James Ross

 5 Sterne bei 2 Bewertungen

Alle Bücher von James Ross

Cover des Buches Henry VI (Penguin Monarchs) (ISBN: 9780141979342)

Henry VI (Penguin Monarchs)

 (1)
Erschienen am 29.12.2016
Cover des Buches They Don't Dance Much: A Novel (ISBN: 9781453296202)

They Don't Dance Much: A Novel

 (1)
Erschienen am 16.04.2013

Neue Rezensionen zu James Ross

Cover des Buches Henry VI (Penguin Monarchs) (ISBN: 9780141979342)A

Rezension zu "Henry VI (Penguin Monarchs)" von James Ross

Vom Kindkönig zum Gefangenen im Tower. Heinrich VI. von England
Andreas_Oberendervor einem Jahr

Seit 2014 bringt der Penguin-Verlag eine Buchreihe heraus, die "Penguin Monarchs". Es handelt sich um Kurzbiographien aller englischen und britischen Könige und Königinnen seit dem 11. Jahrhundert. Die Reihe beginnt mit den letzten angelsächsischen Herrschern vor der normannischen Eroberung. Auch für Oliver Cromwell ist ein Band vorgesehen. Mittlerweile sind zwei Drittel der 45 geplanten Bände erschienen. Die Bücher sind kleinformatig (13x18,5 cm) und umfassen maximal 150 Seiten. Sie enthalten farbige Abbildungen, Stammtafeln und kommentierte Literaturhinweise. Auch wenn eine entsprechende Angabe fehlt, ist davon auszugehen, dass sich die Bände an historisch interessierte Laien richten, die sich rasch über das Leben der englischen Monarchen informieren wollen. Als Konkurrenz zur renommierten Biographienreihe "Yale English Monarchs", deren Bände eher für den wissenschaftlichen Gebrauch in Frage kommen, sind die "Penguin Monarchs" nicht gedacht. Interessant ist die Reihe dennoch, denn der Verlag hat zahlreiche bekannte Historikerinnen und Historiker als Autoren gewonnen. Damit ist sichergestellt, dass sich die einzelnen Kurzbiographien auf der Höhe des heutigen Forschungsstandes bewegen.

Man könnte lange darüber diskutieren, wer der "schlechteste" oder der "schlimmste" König der englischen Geschichte war. Eines ist jedoch sicher: Heinrich VI. (1421-1471), der dritte und letzte König aus dem Hause Lancaster, würde es ohne Mühe in die engere Auswahl schaffen. Seine Regierungszeit gilt seit jeher als Tiefpunkt in der Geschichte der englischen Monarchie. Das Unheil nahm seinen Lauf, als Heinrich V., der strahlende Sieger von Azincourt, 1422 im Alter von nur 35 Jahren plötzlich starb. Die Krone ging an seinen einzigen Sohn, einen Säugling von neun Monaten. Alles, was Heinrich V. im Krieg mit Frankreich erreicht hatte – die Eroberung der Normandie, die Einsetzung als Erbe Karls VI. –, war über Nacht in Frage gestellt. Wie sollte ein Kindkönig den englischen Besitz in Nordfrankreich verteidigen und den Anspruch auf die französische Krone durchsetzen? Die Hoffnungen, Heinrich VI. werde nach Erreichen der Volljährigkeit in die Fußstapfen seines beliebten und verehrten Vaters treten, erfüllten sich nicht. Der junge König zeigte kein Interesse an den Staatsgeschäften und legte keine Bereitschaft an den Tag, den Krieg in Frankreich energisch fortzuführen. Die Engländer gerieten zusehends in die Defensive, und schließlich ging die Normandie verloren. Am Ende des Hundertjährigen Krieges (1453) blieb den Engländern nur noch Calais. Die Enttäuschung im Land war groß.

Wer gedacht hatte, es könne nicht schlimmer kommen, der sah sich eines Besseren belehrt: Im Sommer 1453 verfiel Heinrich VI. in geistige Umnachtung. Monatelang war er nicht ansprechbar und nicht handlungsfähig. Gegen Ende 1454 besserte sich der Zustand des Monarchen. Doch Zwistigkeiten innerhalb der Königsfamilie führten bald darauf zum Beginn der sogenannten Rosenkriege. Die beiden Linien Lancaster und York führten dreißig Jahre lang Krieg um die Krone. Heinrich VI. geriet zum Spielball der verfeindeten Parteien. Er wurde 1461 von seinem Vetter Eduard von York abgesetzt und im Tower eingesperrt. Als sich das Kriegsglück 1470 wendete, gelangte der schon halb in Vergessenheit geratene König noch einmal für einige Monate auf den Thron. Eduard IV. ließ den alten und verwirrten Mann im Mai 1471 töten, nachdem er das Haus Lancaster endgültig besiegt hatte. James Ross betont, dass Heinrich VI. nicht die Alleinschuld an den Krisen und Katastrophen trug, die Mitte des 15. Jahrhunderts über England hereinbrachen. Von einer erheblichen Mitverantwortung kann der willensschwache und unfähige Monarch jedoch nicht freigesprochen werden. Schon vor seiner Krankheit zog Heinrich VI. die Kritik von Adel und Parlament auf sich. Sein Versagen als König war zweifacher Natur: Heinrich regierte nicht selbst, sondern überließ die Staatsgeschäfte einer kleinen Gruppe von Vertrauten und Günstlingen. Und im Gegensatz zu seinen illustren Vorfahren weigerte er sich, persönlich ins Feld zu ziehen und Ruhm als Heerführer zu erwerben.

Ross nennt Heinrich VI. einen "gelegentlichen König" (occasional king). Vom politischen Alltagsgeschäft hielt sich der Monarch fern, denn es langweilte ihn. Er befasste sich nur mit Angelegenheiten, die ihn persönlich interessierten. Heinrich VI. war ein großzügiger Förderer von Bildungseinrichtungen. Zu Beginn der 1440er Jahre gründete er Eton College und King's College. Der auffallend gottesfürchtige Monarch widmete einen Großteil seiner Zeit religiösen Übungen. Vielen Zeitgenossen erschien Heinrichs Frömmigkeit schwärmerisch und exaltiert. Als sich um 1450 eine schwere soziale und wirtschaftliche Krise im Land anbahnte, war Heinrich VI. völlig überfordert. Nach Ausbruch seiner Krankheit fiel er als politischer Akteur endgültig aus. Im Gegensatz zu anderen Autoren bezweifelt Ross, dass der König Ende 1454 vollständig genas. Bis zu seiner Absetzung 1461 war Heinrich kaum mehr als ein passiver Beobachter der Wirrnisse, die England erschütterten. Nicht er selbst kämpfte darum, dem Haus Lancaster die Krone zu bewahren, sondern seine machtbewusste Gemahlin Margarete von Anjou. In seiner hervorragenden Kurzbiographie zeichnet James Ross das Porträt eines Monarchen, der auf dem englischen Thron fehl am Platze war und im Angesicht übergroßer Herausforderungen zwangsläufig scheitern musste. Heinrich VI. fehlten alle Eigenschaften und Fähigkeiten, die nötig gewesen wären, um das Erbe Heinrichs V. zu bewahren, den Aufgaben eines englischen Königs gerecht zu werden und England mit fester Hand durch die Krise der Jahrhundertmitte zu führen. 

(Hinweis: Diese Rezension habe ich zuerst im August 2017 bei Amazon gepostet)

Kommentieren0
Teilen

Gespräche aus der Community

Starte mit "Neu" die erste Leserunde, Buchverlosung oder das erste Thema.

Community-Statistik

in 3 Bibliotheken

Worüber schreibt James Ross?

Was ist LovelyBooks?

Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freunden und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist!

Mehr Infos

Hol dir mehr von LovelyBooks