9

Erscheinungstermin: 07.10.2025

EUR 11,99 Euro [DE] inkl. MwSt.

 

"Die Tochter des Predigers" beim Polar Verlag: https://polar-verlag.de/my-product/jake-hinkson-die-tochter-des-predigers

Cover des Buches Die Tochter des Predigers (ISBN: 9783910918320)
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Rezension zu "Die Tochter des Predigers" von Jake Hinkson

yellowdog
Donna Quichotte und Sancho Pansa

Die Tochter des Predigers hat eine spannende und interessante Story, die den Leser zu dem Buch lockt. Doch zu Beginn ist der Roman zu schleppend. Mit Ausnahme der 18jährigen Protagonistin Lily, die ihren verschwundenen Freund Peter sucht, sind die Figuren zu flach. Lebhafter wird es erst, als mit Allan Woodson eine komplexere Figur auftaucht. Lily und Allan werden ein Team auf der Suche nach Peter. Wie im Nachwort angemerkt wirken sie tatsächlich ein wenig wie eine Donna Quichotte und Sancho Pansa.
Auch die Dialoge haben jetzt mehr Pep.

Jake Hinkson hat mit Arkansas einen Schauplatz gewählt, den er gut kennt und entsprechend vermittelt. Das Buch hat einen Hauch von Country Noir.
Insgesamt habe ich es aber in erster Linie als Familiendrama gelesen.

Ein kluges Nachwort von Peter Henning schließt das Buch.

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