Jakob Nolte

 3.4 Sterne bei 7 Bewertungen
Jakob Nolte

Lebenslauf von Jakob Nolte

Jakob Nolte wurde 1988 in Gehrden geboren. Er wuchs in Barsinghausen am Deister auf und studierte danach Szenisches Schreiben in Berlin. In Zusammenarbeit mit Michael Decar schreibt er Theaterstücke. Er debütierte 2016 mit dem Roman "Alff", der mit dem Kunstpreis Literatur ausgezeichnet wurde. Nolte erhielt im selben Jahr ein Stipendium der Villa Kamogawa in Kyoto. Sein zweiter Roman "Schreckliche Gewalten" wurde für den Deutschen Buchpreis 2017 nominiert. Nolte lebt in Berlin.

Alle Bücher von Jakob Nolte

Schreckliche Gewalten

Schreckliche Gewalten

 (5)
Erschienen am 27.03.2017
Alff

Alff

 (2)
Erschienen am 17.08.2015

Neue Rezensionen zu Jakob Nolte

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Rezension zu "Schreckliche Gewalten" von Jakob Nolte

Das Cover ist Programm
Archervor einem Jahr

Man muss dem Verlag zugutehalten, dass er diesen Roman wohl selbst nicht ernst nimmt, denn das Cover haben sie bestimmt von den malenden Affen im Krefelder Zoo entwerfen lassen. Das Cover ist auch noch das Beste am Buch. Und was eine Jury als Kunst betrachtet, nun, dafür kann so ein Verlag nun echt nichts.

Worum geht's? Keine Ahnung. Aber spekulieren. Ich stelle mir folgendes Szenario vor:
Verleger und/oder Agent kommen zum Autor und sagen: Weißt du was? Dein Erstlingswerk hat sich gut gemacht, schreib doch mal was Neues, was Tiefsinniges, so was, wie du immer in dein Buch da kritzelst.
Der Autor schaut pikiert auf und sagt: Hey, ich schreibe da nichts. Das ist ein Zeichenbuch für Erwachsene, ich male die Mandalas aus. Solltest du auch mal probieren, ist voll Hare Krishna und so.
Ach, egal, sagen Verleger und/oder Agent. Bald ist wieder dieses Dings, wie heißt das?
Deutscher Buchpreis?, fragt der Autor, während er sorgfältig - die Zungenspitze zwischen die Zähne geklemmt -, ein helles Rot auswählt.
Genau, das Dings. Also, schreibst du was?
Klar, wenn ich die Blüte ausgemalt habe. Apropos Blüte, hast du schon mal Bachblüten ausprobiert? (Hält ihm eine Pflanze vor die Nase.)
Das ist Hanf!, empören sich Verleger und/oder Agent.
Ja, voll gut. Wird man ruhig und kriegt auch schöne Träume. Fast wie Mandalas. Manchmal wird man auch aggressiv.
Ach, egal, wiederholen Verleger und/oder Agent. Schreib das so, Longlist ist sicher.
(Sie hatten Recht.)

Kommentare: 8
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Rezension zu "Schreckliche Gewalten" von Jakob Nolte

Bestenfalls schräg - in jedem Fall eine Zumutung!
pardenvor einem Jahr

BESTENFALLS SCHRÄG - IN JEDEM FALL EINE ZUMUTUNG!

Eines Nachts verwandelt sich Hilma Honik in einen Werwolf und tötet ihren Mann. Von nun an sind ihre beiden Kinder auf sich selbst gestellt : immer in der Angst, die Bestialität liege in der Familie und könne auch von ihnen Besitz ergreifen. Während sich Iselin dafür entscheidet, in ihrer Heimatstadt Bergen mit ihren Mitbewohnerinnen die Terrorzelle »Mädchen im System« zu gründen, bereist Edvard die Ränder der Sowjetunion auf seinem Weg nach Afghanistan. Es beginnt eine fantastische Sinnsuche durch das 20. Jahrhundert und die Unwägbarkeiten menschlichen Verhaltens. In seinem zweiten Roman zeichnet Jakob Nolte einen schwarzen Regenbogen des Horrors über die Welt und erweist sich dabei als detailverliebter Nihilist und Meister des Wahnwitzes.

So, nun bekomme ich nach der Lektüre dieses ... Buches das debile Grinsen nicht mehr aus dem Gesicht. Leider nicht, weil das Lesen des neuesten Werkes von Jakob Nolte mich so begeistern oder amüsieren konnte, sondern weil ich endlich, endlich auf der letzten Seite angekommen bin. Neugierig wurde ich auf das Buch (Roman mag ich tatsächlich nicht sagen), als es auf der diesjährigen Longlist des Deutschen Buchpreises auftauchte. Und ähnlich wie bei dem zuvor gelesenen Roman 'Katie' von Christine Wunnicke (ebenfalls von der Longlist) erwartete mich hier eine Überraschung. Diesmal jedoch eher in Richtung Hirnerweichung.


"...setzte sich außerdem für ein Samisdat ein. Sie (...) hatte schon lange an einem Manifest über die Verneinung des Kollektivs gearbeitet, einer Abhandlung über das Okkulte, die Partei und die Masse, über die Theorie des Miasmas, die den üblen Dunst beschreibt. Sie war fasziniert von der Mathematik des Rudels. Wie aus der Gemeinsamkeit eine Gefahr erwächst, der ansteckende Effekt der Zugehörigkeit, deren einziger Zweck es ist, die Krankheit einer Idee zu übertragen."


Doch worum geht es hier eigentlich? Mühsam lässt sich tatsächlich zwischen den gefühlt drei Millionen Einschüben so etwas wie ein Grundgerüst erkennen, das die Geschichte, sofern es denn eine ist, fragil zusammenhält. Eine Mutter aus Bergen (Norwegen) entpuppt sich im Jahre 1973 mit über 50 Jahren plötzlich als Werwolf, tötet ihren Mann, flieht und lässt ihre 20jährigen Zwillinge Edvard und Iselin allein zurück. Während Iselin in Bergen bleibt, im Haus ihrer Eltern eine WG gründet, versuchsweise zur Terroristin wird und schließlich eine lesbische Beziehung aufnimmt, flieht Edvard vor dem erlebten Horror und der großen Angst, dass das Werwolf-Gen auch auf ihn gekommen sein könnte. Über Litauen macht er sich auf den Weg nach Afghanistan und gründet dabei eine nihilistische Straßenbande. Diskutiert wird dabei über Gott und die Welt, vermutlich gerade so, wie es dem Autor gerade quer in den Kopf kam und meist ohne jeglichen Zusammenhang zu dem gerade zuvor Geschriebenen.


"Thomas Mann war ein deutscher Mann der Mann-Familie, der auf Männer stand. Heute ist er niemandem mehr ein Begriff. Dabei galt er als Begründer des höheren Abschreibens, einer Methode des geistigen Diebstahls, die mit den Mitteln der modernen Forensik fast unmöglich nachweisbar ist. Es ist eine der schwierigsten Techniken der Kulturgewinnung."


Anhand der Geschichte der Geschwister laviert sich Jakob Nolte nebenbei durch eine Beleuchtung der Gewalttaten in den 1970er Jahren: das Münchner Olympia-Attentat 1972 ist ebenso Gegenstand  der Erzählung wie die Untaten japanischer oder palästinensischer Terrorgruppen, die RAF, der Stellvertreterkrieg in Angola, der sowjetische Unterdrückungsapparat u.a.m. Eine chronologische Erzählweise, psychologisch motivierte Figuren oder auch nur nachvollziehbares Handeln sucht man hier vergeblich. Der wilde Drang, 'anders' zu erzählen, bricht sich hier Bahn - und dies hat dem Buch vermutlich die begeisterten Stimmen im Feuilleton beschert sowie besagten Platz auf der Longlist des Deutschen Buchpreises. Beim Lesen drängten sich mir abwechselnd zwei Gedanken auf: entweder zu blöd für diese Art 'höherer Kunst' zu sein oder aber als eine der wenigen den 'Hurz-Effekt' (Hape Kerkeling lässt grüßen) zu durchschauen. Ich neige schlussendlich zu Letzterem.


"Eine Stadt zu sein heißt, Ballung zu sein." (...) "Würdest du sagen, dass eine Stadt ein Diamant ist und das Land Kohle?" - "Nein, das finde ich zu ungenau. Die Konzentration in einem Diamanten ist viel größer. Es ist eher so, dass Land Holz ist und eine Satd Holzkohle (...) Es gibt nichts, was man mit einem Diamanten vergleichen könnte." - "Hund." - "Einen Hund?" - "Der Hund ist der beste Freund des Mannes, während der Diamant der beste Freund der Frau ist. Also muss es doch möglich sein, Hunde mit Diamanten zu vergleichen..."


Das Buch bietet eine unendlich scheinende Verschachtelung von Erzählebenen - ein Einschub in Klammern von über 40 Seiten inbegriffen, bevor der ursprüngliche Satz fortgeführt wird. Vom Hölzchen aufs Stöckchen - ein Stichwort reicht aus, um die Richtung zu wechseln. In kurzen bis kürzesten 'Kapiteln' wird der Leser hier zugeballert mit einer Flut an wikipedialastigen Informationen, schrägen Vergleichen -  "In diesen Stunden schienen die Sterne zu flackern, als wären sie die zum UNESCO-Weltkulturerbe ernannten Leuchtstoffröhren der Amüsierviertel Bangkoks" -, trivialem Nonsens - "Benedikte war die Tochter ihrer Mutter und ein Kind ihres Vaters" - und teilweise endlosen und ermüdenden Aufzählungen. Neben selbstverliebten Sprachspielereien und teilweise hingerotzter Alltagssprache kommt es auch immer wieder zu eigenwilligen Sex-Szenen und Splatter-Fantasien - Quentin Tarantino geisterte hier mehr als einmal durch meinen Kopf. Dass die Geschichte letztlich kein Ende im üblichen Sinne hat, darf hier dann nicht mehr verwundern.


"Welches ist das gefährlichste Tier auf dem Planeten Erde?" (...) "Schließt man all die unbekannten Monster vom Grund des Meeres aus, lautet die Antwort: die weibliche Anopheles-Mücke. Sie ist jährlich für gut über eine halbe Million Tote verantwortlich, eher mehr. Und zwar überwiegend Kinder." (...) "Bei dem opferreichsten Bombardement in der Geschichte der Kriegsführung, dem Angriff der alliierten Truppen auf Tokio in der Nacht vom 9. auf den 10. März 1945, starben etwa 100000 Menschen (...) Diese Mücken verüben also jährlich fünf Bombardements auf Tokio, bei denen der Großteil der Toten Kinder sind."



Ein Fazit? Angesichts dieser Informationsexplosion, die da hinter mir liegt, lässt sich das schwer auf einen Punkt bringen. Klugscheißerisch, akademisch-überlegen, angeberhaft, blutrünstig, morbid, grausam, einfallsreich, trashlastig, misanthropisch, nihilistisch, erzählfreudig, ironisch-hochtrabend, schwarzhumorig, eigenwillig, durchgeknallt - eben anders. Für mich bestenfalls schräg - in jedem Fall aber eine Zumutung!


© Parden

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TheoRs avatar

Rezension zu "Alff" von Jakob Nolte

Ein Buch wie ein Rausch, eine Stak­ka­to der Wörter und Ideen.
TheoRvor 3 Jahren

Es ist durchaus kein gewöhnliches Buch, nicht wegen der Thematik, gemordet wurde in Büchern schon immer, aber die Art und Weise der Erzählung ist etwas ganz besonderes, ein Alleinstellungsmerkmal, abseits vom literarischen Mainstream. Der Leser merkt schnell, hier hat man es mit einem sonderbaren Phänomen zu tun, sowohl bei der Handlung selbst, eine Leiche wird in einem Zaun geflochten aufgefunden, als auch in der Art des Erzählens.

Das ganz Buch fühlt sich an, als wäre es in einem einzig großen Drogenrausch geschrieben und der Autor hält nur an einer haarfeinen dünnen Nabelschnurr den Bezug zur Realität aufrecht erhalten können, gleichwohl geht es einem als Leser, wie einem Süchtigen, dessen Droge dieses Buch ist und er Seite für Seite den nächsten literarischen Schuss braucht.

Parallelen könnte man ziehen, "Fear and Loathing in Las Vegas" von  Hunter S. Thompson, "The Silence of the Lambs" von Thomas Harris oder Serien wie "True Detective", kommen einen in unzweifelhaft in den Sinn und doch hat dieses Buch seinen ganz eigen Charme und Reiz, der eben diese vermeintlichen Vorbilder in den Schatten stellt und in sich selbst glänzt.

Der Autor hat einen stakkatohaften erzählerischen Stil, der mit vielen kurzen Aufzählungen arbeitet und dabei den Leser schier außer Atem geraten lässt. Viele schnell Sprünge in der Handlung selbst, oft in eine farbenprächtige Unschärfe, wie das ganze Buch nie wirklich eine Schärfe gewinnt. Ein Fokus, eine klare Handlung kommt im klassischen Sinn nicht auf, immer drängen sich diese kleinen Dinge am Rand der Geschichte selbst, in den Vordergrund, buhlen um Aufmerksamkeit und lechzen danach gelesen zu werden.

Am Ende enthält das Buch, in der Geschichte selbst platziert, die Aufforderung es noch einmal zu lesen, nicht vorschnell darüber zu urteilen. Der Stil, vielleicht gewöhnungsbedürftig, eckig und doch ist flüssig geschrieben, hat diese vermeintliche Unsicherheit nicht verdient.

Wer es gelesen hat, es mochte,  sollte es empfehlen, denn dieses Buch, der Autor selbst, hat diese Aufmerksamkeit verdient. Man darf gespannt sein was als nächstes aus der Feder von Jakob Nolte fließen wird.

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Jakob Nolte wurde am 01. Januar 1988 in Gehrden (Deutschland) geboren.

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