James Joyce Ein Porträt des Künstlers als junger Mann

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Inhaltsangabe zu „Ein Porträt des Künstlers als junger Mann“ von James Joyce

Der beste Einstieg in die Welt des James Joyce
Mit dieser in Dublin spielenden, autobiografisch gefärbten Coming-of-Age-Geschichte schrieb sich James Joyce in die Weltliteratur ein. Thematisch steckt in diesem aufsehenerregenden Roman schon ein Großteil dessen, was den berühmten Iren ausmacht: Kunst, Sex, Religion, Rebellion und all die damit einhergehenden Verwicklungen.
Ein Junge macht sich auf die Suche nach sich selbst. Anfangs noch ganz im Bannkreis von Konventionen und Autoritäten, entdeckt er nach und nach seine geistigen Fähigkeiten, seine zwiespältige Gefühlswelt und seine Sexualität. Die Hürden seiner Selbstfindung sind vielfältig, muss er sich doch als angehender Künstler von Übervätern emanzipieren. Auch mit der puritanischen Rolle der katholischen Kirche setzt er sich auseinander. Zwischen Moral und Amoral, Anpassung und Auflehnung entwickelt er schließlich den Mut, eigene Wege zu beschreiten.
Joyce’ Roman ist ein Spiegelbild der politischen Situation seiner Epoche und ein grandioses Bekenntnis zum freiheitsstiftenden Potenzial der Kunst.

Anfang prima, ab der Hälfte uninteressant (Theologie und Theorie der Ästhetik) , gegen Ende weitgehend unverständlich

— DiagramLajard

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  • Enttäuschend nach dem brillanten ersten Drittel

    Ein Porträt des Künstlers als junger Mann

    DiagramLajard

    05. August 2016 um 21:14

    Im Grunde ist die Anlage des Romans genial: Joyce beschreibt die Entwicklung seines Helden und Alter Ego Stephen Dedalus nicht nur durch die äußere Handlung, sondern auch durch die Sprache des Romans: Angefangen von der „Muhkuh“ und den Kinderreimen über ganz schlichte Sätze, in denen eine (vom kleinen Stephen nicht verstandene) politische Diskussion an der Weihnachtstafel wiedergegeben wird, über Schulerfahrungen und eine Predigt aus der Gymnasialzeit bis hin zum Versuch einer Theorie der Ästhetik, den Frozzeleien der Studenten untereinander und abschließend dem Tagebuch, in dem der junge Mann endlich zu sich selbst findet. Inhaltlich ist das ganze aber spätestens nach der Passage über ungerechte Rutenschläge auf beide Hände und dem heldenmütigen Protest des misshandelten Kindes (sie gehört zum Besten, was ich in diesem Urlaub gelesen habe) kaum mehr zu ertragen. Die Pubertät wird zum Beispiel so beschrieben: „Er ertrug zynisch die schandbaren Details seiner geheimen Tumulte, in denen er jubilierte, um mit Ausgiebigkeit jedwedes Bildnis zu schänden, von dem seine Augen angezogen worden waren. Bei Tag und Nacht bewegte er sich zwischen verzerrten Bildnissen der Außenwelt. eine Gestalt, die ihm bei Tag spröd und unschuldig vorgekommen war, kam bei Nacht durch das gewundene Dunkel des Schlafs auf ihn zu, ihr Gesicht von geiler Gerissenheit verklärt“ und so weiter. Was soll das bitte heißen, konkret? Phantasiert er? Onaniert er? Hat er feuchte Träume? Und warum schreibt Joyce das so verschwurbelt? Soll das Kunst sein? Die Predigt, mit der der arme Protagonist dann von dem schließlich mit Hilfe von Prostituierten beschrittenen Weg in eine freiere Sexualität zurückgeholt wird, ist mehr als dreißig (!) Seiten lang: Sünde, Tod, Gericht und Hölle. Eine überaus gelungene Polemik gegen die katholische Sexualmoral, aber locker zwanzig Seiten zu lang. Ähnlich verhält es sich mit der Theorie des Schönen, die Joyce seinen Helden als Studenten entwickeln lässt. Sie basiert auf Aristoteles und Thomas von Aquin und man muss sie eigentlich nicht zur Kenntnis nehmen. Warum soll man sowas lesen? Noch dazu in einem Roman, nicht in  einer philosophiehistorischen Dissertation? Immerhin konnte ich so weit Joyce‘ bzw. Dedalus‘ Gedankengängen folgen. In den sich anschließenden Dialogen der Studenten, die stark von den Konflikten der irischen Politik um 1900 geprägt sind (wer kennt sich denn damit aus? Ich nicht) und in den Tagebuchaufzeichnungen, mit denen der Roman endet, ist mir das nicht gelungen. Wahrscheinlich lassen sie sich bei genauem Lesen entschlüsseln, warum jetzt welcher Student was gegen wen und Stephen gegen alle anderen hat, mir ist das nicht gelungen. Schade, denn das erste Drittel ist wirklich toll.

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  • Rezension zu "Ein Porträt des Künstlers als junger Mann" von James Joyce

    Ein Porträt des Künstlers als junger Mann

    HeikeG

    23. June 2012 um 17:38

    "Zeit ist, Zeit war, aber Zeit wird nicht mehr sein." . "Ich war ein anderer damals. (...) Ich meine (...), dass ich nicht ich war, wie ich jetzt ich bin, wie ich werden musste.", erklärt Stephen Dedalus am Ende des Romans seinem Freund Cranly. Der junge Mann hat sich gewandelt, vom gottesfürchtigen, ängstlichen Buben, zum selbstbewussten, freien Künstler, der religiöse Autoritäten in Zweifel zieht und klare Ziele für sich gesteckt hat. Er will nicht mehr dem dienen, woran er nicht länger glaubt. Sei es nun der Kirche oder aber auch seinem Zuhause und seinem Vaterland. Stephen will sich in irgendeiner Art Leben oder Kunst so frei und umfassend ausdrücken, wie er es vermag. Zu seiner Verteidigung möchte er die einzigen Waffen einsetzen, die er sich selbst zugesteht: Schweigen, Exilierung und Raffinesse. Visionär verkündet er am Ende des Buches: "Die Vergangenheit geht in der Gegenwart auf, und die Gegenwart lebt nur, weil sie die Zukunft hervorbringt." . Diese "Waffen" scheinen 71 Jahre nach dem Tod von James Joyce, dessen Protagonist deutlich autobiografische Züge aufweist, wie auf wundersame Weise erneut als Apologie zu fungieren. Nach 40-jährigem 'Schweigen' seit der letzten deutschen Übertragung seines Debütwerkes ins Deutsche, liegt nun eine Neuübersetzung von Joyce-Kenner Friedhelm Rathjen vor, die sich mit großer 'Raffinesse' dem Original nähert. Diese zeichnet sich neben Präzision, vor allem durch unglaubliche Lebendigkeit und Musikalität aus. Herausgegeben wurde das Werk wiederum vom Manesse Verlag, der seinen Sitz in jenem 1904 von Joyce und seiner Lebensgefährtin Nora Barnacle selbstgewählten 'Exil' hat. Der Geist von James Joyce wirkt ungemindert. . Doch bis das Kind vom Anfang des Buches seinen behaglich-verträumten Glauben verliert und die "bösartige Realität" hinter den Dingen erkennt, ist es ein langer Weg. Zehn Jahre begleitet der Leser Stephen Dedalus, der in eine wohlhabende Familie hineingeboren wird, die jedoch dem stetigen ökonomischen Abstieg anheim fällt. In fünf Kapiteln erzählt der Roman aus personaler Perspektive von der Befreiung seines "Helden" aus dem Gestrüpp familiärer, geistiger, religiöser und sexueller Nöte. Dabei passt sich Joyce sprachlich famos an den Entwicklungsstand seines Protagonisten an: vom unbedarften, hoch begabten Buben, der jedoch schon früh spürt, "dass er anders war als andere", zum Studenten der Künste, der sich mit den ästhetischen Theorien des Aristoteles und Thomas von Aquin auseinandersetzt und sich letztendlich von seinen Kommilitonen und deren irisch-nationalistischen Ideen abgrenzt. "Er wollte in der wirklichen Welt dem unstofflichen Bild begegnen, das seine Seele so unablässig schaute." Stephen zerstört den "Schutzdamm der Ordnung und Eleganz", den er "gegen die elenden Gezeitenströme des Lebens außerhalb seiner selbst" errichtet hatte und stellt sich der dunklen Gegenwart. "Er war dazu bestimmt, sich seine eigene Weisheit zu erwerben, fern von anderen, oder die Weisheit anderer für sich selbst zu erwerben, indem er sich zwischen den Fallstricken der Welt hindurchschlängelte. (...) Ja! Ja! Ja! Stolz schaffen würde er aus der Freiheit und Macht seiner Seele heraus (...) ein lebendiges Etwas, neu und hochfliegend und wunderschön, unbegreifbar, unvergänglich." Wie recht er behalten sollte! . Raffiniert verknüpft James Joyce Entwicklungsroman mit Bildungs- und Künstlerroman. Seine zentrale Figur Stephen Dedalus erlebt Sprache als Klang und Rhythmus, dringt in stilistische Phänomene ein und entwickelt aus denen heraus eigene Wort- und Sprachkreationen, so als ob sie der "hingesunkenen Sprache und Tradition" seines Vaterlandes wieder aufhelfen möchte. "Ein Porträt des Künstlers als junger Mann" erzeugt eine unglaubliche Freude "an der Brechung der schillernden Sinnenwelt durchs Prisma" einer vielfarbigen und reichbestückten, einer brachialen und überbordenden Sprache. Man versenkt "sich in eine Innenwelt individueller Empfindungen (...), perfekt gespiegelt in einer luziden geschmeidigen rhythmischen Prosa". Ein sensitive Erleben großartiger Literatur, ein "Festgelage der Weltkultur". . Fazit: "Das Ziel des Künstlers besteht in der Erschaffung des Schönen. Was das Schöne ist, das ist eine andere Frage.", sinniert Stephen Dedalus. Und weiter: Schönheit "erweckt, oder sollte erwecken, oder erzeugt, oder sollte erzeugen, eine ästhetische Stasis, ideales Mitleid oder ideale Furcht, eine Stasis, die hervorgerufen, aufrecht erhalten und schließlich aufgelöst wird durch das, was ich den Rhythmus der Schönheit nenne." In seinem "Porträt" hat Joyce ohne Zweifel etwas Großartiges, etwas rhythmisch Schönes geschaffen. Kongenial ergänzt durch den wunderbar zerknitterten Einband, in dem sich hervorragend die Zerrissenheit und "fiebrige Aufruhr" seines Helden und Erschaffers spiegelt. Kein leichtes, aber ein ungemein lohnendes Werk.

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