James Lawrence Powell

 4,1 Sterne bei 47 Bewertungen
Autor*in von 2084 und 2084.

Lebenslauf

James Lawrence Powell ist Wissenschaftler, ehemaliger Hochschulpräsident, Museumsdirektor und Autor. Er war zwölf Jahre lang Mitglied des National Science Board der USA, eines renommierten Beratungsgremiums für die US-Forschungspolitik.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von James Lawrence Powell

Cover des Buches 2084 (ISBN: 9783404070039)

2084

(47)
Erschienen am 30.09.2021
Cover des Buches 2084 (ISBN: 9783838795515)

2084

(0)
Erschienen am 30.09.2020

Neue Rezensionen zu James Lawrence Powell

Cover des Buches 2084 (ISBN: 9783404070039)
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Rezension zu "2084" von James Lawrence Powell

wordworld
Literarisch langweilig, aber inhaltlich ein wichtiger Weckruf!

In seinem fiktiven Sachbuch "2084" entwirft der Geochemiker James Lawrence Powell ein düsteres, aber aufrüttelndes Bild unserer möglichen Zukunft. Dafür nimmt der Autor die fiktive Perspektive eines wehmütigen Klimawissenschaftlers ein, der im Jahr 2084 über die zerstörte Welt sinniert, sich an die Zeiten seines Vaters und Großvaters zurückerinnert und sich fragt, was für einen Grund die Menschen Anfang des Jahrhunderts hatten, die Zerstörung ihrer Lebensgrundlage nicht zu verhindern. Eingeteilt in die Überkapitel "Dürre und Feuer", "Überschwemmung", "Anstieg des Meeresspiegels", "Eis", "Krieg", "Faschismus und Migration", "Gesundheit", "Artensterben" und "Ein Ausweg" schildert er, wie die Zukunft der Menschheit aussehen könnte, wenn wir auf dem bisher eingeschlagenen Weg der Klimazerstörung bleiben. Mit Hilfe von Interviews, Ortsberichten und Essays von erfundenen WissenschaftlerInnen und JournalistInnen wird so ein globales Bild der Zerstörung gezeichnet. 

"Wir Menschen rühmen uns für unser vernunftbestimmtes Denken, aber wenn die menschliche Zivilisation auf dem Spiel steht, entscheiden wir uns für Ideologie und Ignoranz."

Auch wenn es sich hier also strenggenommen nicht um ein Sachbuch, sondern um einen dystopischen Roman handelt, verzichtet der Autor weitgehend auf literarische Ausschmückungen. Sein Stil ist sachlich nüchtern, repetitiv und nicht in der Lage, die einzelnen Kapitel, Orte und vorgestellten Personen mit belletristischem Leben zu füllen. Allerdings hat der studierte Geochemiker es aber auch eigentlich gar nicht nötig, die Fakten in eine mitreißende Geschichte zu verpacken - denn die Zustände, die er beschreibt sprechen für sich und zeichnen ein erschreckendes Bild. Man darf hier also keinen packenden Roman im klassischen Sinne erwarten und das Buch eher als extrapolierendes Sachbuch verstehen, das gegenwärtigen Entwicklungen in alarmierende Szenarien weiterdenkt.

"Es ist keine Frage des Ob, sondern nur des Wann. Für die Menschen auf dieser Welt gibt es keine sichere Zuflucht vor der Erderwärmung.“

Das Buch ist auf englischer Sprache erstmals 2011 erschienen, was bedeutet, dass es mittlerweile durchaus neuere Daten gibt. Allerdings sind die grundlegenden Erkenntnisse der Klimaforschung schon weitaus älter und das Buch erhebt auch nicht den Anspruch einer exakten Vorhersage. Von Beginn an ist klar: Nicht alle Schreckensvisionen, die in den 25 Kapiteln über den ganzen Globus hinweg geschildert wurden, werden genauso eintreten, manche sind aus wissenschaftlicher Sicht strittig, ein paar übertrieben, manche vielleicht auch untertrieben. Aber der Grundtenor, dass eine globale Erwärmung um 4 (oder mehr) Grad Celsius eine gigantische Zerstörung der ökologischen und meteorologischen Gleichgewichte auf unserem Planeten verursachen wird, was sich in Zerstörungen ganzer Landstriche sowie einer Vielzahl menschlicher Krisen niederschlagen wird, ist aber nicht von der Hand zu weisen. 

"Die Menschen waren bereit, für eine Vielzahl von Gründen zu protestieren und zu streiken, und haben oft gewonnen. Warum also haben sich diejenigen, die wussten, dass die Zukunft ihrer Enkelkinder auf dem Spiel stand - möglicherweise samt der Zukunft der Zivilisation selbst - nicht erhoben und von ihren Regierungen Maßnahmen zur Reduzierung des CO2-Ausstoßes gefordert und, falls sich die Regierung geweigert hätte, ihr Leben in die Waage geworfen, um sie abzulösen? Waren sie menschliche Wesen oder Schafe?"

Als ich das Buch 2020 zum ersten Mal gelesen habe, musste ich einige Abschnitte auslassen – die Wucht der Zukunftsvision war für mich damals schwer zu ertragen. Auch beim erneuten Lesen wirkt die Darstellung nach: Sie geht unter die Haut, macht Angst und betont einmal mehr, wie dringend gehandelt werden muss. Das wird besonders im letzten Kapitel nochmal deutlich, in dem der Autor Strategien vorstellt, die Klimakaterstrophe noch abzuwenden. Allerdings hinterlässt die Tatsache einen bitteren Beigeschmack, dass der Autor das Jahr 2020 als Point of no Return benennt und ausgerechnet die Atomkraft als Allheilmittel anpreist. So bleibt ein starkes Warnsignal zurück, dass es für vieles bereits zu spät sein könnte, es sich deshalb aber umso mehr lohnt, aktiv zu werden und sich für eine lebenswerte Zukunft für alle einzusetzen. 

"Irgendetwas stimmt nicht mit uns. Wir besitzen die intellektuellen Fähigkeiten, die Mittel zu unserer eigenen Vernichtung zu erfinden, aber nicht die Vernunft, die uns davon abhält, sie zu benutzen" - Walter Miller.

 

Fazit

"2084" ist keine angenehme Lektüre – und will es auch nicht sein. James Lawrence Powell entwirft ein erschütternd realistisches Zukunftsszenario, das weniger Fiktion als eine warnende Fortschreibung der Gegenwart ist. Auch wenn nicht jede Prognose eintreffen wird, ist die Botschaft klar: Die Klimakrise ist real, global und dringlich. Wer nicht nur verstehen, sondern fühlen will, was auf dem Spiel steht, sollte dieses Buch lesen – und danach handeln.

Cover des Buches 2084 (ISBN: 9783404070039)
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Rezension zu "2084" von James Lawrence Powell

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Einiges Problematisches

1967 wurde „The War Game“ von Peter Watson mit dem Oscar als Bester Dokumentarfilm ausgezeichnet – die produzierende BBC stellt den Film allerdings 20 Jahre in den Giftschrank und strahlte ihn nicht aus. Zu deutlich war die Kritik an der britischen Regierung in Bezug auf Atomnutzung, zu heftig die Auswirkungen. „Eine fiktive Reportage über einen Atombombenangriff auf englische Städte und seine schrecklichen Auswirkungen auf die Bevölkerung“, schreibt das Lexikon das internationalen Films. Auch, wenn „2084“ ein Buch ist, entstammt er doch demselben Genre wie „The War Game“ und da mich dieser Film tief beeindruckt hat, hatte ich gehofft, das ich das Buch ähnlich gut finden werde. Leider hat das NICHT geklappt.

Wenn man sich noch wenig mit dem Thema beschäftigt hat, gibt es Buch einige plastische und drastische Beispiele, wie die Welt in 60 Jahren aussehen wird, wenn wir nicht schaffen, das Ruder noch herumzureißen. Aber manches ist dann schon redundant und in den Beispielen liegen immer wieder auch Probleme, so dass ich das Buch nicht wirklich empfehlen kann. Manches mag auch daran liegen, dass die ursprüngliche Fassung bereits 2011 erschien. Die Überarbeitung erfolgte vermutlich 2020.

James Lawrence Powell bezeichnet sein Buch als „Roman“, formal nutzt er die Interviews, die an Oral History angelehnt sind. Da fing schon an einigen Stellen das erste Problem an: Die Protagonist*innen erzählen aus ihrer Sicht und da kommen auch hin und wieder Slurs durch. Negativ aufgefallen ist mir schon die Bewertung von Migration, die durchaus rassistische Slurs beinhaltet. Nur ein Beispiel:

„2050 hatten so viele Migranten Gibraltar überschwemmt“

Wenn Menschen als Naturgewalt dargestellt werden, werden sie entmenschlicht. „Horden“ ist ein weiteres Beispiel im Buch. Das ist eine sehr übliche Taktik, um menschenverachtendes Vorgehen gegen Migrant*innen zu rechtfertigen. In „2084“ bleibt das aber einfach so stehen, ohne, dass die Haltung oder Zuverlässigkeit des Erzählenden thematisiert wird. Dazu fällt im Text das I-Wort und das E-Wort.

Es gibt noch weitere Narrative, die ich sehr problematisch finde. So wird darauf angespielt, dass Überbevölkerung Teil des Klimaproblems sei.

„Daher würde ein Bevölkerungszuwachs von zehn Prozent zu einem Sinken des Lebensstandards um zehn Prozent führen.“

Das ist aber zum einen falsch und menschenverachtend – es sind die Emissionen, die das Problem verursachen, und unsere Unfähigkeit damit umzugehen – und dazu andererseits ein beliebtes „Argument“ von Klimaverharmloser*innen. Ähnlich ist es mit der Behauptung, dass einzelne Länder nichts ausrichten könnten. So heißt es im Buch über die Niederlande:

„Im Jahr 2000 emittierten die Niederlande nur ein halbes Prozent des globalen Kohlendioxidausstoßes. Wir haben unsere Emissionen trotzdem um die Hälfte reduziert, aber im globalen Maßstab war es »een druppel op een gloeiende plaat« – ein Tropfen auf den heißen Stein, wie Sie sagen würden.“

Bei über 190 Ländern könnten das alle von sich sagen und nichts machen. Genau DAS ist ja schon seit Jahren das Problem. Deutschlands Beitrag zum jährlichen Menschen-gemachten CO₂-Ausstoß beträgt laut Umweltbundesamt "nur" 1,8 Prozent. Dabei war Deutschland 2021 der siebtgrößte CO₂-Emittent weltweit. Wer soll denn dann überhaupt anfangen?!?

Und auch, wenn ich es gut finde, dass Faschismus aufgrund der Kllimakrise thematisiert wird, widerspricht hier Powell auch der Faschismusforschung. Ein fiktiver Interviewpartner tut nämlich so, als wäre es eine Zwangsläufigkeit, als müssten etablierte Parteien beim erstarken von faschistischen deren Positionen bei der Migrationspolitik übernehmen. Genau das Gegenteil ist der Fall.

Ich könnte noch einiges aufzählen, aber verloren hat mich das Buch dann mit seinem Ende: Powell macht die Atomkraft zu dem Allheilmittel, mit dem wir die Klimakatastrophe noch hätten verhindern können. Aber eigentlich wäre es dafür in den 2020ern schon zu spät gewesen – also findet er im Jetzt schon alles zu spät. Cool, danke für den Abgesang. Aber dann gucken wir uns die Atomkraft doch nochmal genauer an: So wird im Buch behauptet, dass es die billigste Form der Energieerzeugung wäre, nö, ist es schon länger nicht. Der Bau von Atomkraftwerken dauert lange und ist so teuer, dass sogar die chinesischen Investoren aus einem Bau in Großbritannien ausgestiegen sind. Auch Frankreich steht für Powell als „gutes“ Beispiel. Dabei wird, obwohl das Buch 2020 aktualisiert wurde, überhaupt nicht darauf eingegangen, dass die französischen Atomkraftwerke in den vergangenen Jahren massive Probleme mit der Kühlung hatten. Denn aufgrund der Erderhitzung führen die Flüsse immer weniger Wasser, die Kühlung ist in Gefahr – und die Atomkraftwerke mussten abgeschaltet werden. Auch wird der massive Zubau von erneuerbaren Energien ignoriert, ein ominöses Bild von Dunkelflaute aufgebaut und die Entwicklung von Speicherkapazitäten, die diese abfangen, ebenfalls ausgespart (Stichwort Solarthermie und neue Batteriesysteme). Aber wenn man sich auf Atomkraftwerke eingeschossen hat, sieht man das alles vermutlich nicht mehr. Erst recht nicht, dass im Buch mehrere Atomkriege geschildert werden, aber die Gefahr der Atomenergie nur anhand der Opferzahlen bisheriger Unglücke berechnet wird.

In den allerletzten Zeilen der Interviews liegt allerdings wieder eine tiefe Wahrheit: Warum fordern die Menschen nicht endlich den Erhalt ihrer Lebensgrundlagen von der Politik massiv ein?

Fazit: Eigentlich war ich beim Lesen die meiste Zeit bei 2,5 Sternen, nach dem Schluss kann ich das Buch nicht empfehlen. Ich vergebe 2 von 5 Sternen, einen davon, weil die Beispiele zum Teil wirklich sehr anschaulich sind.

Cover des Buches 2084 (ISBN: 9783404070039)
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Rezension zu "2084" von James Lawrence Powell

itwt69
Fakt oder Fiktion?

Mit dieser hoffentlich fiktiven Zeitreise durch den Klimawandel konnte ich mich zunächst überhaupt nicht anfreunden, das Interviewformat trug ein Übriges dazu bei. Mit jeder Seite jedoch wurde es spannender und auch erschreckender, was in diesem Jahrtausend noch alles passiert bzw. passieren kann. Mir war nicht bewusst, dass so viele Menschen vom Schmelzwasser diverser Berge abhängig sind. Das Fazit zum Schluss, dass die Atomkraft das Klima hätte retten können und die Vorbehalte unbegründet seinen kann ich absolut nicht nachvollziehen. Wegen des relativ bescheidenen Anfangs und Schlusses gerade so 4 Sterne.

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