Anders als der Titel vielleicht vermuten lässt, handelt es sich bei "Mord ohne Leiche" nicht primär um einen Kriminalroman; der Kriminalfall ist die Einleitung zu einem Abenteuerroman der alten Schule, erzählt mit viel Liebe zu Details, Weitschweifigkeit und Abenteuerlust, der es aber mit über 600 Seiten auch in sich hat- alleine das Gewicht. Die Empfehlung lautet für Kinder ab 10 Jahre, ich würde sagen ein wenig Geduld und Übung müssen die Kinder aber auch mitbringen, denn hier wird die lange Reise der ungewöhnlichen Gorialladame Sally Jones erzählt, um ihren besten Freund zu retten. Dafür werden sie mit einer mit viel Liebe zu den alten, großen Abenteuerromanen erzählten Geschichte belohnt. Geeignet ist das für Kinder, denen Geschichten im Stil von Jules Verne gefallen. Die detailreichen Bilder zu Beginn der Kapitel erinnern an Stiche. So bekommen auch die zentralen Figuren ein Gesicht, da sie bildlich zu Beginn des Buchs vorgestellt werden. Auch das Titelbild passt sehr gut zum Stil des Romans.
Zum Inhalt: Die sehr intelligente und handwerkliche begabte Gorilladamen Sally Jones erzählt uns ihre Geschichte. Sie kann die Menschensprache verstehen und durchschaut so einiges, kann sich aber nicht in unserer Sprache artikulieren. Sie arbeitet als Maschinistin und einziges Besatzungsmitglied mit ihrem Chief Koskela, mit dem sie auch eine tiefe Freundschaft verbindet. In wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten, nehmen die beiden einen etwas dubiosen Auftrag an, an dessen Ende der Kapitän im Gefängnis landet: Er soll im Streit einen anderen Mann getötet haben, die Leiche ist im Hafen ins Wasser gefallen und verschwunden. Sally Jones ist untröstlich, kommt schließlich bei der begabten, aber unbekannten Fado-Sängerin Ana unter und arbeitet für einen Instrumentenbauer. Dann stellt sich aber heraus, dass der mutmaßlich Getötete nur untergetaucht ist. Sally Jones schifft sich nach Indien ein, um mit dem lebenden Mann auch den Beweis für die Unschuld des Chiefs zu erbringen. Der erste Teil spielt in Portugal, das Ende auch, dazwischen spielen erhebliche Teile in Indien.
Schade ist lediglich, dass sowohl die Rückkehr nach Portugal als auch die Aufklärung des Verbrechens am Ende eher Produkte des Zufalls sind. Hier hätte ich mir, passend zum Buch doch etwas mehr Raffinesse gewünscht, daher der Punktabzug.
Sally Jones ist sehr vermenschlicht, liefert aber dennoch eine ganz eigene Sicht auf die Dinge. Die Kernbotschaft, also die Bedeutung von Freundschaft, ist eine sehr wichtige. Ich konnte mich schnell auf die ungewöhnliche Protagonistin einlassen.











