James Anderson

 4.1 Sterne bei 19 Bewertungen
Autor von Desert Moon, The Affair of the Bloodstained Egg Cosy und weiteren Büchern.

Lebenslauf von James Anderson

James Anderson wurde in Seattle, Washington, geboren und wuchs in Oregon auf. Er war viele Jahre in einem Buchverlag tätig. Zu seinen anderen Berufen gehören Holzfäller, Fischer und für kurze Zeit LKW-Fahrer. Er teilt seine Zeit zwischen Ashland, Oregon und den Four Corners des amerikanischen Südwestens auf. Nach „Desert Moon“ ist “Lullaby Road” der zweite Kriminalroman, der im Polar Verlag erscheint.

Quelle: Verlag / vlb

Neue Bücher

Lullaby Road

Erscheint am 15.07.2020 als Hardcover bei Polar Verlag.

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Cover des Buches Desert Moon9783945133675

Desert Moon

 (5)
Erschienen am 01.09.2018
Cover des Buches Lullaby Road9783948392109

Lullaby Road

 (0)
Erscheint am 15.07.2020
Cover des Buches The Affair of the Bloodstained Egg Cosy9780749080495

The Affair of the Bloodstained Egg Cosy

 (3)
Erschienen am 28.04.2008
Cover des Buches The Affair of the Mutilated Mink9780749079536

The Affair of the Mutilated Mink

 (2)
Erschienen am 29.03.2010
Cover des Buches The Affair of the Thirty-Nine Cufflinks9780749007423

The Affair of the Thirty-Nine Cufflinks

 (2)
Erschienen am 29.03.2010
Cover des Buches Liebhaber und andere Mörder9783802522222

Liebhaber und andere Mörder

 (2)
Erschienen am 01.01.1994
Cover des Buches Der Mord an Sherlock Holmes9783802522529

Der Mord an Sherlock Holmes

 (2)
Erschienen am 01.06.1997

Neue Rezensionen zu James Anderson

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Rezension zu "Desert Moon" von James Anderson

literarischer Thriller, der langsam seine Geheimnisse offenbart
Gwhynwhyfarvor 5 Monaten

Der erste Satz: »Eine rote Sonne balancierte auf dem Horizont, als ich beim Well-Known Desert Diner ankam.«


Ben Jones ist Trucker, und er fährt jeden Tag die Route 117, ein hundert Meilen langer Abschnitt des Utah Highway zwischen Price und der fiktiven ehemaligen Kohlestadt Rockmuse, mitten durch die Wüste. Wer hier wohnt, hat meist Strom, keine Telefonleitung, keine Wasserleitung, sondern Generator, Wasserreservoir und eine Satellitenschüssel – so weit man Geld dafür hat. Wer hier in der Einsamkeit lebt, ist meist ein armer Schlucker oder zu alt, um noch wegzuziehen, oder er hat seine Gründe, hier draußen versteckt zu leben. Ben beliefert die Leute mit seinem Truck für FedEx, UPS usw. – alles was sie bestellen, lädt er im Logistikzentrum ein: Ersatzteile für Maschinen, Bekleidung, Lebensmittel, bis hin zu Eiscreme. Und wenn sie ein rotes Tuch an der Straße auslegen, hält er an, um ihre Bestellungen für Waren aus der Stadt zu einzusammeln. Seit die Bergwerke geschlossen sind, wohnen hier immer weniger Menschen und Ben weiß nicht mehr, wie er seine Miete und seine Leasingraten für den Truck bezahlen soll, sein Telefon ist bereits abgestellt. 


»Sie reden nicht mal mit den Nachbarn. Die sind sich in nichts einig, außer darin, dass sie in Frieden gelassen werden wollen. Sie haben was gegen alles und jeden.‹

›Es muss mehr dahinterstecken.‹

›Wenn ja, hab ich keine Ahnung, was es sein könnte‹, sagte ich. ›Sie wollen es nicht anders, da fragt man dann besser auch nicht nach. Jeder weigert sich stur, einen Briefkasten aufzustellen. Und nach dem Gesetz darf die Post ohne Briefkasten keine Sendung ausliefern.«


Der Leser begleitet Ben auf seinen Touren, erlebt einen Typen, der an der Straße entlang ein Holzkreuz durch die Hitze zu schleppt, kauzige, scheue Menschen, die meist am Rande der Existenz leben, sich keinen Luxus leisten können. Ben stammt von hier – er gehört dazu. Er lädt auch Kisten am »Well Known Desert Diner« aus, ein Relikt aus dem Jahr 1929, und bis 1987 oft Drehort von B-Movies genutzt, das dem alten Walt Butterfield gehört, einem verbitterten, wütenden Kerl, der Oldtimer-Motorräder repariert. Das Diner hat nicht mehr geöffnet, seit Walts Frau gestorben ist. Je mehr wir über die Bewohner der Wüste erfahren, umso skurriler werden sie  – umso tiefer dringt man hinein in die Figuren, in die Einsamkeit, in die Einfachheit. Dieses Hillbilly-Sezario ist vielschichtig in seinen Protagonisten. James Anderson lullt uns literarisch, trügerisch ein in die die Atmosphäre der Wüstenlandschaft, die brutal ist und doch so schön. Im Untergrund klopft es.


»Wenn überhaupt, hat man hier nur unregelmäßig Empfang. GPS und Funk funktionieren auch nicht viel besser. Nicht mal Satellitentelefone. Diese Wüste ist ein Bermudadreieck aus Sand und Steinen.«


Ben, der Icherzähler hat einen humorigen Unterton, ein wenig sarkastisch, und er ist einen Menschenfreund, nimmt jeden, wie er ist. Aus der Gemütlichkeit wird man herausgehoben, als eine Frau auftaucht. Ben sieht sie, während er am Straßenrand pinkelt, in einem verlassenen Haus, wie sie nackt Cello spielt. Er stutzt. Und dann taucht diese merkwürdige Anhalterin auf und ein TV-Filmproduzent, der ein paar Tage bei Ben im Truck mitfahren will – eine Reportage drehen will. Ben hat keine Lust, aber er braucht das Geld. Ab diesem Punkt setzt der Sog ein, die Spuren für den Country-Noir sind gelegt. Geheimnisse werden Stück für Stück gelüftet, alles in der Atmosphäre der staubigen, unerbittlichen Wüste, kauziger Typen. Melancholisch, naturgewaltig, brutal – ein wirklich guter Roman, der die Atmosphäre für ein verlassenes Gebiet öffnet, früher eine durch Kohlebergbau lebendige Gegend, heute Rückzugsort für White Trash. Feine Beobachtung, gute Dialoge, eine runde Sprache, bildgewaltig mit erzählerischer Kraft, machen den Romann zum Leseschmaus.


»Es gab unzählige Möglichkeiten, sich zu verletzen oder gar den Tod zu holen. Seit Schließung des Bergwerks gab es in Rockmuse keinen Arzt mehr, was einige getötet und etliche mehr stinkwütend zurückgelassen hatte.  Aber stärker hatte es keinen gemacht. Allerdings hatte ohnehin so gut wie niemand eine Krankenversicherung oder das Geld für eine Behandlung, schon gar nicht im Krankenhaus.«


James Anderson wurde in Seattle, Washington, geboren und wuchs in Oregon auf. Er war viele Jahre in einem Buchverlag tätig. Zu seinen anderen Berufen gehören Holzfäller, Fischer und für kurze Zeit LKW-Fahrer. Er teilt seine Zeit zwischen Ashland, Oregon und den Four Corners des amerikanischen Südwestens auf. »The Never-Open Desert Diner« ist sein Debütroman. 


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Rezension zu "Desert Moon" von James Anderson

Ben, die Wüste und der 117
Haversvor einem Jahr

Utah. Mormonen- und Wüstenstaat im amerikanischen Westen, wo man Meile um Meile endlose Straßen entlangfahren kann und das einzige Wesen, das einem begegnet, ein totes Pferd am Straßenrand ist. Dermaßen von eigenen Reiseerfahrungen geprägt, fällt es nicht schwer, sich die Gegend vorzustellen, in der Ben Jones Tag für Tag mit seinem Truck unterwegs ist, um Waren an die unterschiedlichsten Kunden seines „Ben’s Desert Moon Delivery Service“ auszuliefern. Rentabel ist das Geschäft schon lange nicht mehr und es steht zu befürchten, dass er seinen Truck und damit seine Existenz verliert.

Aber er liebt das, was er tut, und er liebt die Menschen, und so setzt er sich jeden Tag aufs Neue hinter das Steuer, fährt seine Tour entlang der Hochwüste und wundert sich einmal mehr über die seltsamen Typen, die er auf seinem Weg trifft: Walt, trauriger Besitzer eines Diners, der nur selten geöffnet ist und Bens Freund. John, der Wanderprediger, der tagein tagaus ein riesiges Holzkreuz durch die Wüste schleppt. Fergus und Duncan, die beiden Brüder, die in einem aufgebockten Güterwaggon hausen. Ginny, die Punkerin, obdachlos und hochschwanger. Josh, der Filmemacher, der sich Walts Diner und Ben als Objekt für seine nächste Reality-Show ausgeguckt hat. Und dann ist da noch Claire, die Ben eines Tages unvermutet auf der Veranda eines verlassenen Hauses sieht. Nackt, vor sich ein saitenloses Cello, auf dem sie Melodien spielt, die nur sie hören kann. Und mit dem Auftauchen von Claire setzt sich eine Spirale in Gang, die Bens Gefühlswelt und sein von Routine geprägtes Leben gehörig durcheinander schüttelt.

Was an diesem Buch am meisten auffällt ist die Empathie, mit der James Anderson seine Geschichte erzählt. Ben ist kein Superheld, er ist ein ganz normaler Mensch. Einer, der jeden Tag aufsteht und seine Lieferungen ausfährt. Der die Menschen respektiert und nicht über sie urteilt. Der in der täglichen Routine sein Bestes gibt. In einem rauen und isolierten Landstrich, der etwas Magisches hat und neben den Menschen, die dort leben, in seiner ganzen Schönheit eine weitere Hauptfigur ist. Die Details in den Beschreibungen machen Andersons Story eindrücklich und wecken auch bei dem Leser Sympathien nicht nur für diese exzentrischen Wüstenbewohner, sondern vor allem für Ben.

Das ist die Geschichte von Ben Jones, der jeden Tag daran arbeitet, seine Vergangenheit hinter sich zu lassen und ein besserer Mensch zu werden. Nach Aussage des Autors angelegt auf drei Bände, von denen der zweite Band „Lullaby Road“ bereits im Original erschienen ist und den Lesern in der Übersetzung hoffentlich zugänglich gemacht wird. Aber ob ich solange warten mag? Vielleicht lese ich es doch lieber zeitnah im Original.

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Rezension zu "Desert Moon" von James Anderson

Subkultur zwischen Asphalt und Sand.
Andreas_M_Sturmvor 2 Jahren

»Selbst wenn man zehn Jahre an der 117 leben würde, wäre man in den Augen der Leute immer noch ein Fremder.«

Dieses Zitat beschreibt die Eigenwilligkeit der Leute, die an der hundert Meilen langen State Road 117 in Utah leben, besser, als jede Eigenschöpfung es könnte. Eine Gegend ohne Straßenschilder, Strommasten oder Briefkästen. Die hier leben, sind Menschen, die aus den unterschiedlichsten Gründen die Einsamkeit gesucht und gefunden haben.

Mit ruhigen Worten erzählt James Anderson die Geschichte von Trucker Ben, der die Leute in der Wüste mit dem Notwendigsten versorgt. Der Protagonist in seinem Roman aber ist die Wüste. In »Desert Moon« entsteht sie vor dem Auge des Lesers in all ihrer Schönheit und tödlichen Gefahr.

Trotz der leisen Töne zieht das Buch den Leser in seinen Bann und lässt ihn nicht wieder los. Flüssig geschrieben besticht der Roman mit einer nicht vorhersehbaren Handlung, detaillierten Charakterstudien und einer bildhaften Sprache, die die karge Landschaft so plastisch beschreibt, dass man beim Lesen den Sand zwischen den Zähnen zu spüren vermeint.

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