James Lee Burke Flamingo

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Inhaltsangabe zu „Flamingo“ von James Lee Burke

Der Alptraum eines Polizisten: Als Dave Robicheaux zwei Killer in den Todestrakt des Staatsgefängnisses von Lousiana überführen soll, gelingt den beiden die Flucht. Daves Partner wird umgelegt, Dave selbst schwer verletzt am Tatort zurückgelassen. Rache und der unbändige Wille, sich zu rehabilitieren, locken Dave aus der Idylle der Bayous in die Schattenwelt von New Orleans und das Zentrum des organiersierten Verbrechens … (Quelle:'E-Buch Text/03.01.2014')

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    Flamingo
    Stefan83

    Stefan83

    07. October 2011 um 09:55

    Von allen Schriftstellern im Hard-Boiled-Genre beweist James Lee Burke vielleicht die größte Konstanz, was sich nicht nur in den vielen Auszeichnungen widerspiegelt (u.a. zweimalig ausgezeichnet mit dem begehrten Edgar Award), sondern auch am beinahe ehrfürchtigen Lob der Konkurrenz zu erkennen ist. Burke gilt als Inbegriff des modernen Krimiautoren, welcher die eigentlich schon seit jeher brüchige Grenze zwischen der ernst genommenen Literatur und der oftmals müde belächelten „Spannungs“-Unterhaltung stets aufs Neue überwindet und zwischen ihnen Brücken schlägt. Seine Werke sind mehr als bloßer Thrill, gehen weit über die konstruierte Kurzweil hinaus und werden gerade deswegen von echten Krimi-Kennern auf dem deutschen Büchermarkt so schmerzlich vermisst. Seit Jahren sind alle seine Werke vergriffen, einige nur noch für teures Geld aus zweiter Hand zu erstehen. Das gilt (zumindest derzeit) nicht für „Flamingo“, dem vierten Band aus Burkes preisgekrönter Reihe um den Ex-Cop Dave Robicheaux vom Morddezernat in New Orleans. Ein Grund jetzt bei günstigem Angebot zuzuschlagen, zumal ich auch nach Beendigung der Lektüre von diesem Krimi feststellen musste: Viel besser als Burke kann man eigentlich nicht schreiben. Kurz zur Story: Nach seinem Ausflug in die Bergwelt Montanas (nachzulesen in „Black Cherry Blues“) ist Dave Robicheaux nach New Iberia, einer kleineren Stadt im Süden Louisianas, zurückgekehrt, um dort seine Arbeit im Sheriff's Department wieder aufzunehmen. Im Gegensatz zu seiner früheren Tätigkeit im Morddezernat, herrscht hier weit mehr Routine. Allerdings hat auch diese ihre gefährlichen Seiten: Als Robicheaux gemeinsam mit seinem Partner Lester Benoit den verurteilten Mörder Tee Beau Latiolais und den Auftragskiller Jimmie Lee Boggs in den Todestrakt des Staatsgefängnisses überführen soll, kommt es zu einem folgenschweren Zwischenfall. Bei einer kurzen Pinkelpause schießt Boggs Benoit mit einer vorher auf dem Klo versteckten Waffe nieder und verletzt Robicheaux schwer. Letzterer kann sich blutend in ein benachbartes Flussbett retten, nur um dort von Tee Beau gestellt zu werden. Der soll ihm jetzt im Auftrag Boggs' das Licht ausblasen, feuert allerdings absichtlich daneben. Robicheaux überlebt die Nacht, hat aber von nun an mit psychischen Problemen und Angstzuständen zu kämpfen. Schon bald wird die Situation für Robicheaux unerträglich und er beschließt Rache an Boggs zu üben. Eine schwierige Aufgabe, hat sich dieser doch nach seiner Flucht in die sichere Gesellschaft des Mafiabosses Tony Cardo begeben. Schließlich sieht Robicheaux im Angebot eines Mannes von der DEA seine Chance. Er heuert bei der Sondereinsatztruppe zur Drogenbekämpfung an, um sich undercover als geschasster Ex-Bulle in die Kreise des Mobs von New Orleans einzuschleusen und dort zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen. Eine äußerst gefährliche Mission, da ihm vor Ort nicht nur jegliche Unterstützung fehlt, sondern auch weil Cardo als unberechenbar gilt. Der Vietnam-Veteran ringt wie Robicheaux selbst mit den Nachwirkungen des Dschungelkrieges und neigt zu psychopathischen Kurzschlusshandlungen. Es sind diese Gemeinsamkeiten, welche schließlich nicht nur die Entschlossenheit des Ermittlers ins Wanken bringen, sondern auch dafür sorgen, dass sein moralischer Kompass die Orientierung und dadurch das eigentliche Ziel aus dem Augen verliert. Ein fataler Fehler, denn Boggs, der ein doppeltes Spiel zu treiben scheint, hat Robicheaux keineswegs vergessen. Als dann auch noch die Jugendliebe von Robicheaux, selbst in Mafiakreisen ansässig, auf der Bildfläche auftaucht, droht die Mission auf ganzer Länge zu scheitern. Wie gut, dass ein alter Kumpel in höchster Not zur Stelle ist … Ich sehe sie schon vor mir, die Anhänger der Fitzeks, McFadyens und Co., wie sie ein solches Buch naserümpfend nach knapp drei Kapiteln zur Seite legen, um dann vielleicht etwas in dieser Art zu sagen: „Wo ist denn hier die Spannung?“ „Wann passiert denn hier mal was?“ „Gibt ja gar keine Leichen hier!“ Richtig. Und wenn wir schon dabei sind: Der Ermittler verliebt sich auch nicht in eine brünette Latina-Profilerin vom FBI, um diese anschließend zu heiraten. Und ja, ich muss sie enttäuschen. Feuchte Geschlechtsteile und schnellen Rammelsex am Tatort sucht man ebenfalls vergebens. Möglicherweise ein Grund, warum die deutschen Verlage durch die Bank James Lee Burke derzeit für nicht verkäuflich halten. Eine Schande und ein Ärgernis bleibt es trotzdem, trumpft Burke doch einmal mehr mit einer Sprache auf, die mehr als nur erahnen lässt, wie viel Potenzial in einem Spannungsroman stecken kann. Seine Bücher sind Kopfkino vom Feinsten. Und wie bei den Verwandten von der Leinwand, so sind es auch in diesem Thriller die Bilder und die Hauptdarsteller, die das Werk zu etwas ganz Besonderem machen. Und „Flamingo“ ist besonders, ja, herausragend aus dem Allerlei des faden, grauen Mainstream. Wer immer sich mit der Chronik des Dave Robicheaux beschäftigt, wird geistig unweigerlich in den tiefsten Süden der USA katapultiert. In die modernden, sumpfigen Bayous mit ihrer üppigen Flora und Fauna, wo sich drückende Hitzephasen mit sturmartigen Unwettern abwechseln. In einen Teil der USA, wo seit Ende des Bürgerkriegs das Erbe der Gewalt und des Rassismus an die nächste Generation weitergegeben wird. Spielt Burke also mit altbekannten Vorurteilen? Sicherlich, allerdings nur insoweit, um die realistische Situation in einem Rahmen wiederzugeben, welcher dem Aufbau eines zur Unterhaltung gedachten Romans nicht im Wege steht. Moralisch erhobene Zeigefinger sucht man hier vergebens. Burke, der viele Eigenschaften und Schwächen mit seiner Schöpfung Robicheaux lange Zeit teilte, will weder belehren, noch Stellung beziehen. Schwarz und Weiß gibt es nicht. Er lässt stattdessen seine Figuren agieren. Und diese sind bzw. deren Zusammenspiel ist es, welches dieses Buch (mal wieder) prägt und so einzigartig macht. Wenn Tony Cardo und Dave Robicheaux aufeinander treffen, sich gegenseitig beäugen und abschätzen, knistert die Luft, hält man unweigerlich den Atem an, einen Ausbruch in brutalster Gewalt erwartend. Diese findet der Leser, im Vergleich zu den Vorgängern, wesentlich seltener vor. „Flamingo“ ist dialoglastiger, ohne das dies eine Last wäre, denn Burkes Zeichnung von Cardo allein genügt, um das Interesse und die Faszination zu wecken. Der Mafiosi ist der bisher komplexeste Gegenspieler von Robicheaux und ähnelt dem Ermittler auf beinahe schon beängstigende Weise. Cardo ist ein Robicheaux der seinen Trieben nachgegeben, sich seinen inneren Dämonen ergeben hat. Und die Trennlinie zwischen beiden ist ebenso dünn wie schattenreich. Wen wunderts, dass man da selbst im Verlauf des Buches eine gewisse Sympathie für den Schurken entwickelt bzw. am Ende gar nicht will, dass dieser der Justiz übergeben wird. Trotzdem fiebert der Leser dem Ausgang entgegen, von dem er sich eine schlüssige, logische und nicht unbedingt gerechte Auflösung erhofft. Wie Burke dieses Ende schließlich in Szene setzt ist ganz großes Kino und trotz des Fehlens von adrenalinsteigernder Action ungeheuer spannend. Insgesamt ist „Flamingo“ ein ungemein tiefgründiger, geschliffener und wortgewandter Vertreter des Hard-Boiled-Genres, der lange nachwirkt und ein New Orleans fernab der touristisch verlockenden Sehenswürdigkeiten zeigt. Ein düsterer Trip, den ich in jeder einzelnen Zeile genossen habe und jedem Anhänger gut geplotteter Kriminalromane nur ans Herz legen kann. Fantastisch!

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