James McBride Das verrückte Tagebuch des Henry Shackleford

(24)

Lovelybooks Bewertung

  • 24 Bibliotheken
  • 1 Follower
  • 0 Leser
  • 19 Rezensionen
(3)
(13)
(7)
(1)
(0)

Inhaltsangabe zu „Das verrückte Tagebuch des Henry Shackleford“ von James McBride

Kansas im Jahre 1857: Hier, im Mittleren Westen der USA, lebt der junge Sklave Henry Shackleford. Hier tobt auch der Krieg zwischen überzeugten Sklavenhaltern und bibeltreuen Abolitionisten besonders wüst. John Brown ist einer derjenigen, die beseelt davon sind, Gottes Willen durchzusetzen und die Schwarzen in die Freiheit zu führen. Als er zufällig in einer Kneipe auf Henrys grausamen Master trifft – einen weithin bekannten und berüchtigten Sklavenhalter –, kommt es zu einer gewalttätigen Auseinandersetzung, in deren Folge beide fliehen müssen: sowohl John Brown als auch der junge Henry, der irrtümlicherweise für ein Mädchen gehalten wird und schnell begreift, dass dies seine Vorteile hat …

Wenn man weiß (danke, Wikipedia…), dass die Geschehnisse der Rahmenhandlung auf Tatsachen beruhen , liest sich das Buch gleich flüssiger.

— AenHen
AenHen

Stöbern in Romane

In einem anderen Licht

Ein sehr mitreißender Roman abends mit Tee und Kerzen

Anja_Si

Der Junge auf dem Berg

Eine Geschichte, die wach rüttelt und wieder und wieder an das appelliert, was wichtig ist. Wer bestimmt deine Gedanken?

Maren_Zurek

Palast der Finsternis

Zu viel, was man schon gelesen hat.

momkki

Zartbitter ist das Glück

Tiefgründig, exotisch und emotionsgeladene Geschichte von fünf Freundinnen die ihren lebensabend gemeinsam auf den Fidschis erleben möchten

isabellepf

Der Vater, der vom Himmel fiel

Britischer und schwarzer Humor bis hin zu brüllender Komik

Hennie

Liebe zwischen den Zeilen

Eine liebevolle Geschichte, wie Bücher unterschiedlichste Menschen verbinden und ihre Leben verändern können.

MotteEnna

  • Rezensionen
  • Leserunden
  • Buchverlosungen
  • Themen
  • Henrys Geschichte - John Browns Geschichte

    Das verrückte Tagebuch des Henry Shackleford
    AenHen

    AenHen

    02. August 2016 um 14:14

    James McBride erzählt in seinem Roman „Das verrückte Tagebuch des Henry Shackleford“ die wahre Geschichte des Abolitionisten John Brown, der in den späten 1850er Jahren in den Südstaaten der USA seinen Kampf gegen die Sklaverei aufnahm. Geschildert werden die entscheidenden Erlebnisse und Geschehnisse um John Brown zwischen 1855 und 1859 in Kansas und Virginia. John Brown ist die eigentliche Hauptfigur des Romans, seine Geschichte zu erzählen ist das Anliegen des Autors. Die Figur des Henry Shackleford dient McBride als erzählerischer Rahmen und Transporteur zum Leser. Henry fungiert als Ich-Erzähler. Durch skurrile Umstände wird er Teil der „Armee“ Browns, durch Missverständnisse – oder auch nicht – lebt er als Henrietta bei ihm und seinen Männern. Diese ziehen mehr oder weniger organisiert durch die Prärie, befreien Sklaven, bekämpfen Sklavenhändler und –halter und haben kein geringeres Ziel, als die Sklaverei in den gesamten USA abzuschaffen. Abgesehen von den hehren Motiven ihres Anführers, fehlt es der Armee (Kampfstärke nie mehr als 20 Personen, vor „Schlachten“ sich minütlich verringernd) jedoch an allem, was zu diesem Kampf nötig wäre, an Ausrüstung, an geographischer Orientierung, an Überzeugung ihrer Mitglieder, an Freiwilligen, es geht schief, was nur schief gehen kann. Und doch schafft es John Brown, zur wahren Legende zu werden, gefürchtet von den einen und verehrt von anderen, eilt ihm ein Ruf wie Donnerhall voraus. In Virginia kommt es schließlich zu einem Showdown epischen Ausmaßes. Der verschanzte Haufen Browns beschäftigt Hunderte Bundessoldaten und verliert schließlich doch. Was bleibt ist, die, tatsächlich historisch belegte, Einflussnahme Browns auf den Verlauf der Geschichte, seine teils dilettantisch geführten Operationen haben dazu beigetragen, den Kampf gegen die Sklaverei voran zu treiben, da sie erstmals wirklich in das Bewusstsein vieler gelang. Mir persönlich hat das Buch gut gefallen, die Art der Aufbereitung eines wenig bekannten Ausschnitts der us-amerikanischen Geschichte ist aus meiner Sicht gelungen. Es liest sich nicht ganz flüssig herunter, es ist auch kein humoristischer Roman. Ich finde, wenn man weiß (danke, Wikipedia…), dass alle geschilderten Geschehnisse der „Rahmenhandlung“ auf Tatsachen beruhen und die eigentliche Haupthandlung darstellen, ist die Wahrnehmung eine andere – bei mir ungefähr ab der Hälfte des Buches, und dann fand ich es richtig gut.

    Mehr
  • Das verrückte Tagebuch des....

    Das verrückte Tagebuch des Henry Shackleford
    karin66

    karin66

    05. June 2016 um 07:45

              Das Cover des Buches ist sehr schlicht und unauffällig gehalten. Ich denke, dass mir auf Grund dessen das Buch wahrscheinlich nicht groß aufgefallen wäre. Der Titel, sowie der Klappentext klingen sehr vielversprechend. Nachdem ich die Leseprobe gelesen hatte, war ich sehr gespannt auf das Buch. Die Thematik der Handlung hat mich sehr angesprochen. Die Geschichte spielt in Amerika, genauer gesagt in Kansas.John Brown ist Abolitionist und sein einziger Wunsch ist es die Sklaven zu befreien. Er wirft mit Bibelsprüchen nur so um sich. Eines Tages ist er zu Besuch beim Friseur. Als dieser eskaliert und der Friseur getötet wird, bleibt dessen Kind Henry zurück. John Brown nimmt sich seiner an und nimmt ihn mit sich. Da Henry sehr zierlich ist, wird er als Mädchen angesehen und ist seitdem Henrietta, mit Spitznamen Zwiebel. Leider ist es mir nicht gelungen richtig in das Buch reinzukommen. Es ist kein Lesegenuss entstanden. Ich habe mich mehr oder weniger durch die Seiten durchgearbeitet. Was wohl an dem sehr zähen und langatmigen Schreibstil liegen muss. Bei der Leseprobe ist mir das gar nicht so aufgefallen. Es kam auch keinerlei Spannung während des Lesens auf. Trotz der vielen Auszeichnungen und Prämierungen war dieses Buch für mich definitiv kein Lesegenuss.       

    Mehr
  • Amerika

    Das verrückte Tagebuch des Henry Shackleford
    Luc

    Luc

    03. June 2016 um 22:01

    „Das Verrückte Tagebuch des Henry Shackleford“ ist ein moderner Schelmenroman, der den Ausbruch des amerikanischen Bürgerkriegs vorwegnimmt. Henry ist ein junger Sklave, der eines Tages von einem alten Herrn befreit wird. John Brown ist starrsinnig, bibeltreu und Wetterfest. Vor allem aber versteht er überhaupt keinen Spaß, wenn es um die Sklaverei geht. Das bei Browns Befreiungsaktion Henrys Vater ums Leben kommt heftet John Brown unter Kollateralschaden ab und geht direkt zur Tagesordnung über. Er sieht sich als ein Werkzeug Gottes und erklärt Henry Shackleford in unnachahmlicher Weise zu einem Mädchen und nimmt die angebliche Tochter unter seine Obhut. Wobei Henry in der Folgezeit ernüchtert feststellt, dass die Sklaverei im Großen und Ganzen leichter war, als mit diesem Verrückten unterwegs zu sein. Denn Brown will die Sklaverei überall in Amerika abschaffen und dazu ist ihm kein Weg zu weit, kein Mord zu abstrus und keine Schlacht zu hart. Selbst die bitterkalten Winter verbringt er lieber mit seinen wenigen Soldaten in der Freiheit der Prärie. Die Stadt bedeutet Laster und ist überhaupt etwas für Weichlinge. Henry bleibt fast immer an seiner Seite, als Mädchen verkleidet und begleitet Brown bei seinen hirnverbrannten Attacken gegen die Sklaventreiber. Und irgendwie beginnt Henry den Kauz zu mögen. James Mcbride schlägt einen lockeren Erzählton an, der vom Western Mythos getragen wird und getränkt ist von Galgenhumor. Vor allem im der zweiten Hälfte des Buches musste ich immer wieder lauthals lachen und den Kopf schütteln über den starrsinnigen John Brown, der die Bibel wörtlich nimmt. Auge um Auge. Zahn um Zahn. Alles um Gottes Willen auf Erden Geltung zu verschaffen. Dieser Mann hat etwas von Don Quijote. Henry wird zu seinem Sancho Panza und der weiß, es ist ein kleiner Schritt von der Einbildung, bis zur Wirklichkeit. Er kann ja auch noch nicht ahnen, wie nahe der Bürgerkrieg ist, dessen Bote bisweilen mit dem Schwert gegnerische Köpfe abschlägt. Zweifellos hat das Buch seine dramaturgischen Schwächen, darüber kann auch keine Buchpreisnominierung hinwegtäuschen, die sicher dem Thema geschuldet ist. So lässt Mcbride manchmal die Handlung schleifen und lässt bisweilen seine eigene Idee im Stich, indem sich sein Henry in Kleinigkeiten verliert. Dennoch finde ich den Roman gelungen. Er hat mir mit jeder Seite mehr Freude bereitet, bis ich am Ende bedauert habe den Buchdeckel schon zu klappen zu müssen.  

    Mehr
  • Keine leichte Kost

    Das verrückte Tagebuch des Henry Shackleford
    amena25

    amena25

    03. February 2016 um 20:45

    In einer Art Tagebuch erfährt man aus Sicht des befreiten Sklaven Henry Shackleford, was sich im Amerika in den 1850er Jahren zur Zeit der Sklavenhaltung ereignete. Dabei erzählt Henry in einer sehr umgangssprachlichen, bisweilen ziemlich derben, aber auch sehr anschaulichen Sprache, wie er vom überzeugten Abolitionisten John Brown gewaltsam befreit wird und wegen seiner zierlichen Figur für ein Mädchen gehalten wird. Von nun an ist Henry Henrietta, da es für ihn weniger gefährlich ist, als Mädchen aufzutreten. Bei der Befreiungsaktion stirbt Henrys Vater, sodass er, vorher schon ohne Mutter, nun Waise ist und mit Old John Brown und seiner Bande umherzieht. Brown schenkt dem armen „Waisenmädchen“ Henrietta/Henry eine Zwiebel, die dieser nichts ahnend isst, dabei handelte es sich aber um Old John Browns Glücksbringer, sodass dieser nun dafür Henry/Henrietta als Glücksbringer bei sich behält. So kommt Henry auch zu seinem Spitznamen „Zwiebel“. Die gewöhnungsbedürftige Sprache macht den Einstieg in die Geschichte nicht ganz leicht. Auch fällt es zunächst schwer, den roten Faden zu finden, was an zahlreichen den Abschweifungen liegt, die Henry in seine Erzählung einfügt. Noch schwieriger ist es, den „Predigten“ John Browns sinngemäß zu folgen, was aber wohl so gedacht ist, da auch Henry der Meinung ist, dass ,,das Glauben und Irrsein“ zusammengehen. Und so wie er Old John Brown beim Beten beschreibt (,,Gerade, wenn er einen Gedanken zu beenden schien, kam ihm ein neuer in die Quere, und schon krachte der nächste in ihn rein, und der übernächste, bis am Ende alles zusammenrumste und sich vermischte und keiner mehr wusste, was und wer was war und warum er das betete“), geht es einem beim Lesen stellenweise auch, allerdings kann man sich dabei gut amüsieren. Obwohl diese Zeit und der Krieg zwischen Befürwortern und Gegnern der Sklavenhaltung schon sehr lange zurückliegen, schafft es der Autor McBride, den Leser Geschichte hautnah und unterhaltsam miterleben zu lassen. Für geschichtlich Interessierte und Liebhaber bildhafter Sprache auf jeden Fall ein lohnenswertes Buch. Allerdings keine leichte Kost!

    Mehr
  • Flunkernder Freiheitskämpfer

    Das verrückte Tagebuch des Henry Shackleford
    Klene123

    Klene123

    28. December 2015 um 20:18

    Inhalt: Henry Shackleford endet aufgrund einer Auseinandersetzung bei einem alten Mann namens Old John Brown, der ein Verfechter für die Rechte der Schwarzen ist und gegen die Sklaverei in den Krieg zieht. Henry wird schon bei der ersten Begegnung für ein Mädchen gehalten und bleibt das dann auch, weil es einfach gewisse Vorteile hat. Henry schreibt seine Reise mit Old John Brown als eine Art Tagebuch auf und man erlebt so mit ihm eine gewisse Zeitspanne im Wilden Westen. Meine Meinung: Es beginnt rasant und macht dann immer wieder Tiefkurven. Man weiß nie ganz genau wo Henry vielleicht gerade flunkert und was man sich wirklich vorstellen kann. Dennoch muss man sich auch immer wieder die Sichtweise klar machen, man befindet sich hier in der damaligen Unterschicht, die auch eine ganz andere Erzähl/Schreib/Sprechart haben, was auch ein bisschen fasziniert. Zwischendrin immer unterstützend von Old John Brown´s Bibelsprüchen, da ich da nicht so gefestigt bin, waren die ein angenehmer Zusatz hin und wieder, haben aber auch manchmal zu Kopfschütteln geführt. Allgemein ist es immer wieder spannend verschiedenen Charakteren zu begegnen und auch Henrys Humor ist unterhaltsam. Dennoch dehnen sich manche Wegstücke sehr lange aus und verlieren sich im Detail. Fazit: Zwischendrin zwar langatmit aber die Hochs des Humors und auch der Abenteuer gleichen dies wieder aus, sodass das Buch auf schöne 3 Sterne kommt.

    Mehr
  • Henry Shackleford

    Das verrückte Tagebuch des Henry Shackleford
    echidna

    echidna

    30. November 2015 um 17:43

    Der Titel "Das verrückte Tagebuch des Henry Shackleford" lässt vermuten, dass es sich dabei um die Biographie eines Henry Shackleford handelt, einem Schwarzen, der zur Hochzeit der Sklaverei in Amerika gelebt hat, und dies jahrelang als Mädchen, was es für mich erst recht interessant gemacht hat. Doch eigentlich geht es in diesem Buch um den Krieg gegen die Sklaverei und um die Suche nach der eigenen Identität. Henry Shackleford, genannt "Zwiebel", begleitet den berühmt berüchtigten Captain John Brown, genannt "der Alte Mann", ein Weißer, der sich von Gott dazu berufen sieht, das schwarze Volk aus der Versklavung zu befreien. Da das Buch im 19. Jahrhundert spielt, ist es voll von heutzutage politisch inkorrekten Ausdrücken (wie "Neger" oder "schwarze Rasse") und so finde ich es auch schwierig, meine Rezension "politisch korrekt" zu formulieren, aber ich werde es versuchen. Henry, der bis dahin eigentlich ein recht zufriedenes Leben als Sklave geführt hat, wird von John Brown von seinem Master befreit. Sein Vater kommt dabei ums Leben und so begleitet er den Alten Mann nicht ganz freiwillig. Der Alte Mann hält Henry für ein Mädchen und jahrelang hält Henry es nicht für nötig, das Missverständnis aufzuklären, denn er merkt schnell, dass das Leben als Mädchen auch seine Vorzüge hat. Erst als er sich Jahre später in die Tochter des Alten Manne verliebt, wird es schwierig. Henry versucht einige Male, auszubrechen und in die Freiheit zu kommen, denn das Leben beim Alten Mann ist nicht die Freiheit, die er sich für sich wünscht, doch durch Zufälle verschlägt es ihn immer wieder zurück zu ihm. Ich fand das Buch unterhaltsam und mit viel Humor geschrieben. Stellenweise hat es mich an die Bücher von Jonas Jonasson erinnert ("Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand" oder "Die Analphabetin, die rechnen konnte"). Manchmal fand ich es aber auch etwas emotionslos geschrieben, z.B. als Henrys Vater stirbt, dieser aber nicht wirklich um ihn zu trauern scheint. Das Buch behandelt zwar ein ernstes Thema, der Humor bleibt aber im Vordergrund. Es ist eine Kunst, wenn das gelingt und ich finde, James McBride hat das ziemlich gut hingekriegt. Bevor ich das Buch gelesen habe, wusste ich nicht, dass es John Brown wirklich gegeben hat. Das macht das Buch sehr interessant, besonders auch, weil es einen guten Eindruck in die Zeit es 19. Jahrhunderts in Amerika gibt, kurz bevor der Bürgerkrieg ausgebrochen ist. Für mich war das Buch eine Zeitreise zurück in eine Zeit, über die ich bisher nicht viel mehr wusste als das, was kurz in der Schule behandelt wurde. Ich würde das Buch unbedingt jedem empfehlen, der sich für das Thema interessiert und auch denjenigen, die einfach eine unterhaltsame Lektüre suchen.

    Mehr
  • Rezension zu „Das verrückte Tagebuch des Henry Shackleford“ von James McBride

    Das verrückte Tagebuch des Henry Shackleford
    dorli

    dorli

    09. November 2015 um 14:51

    Kansas-Territorium in den 1850er Jahren. Der Abolitionist John Brown zieht durch die Lande, um Sklaven zu befreien. Bei einer Auseinandersetzung mit dem Sklavenhalter Dutch Henry Sherman wird der Vater des jungen Farbigen Henry Shackleford getötet. Brown nimmt Henry - den er irrtümlicherweise für ein Mädchen hält - in seine Truppe auf… Als Abolitionismus wird eine Bewegung bezeichnet, die die Abschaffung der Sklaverei zum Ziel hatte. Die Mitglieder verlangten die sofortige Freilassung aller Sklaven, wobei sie zur Durchsetzung ihrer Forderungen auch vor blutigen Übergriffen nicht zurückschreckten. Ein berühmter Anführer der Abolitionisten war der US-Amerikaner John Brown. Brown war äußerst gottesfürchtig und wirkt in seinem Tun sehr fanatisch. Beharrlich und zielgerichtet kämpfte er mit unerbittlicher Gewalt gegen die Sklaverei. James McBride macht den kleinen Henry Shackleford zu einem Mitreisenden in Browns Gefolge und lässt ihn Browns kämpferische Aktivitäten – von der Schlacht von Black Jack 1856 bis hin zu dem Überfall auf Harpers Ferry im Oktober 1859 – miterleben. Henry berichtet als Ich-Erzähler von seinen Erlebnissen mit Browns „Pottawatomie Rifles“. Dafür hat der Autor ihm eine lockere Sprache in den Mund gelegt, die authentisch wirkt und sehr unterhaltsam ist. Seine lebhaften Schilderungen und die wortwitzigen, manchmal etwas derben Beschreibungen haben mich durchweg begeistert. Henry ist ein gewitztes Kerlchen, etwas naiv, aber durchaus in der Lage, seine Möglichkeiten zu durchdenken, bevor er handelt. So entdeckt er schnell, dass es von Vorteil ist, als Mädchen mit der Truppe um John Brown umherzuziehen und klärt dieses Missverständnis daher nicht auf. Henry unternimmt einige Fluchtversuche, denn er hat sich als Sklave bei Dutch Sherman recht wohl gefühlt, weil er, anders als in Browns Truppe, nie unter Hunger und Kälte gelitten hat. Doch die Versuche misslingen. Nach und nach empfindet er das Leben in der Armee des „Alten Mannes“ als angenehm und irgendwann vergisst er einfach, ans Weglaufen zu denken. „Das verrückte Tagebuch des Henry Shackleford“ ist ein amüsant erzählter Roman aus der Zeit vor der Sklavenbefreiung. Mir hat dieser Ausflug in die amerikanische Historie sehr gut gefallen. Man fühlt sich an die Bücher von Mark Twain erinnert - James McBride hat Henry Shackleford mit einem ähnlichen Humor ausgestattet, wie man ihn von Twains Protagonisten kennt.

    Mehr
  • Ein Schelmenroman

    Das verrückte Tagebuch des Henry Shackleford
    Barbara62

    Barbara62

    Nachdem ich das vorhergehende Buch von James McBride, Die Farbe von Wasser, sehr gerne gelesen hatte und das neue Buch, Das verrückte Tagebuch des Henry Shackleford, sogar mit dem National Book Award ausgezeichnet wurde, hatte ich mich sehr auf die Lektüre gefreut. Hätte ich geahnt, dass es sich um einen Schelmenroman handelt, wäre ich vielleicht vorsichtiger gewesen, denn für dieses Genre konnte ich mich bisher weder bei Die Abenteuer des Huckleberry Finn noch bei Candide, Die Abenteuer des Simplicissimus oder bei Die Blechtrommel begeistern. Die bei dieser Literaturform oft gepriesenen komischen und satirischen Elemente entziehen sich vollständig meinem Humorverständnis und die langwierigen Lebensberichte können mich nicht fesseln. Leider erging es mir auch in diesem Fall so, obwohl mich dieser Teil der amerikanischen Geschichte kurz vor dem Ausbruch des Bürgerkriegs und das Thema Sklaverei ausgesprochen interessieren. Es waren also ausschließlich Form und Sprache, die mir nicht zugesagt und mich nach einem flotten, unterhaltsamen Beginn sogar über weite Strecken ausgesprochen gelangweilt haben, nicht die Thematik. Der Inhalt ist schnell erzählt. Kurz vor dem Ausbruch des amerikanischen Bürgerkriegs wird der Sklavenjunge Henry Shackleford „Opfer“ einer der gut gemeinten, aber brutal durchgeführten Sklavenbefreiungsaktionen des in den USA heute noch gut bekannten John Brown (1800 bis 1859). Sein Vater kommt dabei ums Leben, Henry selber landet bei eben jenem John Brown, religiöser Fundamentalist und bedingungsloser Abolitionist. Wie im Schelmenroman üblich, erzählt der fiktive Henry Shackleford die Geschichte seiner Jahre bei John Brown bis zu dessen Hinrichtung in der Ich-Form. Die sehr einfache Erzählsprache ist geprägt von einem derben Realismus ohne moralische Wertung und der Perspektive des sozial Unterprivilegierten. Die List, derer sich der Schelm in diesem Romangenre gerne bedient, ist bei Henry Shackleford seine Verkleidung als Frau, denn da er bei seiner Befreiung aufgrund des geschlechtsneutralen Kartoffelsacks, den er trägt, für ein Mädchen gehalten wird, bleibt er in den folgenden Jahren bei dieser Farce und genießt als Henrietta so manche Annehmlichkeit. Ich bin überzeugt davon, dass Fans des Schelmenromans hier voll auf ihre Kosten kommen, denn James McBride bedient alle Facetten dieses Genres perfekt. Wer diese Art von Romanen allerdings nicht schätzt, sollte besser die Hände von dieser Geschichte lassen.

    Mehr
    • 2
  • Henry "Zwiebel" Shackleford

    Das verrückte Tagebuch des Henry Shackleford
    buecherwurm1310

    buecherwurm1310

    19. October 2015 um 08:39

    Kansas 1857: John Brown ist Abolitionist und daher gegen die Sklaverei. Ihm ist jedes Mittel recht, um den Worten der Bibel zu folgen und die Sklaven zu befreien. Bei seiner Aktion gegen Henry Sherman wird der Vater von Henry Shackleford getötet. John Brown nimmt sich des Kindes an in dem Glauben, ein Mädchen befreit zu haben. Henry erhält Kleider und wird Zwiebel genannt. Er tut nichts, um den Irrtum zu klären und erkennt sehr bald, dass die neue Rolle für ihn vorteilhaft ist. Er bleibt bei John Browns Gruppe und zieht mit ihnen durchs Land. Eigentlich interessiert mich das Thema Sklaverei sehr, doch dieses Buch hat es mir nicht leicht gemacht. Wir lernen diese Geschichte aus der Sicht Henrys/Henriettas kennen. Der Schreibstil ist nicht einfach zu lesen, ich fand ihn sehr verwirrend und streckenweise ziemlich langatmig. Die Ausdrucksweise ist sehr deftig, aber auch sehr authentisch. Während ich Henrys Geschichte interessant fand, haben mich die Predigten von John Brown gestört, da sie zu ausschweifend sind. John Brown kennt die Bibel und beruft sich darauf, er schreckt auch nicht vor Gewalt und Mord zurück, um seine Überzeugungen durchzusetzen. Er will das Gute und tut deswegen viel Böses. Auch wenn er zu Lebzeiten sein Ziel nicht erreicht hat, denn seine Gefangennahme und Hinrichtung beendete 1859 seine Aktivitäten, so ist die Abschaffung der Sklaverei doch auch ein gutes Stück ihm zu verdanken. Henry fügt sich seinem Schicksal sowohl als Eigentum von Sherman (er kennt es ja nicht anders), sowie auch als Mitglied von Browns Truppen. Die Predigten bringen ihn dazu über sein Leben nachzudenken. Doch erst als junger Mann hat er seine Identität gefunden und ist bereit sie anzunehmen. Ein interessantes Buch über die Sklaverei und den Kampf dagegen.

    Mehr
  • Glory, glory, hallelujah!

    Das verrückte Tagebuch des Henry Shackleford
    sursulapitschi

    sursulapitschi

    John Brown’s body lies a-mouldering in the grave, … , but his soul goes marching on. Das Lied kennt jeder, nur wer John Brown war, weiß kaum jemand hierzulande. Um diesen Mann geht es hier, Old John Brown, der Revolverheld, Terrorist, Abolitionist, Heiliger, Irrer, er hat wohl schon zu Lebzeiten polarisiert. Es dauert allerdings eine Weile, bis man versteht, was man da eigentlich liest. Hier erzählt der Sklavenjunge Henry Shakleford seine unglaubliche Geschichte. Henry ist 12 Jahre alt, als er von John Browns Bande zufällig aus der Sklaverei befreit wird. Obwohl er ganz zufrieden war mit seinem Leben, muss er von Stund an am Befreiungskampf teilnehmen und durch die Lande ziehen. Nicht nur das, er wird auch noch für ein Mädchen gehalten und „Zwiebel“ genannt und obwohl ihm das nicht gefällt, verschafft ihm diese Rolle doch ein wenig Schonfrist. Ein Mädchen bekommt vielleicht manch lästige Aufgabe zugeteilt, muss aber nicht im Kampf „ihren Mann stehen“. Mit beißender Ironie und unglaublichem Wortwitz erzählt James McBride Henrys skurrile Geschichte, die man für ein spaßiges Abenteuer halten könnte, wenn sie nicht objektiv betrachtet leidvoll, brutal und blutig wäre. „Er verlor Blut und Gedärm…Der Mann fiel platt hin und hörte da und dort auf, Steuern zu zahlen. Aus.“ Da bleibt einem das Lachen im Halse stecken. Durch Henrys Augen erlebt man hier die Anfänge des amerikanischen Bürgerkriegs, das Schicksal einiger Sklaven und Freiheitskämpfer, den Kampf gegen Borniertheit, Vorurteile und Traditionsbewusstsein und auch das Entstehen einer Legende. Wer war er, der Alte Mann? Ein religiöser Eiferer? Ein brutaler Revolverheld? Oder war er einfach nur verrückt? „Um es klar zu sagen, ich hatte in dem Moment keine Angst. Nein, ich fühlte mich geradezu wohl, denn zum ersten Mal war sicher, dass ich nicht die einzige Person auf der Welt war, die wusste, dass dem Alten Mann der Käse vom Keks gerutscht war.“ Ein wenig liest es sich wie Huckleberry Finn meets Don Quichote, Junge aus ärmsten Verhältnissen wird gezwungen mit einem fanatischen Helden für Ideale zu kämpfen, die entweder nobel oder illusorisch sind. John Browns Befreiungsarmee bestand selten aus mehr als 15 Mann, war aber landesweit berüchtigt. Noch dazu hatten wohl die meisten Schwarzen eher Angst davor, befreit zu werden. Dieses Buch hat mich erst amüsiert, nach und nach gefangen genommen und zum Schluss tief beeindruckt. Es erzählt höchst originell ein eher unbekanntes Stück amerikanischer Geschichte, macht betroffen, nachdenklich und Lust auf mehr davon. … but his soul goes marching on.

    Mehr
    • 2
    wandablue

    wandablue

    17. October 2015 um 16:11
  • Das verrückte Tagebuch...

    Das verrückte Tagebuch des Henry Shackleford
    Melody80

    Melody80

    16. October 2015 um 11:16

    Seufz, was soll ich schreiben? Gestern habe ich traurigerweise das Buch beendet und würde gerne wieder durch den Wilden Westen mit dem selbst ernannten “Sklavenbefreier” Old John Brown (das ist schon ein interessanter Kauz) und dem Jungen Henry Shackleford, auch genannt Henrietta, auch genannt “kleine Zwiebel” reisen. Das “Tagebuch” ist das erste Buch von James McBride, welches ich lesen durfte und es hat mir, trotz der oft übertrieben flapsigen Sprache und so mancher Längen, sehr gut gefallen. Die Sklaverei ist das zentrale Thema dieses Buches und auch wenn James McBride die Charaktere allesamt etwas skurril erscheinen lässt und hier und da dem ein oder anderen der Schalk im Nacken sitzt, kommt McBride nicht vom Hauptthema ab. Es kommen so einige Charaktere im Buch vor, die meisten von ihnen werden zwar hochlobend und detailliert beschrieben, spielten dann nur eine kleine Nebenrolle, was ich schade fand. Bis zuletzt habe ich auf den einen oder anderen Charakter gewartet, ob er denn nun nochmal in Erscheinung treten würde.. Zum Ende hin fielen mir leider oftmals unnötige Dialoge auf, die die Geschichte nicht vorantrieben und weder witzig noch informativ waren, sondern anscheinend einfach nur dazu dienten, das Buch etwas in die Länge zu ziehen. Letztendlich hat mir das Gesamtprodukt des verrückten Tagebuchs aber gut gefallen und ich kann es auf jeden Fall weiterempfehlen. Mein Fazit Dieses Buch hat mir ein Stück traurige, amerikanische Geschichte näher gebracht. Wer Bücher über den Wilden Westen, die Sklaverei und noch dazu verrückte Geschichten mag, der mag vielleicht auch “Das Tagebuch des Henry Shackleford”.

    Mehr
  • Sklavenbefreier auf fanatischer Mission

    Das verrückte Tagebuch des Henry Shackleford
    Janine2610

    Janine2610

    13. October 2015 um 22:09

    Worum geht's? Der junge Sklave Henry Shackleford wird 1857 in Kansas, im Mittleren Westen, vom berüchtigten und gottestreuen Abolitionisten John Brown im Zuge eines wilden Gefechts aus den Fängen seines Sklavenhalters befreit. John Brown hält den Jungen aber irrtümlicherweise für ein Mädchen und Henry versäumt es im Laufe seines Aufenthalts bei den Sklavenbefreiern, diese Verwechslung richtigzustellen, da ihm auffällt, dass es durchaus von Vorteil sein kann, für ein Mädchen gehalten zu werden ... Meine Meinung: "Verrückt" ist ein gutes Stichwort, mit dem ich beginnen möchte, denn verrückt sind sie wirklich: Henry Shacklefords Tage bei den Abolitionisten. Allen voran John Brown - oder auch: der Alte Mann - ist ein irrer Kauz. Mit seinem Fanatismus, alle Sklaven in die Freiheit führen zu wollen, und seiner fast schon wahnsinnigen Art, immer und überall zu beten oder von Gott zu referieren, ist er mir ganz besonders in Erinnerung geblieben. Old John Brown brennt für diese eine Sache und nichts und niemand kann sich ihm in den Weg stellen. Deswegen war der Alte Mann auch weitestgehend so gefürchtet: mit seiner zielgerichteten und überzeugten Art hat ihn eine unerschütterliche Aura umgeben. Und wo ist Henry bei der ganzen Sache? - Während John Brown daran arbeitet, im Namen Gottes, eine "Armee" auf die Beine zu stellen und den ultimativen Sklavenbefreiungs- und Kampfplan auszuhecken, überlegt Henry immer mal wieder, ob und wie er abhauen soll, denn eigentlich ist es ihm als Sklave bei seinem Master ja gar nicht so schlecht gegangen. Zumindest Hungerleiden musste er nicht. Denn seit er ein befreiter Sklave ist, so sagt er selbst, wisse er erst, was richtig-Hunger-haben bedeutet ... Klingt schon alles ein bisschen irrwitzig und zum Schmunzeln, nicht? Nun, das ist es auch. Es fängt ja schon damit an, dass alle Henry für ein Mädchen halten und er deswegen von Zeit zu Zeit in Situationen kommt, die sich als sehr lustig gestalten. Auch Henrys Spitzname die kleine Zwiebel begleitet uns durchs gesamte Buch, weil ihn fast jeder so nennt, seitdem John Brown ihm (bzw. ihr) diesen Namen gegeben hat. Die Dümmlichkeit so mancher Charaktere und Old John Browns Wesen sind ebenfalls Dinge, die das Lesevergnügen erheblich vergrößern. - Also, der Spaß kommt hier definitiv nicht zu kurz. Sehr gut hat mir auch die Atmosphäre, die die Geschichte hervorgerufen hat, gefallen. Ich musste beim Lesen immer an den Wilden Westen aus diesen typisch amerikanischen Filmen denken. - Kopfkino pur! Dass dieses Buch jedoch keine völlig frei erfundene Geschichte ist, sondern es zumindest den gottesfürchtigen Abolitionisten John Brown gegeben hat, wusste ich aber erst, als ich nach dem Beenden des Buches seinen Namen gegoogelt habe. Da hätte ich mir doch gerne noch eine Anmerkung vom Autor gewünscht, wenigstens am Ende eine kurze. Ein wenig anstrengend fand ich die Mundart der meisten Charaktere. Oft wurde einfach das "t" am Ende eines Wortes weggelassen oder zwei Wörter mit "’n" abgekürzt (z. B.: "Du wirs’ dir da keine Sorgen machen müssen ..." und "... war rumgekommen und hatte’n bisschen was gesehen."). Diese Tatsache hat meinen Lesefluss leider negativ beeinflusst, aber ansonsten kann ich nichts nennenswert Negatives über dieses Buch sagen. Ob John Browns Plan, die Sklaven zu befreien, geglückt ist und ob Henry es doch irgendwann geschafft hat, sein wahres Geschlecht zu offenbaren, werde ich jetzt hier nicht vorwegnehmen, aber ich kann euch versichern, dass ihr das Kennenlernen dieser verrückten Charaktere bestimmt nicht bereuen werdet.

    Mehr
  • Gelungener Roman

    Das verrückte Tagebuch des Henry Shackleford
    andrea1310

    andrea1310

    10. October 2015 um 19:15

    Inhalt: Es ist das Jahr 1857. In Kansas als Schwarzer zu dieser Zeit zu leben, ist nicht einfach. Auch der kleine Henry Shackleford muss sein Leben als Sklave fristen. Immer wieder kommt es zu Auseinandersetzungen zwischen Sklavenbefürwortern und bibeltreuen Abolitionisten. Zu der Gruppe der Sklavenbefreier zählt sich auch der berüchtigte John Brown. Eines Tages kommt es zu einer Gewaltat, nach dieser der äußerst gläubige John den kleinen Henry aus der Sklaverei befreien möchte. Allerdings entsteht dabei eine Verwechslung und so lebt Henry ab diesem Zeitpunkt als Mädchen und merkt schnell, dass dies auch viele Vorteile mit sich bringt. Meine Meinung: Wir begleiten in dieser Geschichte den kleinen Henry Shackleford in den jungen Jahren seines Lebens. Der Roman ist in drei Teile gegliedert: Freie Taten (Kansas), Sklaventaten (Missouri) und Die Legende (Virginia). Was mir gleich positiv aufgefallen ist, sind die relativ kurzen Kapitel innerhalb jedes Abschnittes. Diese sind jeweils ca. 15 Seiten lang, und so liest sich das Buch relativ angenehm. Der Schreibstil ist ein ganz besonderer. Ich musste erstmal in die Geschichte reinfinden, wobei ich mir am Anfang etwas schwer getan habe. Erst nach ca. einem Drittel des Buches konnte ich mich auf den ungewöhnlichen Stil einstellen. Es werden viele umgangssprachliche Ausdrücke verwendet, was für mich zu Beginn den Lesefluss doch etwas gestört hat. Dass der Leser in diesem Buch teilweise persönlich angesprochen wird, hat mir gut gefallen. Dies ist auf jeden Fall nicht überall zu finden. Die Geschichte an sich ist sehr vielschichtig. Es wird (vor allem zum Schluss) sehr brutal und auch schon am Anfang merkt man den sehr rauen Umgangston zwischen den Personen. Man kann sich gut vorstellen, wie schrecklich es als Schwarzer gewesen sein muss, in so einer Zeit zu leben. Der Roman ist allerdings auch mit viel Humor gespickt, den ich auch als nicht alltäglich bezeichnen würde. Ich erwischte mich einige Male dabei, wie ich sehr schmunzeln musste. Leider hat mir bei der Geschichte irgendetwas gefehlt. Ich kann gar nicht genau beschreiben, was. Der Protagonist fand sich stets in Situationen wieder, die für ihn alles andere als einfach sind. Ich würde auch nicht behaupten, dass ich mich gelangweilt hätte, aber da der Roman den "National Book Award" gewonnen hat, hatte ich doch recht hohe Erwartungen. Vielleicht waren sie auch etwas zu hoch. Ich finde allerdings, dass die Geschichte im weiteren Verlauf immer spannender wurde und ich habe den jungen Henry bzw. Henrietta gerne auf seinem Abenteuer im Mittleren Westen der USA begleitet.

    Mehr
  • Henry Henrietta

    Das verrückte Tagebuch des Henry Shackleford
    Dominikus

    Dominikus

    04. October 2015 um 12:08

    Das verrückte Tagebuch des Henry Shackleford von James McBride. Von James McBride habe ich bis jetzt noch nichts gelesen. Dieser Roman besticht durch die einfache Sprache des Protoganisten Henry, aus dessen Sicht erzählt wird. John Brown war mir schon lange ein Begriff, ich kannte ihn schon aus der Literatur und einigen Filmen. Dann habe ich mir auf Wikipädia auch noch seine Beschreibung angesehen, er ist in diesem Roman ganz gut getroffen. Hier ist er besonders geschrieben. Er ist ein sehr christlicher Mann, aber für seine Überzeugung wird auch getötet. Er kam mir in diesem Roman etwas wirr vor, seine Vorhaben gelangen oft nicht und mit seinen Terminen brauchte er immer länger wie geplant. Aber für das Beenden der Sklaverei war er ein wichtiger Vorreiter. Der Roman beginnt 1857 in Kansas. Henrys Vater arbeitet für seinen Herrn als Friseur und Henry putzt in der Zeit die Schuhe der Männer. Da kommt John Brown, lässt sich rasieren, es kommt zu einem geplänkel, in dem der Vater erschossen wird. John Brown nimmt Henry mit, den er als Mädchen ansieht, so wird er zu Henriette, für viele Jahre. Sie wird zu dem Glücksbringer Johns, weil sie seine Glücksbringerzwiebel verspeist und von ihm auch liebevoll Zwiebel genannt wird. Die Geschichte des Landes und die Kämpfe gegen die Sklaverei sind interessant und gut beschrieben. Im Anfang war ich total begeistert von der Geschichte, aber sie hatteein paar Längen, in denen sie mich etwas langweilte. Zum Schiuss nahm es aber wieder etwas an Fahrt zu und ich war dann doch zufrieden. Es hat mir doch ein paar schöne Lesestunden beschert. Jedenfalls gefällt mir der Schreibstil, das ich McBrides Roman „Die Farbe von Wasser“ auch noch lesen möchte.

    Mehr
  • Huck Finns großer Bruder

    Das verrückte Tagebuch des Henry Shackleford
    Bibliomarie

    Bibliomarie

    03. October 2015 um 21:54

    John Brown’s body lies a-mouldring in the grave – but his soul goes marching on Jeder kennt diesen berühmten Marsch, aber außerhalb der USA  kennen wenige den Mann, dem er gewidmet ist. John Brown war ein bibelfester strenger Mann, der aus tiefster gläubiger Überzeugung ein Gegner der Sklaverei, ein Abolitionist war, aber für seine Überzeugung vor keiner Gewalt und Gräueltaten zurückschreckte, heute würde man ihn vielleicht einen Fundamentalisten und Terroristen nennen.  Nach dem berühmt-berüchtigten Massaker von Pottawatomie und einem erfolglosen Sklavenaufstand wurde er 1959 gefangengenommen und hingerichtet. Auch wenn sein Aufstand gegen die Sklaverei anfangs erfolglos war, legte er doch den ersten Grundstein zur Abschaffung der Sklaverei. In Dutch Henry’s Kneipe verbringt der Sklavenjunge Henry seine Tage. Er ist dort Schuhputzer, während sein Vater als Barbier arbeitet. Sie gehören Dutch Henry Sherman, genau wie die Kneipe und die Möbel darin. Dutch ist ein gewalttätiger Mann, wie man wie Westen eben gewalttätig sein muss, um nicht unterzugehen. Keiner stellt das in Frage, nicht mal der kleine Henry. Der schaut, was er kriegen kann, egal ob Brot oder Bier und erzählt schlitzohrig davon. Henry erinnert an Huck Finn, im Leben zwar zu kurz gekommen, aber davon lässt man sich nicht unterkriegen. Sein Vater ist ein Prediger vor dem Herrn, wirft mit  eigenwilligen Bibelsprüchen um sich, während er in der Kneipe die Gäste rasiert. Das gehört zum Amüsement der wilden rauen Trinker, die dieses Etablissement zum Huren, Saufen und Kartenspielen aufsuchen. In diesen Tagen ist viel die Rede von John Brown, einem Yankee, der den Südstaatlern doch glatt das Recht auf Sklavenhaltung streitig machen möchte. Dazu bedient er sich nicht nur der Bibel, er ist gewaltig und schreckt vor keiner Grausamkeit zurück, um seine Ziele durchzusetzen – mit alttestamentarischer Billigung – wie er überzeugt ist. Grade in dieser Kneipe treffen John Brown und Henry aufeinander. John Brown will die Sklaven, auch gegen ihren Willen, befreien und ist dabei mit Pulver und Blei nicht wählerisch, dass Henry’s Vater dabei stirbt, ist halt Pech. Wie alle Sklavenjungs trägt Henry einen alten Kartoffelsack und weil sich mit seinen Vorfahrinnen schon öfters ein weißer Sklavenhalter vergnügte, ist Henry auch ziemlich hell ausgefallen, auch sein Haar kräuselt sich nicht ganz stark. Aber dass John Brown ihn deswegen für ein Mädchen hält, ist ein starkes Stück. Doch bald erkennt Henry - jetzt Henrietta, dass das I Ikognito ganz praktisch ist. Henrietta, inzwischen mit dem Spitznamen Onion gerufen, wird zum Glücksbringer für John Brown und zieht also mit dem alten Abolitionisten. Er trifft auf die absonderlichsten Menschen, lauscht den Predigten John Browns. Er freundet sich mit immer mehr mit ihm an, hängt an seinen Lippen und beginnt, sein Sklavenleben zu hinterfragen. Für ihn war sein Leben bisher so, wie es sein sollte. Dutch Henry war nicht schlimmer als andere, er kannte seine Stellung, Recht und Unrecht definierten andere und für Henry gab es keinen Grund sich dagegen aufzulehnen. In einem Tagebuch hält er seine Gedanken fest und erst als junger Mann ist er bereit aus seinem Kleid zu schlüpfen und sich der Welt zu stellen. Einige Jahre nach „Die Farbe des Wasser“ ist James McBride erneut mit einem großen Roman in Erscheinung getreten. Ganz zurecht wurde das Buch mit dem National Book Award ausgezeichnet. Großartig wie er Henry zu Wort kommen lässt, ungeschminkt, derb, manchmal auch zotig, aber immer echt und wahrhaftig.  Es ist ein Stück lebendiger, amerikanischer Geschichte, die den meisten Europäern fremd sein dürfte, Henry ist ein Bruder im Geiste von Huck Finn, vielleicht auch vom Simplicissimus. Fremd und etwas langatmig sind John Browns Predigten ausgefallen, das hat mir den Lesefluss immer wieder unterbrochen. Das ist aber fast der einzige Kritikpunkt. Henry Shakleford hat mich von der ersten Seite an gefesselt und in Bann gezogen. Eins finde ich schade, der deutsche Titel ist so austauschbar, das englische Original „The Good Lord Bird“ hätte mir auch übersetzt besser gefallen.

    Mehr
  • weitere