James Lee Burke

 4.3 Sterne bei 267 Bewertungen
Autor von Regengötter, Glut und Asche und weiteren Büchern.
James Lee Burke

Lebenslauf von James Lee Burke

Talent für Krimis weiter vererbt: Der 1936 geborene US-amerikanische Autor begann bereits im Alter von 19 Jahren zu schreiben. Nach seinem Studium an der University of Louisiana at Lafayette und der University of Missouri hat er als Lehrer und Journalist gearbeitet. Sein Debüt „Half of Paradise“ wurde 1965 veröffentlicht, aber erst mit seinen Kriminalromanen um den Südstaaten-Polizisten Dave Robicheaux etablierte er sich als erfolgreicher und ernstzunehmender Kriminalautor. Der erste Band „The Neon Rain“ erschien 1987 (dt. „Neonregen“, 1991). Außerdem entstammen die Buchreihen „Billy Bob Holland“ und „Hackberry Holland“ der Feder des US-Amerikaners, der mit dem Edgar Allan Poe Award ausgezeichnet und für den Pulitzerpreis nominiert wurde. Einige Werke des Schriftstellers wurden verfilmt. James Lee Burke lebt mit seiner Frau abwechselnd in Lolo, Montana und New Iberia, Louisiana. Das Paar hat vier Kinder, die gemeinsame Tochter Alafair Burke ist ebenfalls als Krimiautorin bekannt.

Neue Bücher

Nacht über dem Bayou

Erscheint am 30.01.2019 als Taschenbuch bei Pendragon.

Flucht nach Mexiko

 (3)
Neu erschienen am 04.10.2018 als Taschenbuch bei Pendragon.

Alle Bücher von James Lee Burke

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Regengötter

Regengötter

 (62)
Erschienen am 20.10.2014
Neonregen

Neonregen

 (26)
Erschienen am 06.07.2016
Glut und Asche

Glut und Asche

 (27)
Erschienen am 14.09.2015
Sturm über New Orleans

Sturm über New Orleans

 (19)
Erschienen am 09.01.2017
Blut in den Bayous

Blut in den Bayous

 (17)
Erschienen am 10.10.2016
Schmierige Geschäfte

Schmierige Geschäfte

 (11)
Erschienen am 20.05.2017
Fremdes Land

Fremdes Land

 (11)
Erschienen am 09.05.2016

Neue Rezensionen zu James Lee Burke

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Gulans avatar

Rezension zu "Flucht nach Mexiko" von James Lee Burke

Alte Geschichten.
Gulanvor 11 Tagen

Im Staat Louisiana ist systematische Korruptionsanfälligkeit selbstverständlich. Die Kultur, die Denkart, die religiösen Einstellungen und die Wirtschaft unterscheiden sich in nichts von einem karibischen Staat. Wer glaubt, im Staat Louisiana zu Reichtum und Macht zu kommen, ohne mit dem Teufel Geschäfte zu machen, weiß höchstwahrscheinlich nichts vom Teufel und noch viel weniger über Louisiana. (Auszug Seiten 142-143)

Im Sommer 1958 arbeiten der blutjunge Dave Robicheaux und sein Halbbruder Jimmie in Galveston, Texas. Als die beiden ein wenig weit aufs Meer hinausschwimmen und auf einer Sandbank von einem Hai umkreist werden, kommt ihnen eine junge Frau zur Hilfe. Die Frau heißt Ida Durbin und arbeitet als Prostituierte in einem Stundenhotel. Jimmie verknallt sich in sie und ist entgegen Daves Rat wild entschlossen, sie aus der Prostitution herauszuholen. Dafür legt er sich sogar mit ihrem Zuhälter an. Doch als Jimmie am vereinbarten Treffpunkt eintrifft,um mit Ida aus der Stadt nach Mexiko zu verschwinden, ist Ida nicht da und taucht auch nicht wieder auf. Doch Jahrzehnte später holt Dave das Verschwinden von Ida Durbin wieder ein.

Dave besucht im Krankenhaus seinen Bekannten Troy Bordelon, der ihn im Sterbebett beichtet, dass er damals als Junge gesehen hat, wo Ida Durbin gefangen gehalten wurde. Aber auch er weiß nicht, was mit ihr anschließend passiert ist. Auf dem Weg nach draußen wird Dave von zwei Deputys angesprochen, die ihm auf den Zahn fühlen wollen, was Bordelon ihm verraten haben könnte. Dave ist alarmiert, denn die Deputys stehen auf der Gehaltsliste der einflussreichen Familie Chalon. Diese war bzw. ist neben zahlreichen legalen Geschäften auch an Bordellen beteiligt, unter anderem in Galveston, Texas. Nun ist es an Dave, der nun angestachelt ist, bei den Chalons aufzutauchen und unangenehme Fragen zu stellen. Dabei zieht er den Zorn von Valentine Chalon auf sich, Sohn des Patriarchen Raphael Chalon. Val Chalon, ein bekannter Fernsehjournalist, versucht daraufhin, Dave mit einer Schmutzkampagne aus dem Weg zu räumen.

Gleichzeitig benötigt noch ein anderer Fall Daves Aufmerksamkeit. Ein Serienmörder verschleppt im Bundesstaat Frauen und ermordet sie anschließend äußerst brutal. Auch in Daves Zuständigkeitsbereich als Deputy in New Iberia geschieht ein solcher Mord, zudem wird eine Zeugin, die Dave kurz zuvor in Sachen Familie Chalon befragt hatte, ermordet. Könnte es tatsächlich eine Verbindung von dieser Mordserie zu den Chalons geben?

„Sie sind unser ortsansässiger Attila. Ein bisschen Lagerfeuerrauch und Tierfett in ihren Haaren und Sie wären perfekt. Sie sind der letzte Dreck, Dave Robicheaux. Genauso wie ihre Frau. Sie ist ein Poser und eine Fotze. Das haben Sie nur noch nicht begriffen.“
Schluck den Köder nicht ermahnte ich mich. Doch es gibt Augenblicke, da ist dieser altmodische Rock ’n‘ Roll die einzige Musik in der Jukebox. (Seite 352)

Nicht nur die Kenner der Robicheaux-Reihe werden ahnen, was hier mit Rock ’n‘ Roll gemeint ist. Der gute alte Dave Robicheaux: Unbeherrscht, unvernünftig, aber immer auf der Seite der Gerechtigkeit – und sei auch ein Gesetzesbruch nötig, um diese herzustellen. Flucht nach Mexiko ist der vierzehnte Band der Reihe und endlich wieder eine deutsche Erstausgabe. Der Bielefelder Pendragon Verlag arbeitet sukzessive daran, die ganze Reihe mit Neuauflagen und Neuübersetzungen an den deutschen Leser zu bringen. Immerhin elf Bände und damit die Hälfte sind geschafft – in den Staaten erscheint bald Band 22 „The New Iberia Blues“. Der inzwischen über 80-jährige Altmeister James Lee Burke ist produktiv wie eh und je.

Auch in diesem Roman spielt Burke seine Fähigkeiten gekonnt aus. Flucht nach Mexiko ist ein souverän geplotteter Hardboiled-Krimi im reizvollen Schauplatz des Südens Louisianas, den der Autor wie üblich wortgewaltig in Szene setzt. Im Roman wird die allgegenwärtige Bigotterie des amerikanischen Südens behandelt, die sich in Korruption, Unterdrückung und Gewalt niederschlägt. Dave Robicheaux muss dabei wie üblich einiges einstecken. Verleumdungen durch Valentine Chalon, er steht unter Mordverdacht und wird wieder einmal von seinem Dämon, dem Alkohol, heimgesucht. Doch es gibt Hoffnung, neben seinem treuen, aber ähnlich unkontrollierbaren Kumpel Clete Purcel, erhält Dave eine neue Stütze: Die ehemalige Ordensschwester Molly wird in diesem Roman seine neue Partnerin.

In Flucht nach Mexiko wird die Reihe und das Genre nicht neu erfunden. Es gibt keine Extravaganzen, sondern Altbewährtes. Und das heißt bei James Lee Burke gewohnte Qualität, auf die sich der Leser blind verlassen kann. Harte Gewalt, Gesellschaftskritik und gleichzeitig ein feines Gespür und ein großes Herz für seine Figuren sowie einen warmen Blick für die atemberaubenden Landschaften Louisianas.

Kommentare: 3
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HansDurrers avatar

Rezension zu "Dunkler Sommer" von James Lee Burke

Eine tief gespaltene Gesellschaft
HansDurrervor 20 Tagen

Texas im Jahr 1952: Die Gesellschaft ist tief gespalten. Die Kluft zwischen Arm und Reich wächst. Rassismus ist allgegenwärtig. Genau wie heute, denkt man da. Und in der Tat sind die menschlichen Konflikte und Probleme nicht sehr verschieden von den heutigen. Andererseits: die Ausprägungen des Rassismus haben sich schon auch gewandelt, eine solche Szene ist heutzutage jedenfalls kaum mehr vorstellbar. „Die einzigen Repräsentanten gesellschaftlicher Autorität waren ein paar schwarze Polizeibeamte, denen es allerdings untersagt war, Weisse zu verhaften.“
 
In diesem angespannten Klima sucht der junge Aaron Holland Broussard seinen Platz im Leben. Dabei – der Auslöser ist eine junge Frau – macht er sich Gary Harrelson zum Feind, den Sohn eines reichen Bohrunternehmers mit Verbindungen zur Mafia. Drohungen, Einschüchterungen, Gewalt, was eben so in Texas dazuzugehören scheint, spielen eine wichtige Rolle. Doch ist das nicht überall so, wo Jugendliche auf der Suche nach ihrer Identität sind?
 
„Dunkler Sommer“ beschäftigt sich mit ganz unterschiedlichen Aspekten des Lebens. Mit sozialer Ungerechtigkeit und Antisemitismus sowie der Mutter von Aaron, die immer mehr dem Wahnsinn verfällt und den pädophilen Mr. Krauser zur Rechenschaft zieht. „Möglich, dass er von Zwängen getrieben wurde, die er nicht verstand. Wie immer dem auch gewesen sein mag, ich empfand kein Mitleid für ihn. Er benutzte seine Position, um andere zu demütigen und herabzusetzen, um sie zu beschämen und Selbsthass in ihnen zu säen. Für mich gab es keinen niedrigere Lebensform auf Erden als diese, noch nicht einmal Drogendealer und Zuhälter waren derart erbärmlich.“
 
James Lee Burkes Bücher zeichnen sich durch ihre zutiefst menschliche Haltung aus. Als Aaron mit einem Klappmesser nach Hause kommt, stellt sein Vater ihn zur Rede.
„Du legst das Messer jetzt ins Regal. Es wird dieses Zimmer nicht mehr verlassen.“
„Ja, Sir.“
„Worüber sprechen die Priester in unserer Kirche für gewöhnlich, wenn sie sich zum Thema Sünde äussern?“
„Sex.“
„Richtig. Den Krieg oder Gewalt im Allgemeinen erwähnen sie dabei so gut wie nie. Tatsächlich ist aber genau das der wahre Feind, zusammen mit der Gier, natürlich. Lass dir von niemandem etwas anderes erzählen. Ein Mann, der ein Messer wie dieses bei sich trägt, ist ein von Angst getriebener Mensch.“
 
Das Bild, das wir gemeinhin von den Fünfzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts haben, ist von den Medien geprägt, also falsch. „Niemand hörte Frank Sinatra oder Bing Crosby oder Perry Como. Deren Musik fanden wir einfach nur mies.“ Ich musste an ABBA denken, die in den 70ern und 80ern auch keiner hörte, den ich kannte, die aber heute als typischer Ausdruck jener Zeit gelten. „Und Politik! Was war das? Mein Vater meinte mal, Senator McCarthy verfüge über die Herzenswärme und den geistigen Tiefgang einer Bowlingkugel, worauf Saber ihn fragte, wer Senator McCarthy sei. Das eigentliche Thema dieser Zeit war der Klassenkampf. Wir mussten nur nicht, dass wir mittendrin waren.“ Genau wie heute!
 
James Lee Burke kennt die Menschen. „Der heilige Augustinus hatte gemeint, dass man mit der Wahrheit achtgeben sollte, um andere nicht zu verletzen. Und ich glaube, er hat es nicht einfach so dahergesagt.“ Es sind solche Sätze, die mir diesen Autor so wertvoll machen. Ich will sie nicht einfach überlesen, nehme mir Zeit für sie und dabei geht mir wieder einmal auf, dass die Wahrheit zu sagen, ohne Empathie zu empfinden, ein hoch aggressiver Akt ist. Erinnert werde ich zudem daran, dass einfach so Dahingesagtes keinen grossen Wert hat – und natürlich kommt mir sofort der gegenwärtige amerikanische Präsident in den Sinn, bei dem der Denkvorgang, der dem Sprechen vorausgehen sollte, entweder nicht funktioniert oder ausgeschaltet worden ist.

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detlef_knuts avatar

Rezension zu "Flucht nach Mexiko" von James Lee Burke

Ein fesselnder Roman, der seinen Autor von der besten Seite zeigt.
detlef_knutvor einem Monat

Dave Robicheaux, Protagonist dieser Krimi Reihe von James Lee Burke, wird in diesem Roman an alte Vorgänge in seinem Leben erinnert. Obwohl er seine Erinnerungen lieber verdrängen würde, zwingt ihn das Geständnis eines alten Mannes zum Gegenteil. Die Ereignisse um das Verschwinden von Ida Durban treten in den unmittelbaren Vordergrund. Sein Halbbruder Jimmy war damals so verknallt in Ida, dass der so viele Jahre kaum an ein anderes Mädchen gedacht hatte. Jimmy und Ida wollten damals nach Mexiko abhauen und ein neues Leben beginnen. Doch Jimmy wartete an dem ausgemachten Termin umsonst, Ida kam nie. Von dem Tag an blieb sie verschwunden. Und je mehr Zeit verging, umso mehr glaubte Jimmy, dass sie tot war.

Der Fall von der Vermissten Ida ist aber nicht der einzige Fall, mit dem sich Dave befasst. Seine Freundin, Kollegin und Chefin Helen bei der Polizei holt ihn wegen seiner außerordentlich guten Ermittlungsleistungen in den Dienst zurück. Schließlich ist gerade ein Serienmörder unterwegs, der junge Frauen entführt und brutal ermordet. Dave ist gut und sie braucht jeden Mann, da kann sie auf die Gründe seiner Entlassung keine Rücksicht nehmen.

James Lee Burke ist für seine schonungslose Beschreibung des Amerikas von heute bekannt. Es ist das Amerika abseits der riesengroßen Megacitys, ein Amerika in den Tiefen des Landes, ein Amerika, wo US-Präsident Trump seine Freude hat, Wähler zu gewinnen. Doch der Autor protokolliert in seinen Fiktionen sehr authentisch und detailreich die Vorgänge in der amerikanischen Seele. Neben den actionreichen Szenen holt Burke immer wieder Luft und lässt die Gedanken der Leser baumeln, wenn er durch den Kopf und die Erinnerungen des Protagonisten dessen Leben und Gefühlswelt schildert. Man kommt so nah an Dave Robicheaux heran, dass man meint, mit ihm in einer Kneipe zu sitzen und ein Bier zu trinken. Dabei trinkt der gar kein Bier. In anderen Momenten fasziniert Burke mit einer Landschaftsbeschreibung, wenn das Auto über die Straßen rollt oder geangelt wird. Und besonders beruhigend ist es, wenn sich der Protagonist an solche schönen Bilder erfreut. Jegliche Brutalität und Gewalt, zu der Robicheaux immer wieder gezwungen wird, ist dann verschwunden. Man spürt den Drang genau wie Dave, allen Schmutz und Dreck hinter sich zu lassen. Die Mischung aus besinnlichen und actionreichen Szenen ist dem Schriftsteller extrem passend gelungen.

Ein fesselnder Roman, der seinen Autor von der besten Seite zeigt. Unbedingt zu lesen!

© Detlef Knut, Düsseldorf 2018

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Zusätzliche Informationen

James Lee Burke wurde am 05. Dezember 1936 in Houston, Texas (Vereinigte Staaten von Amerika) geboren.

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