James Joyce Ulysses

(19)

Lovelybooks Bewertung

  • 60 Bibliotheken
  • 1 Follower
  • 5 Leser
  • 2 Rezensionen
(9)
(2)
(7)
(0)
(1)

Inhaltsangabe zu „Ulysses“ von James Joyce

Tells of the diverse events which befall Leopold Bloom and Stephen Dedalus in Dublin on 16 June 1904, during which Bloom's wife, Molly, commits adultery. Initially deemed obscene in England and the USA, this novel, revolutionary in its Modernistic experimentalism, was hailed as a work of genius by W B Yeats, T S Eliot and Ernest Hemingway.

Ob es mir gefallen hat kann ich mich nicht entscheiden, die Sprache ist schön, der Inhalt verworren. Ich bin froh durch zu sein.

— ioreth
ioreth

Stöbern in Klassiker

Der Steppenwolf

Der Spiegel, der die 'Fratze' der Wahrheit zeigt, wird von den Dummen gehasst.

Hofmann-J

Die schönsten Märchen

Ich liebe es. Kindheitserinnerungen wurden wieder wach.

Sasi1990

Der alte Mann und das Meer

Großartige Erzählung eines großen Dichters!

de_schwob

Das Fräulein von Scuderi

Man mag es, oder nicht. E. T. A. Hoffmann hat jedoch den ersten Kriminalroman geschrieben, in welchem eine Frau die Hauptrolle spielt.

AnneEstermann

Effi Briest

Ein Roman über ein trauriges Frauenschicksal im 19. Jhrd

FraeuleinHuetchen

Stolz und Vorurteil

Egal wie oft ich dieses Buch in die Hand nehme: es ist und bleibt eines der besten Werke von Jane Austen!

Janine1212

  • Rezensionen
  • Leserunden
  • Buchverlosungen
  • Themen
  • Rezension zu "Ulysses" von James Joyce

    Ulysses
    sabisteb

    sabisteb

    12. July 2012 um 13:32

    Vorab Warnung vor der kindle Ausgabe, die hat eine Macke. Zitate und Gedichte fehlen, möglicherweise ein OCR Fehler. Man sollte das ebook daher unbedingt direkt beim Gutenbergprojekt herunterladen, da ist es soweit fehlerfrei auch wenn da ab und an eine 1 statt eines I steht und umgekehrt. [url]http://www.gutenberg.org/ebooks/4300[/url] -------------- Ulysses, das wohl am meisten ungelesen Buch der Welt. Schon zur Zeit seines Erscheinens spateten sich die Geister an diesem Werk. Kein Verlag wollte es veröffentlichen, bis Joyce eine Gönnerin fand, die extra für dieses Buch einen Verlag gründete. Kurt Tucholsky meinte "'Hier ist entweder ein Mord geschehen oder eine Leiche fotografiert".' Obwohl nicht ganz klar ist, ob er das Buch an sich, oder nur die Übersetzung meinte. Auch Virginia Woolf empfand das Buch als '"queasy undergraduate scratching his pimples'." Um was nun geht es in Ulysses. Für gewöhnlich liest man in den üblichen Interpretationen etwas von Odysseus Saga, sieht detaillierte Stadtpläne, muss sich anhören, wer gerade Odysseus ist und dass sich Joyce nur locker an die Odyssee hält, blablabla. Genau DAS wollte Joyce nicht, denn Joyce hat die Kapitelüberschriften, die sich auf die Odyssee beziehen alle gestrichen, bevor er das Buch veröffentlichte. Joyce veröffentlichte das Buch mit nur drei Unterteilungen I, II und III, genau um zu verhindern, dass sich die Leser an der Odyssee aufhängen und permanent nach Parallelen suchen, denn dieses Buch ist mehr als eine moderne Odyssee, diese gibt nur ein wenig Rahmen, mehr nicht. Leider haben die meisten modernen Ausgaben diese Kapitelüberschriften wieder übernommen und ergehen sich in Odysseeparallelen. === Was wollte Joyce? === '"Ich möchte ein Abbild von Dublin erschaffen, so vollständig, daß, wenn die Stadt eines Tages plötzlich vom Erdboden verschwände, sie aus meinem Buch heraus vollständig wieder aufgebaut werden könnte.'" '"Ich habe so viele Rätsel und Geheimnisse hineingesteckt, dass es die Professoren Jahrhunderte lang in Streit darüber halten wird, was ich wohl gemeint habe, und nur so sichert man sich seine Unsterblichkeit.'" === Worum geht es letztendlich in diesem Buch? === Das Buch erzählt die Geschichte einiger, auf vielfältige Weise miteinander verbundener Menschen, deren Wege sich mehrfach kreuzen und beeinflussen. Allen voran von: Stephen Daedalus: Stephen Deadalus kennt man bereits aus Portrait of the Artist as a Young Man (Bildnis des Künstlers als junger Mann). In Ulysses erfährt man, wie es mit ihm weitergeht. Stephen musste aus Paris nach Hause zurückkehren, weil seine Mutter im Sterben lag. Selber Atheist weigerte er sich den letzten Wunsch seiner Mutter zu erfüllen: Niederzuknien und für sie zu beten. Vielleicht meidet er auch aus diesen Schuldgefühlen heraus seine Familie und wohnt mit dem Medizinstudenten Buck Mulligan im Martello Tower von Sandycove und verdient sich was als Aushilfslehrer dazu. Leopold Bloom: 40 Jahre alt, eigentlich Halbjude, andererseits drei Mal christlich getauft und letztendlich Atheist oder zumindest Agnostiker. Dennoch wird er permanent mit den Vorurteilen gegen Juden konfrontiert. Seit 16 Jahren verheiratet mit der Halbjüdin Molly. Eine Tochter, 15 Jahre alt. Der einzige Sohn starb wenige Tage nach der Geburt. Seitdem krieselt es in der Ehe der beiden. Leopold findet seine Frau seit dem Tode des Sohnes irgendwie ... eigentlich weiß er das selber nicht. Er liebt sie noch, er bringt ihr das Frühstück ans Bett, sie begleitet ihn die ganze Zeit in seinen Gedanken. Immer überlegt er, was er ihr schönes kaufen könnte, was er ihr mitbringen könnte, um ihr eine Freude zu machen, dabei will sie nur eines: S*X. Den holt sich Bloom jedoch bei diversen Affären oder Prostituierten. Er hat dabei meist immer die gleiche Masche: Erst mit Briefen und Aufmerksamkeit erobern und einlullen, dann seinen Spaß haben und sich eine neue Liebschaft suchen. Selbst die Hausangestellte war vor ihm nicht sicher, daher haben er und Molly derzeitig keine. Molly Bloom: Leoplods Ehefrau. 31 Jahre alt, Sängerin, etwas mollig. Sie braucht jedes Frühjahr einen neuen Mann, Sx ist ihr wichtig, sehr wichtig und im letzten Kapitel redet sie in Gedanken Klartext, so modern, dass man glaubt, eine Episode Sx and the City zu sehen. Da geht es wirklich ab, mal doggy style, mal' ===Der erste Eindruck, den ich von diesem Buch hatte war, === dass jedes Buch ein schwerer Brocken wird, wenn man 1. Jegliche Beschreibungen streicht (vor allem wo und wann sich der Leser befindet). 2. Jegliche Kapitelunterteilungen streicht. 3. Nicht gescheit formatiert und inneren Monolog kursiv druckt, Beschreibungen normal Druckt und direkte Rede in Anführungszeichen verbannt. Das Buch wirkt zunächst einfach nur grausam unformatiert. Erst nach und nach wurde mir klar, dass es all das nicht braucht, um eine Geschichte zu erzählen. Während der Lektüre begann ich den Alltag genauer zu betrachten, meinen Gedankenfluss, die alltäglichen Gespräche und siehe da' Joyce beschreibt das alles korrekt. Alltäglich Gespräche sind tatsächlich so Sprunghaft, so chaotisch, so unzusammenhängend. Die Grenzen zwischen innerem Monolog und dem, was man ausspricht sind fließend. Die Beschreibungen der Umgebung, die eigene Wahrnehmung sind immer im eigenen inneren Monolog beinhaltet. Man sieht also die Welt durch Blooms Augen. Als Frau geht man in einigen dieser Kapitel durch Dublin und schaut durch die Augen eines Mannes. Was betrachtet er und warum? Er schaut Frauen nach, er schaut, wie sie sich die Strumpfhose richten, er ärgert sich, wenn eine Straßenbahn ihm den Blick auf eine entblößte Wade versperrt. Diese männliche Sichtweise der Welt ist für Frauen erstaunlich aufschlussreicht, denn ich glaube nicht, dass sich die Männer seit 1904 wirklich viel verändert haben. ===Anstrengend ist, === dass jedes der Kapitel in einem anderen Stil geschrieben ist und dieser Schreistil zum einen auf die Spitze getrieben wird und zum anderen auch noch durch den Kakao gezogen wird. Besonders gelungen ist das in dem Kapitel, in dem ein junges Mädchen am Strand über ihre zukünftige große Liebe im Groschenheftstil sinniert, Bloom zu einem mysteriösen Unbekannten, Held ihrer Träume stilisiert, mit ihm über große Distanz hin spielt, in sexuell reizt '. Und dann kommt seine Sichtweise und bringt den Leser wieder auf den Boden der Tatsachen und die ist, milde ausgedrückt, ernüchternd. ===Warum war das Buch damals, als es erschien, so ein Skandal?=== Weil es zu modern war und teils noch ist. Weil es gotteslästerlich ist. Weil es teils antisemitisch ist. Weil es die Welt beschreibt, wie sie war und ist. Da geht man eben aufs Klo, da wischt man sich den Hintern ab, da furzt man, da popelt man eben in der Nase, wenn man kein Taschentuch hat und legt die Popel auf einem Felsen zum Trocknen aus. Dazu ist das Buch noch voller Anspielungen sehr eindeutiger Art in teils alltäglichen Situationen. Ich kenne keinen anderen Autor, der die Eucharistie mit der Fellatio gleichstellt, bei der geschluckt aber nicht gekaut wird'. Bei dem das Zapfen eines Bieres zum Streicheln des männlichen Fortpflanzungsorganes wird. Das Extrem bildet dann 15. Kapitel ' Circe, das schon fast in eine albtraumartige SM Welt abgleitet mit diversen erniedrigenden Praktiken, die mir teilweise selbst heute noch etwas extrem erscheinen. ===Nun werden sich wohl einige Fragen. Ja und? Um was geht es denn nun in diesem Buch?=== Was passiert? Wer Handlung erwartet, wird enttäuscht sein und sollte das Buch nicht lesen. Hier geht es hauptsächlich um Sprache, um eine wortgewaltige Beschreibung der Welt, teils mit Lauten, teils durch experimentelle Stilmittel. Stephen Daedalus frühstückt, geht seinem Job als Aushilfslehrer nach, geht an den Strand, in die Bib, ins Bordell und zu Bloom nach Hause. Leopold Bloom, geht Einkaufen, frühstückt (Niere), geht zum Drogeristen einkaufen, ins öffentliche Bad, auf eine Beerdigung, kurz in die Zeitungsredaktion, Mittagessen, arbeitet ein bischen, isst wieder und schreibt einen Brief, geht ins Bordell, in ein Cafe mit Stephen Deadalus, nimmt Stephen auf einen Kakao mit heim, geht schlafen. Molly Bloom frühstückt, hat Spass mit nem Liebhaber und tut nicht so wirklich viel. ===Fazit:=== Ein Meisterwerk, auf das man sich bewusst einlassen muss, dem man sich öffnen muss, das noch heute polarisiert. Nur selten habe ich ein derartiges Flow Erlebnis gehabt wie beim lesen des 11. Kapitels '- Sirenen. Dieser Roman ist ein sinnliches Erlebnis, das hätte ich nicht erwartet. Ich hatte eher Angst ihn überhaupt anzufangen, denn die meisten, die ich auf dieses Buch ansprach meinten nur, dass sie nach wenigen Kapitel angebrochen hätten, es würde sich nicht einmal zum Grillanzünden eigenen, weil es so langatmig wäre, dass es den Kohlen den Sauerstoff zum Brennen nehmen würde. Ich bin dennoch froh, dass ich den Mut hatte, das Buch zu lesen und ich werde es in einigen Jahren erneut lesen, denn mit jeder neuen Erfahrung, die man selber macht, wird man dieses Buch anders lesen. Meisterlich.

    Mehr
  • Rezension zu "Ulysses" von James Joyce

    Ulysses
    Steerpike

    Steerpike

    23. September 2007 um 12:45

    Bekanntlich ist es ein einziger Tag, an dem sich die Handlung des "Ulysses" abspielt, ein eher unspektakulärer Tag im Leben Leopold Blooms, Annoncenakquisiteur für eine Dubliner Tageszeitung, und Stephen Dedalus', Lehrer und Bohemien im Dublin der Jahrhundertwende. Der 16. Juni 1904. Der Roman ist in 18 Kapitel unterteilt, die sich an Stationen der Odyssee orientieren, die ersten drei bilden das Äquivalent zur Telemachie und beschäftigen sich also mit Odysseus' Sohn Telemachos bzw. seiner irischen Inkarnation Stephen Dedalus: Dieser unterhält sich mit seinem Freund (?) und Studienkollegen, dem schelmenhaften Malachi Mulligan, über ihr Verhältnis zueinander. Danach geht Stephen in die Schule, um zu unterrichten, schließlich folgen wir ihm an den Strand, wo der erste harte Bewusstseinsstrom wiedergegeben wird. Die folgenden zwölf Kapitel sind die eigentliche Odyssee und beschreiben die Peregrinationen Leopold Blooms, Joyces eigenwillige Odysseus-Figur, durch die Straßen und Gebäude von Dublin: u.a. die Zeitung, für die Bloom arbeitet, eine Bibliothek, in der sich gelehrt über Shakespeare unterhalten wird, ein Krankenhaus, in dem eine Bekannte Blooms - Mina Purefoy - eine schwierige und lange Geburt hat, und ein Bordell, in dem einige kafkaeske Szenen stattfinden, im Laufe derer Bloom zunächst angeklagt wird, dann sexuell unterworfen, zum sexualisierten Kaiser aufsteigt, er schließlich Stephen findet, diesen vor einer Prügelei mit einem Soldaten bewahrt und sich mit ihm auf den Nachhauseweg macht. Die letzten drei Kapitel beschreiben die Heimkehr (Nostos), die ersten beiden geben dabei die gemeinsam verbrachte Zeit von Stephen und Bloom wieder, das letzte Kapitel ist ein Ausschnitt des Bewußtseinsstroms von Molly Bloom, Ehefrau Leopolds und damit Penelope-Figur - allerdings eine besondere Variante, denn sie erwehrt sich im Gegensatz zu ihrem Vorbild ihrer Freier nicht, im Gegenteil. Das Frauenbild, das in dieser Episode und auch in der sonstigen Darstellung Mollys auftaucht, ist übrigens recht gewöhnungsbedürftig: dümmlich-naiv, ohne Punkt und Komma (wörtlich zu nehmen) plappernd und dumpf sinnlich. Es ist bemerkenswert, dass sämtliche Sekundärtexte, die ich im Internet und meinen Bücherregalen gefunden habe, sich eigentlich nicht weiter mit der Narration bzw. dem Inhalt der Geschichte auseinandersetzen. Ich habe allerdings den Eindruck, dass man von dieser Handlung sicherlich mehr versteht, wenn man sich ein bisschen in der irischen Geschichte, vor allem der ihrer national(istisch)en politischen Bewegungen auskennt oder wenn man etwas über die südafrikanische Kolonisationsgeschichte weiß, die immer wieder angesprochen wird. Wovon hingegen immer wieder die Rede ist, ist zum einen der Anspielungsreichtum des "Ulysses", Joyce wird gern dahingehend zitiert, dass er sein Buch als unerschöpfliche philologische Fundgrube gestaltet haben will (die Odyssee ist bei weitem nicht der einzige Intertext des "Ulysses", nur der offensichtlichste) - eine mit Vorsicht zu genießende, spöttische Aussage. Zum anderen liegt der Fokus auf der formalen Gestaltung, auf der Sprache, den unterschiedlichen Stilebenen, den unterschiedlichen Formen, in denen die Episoden geschrieben sind. Interessant ist hierbei, dass dem Text ein ästhetizistischer Charakter häufig abgesprochen wird, dass man ihn ziemlich einhellig in eine realistische/naturalistische Tradition stellt. So wurde er auch von den Zeitgenossen wahrgenommen, etwa von Alfred Döblin, der die disruptive und nicht-lineare Erzählweise des "Ulysses" als Reaktion auf das aufkommende Kinozeitalter sieht. Ich finde das historisch verständlich, aber aus der heutigen Perspektive eher unzutreffend. "Ulysses" ist passagenweise ein hermetischer Text, genauso gut oder schlecht zu verstehen, wie ein Gedicht von Mallarmé oder dergleichen. Der Gewinn, den man daraus ziehen soll, wird von vielen - wie erwähnt - gerade in der reichhaltigen Anspielungsstruktur, also der Gelehrsamkeit und in der formalexperimentellen Virtuosität gesehen. Das sind für mich allerdings wirklich ästhetizistische Merkmale par excellence. Wenn der "Ulysses" realistisch sein soll, dann allenfalls hyperrealistisch, was man zB gut am 17. Kapitel erkennt, wo bestimmte Wahrnehmungen und Sachverhalte in einem Detailreichtum beschrieben werden, die in dieser Wucht keinen kognitiven Filter passieren könnten. Sprachlich blitzt abseits der hermetischen Passagen unbestritten immer wieder Joyces Meisterschaft auf, der Anfang des 16. Kapitels ist etwa auf eine Weise konzise, die ihresgleichen sucht. Auch der Humor kommt nicht zu kurz, da gibt es etwa den schottisch sprechenden Antichrist in Kapitel 15 oder die zum Teil sehr lustigen Frage-Antwort-Sequenzen im 17. Kapitel. Der philosophische Mehrwert wird vom Ballast der hermetischen Passagen hingegen weitgehend erdrückt, wobei ich vor allem die Gespräche im ersten (Turm), siebten (Zeitungsredaktion) und neunten Kapitel (Bibliothek) gerne etwas besser verstanden hätte. Ich bin sicherlich niemand, der von einem Text vor allem anderen leichte Durchschaubarkeit fordert, aber gerade belletristische Texte sind für mich genau in dem Maße interessant, in dem sie - im weiten Sinne - philosophische Sachverhalte narrativ darzustellen in der Lage sind. Dafür sind auch formale Experimente nötig, aber für mein Empfinden in einem etwas verdaulicheren Verhältnis zur eigentlichen Narration als beim "Ulysses". Dass der "Ulysses" überhaupt kein narrativer Text sei, habe ich dabei auch gelesen, doch der Text selbst nimmt auf sich als "narration" Bezug - eine hermeneutische Zwickmühle. Zusätzlich wird das Verständnis durch die unheimliche Masse an Personal erschwert, das im seltensten Fall auch nur einigermaßen Kontur gewinnt. Auch hier habe ich den Eindruck, dass der Anspielungsreichtum (angeblich soll man ja ganz viele Personen aus dem gesellschaftlichen Leben Dublins im "Ulysses" mehr oder weniger verfremdet wiederfinden) wichtiger war als eine künstlerische Konturierung der Figuren. Ich empfinde das ganz klar als Mangel. Dennoch kann ich von der Lektüre nicht eigentlich abraten, vor allem, da die letzten Kapitel doch phasenweise gut zu lesen sind und noch einmal einiges an Ordnung in die Geschichte bringen. Eine Zweitlektüre gibt es sicherlich einmal, aber nur noch mit einem annotierten Text, der mir die politischen und historischen Hintergründe aufschlüsselt. Beim ersten Lesen blieb bei mir vor allem der starke Akzent auf allem, was mit (institutionalisierter) Sexualität zu tun hat, hängen. Und das mit den Darstellungen der "Odyssee" zu vergleichen, wäre sicherlich nicht das unspannendste, was man mit diesem Text anstellen könnte. Ob man unbedingt die "Odyssee" aus dem ff kennen muss, weiß ich nicht. Ich kenne sie nicht sehr gut, aber manche Bezüge waren auch mir überdeutlich, dabei eher auf einer motivischen Ebene, was ich weniger interessant finde, wenn es nicht für die Narration funktionalisiert wird, andere waren hingegen kaum zu erkennen. Gäbe es nicht in jedem Lexikon eine Auflistung der Parallelen zwischen den Episoden in der "Odyssee" und dem "Ulysses", ich hätte sicherlich oft gar nichts gemerkt.

    Mehr