L.A. Confidential ist für mich eines dieser seltenen Bücher, die mit jeder gelesenen Seite besser werden. Und dennoch erkennt man seine eigentliche Größe erst, wenn man den letzten Satz gelesen und das Buch zugeklappt hat.
Der Einstieg ist fordernd. James Ellroy wirft den Leser ohne große Erklärungen mitten in die Handlung. Figuren werden nicht vorgestellt, sondern definieren sich durch ihre Worte, ihre Entscheidungen und ihre Taten. Anfangs ist das verwirrend und verlangt Aufmerksamkeit. Doch anstatt alles sofort verstehen zu wollen, sollte man dem Roman vertrauen. Ellroy weiß zu jedem Zeitpunkt genau, wohin er seine Geschichte führen möchte – und genau dieses Vertrauen wird belohnt.
Besonders beeindruckt hat mich die Konstruktion des Romans. Die Handlung verzweigt sich immer weiter, neue Verbindungen entstehen, Figuren kreuzen sich und Ereignisse greifen ineinander, ohne jemals beliebig zu wirken. Was zunächst komplex erscheint, fügt sich nach und nach zu einem außergewöhnlich stimmigen Gesamtbild zusammen.
Die eigentliche Stärke des Buches sind für mich jedoch seine Figuren. Kaum jemand handelt moralisch einwandfrei. Immer wieder schwankt man zwischen Ablehnung, Unverständnis und Faszination. Figuren, die man zwischendurch kaum ertragen kann, gewinnen nach und nach an Tiefe, bis man am Ende überrascht feststellt, wie sehr sie einem ans Herz gewachsen sind. Diese Entwicklung geschieht nicht durch lange Erklärungen, sondern ausschließlich durch Ellroys konsequentes Erzählen.
Wer hier eine atmosphärische Beschreibung des Los Angeles der Fünfzigerjahre erwartet, wie man sie aus klassischen Noir-Romanen kennt, wird vielleicht überrascht sein. Ellroy interessiert sich weniger für Kulissen als für Macht, Korruption, Loyalität und moralische Grauzonen. Gerade dadurch entwickelt der Roman eine enorme Sogwirkung.
Fazit:
L.A. Confidential ist kein Buch, das seinem Leser alles sofort erklärt. Es fordert Geduld, Aufmerksamkeit und Vertrauen. Wer sich darauf einlässt, wird mit einem der beeindruckendsten und klügsten Kriminalromane belohnt, die ich bisher gelesen habe. Für mich ein Meisterwerk – nicht, weil es möglichst spektakulär sein will, sondern weil am Ende jedes einzelne Puzzleteil genau dort liegt, wo es hingehört.






























