Jakob Knab

 5 Sterne bei 2 Bewertungen
Autor von Ich schweige nicht, Falsche Glorie und weiteren Büchern.

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Jakob KnabIch schweige nicht
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Ich schweige nicht
Ich schweige nicht
 (2)
Erschienen am 01.07.2018
Jakob KnabRacism in the Adventures of Huckleberry Finn
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Racism in the Adventures of Huckleberry Finn
Jakob KnabFalsche Glorie
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Jakob KnabOthos Principat in Rom - eine Analyse des Herrschers Marcus Salvius Otho
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Jakob KnabDer Einfluss der Perestroika auf die Protestbewegungen der DDR in den 1980er Jahren
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Der Einfluss der Perestroika auf die Protestbewegungen der DDR in den 1980er Jahren

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Sikals avatar

Rezension zu "Ich schweige nicht" von Jakob Knab

Ich schweige nicht
Sikalvor 22 Tagen


 

Hans Scholl wurde am 22. September 1918 geboren, liebevoll war sein Aufwachsen, von den Eltern immer in jeder Hinsicht unterstützt. Hans Scholl war 24 Jahre alt, als er von den Nationalsozialisten hingerichtet wurde.

 

Begeistert stürzte er sich anfangs in die Unternehmungen der Hitlerjugend, wurde auch bald zum Fähnleinführer und durfte sogar beim Reichsparteitag die Fahne tragen. Als alle Jugendverbände außer der HJ verboten wurden, organisierte Scholl im Geheimen noch einige Unternehmungen bis diese aufflogen. Ebenso wurde er von einigen Jungen denunziert und kam aufgrund seiner Homosexualität ins Kreuzfeuer der Gestapo. Langsam merkte Scholl auch, dass die Nationalsozialisten nie bereit sein werden, von ihrem starren Kurs abzuweichen.

 

Der Literaturliebhaber Scholl hatte kein Verständnis für die Bücherverbrennungen oder die Liste der verbotenen Bücher der Nazis. Bereits als Jugendlicher war er z.B. Stefan Zweig zugeneigt, vertiefte sich immer mehr in die Dichter und Denker (Platon, Nietsche, …), Philosophie wurde zu seiner Leidenschaft.  Viele Bücher las er in französischer Sprache, weil er unbedingt fließend Französisch sprechen wollte.

 

Scholl war selbst ein Denker, philosophierte oftmals mit seinen Geschwistern oder Freunden über seine Anschauungen über politische, aber auch religiöse Themen. Besonders während seiner Haft wandte er sich immer mehr der christlichen Religion zu. Seine Ansichten und der christliche Glaube ließen sich seiner Ansicht nach nicht mit dem Gedankengut der Nationalsozialisten in Verbindung bringen. Die Idee zum Widerstand war geboren …

 

„Als wissbegieriger junger Mensch war er stets offen und empfänglich für alles Wahre, Gute und Schöne. Als Medizinstudent, Sanitätsfeldwebel und angehender Arzt ließ er sich vom namenlosen Leid der Opfer, vom Elend und Grauen des Krieges anrühren. In seiner Suche nach Sinn entdeckte er die christliche Gläubigkeit.“

 

Als Hans Scholl an die Front nach Russland musste, war er erschüttert von den Grausamkeiten, die sich dort abspielten. Es umfasste ihn eine ziemliche Schwermut, mit der ein so junger Mensch erst mal zurechtkommen musste. Immer wieder wünschte er sich geistigen Austausch und vertraute Gespräche herbei. Auch noch nach seinem Fronteinsatz sprach er viel mit einem Priester und festigte in dieser Zeit wohl seine Wünsche zum Widerstand.

 

Ein großer Teil dieser Biographie zeigt den Prozess, wie Scholl zum Widerstand kam, welche Gedanken ihn begleiteten und wie hektisch (und oft unüberlegt) er getrieben wurde. Besonders in seiner letzten Zeit soll er sich Aufputschmittel besorgt haben, um diesen (selbst auferlegten) Druck aushalten zu können.

 

Doch nicht nur Hans und Sophie Scholl bekommen Raum in diesem Buch, auch die anderen Unterstützer der Weißen Rose und Verfolgten des Regimes erhalten ihren Platz. Die Fakten rund um Verhaftung, Prozess, Hinrichtung, die Beziehung zu den Eltern – natürlich liest man auch darüber.

 

Zum Schluss gibt es noch ein Kapitel über die Erinnerungskultur und Rezeptionsgeschichte, das Wachhalten des Mythos „Weiße Rose“. Im Anhang finden sich die Texte der Flugblätter, die den Geschwistern Scholl und Christian Probst letztendlich zum Verhängnis wurden.

 

„Eine Erinnerungskultur, die sich auf ein hohes Maß an historischer Kenntnis, politischer Bildung und ethischer Urteilskraft stützt, stiftet Sinn und bildet Identität, wenn um eine humane Orientierung gerungen wird. – Es lebe die Freiheit.“

 

Dem Autor Jakob Knab ist hier eine sehr eindrucksvolle Biographie gelungen, die ich gerne gelesen habe. Auch wenn ich schon mehrere Bücher über Hans Scholl und die Weiße Rose kenne, fand ich hier den Schwerpunkt über die Sinnfindung sehr interessant. Gerne vergebe ich 5 Sterne.

Kommentare: 1
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Igelmanu66s avatar

Rezension zu "Ich schweige nicht" von Jakob Knab

Die Kraft zur Auflehnung
Igelmanu66vor 3 Monaten

»Gibt es, so frage ich Dich, der Du ein Christ bist, gibt es in diesem Ringen um die Erhaltung Deiner höchsten Güter ein Zögern, ein Spiel mit Intrigen, ein Hinausschieben der Entscheidung in der Hoffnung, daß ein anderer die Waffen erhebt, um Dich zu verteidigen? Hat Dir nicht Gott selbst die Kraft und den Mut gegeben zu kämpfen? Wir müssen das Böse dort angreifen, wo es am mächtigsten ist, und es ist am mächtigsten in der Macht Hitlers…
Wir schweigen nicht, wir sind Euer böses Gewissen; die Weiße Rose läßt Euch keine Ruhe!«

 

Wer Hans Scholl war, muss man niemandem erklären. Obwohl, oder gerade weil er nur 24 Jahre alt wurde. Biographien und Bücher über ihn mit unterschiedlichen Ansätzen gibt es auch schon, dieses hier fragt schwerpunktmäßig danach, was Scholl beeinflusste und prägte, welche Gedanken ihn bewegten und motivierten.

 

Hans Scholl wurde am 22. September 1918 geboren. Wie so viele andere Jungen machte er begeistert bei der HJ mit, war dort so erfolgreich und engagiert, dass er bald Fähnleinführer wurde und 1935 beim Reichsparteitag in Nürnberg Fahnenträger war. Was geschah dann? Was bewegte ihn zum Umdenken, zur Neuorientierung?

 

Es gibt kein einzelnes Erlebnis, was da heraussticht, vielmehr war es die Summe von Erlebnissen und Gelesenem, die letztlich einen extremen Standpunkt in einen gegensätzlichen wandelte. Schon der Junge versank in Büchern, doch waren es bei ihm keine Jugendliteratur, sondern Autoren wie Rilke oder Stefan Zweig, die ihn fesselten. In der Folge kamen zahlreiche Denker dazu, nicht wenige ihrer Werke waren schon schwer zu bekommen, da mittlerweile verboten. Scholl las Nietzsche und Platon, diverse Werke von Kirchenlehrern, er las französische Autoren – im Original, da er die Sprache liebte und lernte, bis er sie fließend sprach. Fasziniert las ich, welch umfangreiche private Bibliothek Scholl besaß und fragte mich mehr als einmal, wo er eigentlich die Zeit hernahm, all diese Werke zu lesen!

 

»Er war auf der Suche nach Wahrheit, seiner eigenen Wahrheit. Er spürte die Unruhe, die ureigene Notwendigkeit der jungen Generation, seinen eigenen Weg zu erkunden. Er wollte das einfordern, was ihm wahrhaft gehört: sein eigenes Leben. Seine „Lesewut“ erfuhr er als große Möglichkeit, zu seiner eigenen Lebensspur und seiner persönlichen Freiheit zu finden. Autoren und deren Bücher begleiteten und prägten seine geistige Entwicklung. Seine private Bibliothek gehörte zu seiner Identität.«

 

Wie sollten einem jungen Mann, der so viel las und über das Gelesene nachdachte, nicht arge Zweifel kommen an dem, was er täglich erlebte? Eine Anklage wegen homosexueller Handlungen und eine anschließende mehrmonatige Haft lösten eine erste Krise aus und gaben ihm noch mehr Zeit und Anlass zum Nachdenken.

Der Medizinstudent war natürlich auch Soldat und als Sanitäter an der Front. Großes Mitleid mit den zahllosen Opfern des Kriegs erfasste ihn. Scholl wendete sich zum Christentum, in Hitler erkannte er das Böse, das es zu bekämpfen galt.

 

Dieses Buch begleitet Scholl durch seinen Sinnfindungsprozess. Was gut ist und was böse, diese Frage hat er sich nicht leichtgemacht. Zudem hatte er wohl eine depressive Veranlagung, immer wieder war er von Niedergeschlagenheit geplagt, dann sprach er von „dunklen Schatten“, die ihn umgaben. Er hatte starke Stimmungsschwankungen, wenn er gut drauf war, war er ein charismatischer Anführer und ein Frauenschwarm. Die Liste seiner Frauenbeziehungen ist lang, erneut fragte ich mich, wo er die Zeit hernahm. Bücher, Diskussionen, Medizinstudium, Sanitätsdienst, Widerstand, Frauen – sein Tag muss mehr als 24 Stunden gehabt haben.

Tatsächlich gibt es Anzeichen für Medikamentenmissbrauch, es wäre auch leicht für ihn gewesen, sich Pervitin oder z.B. Ephedrin zu besorgen. Er wirkte wie ein Getriebener, als wenn er unterbewusst ahnte, dass ihm nicht viel Zeit blieb.

 

Die Widerstandstätigkeit mit der Weißen Rose wird natürlich ausführlich dargestellt. Die Weiße Rose, das waren bei weitem nicht nur Hans und Sophie Scholl, der Autor würdigt hier auch die übrigen Mitglieder. Entstehung der Flugblätter und Verteilung, Kontakte zu anderen Köpfen des Widerstands, Gefangennahme, Prozess, Hinrichtung – all das findet sich selbstverständlich im Buch.

 

Sehr gut gefiel mir der Abschnitt zur Erinnerungskultur. Dabei wird erläutert, wie wertvoll diese ist, es werden verschiedene andere Biographien, Bücher und Filme vorgestellt und verglichen. Die vielen nach den Geschwistern Scholl benannten Schulen, Plätze, Orte finden ebenso Erwähnung wie die regelmäßig stattfindenden Gedächtnisvorlesungen. Aus einigen gibt es Auszüge zu lesen, sehr wertvolle Worte waren dabei! Im Anhang finden sich sämtliche Flugblätter, einschließlich des Entwurfs für Flugblatt Nummer VII, das nicht mehr fertiggestellt werden konnte.

 

Fazit: Wie fand ein intelligenter junger Mann die Kraft zur Auflehnung? Hochinteressant und auch heute von großem Wert. Nicht immer einfach zu lesen, da teils recht philosophisch, aber es lohnt sich.

 

»Die Geschichte des Widerstandes gegen das NS-Regime bleibt eine Herausforderung für die nachlebenden Generationen. Erinnerungskultur ist unverzichtbar. Nur wer die eigene Identität als Ergebnis vorausgegangener Entwicklungen kennt und auch auslegen kann, wird die Gegenwart verantwortungsvoll gestalten und der Zukunft unverzagt entgegengehen.«

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