James L. Burke Im Dunkel des Deltas

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Inhaltsangabe zu „Im Dunkel des Deltas“ von James L. Burke

Der mit dem Edgar-Allan-Poe-Preis ausgezeichnete Krimiautor erzählt in seinem neuen Roman wieder von undurchsichtigen Machenschaften in New Orleans und der fiebrigen Hitze des amerikanischen Südens. Detective Dave Robicheaux versucht die Hintergründe für die Vertreibung der schwarzen Farmerfamilie Fontenot aufzudecken. Doch bald fließt Blut, und es scheint, daß Robicheaux gefährlichen Geheimnissen zu nahe gekommen ist.

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    Im Dunkel des Deltas
    Stefan83

    Stefan83

    22. March 2015 um 16:34

    Während ich die letzten Jahre meine Besprechungen zu den Kriminalromanen von James Lee Burke eher ins Blaue und als informative Notiz für eventuelle Rückblicke in der Zukunft geschrieben habe (immer mit der unterschwelligen Hoffnung, dass bei einem Verleger mal ein Licht aufgeht), scheint nun mit dem Engagement des Pendragon Verlags („Sturm über New Orleans“ ist soeben erschienen, „Neonregen“ soll im Herbst neu aufgelegt werden) ein näherer Blick auf die herausragende Dave-Robicheaux-Serie wieder mehr Sinn zu machen. Nicht zuletzt auch deshalb, weil alle Titel über einen längeren Zeitraum allenfalls antiquarisch (und das zu Mondpreisen) erhältlich gewesen sind. Das könnte sich – genügend Nachfrage und passende Verkaufszahlen vorausgesetzt – jetzt wieder ändern. Und der achte Fall des bärbeißigen Cops aus dem schwül-heißen New Iberia – der siebte, „Dixie City Jam“ ist bis heute unübersetzt geblieben – bietet sich dafür perfekt an, gehört er doch zu den Höhepunkten einer von vielen Höhepunkten durchsetzten und preisgekrönten Reihe. Was mich wiederum vor ein gewisses Dilemma stellt, denn „Im Dunkel des Deltas“, bereits 1995 im Original erschienen, schreit gerade zu nach einer inflationären Benutzung von Superlativen – eine Angewohnheit vieler Rezensenten, welche mich selbst zunehmend stört, da doch die Glaubhaftigkeit des Kritikers nach hunderten „großartiger“ Romane in Folge irgendwann leidet. In diesem Fall (zugegeben, auch bei den meisten anderen Titeln dieses Schriftstellers) bleibt mir jedoch – auch die Tatsache, dass James Lee Burke wohl DER Krimi-Autor für mein Wenigkeit ist, außen vor gelassen – keine andere Wahl, als in dieselbe Kerbe zu schlagen, denn, nun ja, „Im Dunkel des Deltas“ ist tatsächlich eben das: Großartig. Und damit doch noch ungenügend gewürdigt. In dem riesigen Bottich austauschbarer, fader, stets nach Schema-F-gebügelter Krimi-Literatur ist Burke einer der wenigen Schreiber, welche dem Genre Bedeutung, dem Wort „Literatur“ Berechtigung verleihen. Neben ihm wirken die Deavers, Pattersons oder McFadyens dieser Zeit wie zahme Hauskatzen, welche allein dem Aspekt der Unterhaltung dienen, während sie teilnahmslos vom alten Tiger im Schatten beobachtet werden. Denn dort hatte James Lee Burke leider zuletzt, zumindest in Deutschland, seine Tage verbracht, bis im letzten Jahr die Auszeichnung seines Romans „Regengötter“ mit dem Deutschen Krimi Preis in der Kategorie „International“, ihn wieder ins Scheinwerferlicht gerückt hat. Eine späte Ehre für den fast achtzigjährigen Texaner, dessen Erscheinungsbild an Tommy Lee Jones gemahnt und dessen Freundlichkeit selbst im familiären Milieu der Schriftsteller beispielhaft ist. Doch zurück zum Buch: „Im Dunkel des Deltas“ bietet, zumindest nach dem Blick auf den Klappentext, welcher uns folgende Handlung „teasert“, für Robicheaux-Kenner nichts „Neues“: Seit über hundert Jahren lebt die schwarze Farmerfamilie Fontenot auf einer Plantage in der Nähe von New Orleans. Bis man sie eines Tages von dem gepachteten Stückchen Land vertreiben will. Detective Dave Robicheaux kümmert sich darum und stößt auf die zwielichtigen Machenschaften des Giacano-Clans. Bald verstrickt er sich selbst in das wirre Geflecht der undurchsichtigen Verbindungen. Erste Anhaltspunkte ergeben sich durch ein Notizbuch, das ihm Sonny Boy Marsallus, ein Dealer und Spieler zwischen den Fronten, auf der Flucht vor den Schergen des Clans anvertraut. Doch schon bald fließt das erste Blut … Ein kurzer Blick auf diese knappe Zusammenfassung der Ereignisse lässt nur wenig von der Komplexität des Plots erahnen, welche in so starkem Kontrast zu den konstruiert-künstlichen Fäden der Krimi-Konkurrenz steht und dem Leser von Beginn an deutlich macht: „Im Dunkel des Deltas“ ist mehr als nur eine typische Ermittler-sucht-Mörder-Geschichte, Dave Robicheaux nicht einfach nur ein weiterer kaputter Polizist in der Riege abgewrackter Tatort-Schnüffler. Nein, James Lee Burke hat hier – und man muss schon sagen erneut – ein ganzes Genre auf eine Ebene gehoben, wo die üblichen Gesetze ausgehebelt werden, das reine Funktionieren des Krimis in den Hintergrund gerät, um an seiner statt ein enges Garn aus Sozialkritik, philosophischen Überlegungen und Diskussionen sowie moralischen Fragen zu spinnen, welches trotzdem nie an Suspense einbüßt. Im Gegenteil: Von Sonny Boy Marsallus, der sich lange Jahre als Söldner und Mitarbeiter der DEA verdingt hat über den lokalen Kopf der Mafia, John Polycarp Giacano bis hin zum irren Killer Patsy Dapolito – sie alle verleihen der Handlung, aufgrund der Art und Weise wie sie beschrieben werden, eine Glaubwürdigkeit, die weit über den üblichen authentischen Anstrich hinausgeht, was uns als Leser schlichtweg vergessen lässt, dass wir ein Stück Fiktion in den Händen halten. Das Moment der Gefahr, die angespannte Bedrohlichkeit einer Situation, die weit davon entfernt ist, unter Kontrolle zu sein. Der wilde Charakter eines Dave Robicheaux, welcher nicht selten ein Gefangener seiner eigenen Konventionen ist. Die Unberechenbarkeit und Sprunghaftigkeit seines Partners Cletus Purcel. Wo sonst die ausgetretenen Pfade in einem Kriminalroman erkennbar sind, der Leser einer U-Bahn-Fahrt gleich die Stationen abfährt, hängt hier dichter Nebel wie spanisches Moos über den Ereignissen, der unsere Sicht der Dinge umwölkt und uns damit gleichzeitig an die Seite der Protagonisten holt. Nur tastend bewegen wir uns vorwärts – unwissend wo die wahren Hintergründe liegen bzw. wer hier eigentlich gut, wer böse ist. Burke spielt mit dieser Unsicherheit, den mysteriösen Fragen und den Geheimnissen, die nicht nur mit den Figuren, sondern auch mit manchen Orten verbunden sind, wodurch deren Geschichtsträchtigkeit genauso betont wird, wie die Tatsache, dass die Vergangenheit immer Auswirkungen auf die Gegenwart hat. Alte Fehden, frühere Verfehlungen, tief verwurzelter Hass – weit über die auch heute immer noch allgegenwärtige Rassenthematik im Süden sind die Protagonisten in Burkes Romanen oft miteinander verflochten. Die Beziehungen zwischen Robicheaux und seiner Familie, seine Freunde, Mitarbeiter und sein Chef, der Sheriff (der gewissermaßen als Blaupause für die Ausarbeitung des Hackberry Holland in „Regengötter“ verstanden werden kann) vervollständigen das Bild eines soliden, bodenständigen Mannes, der nichts mit den üblichen Reißbrettfiguren der Krimi-Szene gemein hat, wovon wiederum auch alle anderen in seinem Umfeld profitieren. Bei „Im Dunkel des Deltas“ ist hier allen voran Sonny Boy Marsallus zu nennen, dessen eigene Intentionen lange verborgen bleiben und trotz wechselhafter und düsterer Vergangenheit recht schnell zur Sympathiefigur des Buches aufsteigt. Sein Schicksal ist eng mit dem Spannungsbogen verknüpft. Doch neben all der Spannung und Intensität – die Prosa ist der Grund, warum „Im Dunkel des Deltas“ (und überhaupt jeder Dave-Robicheaux-Krimi) mich bei der Lektüre aus den Angeln hebt. James Lee Burke ist nichts geringer als ein Poet, ein geschickter, ja kunstfertiger Handwerker, der genau weiß, wie er die Kraft des Wortes zu nutzen hat, um den damit verbundenen gewünschten Effekt zu erzielen. Und er ist gleichzeitig ein Maler, der in jeden Pinselstrich mehr Gefühl legt und damit auch gleichzeitig weckt, als andere Autoren über die gesamte Distanz eines Buches. Niemand erreicht diese Wärme, diese Hingabe, diesen lyrischen Nachklang, wie James Lee Burke. Und auch kein anderer Schriftsteller kann mich so an die Hand nehmen, in eine Szene des Romans führen und mich spüren lassen, wo dieser Platz ist, wie er riecht, schmeckt und sich anfühlt. Das urwüchsige, archaische Element der Landschaften mit ihren Sümpfen und Flussarmen, das Flair und der Rhythmus der Stadt, das schweißtreibende, elektrisch aufgeladene Klima – die Essenz des Südens befindet sich direkt vor uns. Sie ist hier, zwischen den Seiten, reduziert und komprimiert zwar, aber doch von einer Konsistenz und Wirkung, welche mit Kopfkino nur ungenügend beschrieben ist. William Faulkner, John Steinbeck, Richard Ford – dies sind große Namen der amerikanischen Literaturgeschichte, neben denen man auch James Lee Burke nennen und ins Regal stellen darf. Ohne schlechtes Gewissen, ohne Wimpernzucken. „Im Dunkel des Deltas“ ist eben all das, was ein guter Kriminalroman aus der Feder eines begnadeten Schriftstellers sein kann. Ein schweißtreibender, düsterer und bis zur letzten Zeile kraftvoller Trip in einen Landstrich der Welt, in dem die Uhren noch immer anders ticken.

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