Flamingo

von James Lee Burke 
4,6 Sterne bei10 Bewertungen
Flamingo
Bestellen bei:

Neue Kurzmeinungen

BerniGunthers avatar

Ein klasse Krimi, wie ein Film Noir aus den 40zigern. Burke ist literarische Champions League.

detlef_knuts avatar

Absolute Spitzenklasse!

Alle 10 Bewertungen lesen

Auf der Suche nach deinem neuen Lieblingsbuch? Melde dich bei LovelyBooks an, entdecke neuen Lesestoff und aufregende Buchaktionen.

Inhaltsangabe zu "Flamingo"

Der Albtraum eines jeden Polizisten: Als Dave Robicheaux zwei Mörder in den Todestrakt eines Staatsgefängnisses von Louisiana überführen soll, gelingt den beiden die Flucht. Dave wird dabei schwer verwundet und sein Partner erschossen.
Das Verlangen nach Vergeltung und der unbändige Wille, sich zu rehabilitieren, treiben Dave aus der Idylle der Bayous in die Schattenwelt von New Orleans und mitten in das Zentrum des organisierten Verbrechens.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783865325907
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Fester Einband
Umfang:0 Seiten
Verlag:Pendragon
Erscheinungsdatum:17.08.2017

Rezensionen und Bewertungen

Neu
4,6 Sterne
Filtern:
  • 5 Sterne6
  • 4 Sterne4
  • 3 Sterne0
  • 2 Sterne0
  • 1 Stern0
  • Sortieren:
    Haverss avatar
    Haversvor einem Jahr
    Was wir Menschsein nennen

    James Lee Burke naserümpfend als 08/15-Krimiautor abzutun wäre eine grobe Fehleinschätzung seiner Qualitäten. Wie kein anderer Autor dieses Genres versteht er es, die vielen Facetten der menschlichen Natur auszuleuchten, und das macht er besser, als so manch hochgelobter Literat. So auch in „Flamingo“, dem vierten Band der Reihe, in überarbeiteter Neuauflage bei Pendragon erschienen.

    Dave Robicheaux ist zurück in New Iberia, der Alltag hat ihn wieder. Das soll aber nicht lange so bleiben, denn es gibt einen neuen Auftrag für ihn und seinen Partner. Die beiden Mörder Jimmie Lee Boggs und Tee Beau Latiolais sollen zu ihrer Hinrichtung ins Staatsgefängnis überführt werden. So weit, so gut, aber Boggs‘ Helfershelfer haben vorgesorgt. Bei einer kurzen Pause kann dieser eine versteckte Waffe an sich nehmen, und in dem nachfolgenden Feuergefecht wird Robicheauxs Partner Benoit erschossen. Er selbst kann verletzt fliehen, Latiolais verfolgt und erwischt ihn, aber lässt ihn am Leben. An Leib und Seele schwer angeschlagen weiß Robicheaux, dass er nur dann Frieden finden kann, wenn der den Tod seines Partners rächt. Boggs hat sich nach New Orleans abgesetzt und arbeitet dort mittlerweile als Auftragskiller für die Drogenmafia, an deren Spitze Tony Cardo steht. Ein alter Freund bei der DEA verschafft Dave die Möglichkeit, als Undercover Agent in dessen Organisation eingeschleust zu werden und so zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen. Er soll Cardo ans Messer liefern und kann Boggs für die Ermordung Benoits bezahlen lassen. Wenn es denn so einfach wäre…

    Schaut man sich Robicheaux und seinen Gegenspieler Cardo genauer an, kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, als ob letztgenannter die dunkle Seite des Protagonisten verkörpert, schleppt er doch wie dieser auch die Wunden, die Vietnam in seiner Seele hinterlassen hat, bis heute mit sich herum.

    Gut und böse, schwarz und weiß. Auf den ersten Blick scheint so, als ob Burke diese Gegensätze verwenden würde, um seine Figuren zu klassifizieren. Aber das täuscht, denn auf den zweiten Blick zeigt sich das ganze Spektrum von Grautönen der menschlichen Existenz, die durch viele Faktoren bestimmt wird. Das Milieu, in das jemand hineingeboren wird. Die Brüche in den Biografien, verursacht durch einschneidende Erlebnisse in der Vergangenheit, die bis in die Gegenwart reichen.

    Burke wertet nicht, lässt die Moralkeule an Ort und Stelle. Es sind die Handlungen seiner Figuren, die uns Lesern die ganze Bandbreite dessen, was wir Menschsein nennen, aufzeigen. Wie immer großartig und beeindruckend. Nachdrücklich empfohlen!

    Kommentieren0
    1
    Teilen
    detlef_knuts avatar
    detlef_knutvor einem Jahr
    Kurzmeinung: Absolute Spitzenklasse!
    Absolute Spitzenklasse!

    Dieser Roman ist ein weiterer der insgesamt zwanzig Dave-Robicheaux-Romane des Bestsellerautors. Auch diese Übersetzung ist bei Pendragon erschienen, wo bereits mehrere in deutscher Übersetzung erschienen sind. Mit ihm geht es in den tiefsten Sumpf der Verbrechen in Louisiana. Tiefer als die Sümpfe in dem Land selbst.

    Dave hat mit seinem Kollegen eigentlich einen einfachen Auftrag zu erledigen. Zwei Gefangene sollen nach der Verurteilung zum Tode in ein anderes Staatsgefängnis überführt werden. Aufgehalten wird er dabei von der Großmutter des einen Verurteilten. Sie versucht Dave davon überzeugen, dass ihr Enkel nichts mit dem Mord zu tun hat, für den er bestraft wurde. Dave, der Tante Lemon, wie sie genannt wird, persönlich schon sehr lange kennt, fällt diese Situation schwer, schließlich tut er nur seine Pflicht. Der zweite Verbrecher ist ein hartgesottener Killer, bei dem es keinen Zweifel gibt, dass er zu Recht verurteilt wurde. Zu diesem Zeitpunkt ahnt Dave noch nicht, dass er die beiden Verurteilten zu einem späteren Zeitpunkt in gänzlich anderer Situation wieder treffen wird.

    Lange Jahre wurde der Kriminalroman an sich in Deutschland als billig abgetan. Maximal gut für Groschenhefte. James Lee Burke beweist, dass dem nicht so ist. Seine Krimis bewegen sich literarisch auf sehr hohem Niveau. Seine Bilder zeichnen ein Setting, eine Location, eine Figur mit solcher Detailtreue, dass man als Leser meint, mittendrin zu sein. Reichlich Lokalkolorit aus Louisiana inklusive. Man spaziert in den Straßen New Orleans und atmet den abgestandenen Kneipengeruch der Bars. Sein Protagonist wird in diesen Roman so tief in die Verbrechen hineingezogen, dass er selbst nicht zu wissen scheint, ob er auf der guten oder böse Seite steht. Und er bekommt die Gewalt sehr körperlich zu spüren. Zudem erfährt der Leser lang zurückliegende Ereignisse. Er ist Veteran des Vietnamkrieges und seine Alpträume scheinen zurückzukehren. Diese Szenen erinnerten mich stark an PI Magnum auf Hawaii. Fantastisch herausgearbeitete Charaktere nicht nur der Ermittler, sondern auch der der Verbrecher machen diesen Roman lesenswert. Und James Lee Burke schafft eine Authentizität, dass man geneigt ist zu glauben, er hätte alles selbst erlebt. Und wenn nicht, dann hat er verdammt viel Erfahrung dem von ihm beschriebenen Millieus.

    Absolute Spitzenklasse!

    © Detlef Knut, Düsseldorf 2017

    Kommentieren0
    0
    Teilen
    Stefan83s avatar
    Stefan83vor 7 Jahren
    Back in the Bayou

    Von allen Schriftstellern im Hard-Boiled-Genre beweist James Lee Burke vielleicht die größte Konstanz, was sich nicht nur in den vielen Auszeichnungen widerspiegelt (u.a. zweimalig ausgezeichnet mit dem begehrten Edgar Award), sondern auch am beinahe ehrfürchtigen Lob der Konkurrenz zu erkennen ist. Burke gilt als Inbegriff des modernen Krimiautoren, welcher die eigentlich schon seit jeher brüchige Grenze zwischen der ernst genommenen Literatur und der oftmals müde belächelten „Spannungs“-Unterhaltung stets aufs Neue überwindet und zwischen ihnen Brücken schlägt. Seine Werke sind mehr als bloßer Thrill, gehen weit über die konstruierte Kurzweil hinaus und werden gerade deswegen von echten Krimi-Kennern auf dem deutschen Büchermarkt so schmerzlich vermisst. Seit Jahren sind alle seine Werke vergriffen, einige nur noch für teures Geld aus zweiter Hand zu erstehen. Das gilt (zumindest derzeit) nicht für „Flamingo“, dem vierten Band aus Burkes preisgekrönter Reihe um den Ex-Cop Dave Robicheaux vom Morddezernat in New Orleans. Ein Grund jetzt bei günstigem Angebot zuzuschlagen, zumal ich auch nach Beendigung der Lektüre von diesem Krimi feststellen musste: Viel besser als Burke kann man eigentlich nicht schreiben. Kurz zur Story:

    Nach seinem Ausflug in die Bergwelt Montanas (nachzulesen in „Black Cherry Blues“) ist Dave Robicheaux nach New Iberia, einer kleineren Stadt im Süden Louisianas, zurückgekehrt, um dort seine Arbeit im Sheriff's Department wieder aufzunehmen. Im Gegensatz zu seiner früheren Tätigkeit im Morddezernat, herrscht hier weit mehr Routine. Allerdings hat auch diese ihre gefährlichen Seiten: Als Robicheaux gemeinsam mit seinem Partner Lester Benoit den verurteilten Mörder Tee Beau Latiolais und den Auftragskiller Jimmie Lee Boggs in den Todestrakt des Staatsgefängnisses überführen soll, kommt es zu einem folgenschweren Zwischenfall. Bei einer kurzen Pinkelpause schießt Boggs Benoit mit einer vorher auf dem Klo versteckten Waffe nieder und verletzt Robicheaux schwer. Letzterer kann sich blutend in ein benachbartes Flussbett retten, nur um dort von Tee Beau gestellt zu werden. Der soll ihm jetzt im Auftrag Boggs' das Licht ausblasen, feuert allerdings absichtlich daneben. Robicheaux überlebt die Nacht, hat aber von nun an mit psychischen Problemen und Angstzuständen zu kämpfen.

    Schon bald wird die Situation für Robicheaux unerträglich und er beschließt Rache an Boggs zu üben. Eine schwierige Aufgabe, hat sich dieser doch nach seiner Flucht in die sichere Gesellschaft des Mafiabosses Tony Cardo begeben. Schließlich sieht Robicheaux im Angebot eines Mannes von der DEA seine Chance. Er heuert bei der Sondereinsatztruppe zur Drogenbekämpfung an, um sich undercover als geschasster Ex-Bulle in die Kreise des Mobs von New Orleans einzuschleusen und dort zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen. Eine äußerst gefährliche Mission, da ihm vor Ort nicht nur jegliche Unterstützung fehlt, sondern auch weil Cardo als unberechenbar gilt. Der Vietnam-Veteran ringt wie Robicheaux selbst mit den Nachwirkungen des Dschungelkrieges und neigt zu psychopathischen Kurzschlusshandlungen. Es sind diese Gemeinsamkeiten, welche schließlich nicht nur die Entschlossenheit des Ermittlers ins Wanken bringen, sondern auch dafür sorgen, dass sein moralischer Kompass die Orientierung und dadurch das eigentliche Ziel aus dem Augen verliert. Ein fataler Fehler, denn Boggs, der ein doppeltes Spiel zu treiben scheint, hat Robicheaux keineswegs vergessen. Als dann auch noch die Jugendliebe von Robicheaux, selbst in Mafiakreisen ansässig, auf der Bildfläche auftaucht, droht die Mission auf ganzer Länge zu scheitern. Wie gut, dass ein alter Kumpel in höchster Not zur Stelle ist …

    Ich sehe sie schon vor mir, die Anhänger der Fitzeks, McFadyens und Co., wie sie ein solches Buch naserümpfend nach knapp drei Kapiteln zur Seite legen, um dann vielleicht etwas in dieser Art zu sagen: „Wo ist denn hier die Spannung?“ „Wann passiert denn hier mal was?“ „Gibt ja gar keine Leichen hier!“ Richtig. Und wenn wir schon dabei sind: Der Ermittler verliebt sich auch nicht in eine brünette Latina-Profilerin vom FBI, um diese anschließend zu heiraten. Und ja, ich muss sie enttäuschen. Feuchte Geschlechtsteile und schnellen Rammelsex am Tatort sucht man ebenfalls vergebens. Möglicherweise ein Grund, warum die deutschen Verlage durch die Bank James Lee Burke derzeit für nicht verkäuflich halten. Eine Schande und ein Ärgernis bleibt es trotzdem, trumpft Burke doch einmal mehr mit einer Sprache auf, die mehr als nur erahnen lässt, wie viel Potenzial in einem Spannungsroman stecken kann. Seine Bücher sind Kopfkino vom Feinsten. Und wie bei den Verwandten von der Leinwand, so sind es auch in diesem Thriller die Bilder und die Hauptdarsteller, die das Werk zu etwas ganz Besonderem machen. Und „Flamingo“ ist besonders, ja, herausragend aus dem Allerlei des faden, grauen Mainstream.

    Wer immer sich mit der Chronik des Dave Robicheaux beschäftigt, wird geistig unweigerlich in den tiefsten Süden der USA katapultiert. In die modernden, sumpfigen Bayous mit ihrer üppigen Flora und Fauna, wo sich drückende Hitzephasen mit sturmartigen Unwettern abwechseln. In einen Teil der USA, wo seit Ende des Bürgerkriegs das Erbe der Gewalt und des Rassismus an die nächste Generation weitergegeben wird. Spielt Burke also mit altbekannten Vorurteilen? Sicherlich, allerdings nur insoweit, um die realistische Situation in einem Rahmen wiederzugeben, welcher dem Aufbau eines zur Unterhaltung gedachten Romans nicht im Wege steht. Moralisch erhobene Zeigefinger sucht man hier vergebens. Burke, der viele Eigenschaften und Schwächen mit seiner Schöpfung Robicheaux lange Zeit teilte, will weder belehren, noch Stellung beziehen. Schwarz und Weiß gibt es nicht. Er lässt stattdessen seine Figuren agieren. Und diese sind bzw. deren Zusammenspiel ist es, welches dieses Buch (mal wieder) prägt und so einzigartig macht.

    Wenn Tony Cardo und Dave Robicheaux aufeinander treffen, sich gegenseitig beäugen und abschätzen, knistert die Luft, hält man unweigerlich den Atem an, einen Ausbruch in brutalster Gewalt erwartend. Diese findet der Leser, im Vergleich zu den Vorgängern, wesentlich seltener vor. „Flamingo“ ist dialoglastiger, ohne das dies eine Last wäre, denn Burkes Zeichnung von Cardo allein genügt, um das Interesse und die Faszination zu wecken. Der Mafiosi ist der bisher komplexeste Gegenspieler von Robicheaux und ähnelt dem Ermittler auf beinahe schon beängstigende Weise. Cardo ist ein Robicheaux der seinen Trieben nachgegeben, sich seinen inneren Dämonen ergeben hat. Und die Trennlinie zwischen beiden ist ebenso dünn wie schattenreich. Wen wunderts, dass man da selbst im Verlauf des Buches eine gewisse Sympathie für den Schurken entwickelt bzw. am Ende gar nicht will, dass dieser der Justiz übergeben wird. Trotzdem fiebert der Leser dem Ausgang entgegen, von dem er sich eine schlüssige, logische und nicht unbedingt gerechte Auflösung erhofft. Wie Burke dieses Ende schließlich in Szene setzt ist ganz großes Kino und trotz des Fehlens von adrenalinsteigernder Action ungeheuer spannend.

    Insgesamt ist „Flamingo“ ein ungemein tiefgründiger, geschliffener und wortgewandter Vertreter des Hard-Boiled-Genres, der lange nachwirkt und ein New Orleans fernab der touristisch verlockenden Sehenswürdigkeiten zeigt. Ein düsterer Trip, den ich in jeder einzelnen Zeile genossen habe und jedem Anhänger gut geplotteter Kriminalromane nur ans Herz legen kann. Fantastisch!

    Kommentieren0
    13
    Teilen
    BerniGunthers avatar
    BerniGunthervor 6 Monaten
    Kurzmeinung: Ein klasse Krimi, wie ein Film Noir aus den 40zigern. Burke ist literarische Champions League.
    Kommentieren0
    Skinflowers avatar
    Skinflowervor 9 Tagen
    OliviaTs avatar
    OliviaTvor 4 Monaten
    Silberfalkes avatar
    Silberfalkevor 9 Monaten
    m1d1s avatar
    m1d1vor 2 Jahren
    Boriss avatar
    Borisvor 3 Jahren
    dykes avatar
    dykevor 9 Jahren

    Gespräche aus der Community zum Buch

    Neu

    Starte mit "Neu" die erste Leserunde, Buchverlosung oder das erste Thema.

    Was ist LovelyBooks?

    Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freunden und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist!

    Mehr Infos

    Buchliebe für dein Mailpostfach

    Hol dir mehr von LovelyBooks