Beale Street Blues

von James Baldwin 
3,9 Sterne bei11 Bewertungen
Beale Street Blues
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Miamous avatar

Der Roman ist ein Blues...tragisch - melancholisch, aber auch voller Liebe und Hoffnung!

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Inhaltsangabe zu "Beale Street Blues"

Harlem Love Story: eine junge Liebe gegen die Willkür einer weißen Justiz

»Jeder in Amerika geborene Schwarze ist in der Beale Street geboren. Die Beale Street ist unser Erbe. Dieser Roman handelt von der Unmöglichkeit und von der Möglichkeit, von der absoluten Notwendigkeit, diesem Erbe Ausdruck zu geben. Die Beale Street ist eine laute Straße. Es bleibt dem Leser überlassen, aus dem Schlagen der Trommeln den Sinn herauszuhören.« James Baldwin

Tish und Fonny, sie kämpfen und sie verlieben sich. Ihren zerrütteten Familien setzen sie trotzige Hoffnung entgegen. Tish ist schwanger, die Zukunft ist groß in der Beale Street. Doch dann wird Fonny der Vergewaltigung eines weißen Mädchens beschuldigt und inhaftiert. Tish unternimmt alles Menschenmögliche, Fonnys Unschuld zu beweisen, bevor das Baby zur Welt kommt. Der Fall spaltet die Nachbarschaft, und führt aber auch zusammen, was lange zerstritten war.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783423289870
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Fester Einband
Umfang:224 Seiten
Verlag:dtv Verlagsgesellschaft
Erscheinungsdatum:20.07.2018
Das aktuelle Hörbuch ist am 20.07.2018 bei Der Audio Verlag erschienen.

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    michael_lehmann-papevor 10 Tagen
    Unprätentiös, emotional dicht und präzise auf den Punkt erzählt

    Unprätentiös, emotional dicht und präzise auf den Punkt erzählt

    „Ich mach den Sklaven für den Juden im Garment District“.

    Locker daher gesagt von Daniel, einem alten Schulfreund von Fonny (sehr verliebt in Trish und voller guter Hoffnung und Plänen für die Zukunft), aber nur halb im Scherz gemeint. Wie das so ist bei Schwarzen im Amerika der 70er Jahre. Doch schlimmer noch war die Zeit im Gefängnis, die Daniel hinter sich hat. Klar hatte er ein wenig Gras dabei, aber dass gegen Mitternacht er einfach so „hochgenommen“ wurde, wohl weil er einfach vor der Tür saß, das hat genauso innerlich gesessen, wie das ihm abgerungene Schuldeingeständnis (unter Vorspiegelung falscher Angebote) und überhaupt die Anklage wegen Diebstahls eines KFZ (Daniel kann gar nicht Auto fahren).

    Nur eine kleine Episode, könnte man meinen, Pech gehabt. Aber das trifft bei Weitem nicht zu, denn solche Jobs und solche Willkür der Polizei sind an der Tagesordnung.

    Was Fonny und Trish allein schon daran merken, dass die einfache Suche nach einem Speicher als größerem Wohnort (Trish ist schwanger) immer wieder daran scheitert, dass beide schwarz sind und damit eine Vermietung in weite Ferne rückt.

    „Die ganze East Side längs stehen Speicher leer, die will keiner mieten, außer so Freaks wie ich“.

    Aber lieber Leeerstand als Fonny und Trish als Mieter, so sieht es aus.

    Unten sein und unten bleiben müssen, das sind die Zeichen der Zeit Schwarzen gegenüber, nicht nur in Harlem, wo die Geschichte spielt, sondern überall im Land, mal mehr, mal weniger.

    Und dann widerfährt es auch Fonny. Verdacht, Abtransport, Gefängnis, Untersuchungshaft, Tatvorwurf Vergewaltigung. Mit Zynismus, natürlich, denn für manche Zeugen sehen alle Schwarzen wohl einfach gleich aus oder, umgekehrt, schwarz zu sein bedeutet scheinbar per se, schuldig zu sein.

    Melancholie, Schmerz, Ohnmacht, aber auch der Wille nach einem freien Leben, nach Liebe und Gemeinschaft, nach einem Ausweg aus Armut und Drogen, all das schwingt in diesem, sprachlich wunderbar verfassten, Roman mit, in dem James Baldwin, wie immer, der schwarzen Welt eine ausdrucksstarke Stimme verleiht.

    Und eine hohe Spannung für den Leser erzeugt, ob es Trish mit aller Kraft gelingen wird, das „begraben werden“ ihres Fonny in einem Gefängnis abzuwenden. Mit kaum finanziellen Mitteln und einem vermeintlichen Opfer, das inzwischen außer Landes weilt.

    Oder ist dies ein Kampf gegen Windmühlen, gegen ein System, dass es sich fast zur Aufgabe gemacht hat, selbstbewusste junge Schwarze zu stutzen und zu brechen, ihnen keinen „Platz am Tisch der Gesellschaft“ anzubieten und auch nicht zuzulassen, dass sich ein solche erkämpft wird. In einer harten Welt, in der jeder zumindest nach unten tritt und viele nach oben nur buckeln. Und Baldwin dieses „unten“ drastisch, klar und schmerzhaft zum intensiven Thema gestaltet.

    Ein hervorragender Roman, der nichts von seiner inneren Bedeutung im Lauf der Jahrzehnte verloren hat.

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    Buecherschmauss avatar
    Buecherschmausvor einem Monat
    Harlem Lovestory von 1974

    „If Beale Street could talk“ – eine Zeile des Bluesklassikers von 1916, in der vielleicht bekanntesten seiner vielen Interpretationen von Louis Armstrong gesungen, gibt dem vorletzten Roman James Baldwins aus dem Jahr 1974 seinen Titel.
    Ja, wenn die Beale Street in Memphis/Tennessee reden könnt, würde sie von ihren Bewohnern erzählen, nicht von denen, die heute die „America’s Most Iconic Street“ zu einer der größten Touristenattraktionen der Stadt machen, auch nicht von den Musikern, die Anfang des 20. Jahrhundert hier neben Vergnügungszentren, Prostitution und Kriminalität ein Zentrum der schwarzen Musik bildeten, „The Official Home of the Blues“, Louis Armstrong, Muddy Waters, B. B. King und viele andere. Sie würde von den vielen Generationen afroamerikanischer Familien erzählen, die hier, oft in Konkurrenz mit eingewanderten Iren, lebten, ein Ghetto der Armut, sozialer Benachteiligung, Diskriminierung und Verzweiflung, oft geprägt von Gewalt, Drogenproblemen und Kriminalität. Die Beale Street als Metapher für das Schicksal so vieler Afroamerikaner. Aber auch für Hoffnung und Kraft, die aus dem Leid erwachsen kann, und die sich einen Ausdruck in der Musik geschaffen hat.
    Originalton James Baldwin:
    „Alle „Nigger“ stammen aus der Beale Street. Die Beale Street ist unser Erbe.“
    Wie der Blues, der dem Roman den Namen verlieh, ist auch James Baldwins Roman von einer tiefen Tragik, enthält viel Leid, aber auch Poesie, Kraft und Hoffnung. Und ist durch eine starke Rhythmisierung und Wiederholung von Leitmotiven sehr musikalisch gestaltet. Er schreckt auch vor den großen Gefühlen nicht zurück, auch nicht vor dem Pathos. Und wird dennoch niemals kitschig.
    Dabei erzählt er, bei aller Gesellschaftskritik, in erster Linie von einer großen Liebesgeschichte. Die doch so alltäglich ist.
    Die 19 jährige Clementine Rivers und der drei Jahre ältere Alonzo Hunt, Tish und Fonny genannt, kennen sich schon seitdem sie Kinder waren und zusammen auf der Straße gespielt haben. Nun sind sie ein Liebespaar und erwarten ein Baby. Aber Fonny sitzt, zu Unrecht beschuldigt, eine junge Puerto Ricanerin vergewaltigt zu haben, im Gefängnis. Obwohl Fonny nicht nur durch Tish, sondern auch durch einen gemeinsamen Freund ein Alibi besitzt. Aber die junge Frau, die mittlerweile nach Puerto Rico zurückgekehrt ist, hat Fonny identifiziert, wenn auch nicht unbeeinflusst, denn bei der Gegenüberstellung war er der einzige Schwarze. Und da ist vor allem noch die Aussage von Officer Bell, der eine ganz persönliche Rechnung mit Fonny offen hat und aussagt, ihn vom Tatort weglaufen gesehen zu haben.
    Tish und ihre großartige Familie setzen alles daran, Fonny wieder aus dem Gefängnis frei zu bekommen, aber so einfach wie es sein müsste, ist die ganze Sache nicht. Und das Leben im Knast zehrt an dem jungen Mann.
    Gäbe es nicht so viele ähnliche Geschichten, auch heute noch – Black lives matter -, stände man der Geschichte völlig ungläubig gegenüber. So viel offensichtliche Unschuld, so viel struktureller Rassismus, solch eine Ausweglosigkeit.
    James Baldwin geht hart ins Gericht mit Amerika.
    „Wobei ich sagen muss, dass Gott meiner Meinung nach mit Amerika überhaupt niemandem ein Geschenk gemacht hat.“
    Officer Bell ist einerseits der klassische Böse, andererseits lässt Baldwin auch sehr deutlich erkennen, dass er selbst weit unten auf der sozialen Leiter steht, als Ire, als ungebildeter Mensch, als hässlicher Mann. Und wer unten steht, tritt gerne auf die, die noch weiter unten stehen. Auch der jungen Frau aus Puerto Rico, die sich eindeutig zu einer Falschaussage drängen ließ, zollt der Autor ein gewisses Verständnis. Sie lebt in ihrer Heimat in tiefem Elend, ist allein und verzweifelt. Auf der anderen Seite gibt es Weiße, die sich für Fonny und Tish einsetzen.
    Und es gibt die zwei Familien. Tishs zutiefst solidarische, die eine große Menschlichkeit und Zuneigung zeigt. Und Fonnys, die selbst tief im Rassismus steckt, den Sohn wegen seiner sehr dunklen Hautfarbe schon immer ablehnte, sich von ihm distanziert. Typische Beispiele für den Selbsthass, den viele Afroamerikaner und auch James Baldwin immer wieder beklagen und unter anderem als Grund für die verbreitete Gewalt sehen.
    „Der Tod sieht zwar mal so uns mal so aus, und die jungen Leute sterben auch ganz unterschiedlich, aber der Tod an sich ist ganz banal und der Grund für ihn auch – so banal wie die Pest: Die Kinder kriegen eingetrichtert, dass sie einen Dreck wert sind, und alles, was sie um sich herum sehen, ist der Beweis dafür. Sie kämpfen und kämpfen, aber sterben wie die Fliegen und begegnen sich dann auf dem Müllhaufen ihres Lebens, wie die Fliegen.“
    Aber es gibt natürlich auch die große Liebe Tishs zu Fonny, die sich sehnlichst wünscht, ihr Kind mit ihm zusammen zur Welt zu bringen, die alle Hebel in Bewegung setzt, seine Unschuld zu beweisen. Und ihrer rassistischen Umwelt die Stirn bietet.
    „Die Leidenschaft, die Fonny gerettet hat, hat ihn auch in Schwierigkeiten gebracht und ins Gefängnis. Er hat nämich sich selbst gefunden, so richtig, innen drin: Und das hat man gemerkt. Er ist niemandes Nigger. Und das ist ein Verbrechen in diesem beschissenen freien Land. Von irgendwem muss man der Nigger sein.“
    Die Prosa von Baldwin ist sehr rhythmisch, manchmal poetisch, manchmal auch rau.
    Es ist sehr zu begrüßen, dass der DTV-Verlag seine Bücher in neuen Übersetzungen von Miriam Mandelkow herausbringt. Nach seinem Erstling „Go tell it to the mountain“ (dt. Von dieser Welt) nun also ein 20 Jahre später verfasstes Werk. Seine Weggefährten beim Kampf um Bürgerrechte für die schwarze Bevölkerung in den USA waren da bereits tot, wie Martin Luther King und Malcolm X, verstummt oder verhaftet. Und dennoch strahlt dieser Roman neben all der Anklage und Verzweiflung auch viel Hoffnung und Kraft aus, wie ein Bluessong, gerade durch die uneingeschränkte Liebe und Solidarität von Tish und ihrer Familie. Baldwin selbst lebte da schon 25 Jahre in Südfrankreich, da er den Alltagsrassismus in den USA und die Anfeindungen gegen ihn als Homosexuellen nicht ertragen wollte. Dort starb er auch 1987 im Alter von 63 Jahren.
    Nach Raoul Pecks sehr erfolgreichem Dokumentarfilm „I´m not your Negro“ wurde nun auch „If Beale Street could talk“ verfilmt (Filmstart Februar 2019). 

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    Steerpikes avatar
    Steerpikevor 11 Jahren
    Rezension zu "Beale Street Blues" von James Baldwin

    Offenbar ein moderner Klassiker über die Ungerechtigkeit im Justizsystem gegenüber Afro-Amerikanern. Ein wichtiges Thema macht leider noch kein gelungenes Buch. ich kann mir vorstellen, dass der Text in den 70ern, da er erschien, mutig und originell war, heute wirkt er ein bisschen "stating the obvious"-mäßig. Wir wissen einfach mehr über die Ungleichbehandlung von Schwarzen und Weißen in den USA, a fortiori in den 50ern.

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    Miamous avatar
    Miamouvor 3 Tagen
    Kurzmeinung: Der Roman ist ein Blues...tragisch - melancholisch, aber auch voller Liebe und Hoffnung!
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    Haihappen_Uhahas avatar
    Haihappen_Uhahavor 10 Tagen
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    Borisvor 18 Tagen
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    HibiscusFlowervor einem Monat
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    claudiaausgronevor 7 Jahren
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    salome44vor 7 Jahren
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    SVvor 8 Jahren

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