Als Reisender kennt man das vielleicht. Man läuft umher, lässt sich treiben und landet manchmal eben auch in einer Gegend, einem Viertel, einer Straße, die so gar nichts zu bieten hat. Die viel beschworene „Straße ins Nichts“ ist in diesem Fall jedoch zu vernachlässigen. Man dreht sich um, und verfolgt den zuvor eingeschlagenen Weg weiter.
Dave Robicheaux kann nicht einfach umdrehen und weitermachen wie bisher. Letty Labiche braucht seine Hilfe. Sie wartet im Staatsgefängnis von Louisiana auf die Vollstreckung ihres Urteils. Nein, es geht nicht darum zu erfahren, wann sie die meterdicken Mauern wieder als freie Frau verlassen darf. Es geht um das Datum ihres Todes. Sie erwartet der elektrische Stuhl oder die Giftspritze. Vater Staat als Vollstrecker – wenn er unfehlbar wäre, eine annehmbare Prozedur…
Dave Robicheaux weiß, dass Vater Staat nicht unfehlbar ist. Er selbst hegt enorme Zweifel an der Schuld der Frau. Ihm bleibt nicht viel Zeit, um Lettys Unschuld zu beweisen. Je mehr er sich in den Fall hineinsteigert, umso weiter dringt er – um im Sprachbild zu bleiben – in eine Straße ein, die ihn in ein Nichts führt, das er schon längst verdrängt hatte.
Dave Robicheaux – Alkoholiker, Ermittler mit Spürsinn und Gerechtigskeitssensoren und … einer Mutter, die vor dreißig Jahren verschwand. Das wühlt einiges in ihm auf. Der Griff zur Flasche ist nicht weit. Das Blut gerät in Wallung. Schweißperlen tropfen an ihm herunter wie das Wachs einer langsam verbrennenden Kerze.
Denn: Robicheauxs Mutter hatte vor über dreißig Jahren etwas gesehen, was sie nicht hätte sehen dürfen. Zwei Polizisten sahen aber, dass sie etwas gesehen hat, was sie nicht hätte .... okay, es ist klar, was passiert ist. Unklar ist nun aber, was Dave Robicheaux mit diesen neuen Erkenntnissen machen soll. Die Verantwortlichen zur Rede stellen? Uhh, die werden sich aber fürchten. Dreißig Jahre lang wurden sie gedeckt und konnten ein geruhsames Leben führen. Oder soll er selbst zur tat schreiten? Ist Dave Robicheaux an eine Grenze gelangt, die sein komplettes Leben auf den Kopf stellt. Hier geht es nicht um die Frage Beatles oder Stones, oder East Coast oder West Coast oder bei welcher Burgerkette man sein „Essen“ bestellt. Am Scheideweg seines Lebens führt der eine Weg in die Zukunft, der andere … ins Nichts.
Dave Robicheaux ist dem Alkohol verfallen. Er war, ist und bleibt immer Alkoholiker. Die Flasche hat er seit einiger Zeit nicht mehr angerührt. Alkoholiker bleibt er sein Leben lang. Er hat Freunde, die ihm bedingungslos folgen. Er hat Menschen bei sich aufgenommen, ohne Rücksicht auf die Hassreden der Verblendeten. Unrecht ist ihm zutiefst zuwider. Nun lernen wir einen Robicheaux kennen, der einen dunklen Fleck in seiner Biographie mit sich herumträgt. Schell wird klar, warum er damit nicht hausieren geht. Wenn er diesen dunklen Fleck verblassen lassen will, dann kann das sein Charakterbild verändern. In welche Richtung, das ist hier die Frage!





































