James Dickey Flucht zum weißen Meer

(1)

Lovelybooks Bewertung

  • 1 Bibliotheken
  • 0 Follower
  • 0 Leser
  • 1 Rezensionen
(0)
(0)
(1)
(0)
(0)

Inhaltsangabe zu „Flucht zum weißen Meer“ von James Dickey

Stöbern in Historische Romane

Der Herr der Bogenschützen

WOW! Der Hunterjährige Krieg aus Sicht der Engländer, beschrieben von einem englischen Bogenschützen. Extrem spannden!

Sturmherz

Marlenes Geheimnis

Ein Buch voller Erinnerungen und Geheimnisse. Sehr berührend mit interessanten Charakteren.

monerl

Die Nightingale Schwestern

Leider etwas durchschaubarer als die anderen Bände

Kirschbluetensommer

Bucht der Schmuggler

Ein wunderbarer Abenteuerroman, der Fernweh in mir geweckt hat.

page394

Das Haus in der Nebelgasse

Unterhaltsame Spurensuche durch London mit sympathischen Charakteren

Waldi236

Die Runen der Freiheit

Lesenswert, aber nichts besonderes

Sassenach123

  • Rezensionen
  • Leserunden
  • Buchverlosungen
  • Themen
  • Flucht zum Weißen Meer

    Flucht zum weißen Meer
    TheRavenking

    TheRavenking

    Zu Inhalt: Tokyo, März 1945. Als Sergeant Muldrow beim Angriffsflug auf die Stadt abgeschlossen wird, hat der wortkarge Einzelgänger nur ein Ziel: zu überleben – und so macht er sich auf in den Norden des Landes. Aufgewachsen in den schneebedeckten Weiten Alaskas, lernte er bereits als Kind zu jagen und sich perfekt zu tarnen. Nun werden diese Fähigkeiten lebenswichtig für ihn. Doch auf dem Weg in die Welt aus Eis und Schnee schreckt Muldrow auch vor Mord nicht zurück … Es sollte ein moderner Stummfilm werden, eine fast dialogfreie Reise durch die Hölle des Zweiten Weltkrieges, mit Superstar Brad Pitt in der Hauptrolle. Doch dann fand sich niemand, das ungewöhnliche Projekt zu finanzieren und die Gebrüder Coen wandten sich mit No Country For Old Men einer anderen ultrabrutalen Gewaltparabel zu. Wahrscheinlich hätte der Film James Dickeys drittem und letztem Roman zu neuer Popularität verholfen, aber so wird Flucht zum Weißen Meer wohl immer im Schatten des übermächtigen Vorgängers Flussfahrt (Deliverance) bleiben. In gewisser Weise bedauerlich, handelt es sich doch hier um den, meiner Meinung nach, gelungeneren Roman. Handeln die meisten Bücher und Filme über den Krieg vom Verlust der Menschlichkeit und der schleichenden Verrohung ihrer Protagonisten, geht To The White Sea einen gänzlich anderen Weg. Sergeant Muldrow haftet von Anfang an etwas Un-, oder Übermenschliches, wenn nicht gar Entmenschlichtes an. Seine Kameraden betrachten ihn mit einer seltsamen Ehrfurcht, wie eine fremde Tierart. Wenn er eine Wette mit einem Kameraden eingeht, welche er ohne große Mühe gewinnt, will er diesen im Folgenden keineswegs demütigen, sondern begnügt sich damit dem anderen seine Grenzen aufzuzeigen und gibt ihm sogar einen wohlgemeinten Ratschlag. Diese nach außen Zen-artig erscheinende Ruhe, verbirgt allerdings keineswegs eine besonders tiefe Seele, sondern vielmehr einen Mangel an menschlichen Gefühlen und Befindlichkeiten. In der unerbittlichen Wildnis von Alaskas Brooks Range geschult ordnet Muldrow alles dem Überleben unter. Immer wieder spricht er über sich selbst als eine bloße Kreatur, ein Biest, ohne menschliche Bindungen. Er fühlt sich den Wildtieren nahe, dem Vielfraß, dessen Fell so beschaffen ist, dass die Regentropfen davon abperlen. Dem Schneehasen, einem Meister der Tarnung, der es schafft sich erfolgreich vor seinen Feinden zu verbergen.  Von einem Kriegsroman erwartet man von vornherein ein gewisses Maß an Grauen, Vernichtung, Leiden. Deshalb überraschen die Passagen, welche das von Brandbomben zerstörte Tokio beschreiben kaum. Wie die Menschen ohne in Chaos zu verfallen die geordnete Flucht vor der Feuersbrunst antreten und dabei mit ansehen müssen, wie ihre Heime Opfer der Flammen werden, hat fast schon etwas Komisches an sich. Wieso sind Menschen immer wieder bereit solch eine Gewalt, solch einen Horror zu ertragen, wie kommt es, dass sie nicht alle den Verstand verlieren und auf der Stelle zusammenbrechen? – fragt man sich unwillkürlich. Die Japaner wirken wie ordentliche, geschulte Ameisen, während der Amerikaner Muldrow wie ein hungriger Wolf in ihrer Mitte um sein Überleben ringt. Zunächst regiert eine Art grimmiger Humor, Muldrows lakonische Betrachtung seiner Lebenssituation regt mitunter zum Schmunzeln an. Er beobachtet den Zug der Vögel, späht bei einer japanischen Familie in die Wohnung, die gerade ihr Abendmal verspeist, und notiert ihre für ihn seltsamen Bräuche. Aber als unser „Held“ bei seiner Wanderung in den Norden auf einen harmlosen alten Mann trifft, der sich gerade damit beschäftigt verletzte Schwäne zu verarzten und diesen von Kopf bis zur Sohle aufschlitzt um sich danach auf die Schwäne zu stürzen und ihr rohes Fleisch zu verschlingen, musste ich schon heftig schlucken, ob der dargestellten Brutalität. Wenn ein US-Kritiker im Bezug auf das Buch von einem großartigen Abenteuerroman redet, kann ich das nicht ganz nachvollziehen. Für mich hat der Begriff Abenteuer immer etwas Erhabenes, Zauberhaftes an sich, Abenteuer erweitern das Leben und den Horizont. Hier geht es nur um Fressen oder Gefressen werden. Um die Unerbittlichkeit der Natur, die Lächerlichkeit des Menschen, der sich in seiner Zivilisation geborgen fühlt, geschützt vor einer grauenhaften und teilnahmslosen Welt, für die seine Existenz ohne Bedeutung ist. Der Mensch, der jederzeit in seine tierische Natur zurückfallen kann, ein besserer Schimpanse, ein bemitleidenswertes, den Elementen der Natur gnadenlos ausgeliefertes Säugetier. Ich habe dem Buch zwar nur drei Sterne gegeben, aber das kommt oft vor, wenn ich das Gefühl habe ein Werk nicht wirklich angemessen beurteilen zu können. Es ist lesenswert, denn es bietet eine gänzlich neue Erfahrung. Es ist ein Kriegsroman wie kein anderer, aber letztendlich zu sperrig und unbequem um einem breiteren Publikum zugänglich zu sein.

    Mehr
    • 5