Jamie Ford Die chinesische Sängerin

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Inhaltsangabe zu „Die chinesische Sängerin“ von Jamie Ford

Seit dem Tag, an dem der leblose Körper seiner Mutter aus dem Haus getragen wurde, lebt William Eng im Waisenhaus. Als er im Kino die schöne Sängerin Willow Frost sieht, ist er überwältigt. Täuschend ähnlich sieht sie seiner Mutter. Entschlossen, den fernen Filmstar aufzuspüren, läuft er fort, schlägt sich auf den Straßen Seattles durch, sucht sie in Theatern und Lichtspielhäusern. Er muss Willow Frost finden. Er muss beweisen, dass sie seine Mutter ist und endlich erfahren, was damals passierte.

Die Geschichte ist emotional geschrieben und hat mich bewegt, war mir aber teilweise zu amerikanisch-melodramatisch.

— Barbara62

Lesenswert, auch wenn hie und da die Charaktere etwas in ihrer Darstellung "hinken".

— SarahRomy

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  • Von der Suche nach Liebe und Vergebung

    Die chinesische Sängerin

    winter-chill

    27. August 2017 um 20:21

    Von der Suche nach Liebe und Vergebung: Vor dem Hintergrund der Großen Depression im Seattle der 1920er und 30er Jahre erzählt Jamie Ford die Geschichte zweier Menschen, die das Schicksal auseinandergerissen hat. Im Mittelpunkt der Handlung steht zum einen der 12-jährige William Eng, ein amerikanischer Junge chinesischer Abstammung. Seit Jahren lebt er im Waisenhaus. Eines Tages erkennt er seine Mutter auf der Kinoleinwand wieder und reißt aus dem Waisenhaus aus – er muss sie finden, koste es was wolle. Denn er hat nie aufgehört, an ihrer Liebe zu zweifeln. Auf der anderen Seite erzählt Jamie Ford aber auch die Geschichte der schönen Sängerin Willow Frost und wie es dazu kam, dass sie ihr Kind ins Waisenhaus gegeben hat. In „Die chinesische Sängern“ geht es aber nicht nur um die dramatische Suche eines Jungen nach seiner Mutter – Jamie Ford skizziert auch sehr treffend und realistisch das Bild der Gesellschaft zu jener Zeit. Nach der Weltwirtschaftskrise von 1929 wurden in den USA tausende Kinder von ihren völlig verarmten Eltern in die Obhut von Waisenhäusern gegeben. Die Armut der Bevölkerung, die Trostlosigkeit und auch den harten Alltag im Waisenhaus schildert Ford so echt, dass sie der Geschichte die richtige Atomsphäre geben. Auch die Verhältnisse in Chinatown – insbesondere die Rolle der Frau – werden natürlich in diesem Roman beleuchtet. Ein weiteres Thema ist das Entstehen der Filmindustrie. Die Geschichte um Willow und ihren Sohn William ist durchaus interessant, berührend und dramatisch – ein absolutes Lesehighlight war der Roman für mich aber trotzdem nicht. Dafür war mir der Aufbau des Buches zu wenig spannend. Außerdem ist Ford kein großer Stilist – seine Sprache ist recht einfach und glatt. In der Summe war mir der Roman zeitweise auch etwas zu kitschig, fast schon gefühlsbesoffen – also schlicht und einfach zu amerikanisch.

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  • Mutter und Sohn

    Die chinesische Sängerin

    Barbara62

    Vor einigen Jahren war Keiko, der Debütroman von Jamie Ford, ein absolutes Highlight für mich. Lange musste ich auf seinen zweites Buch warten, das mich aber auch beim zweiten Lesen nicht so überzeugen konnte wie sein erster Roman. In Die chinesische Sängerin entführt Jamie Ford seine Leser in das Seattle der 1920er- und 30er-Jahre. William Eng, 12-jähriger Amerikaner chinesischer Abstammung, lebt dort 1934 im Waisenhaus Sacred Hearts bei katholischen Nonnen. Seinen Vater kennt er nicht, seine Mutter, an die er nur gute Erinnerungen hat, soll tot sein. Die Nonnen sind hart zu den ihnen anvertrauten Kindern. Nur einmal pro Jahr erzählen sie ihnen Bruchstücke ihrer Familiengeschichte. Alle Kinder im Heim haben schlimme Schicksale durchlitten, viele sind keine Waisen und warten stündlich auf ihre Abholung durch die Eltern. Williams Halt sind seine beiden Freunde, die blinde Charlotte und der Indianerjunge Sunny. Einmal im Jahr wird der gemeinsame Geburtstag der Kinder mit einem Ausflug ins Kino gefeiert. Bei seinem fünften Kinobesuch erkennt William auf der Kinoleinwand plötzlich seine Mutter: Sie ist der Revuestar Willow Frost und wird demnächst in Seattle gastieren. Mit seiner Freundin Charlotte zusammen reißt William aus, um sie wiederzusehen. Doch das Treffen wird ganz anders als erwartet und schließlich erzählt sie ihm ihre Lebensgeschichte der Jahre 1921 bis 1929, eine von Armut, Rassendiskrimierung, Unterdrückung, Arbeitslosigkeit und Rezession geprägte Epoche, zugleich aber die Zeit, in der das Filmwesen seinen großen Aufstieg nahm... Der Roman ist leicht und flüssig zu lesen, die beiden Zeitebenen 1934 und 1921 bis 1929 sind durch die Kapitelüberschriften gut zu trennen. Das emotional geschilderte Schicksal von William und seiner Mutter hat mich bewegt, war mir aber teilweise auch zu amerikanisch-melodramatisch.

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    • 2
  • Die chinesische Sängerin

    Die chinesische Sängerin

    buchleserin

    04. October 2015 um 08:44

    William Eng, ein chinesischer Junge, lebt im Sacred-Heart-Waisenhaus. Seine leblose Mutter wurde vor fünf Jahren aus dem Haus getragen und ins Krankenhaus gebracht und er weiß nicht, was aus ihr geworden ist. Jeden Morgen inspizieren die Schwestern die Bettlaken der Jungen und züchtigen alle mit dem Gürtel, die nachts ins Bett gemacht haben. Einige Jungen wurden sogar ans Bett gefesselt. Am 28. September hat man zum Geburtstag aller Kinder hier im Waisenhaus erklärt und es gab für alle eine Geburtstagsmesse. Zur Feier des Tages besuchen die Kinder ein Kino. Dort sieht er die wunderschöne Sängerin Willow Frost. Sie hat unglaubliche Ähnlichkeit mit seiner Mutter und William ist ziemlich sicher, dass sie es wirklich ist. Er ist fest entschlossen diese Frau zu finden und läuft aus dem Waisenhaus weg. Zusammen mit seiner blinden Freundin Charlotte klappert er alle Theater in ganz Seattle ab, bis er sie tatsächlich findet. Er will endlich wissen, was damals passiert ist und warum seine „Ah-Ma“ nicht zu ihm zurückgekommen ist. „Die chinesische Sängerin“ ist nach dem Bestseller „Keiko“ Jamie Fords zweiter Roman. Er ist in der Nähe von Seattles Chinatown aufgewachsen. Das Cover ist passend zum Roman gewählt. Dieser Roman handelt zunächst von William Engs Suche nach seiner Mutter. Die Geschichte beginnt im Sacred-Heart-Weisenhaus. Die Atmosphäre dort ist ziemlich bedrückend, ans Bett gefesselte Jungen und einige werden mit dem Gürtel geschlagen. William hat Sehnsucht nach seiner Mutter (seiner Ah-Ma) und ist fest entschlossen sie zu finden und will wissen, warum sie nicht zu ihm zurückgekommen ist. Der zweite Teil handelt vom Leben seiner Mutter Liu Song. Rückblickend wird erzählt, wie sie aufgewachsen ist und was später alles geschehen ist. Damals wurden tausende Kinder von ihren Eltern in verschiedene Einrichtungen wie dem Sacred-Heart-Waisenhaus in Seattle gegeben, weil die Eltern sehr arm waren und in der Hoffnung, dass die Kinder dort ein besseres Leben haben würden. Viele versprachen ihren Kindern zurückzukommen, aber nicht alle haben ihr Versprechen gehalten. Die Handlung ist durchgehend interessant und sehr emotional erzählt. Der Schreibstil des Autors ist flüssig und gut zu lesen. Die Protagonisten sind sehr gut beschrieben und auch die Nebencharaktere sind sehr gut dargestellt. „Die chinesische Sängerin“ ist ein ziemlich bewegender Roman.

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  • Ein ergreifender Roman.

    Die chinesische Sängerin

    LiesaB

    "William Eng  wurde von dem schnappenden Klatschen eines Ledergürtes geweckt. Dazu kreischten rostige Federn in seinem Bettgestell, ein ausgemustertes Stück aus Army-Beständen auf denen die dünne, abgenutzte Matratze lag. Ohne die Augen zu öffnen, horchte er auf das Geräusch nackter Kinderfüße, die nervös über kalten Holzboden huschten." Das sind die ersten drei Sätze eines sehr ergreifenden Romans. Ein kleiner chinesischer Junge lebt im Waisenhaus von Seattle uns sieht eines Tages seine Mutter auf der Leinwand des örtlichen Kinos. Er läuft weg, um seine Mutter zu finden.... Jamie Ford nimmt uns mit in ein Seatlle der Zwanziger und Dreißiger Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Wir erleben hautnah die Geschehnisse der damaligen Zeit in Chinatown. Wir sind ergriffen von dem harten Leben und den Bräuchen und der schlimmen Armut. Der Autor versteht es Charaktere zu entwickeln, die menschlich wirken. Der Schreibstil ist sehr gut, er versteht Sätze zu formulieren und hat eine Geschichte zu erzählen. Mir gefallen immer Romane, die sehr wirklichkeitsnah sind und ich am Schluss des Romans dankbar bin, etwas gelernt zu haben. Aus diesem Grund vergebe ich fünf Sterne. Ein paar Sätze weniger wären gut gewesen.

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    • 5
  • Anmutige Geschichte über Mutterliebe

    Die chinesische Sängerin

    SarahRomy

    27. February 2015 um 17:50

    Als William in der berühmten Schauspielerin Willow Frost seine verschollene Mutter erkennt, entschließt er sich aus dem Waisenhaus wegzulaufen und sich auf die Suche nach ihr zu machen. Er will ihr so viele Fragen stellen, warum sie ihn verlassen hat und noch nicht zu sich geholt hat… und dabei ist sich William nicht mal sicher, ob er auf all die Fragen auch die Antworten wissen möchte. Das Buch wechselt zwischen Episoden, die 1934 und 1921-29 spielen. Damit einhergehend vollziehen sich Perspektivenwechsel, die dem Lesefluss sehr gut tun und wodurch auch die Spannung immer wieder steigt. Auf der einen Seite konnte ich mich gut in die Charaktere hineinversetzen, da ihre Gedanken immer wieder kursiv eingeblendet werden. Auf der anderen Seite stellen die Handlungen und z. B. von Willow getroffene Entscheidungen für mich teilweise logische Brüche dar, was es mir wiederum schwer gemacht hat, mich in sie einzufühlen. Eine Schwachstelle, was die Person William angeht, ist sein sehr erwachsen wirkender Charakter, der nicht ganz zum Jungen passt, dessen Rolle er im Roman spielt. Beim Lesen gab es bei mir immer wieder ein Auf und Ab, insbesondere die ersten Kapitel wirkten auf mich träge und haben fast zum Abbruch des Lesens geführt. Im Wesentlichen haben jedoch die schon oben genannten eingebauten Zeitsprünge geholfen, den Roman wieder interessanter zu machen. Das Ende war für mich sehr versöhnlich, da es weder ein typisches Happy End noch mit einem traurigen Ende abschließt, sondern mit einem guten Mittelweg abschließt. Es hat sich gelohnt, das Buch fertig zu lesen. Denn es regt zum Nachdenken über Themen wie Mutterliebe, Rassismus, Liebe und Vergebung an. Leider gibt es nur 3 Sterne von mir (mit einer Tendenz zum 4. Stern, für den es leider nicht gereicht hat), da die Geschichte mich nie ganz packen konnte.

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  • Willow Frost, ein Star mit dunkler Vergangenheit

    Die chinesische Sängerin

    locke61

    William Eng lebt seit seine Mutter aus seinem Leben verschwunden ist, in einem Waisenhaus in Seattle. Ohne liebevolle Zuwendung, erzogen mit harter Hand und der heiligen Bibel, vergeht für William kein Tag, an dem er nicht an seine geliebte Mutter denkt und davon, wie alle Kinder im Waisenhaus träumen, irgendwann abgeholt zu werden und ein gutes Leben zu führen. Als Freunde hat er nur die blinde Charlotte und Sunny, einem Indianerjungen. Bei einem Kinobesuch, anlässlich dem gemeinsamen Geburtstages aller Jungs aus dem Waisenhaus entdeckt er auf einem Filmplakat und dann im Film eine Frau, die seiner Mutter täuschend ähnlich sieht. Er ist sich sicher, das Willow Frost und Liu Song Eng ein und dieselbe Person ist, und will sie unbedingt treffen. Will sieht auf einem Programm, das Willow Frost und ihre Kollegen auf Tournee gehen und sie auch in Seattle halt machen. Er beschließt abzuhauen und sie zu suchen. In einem günstigen Augenblick flieht er gemeinsam mit seiner Freundin Charlotte in die Stadt. Stundenlang ziehen sie durch die Straßen auf der Suche nach dem Theater in dem die Schauspieler auftreten werden. Mit viel Glück und Hartnäckigkeit findet Will den Star Willow Frost und sie erzählt ihm unter Tränen ihre Geschichte. Als junges Mädchen, das früh zur Waise wurde, aufgewachsen im Chinesischen Viertel von Seattle, verbringt die junge Liu Song eine furchtbare Jugend, um zu Überleben muss sie furchtbare Kompromisse eingehen. Nur das Singen machte ihr Leben lebenswert. Beim Lesen dieser Geschichte war ich sehr erschüttert. Doch ich möchte nicht zu viel verraten. Außer, das man viel über das Leben der Menschen in China Town in den 20er und 30er Jahren, deren Aberglaube, die Prohibition, Rassendiskriminierung, Arbeitslosigkeit, Elend, das Sozialwesen und den Aufstieg der Filmbranche mitbekommt. ©locke61

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    • 4

    joleta

    26. January 2015 um 20:45
  • Die Suche eines Kindes nach seiner Mutter und seiner Vergangenheit

    Die chinesische Sängerin

    Esme--

    27. December 2014 um 12:48

    Inhalt: William lebt in einem Waisenhaus und ist, wie auch seine dortigen Freunde, in einer stillen Hoffnung gefangen, seine Vergangenheit zu erfahren und seine Mutter wiederzutreffen. In einem Kinofilm erfährt er, dass seine „Ah-Ma“ eine Karriere als Sängerin gemacht hat und einen Auftritt in seiner Heimatstadt plant. Zusammen mit seiner Freundin Charlotte beschließt er zu fliehen, um seine Mutter und mit ihr seine Vergangenheit und seine Zukunft zu finden. Charaktere: William denkt für einen Jungen in seinem Alter sehr realistisch. Auch wenn er seine Mutter wiedersehen will und den Glauben an ihre Zuneigung pflegt, so hat er auch Bedenken daran, was passiert, wenn er weder durch das Waisenhaus noch durch seine Ah-Ma aufgefangen wird. Er ist sich über die Armut und das Leben vor den Pforten seines „Zuhauses“ sehr bewusst. Liu Song wird von ständigen Sorgen um ihre Zukunft und Erinnerungen an ihre Vergangenheit geplagt. Ihr eigenes Glück findet in der damaligen Zeit nur wenig Platz. Immer wieder gerät sie in einen inneren Kampf. Erzählstil: Man liest die erste Seite und will mehr. Das Szenario ist stimmungsvoll, der Schreibstil bildlich. Jamie Ford setzt seinen Hauptcharakter in einem religiösen Waisenhaus aus, in dem die Kinder ans Bett gefesselt und mit dem Gürtel gezüchtigt werden. Der Geburtstag eines jeden Knaben fällt auf den gleichen Tag. An diesem einen Tag darf die Frage nach der Herkunft; nach der eigenen Mutter gestellt werden. J. Ford schafft, was nur wenige Autoren schaffen: Er bringt, seine Charaktere bereits ab der ersten Seite an den Leser. Diese Einführung gelingt ihm so beiläufig, dass man sofort in die Geschichte abtauchen und eine Reise in eine andere Zeit starten kann. Auch die ersten Rückblenden erfolgen geschickt und ungezwungen. In wechselnder Perspektive, begleitet der Leser William durch das Jetzt, bei dem ganz wesentlich die Liebe zu seiner Mutter, der Wissensdurst nach seiner Vergangenheit und die Ängste in Bezug auf die Gefühle seiner „Ah-Ma“ eine Rolle spielen. Aber auch die Bindung zu Charlotte, Williams engster Vertrauten in dem Waisenhaus, wird hier aufgerollt. Dann wiederum findet sich der Leser in der Geschichte der Mutter wieder. Er durchlebt die Erinnerungen Liu Songs an ihre kranke Mutter und ihren lieblosen Stiefvater, der sie missbraucht und aus dem ein Kind hervorgeht: William. Liu Song begegnet ihrer großen Liebe, die für sie erst hoffnungslos und dann so nah erscheint. Sie kämpft sich durch ein Leben voller Armut, voller Angst vor ihrem Stiefvater und dessen „Erstfrau“ und in ständiger Sorge um ihr Kind. Jamie Ford schreibt atmosphärisch. Seattle und die Armut sind einem beim Lesen sehr nah. Fazit: Jamie Fords Roman bringt nicht nur die Charaktere sondern auch das Leben in Seattle in den 20er bzw. 30er Jahren sehr detailgenau an den Leser. Er schreibt weder verklärt noch dramatisierend. Stattdessen wirkt seine Geschichte authentisch. Im Nachwort erklärt er, dass die Handlung zwar frei erfunden ist, die Charaktere sich jedoch aus den Erlebnissen realer Personen zusammensetzen. Der Einstieg in den Roman gelang mir aufgrund des schriftstellerischen Talents des Autors sehr gut. Der Mittelteil hätte für mich an einigen Stellen etwas gestrafft werden können. Gerne hätte ich die Erzählung im gleichen Stil, wie dem, der auch zum Abspann hin zu finden war, genossen. An einer Stelle musste ich ein wenig stutzen. Sie fiel aus der sehr realistischen Erzählung heraus. So empfand ich es als nicht nachvollziehbar, dass Liu Song nach der ersten Vergewaltigung ihren Schlaf findet und bei einer weiteren Misshandlung gar nicht erst erwacht. Auch eine Stelle, in der Liu Song die Szene in der Badewanne nachstellt und ihrem sie rufenden Sohn nicht antwortet, fand ich zwar sehr dramatisch, aber für eine liebende Mutter sehr unmenschlich. Insgesamt jedoch kann sich ein geduldiger Leser, der einen Einblick in die damalige Zeit erhaschen möchte, eine tragische Liebes- und Lebensgeschichte nicht scheut und einen bildlichen Schreibstil liebt, in diesem Roman mit Sicherheit sehr wohlfühlen. Zitate: Stattdessen nahm sie die Welt durch ihre Vorstellungskraft wahr – was entschieden besser war, als das wirkliche Leben. Als sich ihre Blicke trafen, war es, als würden sie beide auf die Trümmer eines gebrochenen Versprechens blicken. Aber Sie könnten es machen wie ich und einfach Ihrem Herzen folgen – wer weiß, wo es Sie hinführt? Für Colin würde sie leben, für William aber, wäre sie notfalls auch bereit zu sterben. Nie hätte sie gedacht, dass ein schlechtes Gewissen einen so hohen Preis haben könnte. Ausnahmsweise hatte sie nicht das Gefühl eine Rolle zu spielen, sondern war ganz sie selbst.

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  • Dramatische, aber teils langatmige, Gesellschaftsstudie zur Zeit der großen Depression

    Die chinesische Sängerin

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    "William Eng wurde von dem schnappenden Klatschen eines Ledergürtels geweckt." - Erster Satz, "Die chinesische Sängerin" Das Buch "Die chinesische Sängerin" versprach ein interessanter Roman über einen kleinen Waisenjungen zu sein, der von Sehnsucht und Hoffnung getrieben nach seiner Mutter sucht, während gleichzeitig die Gesellschaft der dreißiger Jahre in Amerika dargestellt wird. Das Buch entwickelte sich ein wenig anders, als Anfangs vermutet, und hat mich nicht so ganz mitgerissen, obwohl die Hintergründe der damaligen Zeit sehr genau recherchiert und dem Leser anschaulich nah gebracht werden. - Gestaltung - Das Cover ist sehr ansprechend, schön und vor allem passend zum Inhalt gestaltet. Ich habe das Buch in einem Hardcover mit Buchumschlag erhalten, was einen sehr hochqualitativen Eindruck macht. - Inhalt - William Eng, ein Junge mit chinesischer Abstammung, lebt mit seiner blinden Freundin Charlotte im Sacred-Heart-Waisenhaus im Amerika der dreißiger Jahre und sehnt sich nach seiner totgeglaubten Mutter. Als er jedoch eines Tages im Kino einen Film mit der Schauspielerin Willow Frost sieht, ist er felsenfest davon überzeugt, dass Willow seine Ah-Ma Liu Song ist. Doch warum hat sie ihn aufgeben? Hoffnungsvoll entschließt sich Will dazu, das Waisenhaus zu verlassen und Antworten auf seine Fragen zu finden und erfährt somit nach und nach von dem tragischen Schicksal der chinesischen Sängerin... - Gesamteindruck - "Die chinesische Sängerin" hat mich mit recht gemischten Gefühlen zurückgelassen. So war die Handlung zwar nicht schlecht, aber durchaus langatmig und auch die Charaktere haben mich nicht komplett überzeugt. Dafür sticht das Buch aber mit der detaillierten Darstellung der Schicksale von Amerikanern mit chinesischen Wurzeln hervor, hat einige überraschende Wendungen und brilliert auch mit einem wunderschönen Schreibstil. Allgemein war mir das Buch aber dennoch zu düster, da in beinahe jedem Kapitel etwas Schreckliches oder Grausames passiert. Generell lese ich ja gerne Bücher mit dramatischen Inhalten, aber im Gesamtkontext dieses Buch wurde es mir einfach zu viel, da ich auch nicht wirklich mit den Charakteren mitfühlen konnte und die Geschichte mir somit schlussendlich einfach zu langsam voranging. - Handlung - Die Geschichte teilt sich generell in zwei Handlungsstränge auf. Einmal erfahren wir da von William Eng, der nach seiner Mutter sucht und in dem blinden Mädchen Charlotte eine gute Freundin gefunden hat, die ihn unterstützt. Währenddessen erfährt der Leser zusätzlich in mehreren Kapiteln vom Schicksal der damals jungen Liu Song, Williams Mutter, die ihre Mutter verloren hat und seitdem ein tristes Leben als Ye Xian, also als Aschenputtel, führen muss. Während sie mit ihrer Trauer und einem harten Schicksal kämpfen muss, keimt aber auch die Hoffnung auf Liebe in ihr auf. Als ich das Buch in die Hand nahm, erwartete ich eher, dass ich von dem Schicksal des kleinen William lesen würde, der, von Hoffnung getrieben, sich auf eine schwierige Suche nach seiner Mutter begibt. Stattdessen konzentrierte sich das Buch nicht so sehr auf die momentane Mutter-Sohn-Beziehung, sondern stellte eher das Leben der Liu Song in den Fokus. Beide Handlungsstränge verlaufen recht parallel und kommen schließlich am Ende des Buches zusammen, sodass man als Leser sowohl William als auch Liu Song näher kennen lernt. Die Handlung an sich war recht interessant, allerdings schien sie mir an einigen Stellen etwas flach und langatmig. Besonders fiel mir dies in den eher mittleren Kapiteln aus Williams Sicht auf, da die Ereignisse, die dort stattfanden, recht schnell und einfach abliefen. Zudem fehlten bei mir einfach die Emotionen, denn diese wurden zwar vom Autor ausführlich beschrieben, aber irgendwie konnte ich nicht mit den Charakteren mitfühlen, sondern hatte eher ein distanziertes Bild von ihnen. Auch die zarten Knospen der Liebe entwickelten sich für mich eher etwas unglaubwürdig und konnten mich nicht wirklich überzeugen. - Charaktere - William Eng war mir ein sehr sympathischer Protagonist, denn ich konnte seine Handlungen recht gut nachvollziehen und wünschte ihm im Verlauf des Romans nur das Beste. Der einzige Kritikpunkt wäre hier, dass William mir einfach viel zu erwachsen schien, denn an einigen Stellen musste ich stutzen und nochmal nachblättern, um mich zu vergewissern, dass er wirklich erst elf/zwölf Jahre alt ist. Williams blinde Freundin Charlotte hat mir am besten gefallen. Sie war ein sehr tiefgründiger Charakter mit einer dunklen Vergangenheit und sehr nachvollziehbaren Entscheidungen. Ihr Schicksal hat mich von allen Charakteren am meisten berührt. Die Charaktere aus dem Handlungsstrang um Liu Song waren mir allesamt ein wenig zu flach und austauschbar. So war Lius Stiefvater grausam und widerwärtig, während ein junger Mann, dem sie begegnet, sich nur durch die Eigenschaft der Nettigkeit auszeichnet. Auch mit Liu selbst konnte ich nicht wirklich warm werden und sie schien sich mir im großen Verlauf des Romans nicht sonderlich weiterzuentwickeln. Natürlich war ihr Schicksal sehr traurig und traumatisierend, aber irgendwie blieb sie mir zu kalt und zu künstlich. Erst im letzten Drittel des Romans fand bei den meisten Charakteren eine Wandlung und Entwicklung statt, die mir dann auch gefiel, doch diese Entwicklung passierte meiner Meinung nach einfach zu einem viel zu späten Zeitpunkt. Ich muss übrigens anmerken, dass mir die Nebencharaktere gefallen haben, auch wenn sie nicht gerade eine positive Rolle einnahmen. So zum Beispiel Schwester Briganti, eine strenge Schwester im Sacred-Heart-Waisenhaus mit heutzutage recht altmodisch anmutenden Erziehungsmethoden. Ihre Darstellung warf ein interessantes Licht auf die Gesellschaft, obwohl ich auch hinzufügen muss, dass ich sie durchaus nicht als böse oder schlecht empfand, da sie, so gut es ging, nach den allgemeinen und ihren persönlichen Moralvorstellungen handelte und somit ein sehr überzeugender Charakter war. - Schreibstil - Zum Schreibstil kann ich nur sagen, dass er sehr flüssig war und ich mich als Leser somit recht schnell in die Geschichte vom Handlungsort her hineingefunden habe. Jamie Ford hat die Szenerie, in der "Die chinesische Sängerin" spielt, sehr überzeugend dargestellt und nebenbei dem Leser einen umfassenden Einblick in die damalige Gesellschaft und die Rolle von Minderheiten in Amerika zur Zeit der großen Depression gegeben. - Fazit - Zusammenfassend muss ich feststellen, dass mich persönlich das Buch nicht mitgerissen hat, aber es sich hierbei um eine sehr bewegende Geschichte handelt, die sicherlich vielen zusagt. Allgemein hat die Geschichte mir nämlich weder missfallen noch mich großartig überzeugt. Ich kam allerdings an einigen Stellen nur schleppend voran und manche Charaktere waren mir zu flach und schienen noch nicht vollständig ausgereift zu sein, sodass ich das Buch mit sehr gemischten Gefühlen wieder ins Regal zurückstelle. Somit bewerte ich "Die chinesische Sängerin" mit eher neutralen, aber gut gemeinten, drei Sternen. -- Diese Rezension wurde auch auf Amazon (stardust) veröffentlicht

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    • 2

    Arun

    08. December 2014 um 16:15
  • Ein Waisenjunge, der die Suche nach seiner Mutter nicht aufgeben will....

    Die chinesische Sängerin

    kassandra1010

    William, gestrandet in einem katholischen Waisenhaus um 1930 hat seine Erinnerungen an seine Mutter niemals aufgegeben. Als er an einem schönen Tag einen Theaterflyer findet, erkennt er die darauf abgebildete Frau als seine Mutter.   Aller Bestrebungen und dank einer besonderen Freundschaft zur blinden Charlotte, einem Waisenmädchen, gelingt es ihm tatsächlich den Kontakt zu seiner Mutter herzustellen.   Doch die damaligen Zeiten sind hart und eine alleinerziehende Chinesin im Film-Business scheint nicht die Mutter zu sein, die William sich erhofft hat….   Ein wunderbares Buch über die Zeit während der Prohibition, unerschütterlichem Glauben an die Lieb und der Suche nach Familie und Heimat.  

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    • 2

    Arun

    23. November 2014 um 14:48
  • Eindringliche Schicksale einer chinesischen Mutter und ihres Sohnes meisterhaft erzählt

    Die chinesische Sängerin

    sommerlese

    *"Die chinesische Sängerin"* ist der zweite Roman von *Jamie Ford*, einem Amerikaner mit chinesischen Wurzeln. Dieses eindringliche Werk erscheint 2014 als deutsche Ausgabe im Bloomsbury Berlin Verlag (Piper Verlag). Als der 12 jährige William vor 5 Jahren seine Mutter leblos in der Badewanne vorfindet, ändert sich sein Leben dramatisch. Er kommt in ein christlich geführtes Waisenhaus in Seattle, wo er ein einsames und liebloses Dasein fristet. Seine einzigen Freunde sind die blinde Charlotte und der Junge Sunny. Er träumt den großen Traum, eines Tages von seiner Mutter aus dem Heim abgeholt zu werden. Beim Ausflug anläßlich des allgemeinen Jungengeburtstages im Jahr 1934 entdeckt er auf einer Kinoankündigung plötzlich ein Bild seiner Mutter. Es ist die Schauspielerin Willow Frost, früher Liu Song genannt. Durch Charlotte ermuntert und begleitet, beschließt William auszureißen und diese Frau zu suchen. Das bringt die Enthüllung von Wahrheiten ins Rollen. Die verschiedensten Schicksale werden offenbahrt. Zitat von Seite 236: *"Denn kein Mensch, das ist die unangenehme Wahrheit, ist nur schlecht oder nur gut. .. Das Leben wäre sehr viel einfacher, wenn es so wäre. Nein, tatsächlich trug jeder .....eine verwirrende Mischung in sich: aus Liebe und Hass, Freude und Kummer, Sehnsucht und Vergessen, fehlgeleiteter Wahrheit und schmerzhafter Täuschung."* Schade, dieses Buch hätte ewig so weiter gehen können. Ich bin noch wie im Rausch - dem Jamie Ford-Rausch! Unglaublich gut erzählt und so beeindruckende Schicksale, die man sich eigentlich so tragisch kaum vorstellen kann. Im Roman gibt es zwei Handlungsstränge, die miteinander verknüpft werden. Die eine Erzählspanne zeigt die Erlebnisse Williams im Jahre 1934, die andere erzählt von seiner Mutter beginnend von 1921 an. Dabei wird die Lage im Amerika der 30er Jahre mit Wirtschaftskrise und vorangegangener Prohibition im Roman zwar unterschwellig, aber doch sehr eindringlich aufgezeigt. Der Autor streut häufig Zeitgeschehen ein, wie Aufstände und die herschende Rassentrennung in dieser Epoche. Das gibt dem Roman einen authentischen Bezug und es ermöglicht dem Leser, das Handeln der Personen und die Gesellschaft in dieser Zeit besser zu verstehen. Jamie Ford gelingt es ausgesprochen gut, die Personen dieses Romans lebendig werden zu lassen. Dabei sind die Charaktere mit einer solchen Tiefe beschrieben, die den Leser eindringlich in ihren Bann ziehen. Man leidet durch die unglaubliche Intensität dieser Schicksalsbeschreibungen förmlich direkt mit den Personen mit. Dabei werden eigentlich nur die ureigensten menschlichen Wünsche nach Liebe und Geborgenheit aufgezeigt. Doch die äußeren Zwänge machen diese Hoffnungen fast unerreichbar. Dieser Roman hat mich zutiefst ergriffen und wirkt noch lange nach! Hier werden ergreifende Schicksale offenbahrt, die richtig unter die Haut gehen. Gefühle, Verzicht, Liebe und Sehnsucht werden hier in sprachgewaltiger Erzählweise dem Leser eindringlich nahe gebracht. Für mich die Buchentdeckung in diesem Jahr: also unbedingt lesen!

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    • 5
  • ein Junge, auf der Suche nach seiner Mutter

    Die chinesische Sängerin

    miro76

    26. September 2014 um 23:28

    William Eng ist ein 12-jähriger chinesischer Junge. Er lebt im Sacred Heart Waisenhaus in Seattle mit vielen anderen Kindern, deren Eltern teilweise tot sind, oder sich gezwungen sahen ihre Kinder abzugeben, weil sie sich selbst kaum zu ernähren wussten. Wir schreiben das Jahr 1934 und die Wirtschaftskrise ist noch nicht überwunden. William glaubt, dass seine Mutter tot ist. Er hatte sie fünf Jahre zuvor bewusstlos in der Badewanne gefunden und sie wurde in ein Sanatorium gebracht. Ihm wurde mitgeteilt, dass sie dieses Sanatorium nie mehr verlassen hat. Bis er an ihrer aller Geburtstag – der Einfachheit halber feiern alle Jungen am 28. September Geburtstag – im Kino Willow Frost, eine Chinesin sieht und singen hört. Er glaubt in ihr seine Mutter Liu Song zu erkennen. An der Straßenbahnhaltestelle fällt William ein Flugzettel in die Hände mit den Konzertdaten von Willow Frost. Sie wird in zwei Wochen in Seattle auftreten. Er teilt sein Geheimnis mit seiner Freundin Charlotte, das einzige blinde Mädchen im Waisenhaus. Gemeinsam beschließen sie zu fliehen, um Will’s Mutter zu finden. Es gelingt ihnen aus dem Waisenhaus wegzulaufen und nach der Nachmittagsvorstellung steht William tatsächlich Willow Frost gegenüber. Mehr möchte ich gar nicht erzählen über den weiteren Verlauf des Romans, denn ich fand diese Geschichte sehr spannend. Jetzt stellen sich Fragen wie: Ist Willow Frost wirklich die totgesagte Liu Song? Und wie ist William im Waisenhaus gelandet? Jamie Ford erzählt diese Tragödie so spannend und in einem locker fließenden Stil, dass ich dieses Buch kaum aus der Hand legen wollte. Ich bin restlos begeistert, wie gut er die Stimmung im Chinatown der 30er Jahre einfangen konnte.

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  • Die ergreifende Suche eines Jungen nach seiner Mutter

    Die chinesische Sängerin

    RubyKairo

    03. September 2014 um 20:58

    Wie schon in meinem Leseeindruck beschrieben, Jamie Ford ist damit ein Meisterwerk gelungen. Das von mir mit Spannung erwartete Buch hat mich nicht enttäuscht. Es ist wirklich eine sehr tolle tiefgründige Geschichte, die einen richtig mitnimmt und mitfühlen lässt, denn Jamie Ford beschreibt alles in einer sehr süßen (so würde ich es bezeichnen) undefinierbaren Sprache. Man kann sich wirklich William Eng vorstellen, der diese Geschichte erzählt, sie laesst einen die Dinge vor dem inneren Auge regelrecht aufbluehen. Ich habe noch kein Buch mit so vielen Metaphern gelesen, so vielen bildhaften Beschreibungen. Wirklich eine berührende Geschichte, die unter die Haut geht. Kann ich nur jedem empfehlen!!!!

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  • Mütter und Kinder in schwierigen Zeiten

    Die chinesische Sängerin

    klaraelisa

    09. August 2014 um 18:17

    „Die chinesische Sängerin“, der zweite Roman des Bestsellerautors Jamie Ford, spielt in Seattle vor dem Hintergrund der Großen Depression. Der 12jährige Protagonist William Eng, ein amerikanischer Junge chinesischer Abstammung, lebt seit fünf Jahren im christlichen Sacred-Heart-Waisenhaus. Dort werden den Jungen nachts die Hände an den Bettgestellen festgebunden, und morgens weckt sie das schnappende Klatschen des Ledergürtels von Schwester Briganti. Es ist ein schweres Leben an diesem einsamen Ort, und William weiß, dass dieses prächtige Haus in Wirklichkeit ein gütiges, liebevolles, blumengeschmücktes Gefängnis ist. (S. 26) Am 28. September 1934 ist sein Geburtstag, oder vielmehr der Geburtstag aller Jungen. Die Mädchen feiern ihren kollektiven Geburtstag am 15. Juli, so haben es die Nonnen festgelegt. Zur Feier des Tages gibt es eine Straßenbahnfahrt zum historischen Moore Theatre und ein Fünf-Cent-Stück für Süßigkeiten. Im Kino angekommen, streift William durch das Foyer. Er hat Sehnsucht nach seiner Mutter, die sich früher mit ihm immer alte Filmdramen und Stummfilme in zweitklassigen Kinos angesehen hatte. Bevor der Film „Pioniere des Wilden Westens“ anläuft, wird in der Vorschau die Fox-Movietone-Revue mit der chinesischen Sängerin Willow Frost vorgestellt. Für William steht fest, dass diese Frau seine Mutter ist. Früher war sie in Chinatown als Liu Song bekannt, und er hatte sie immer Ah-Ma genannt. All die Jahre glaubte William sie wäre tot. Er hatte gelitten und getrauert. Sie war am Leben und hatte ihn zurückgelassen wie einen streunenden Hund. Nach all den schweren Jahren muss er sie finden. Die Movietone Players gastieren im 5th Avenue Theatre und wenig später flieht er mit Charlotte, seiner besten Freundin, aus dem Waisenhaus. „Ein glückliches Ende, das war alles, was er sich wünschte.“ (S.65) Jamie Ford erzählt in seinem Roman eine berührende Mutter-Sohn-Geschichte. Sie beginnt im Jahr 1934, als William sich auf die Suche nach seiner Mutter macht. Die anderen Kinder, mit denen er im Waisenhaus lebt, haben eine ähnliche Vergangenheit wie er. Und nicht alle sind Waisen, hoffen darauf, irgendwann wieder nach Hause zurückzukehren. Manche Eltern halten Wort. „Manche Versprechen sind aber schwieriger einzulösen als andere.“ (S. 395) Williams einzige Freunde sind die blinde Charlotte Rigg und der Indianerjunge Sunny Sixkiller. Dieser hat sich mit dem Leben im Waisenhaus abgefunden. Charlotte hingegen will bzw. wird auf keinen Fall mehr zu ihrem Vater zurückkehren. In einem zweiten Erzählstrang beschreibt der Autor das Leben von Liu Song. 1921 verdient sich die damals 17jährige nach der Schule als Werbesängerin in Butterfields Musikgeschäft etwas Geld dazu. Sie hatte ihre wunderschöne Stimme von ihrem verstorbenen Vater geerbt, einem Star der kantonesischen Oper. Als Liu Songs Mutter, die in zweiter Ehe mit einem Geschäftsmann verheiratet ist, stirbt, wird Liu Song den Verdacht nicht los, dass dieser ihre Mutter umgebracht hat. Mit einer ausgeklügelten Idee vertreibt sie ihn und seine Zweitfrau aus dem Haus. Wenig später kommt William zur Welt. Jamie Ford erzählt weiter über die Folgen der Spanischen Grippe, die unendlich viele Familien auseinander riss, den Börsenkrach von 1929, die Entwicklung der aufstrebenden Filmindustrie, überhaupt die rasante Entwicklung des technischen Fortschritts und den schwierigen Aufstieg Liu Songs zur begnadeten Künstlerin Willow Frost. Ein sehr einfühlsamer Roman, der die Zeitgeschichte und die gesellschaftlichen Hintergründe in Seattle gut beschreibt. Ein Roman über innige Mutterliebe und einen Jungen, der an die Liebe seiner Mutter glaubt, über sexuellen Missbrauch, das schwierige Leben chinesischer Einwanderer in Amerika, die Not und das große Elend der Großen Depression. Besonders gut hat mir gefallen, wie der Autor dem Leser durch kursiv gesetzte Passagen die Gedanken der Protagonisten näher bringt. Ich habe den Roman gerne gelesen. 

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  • Sehr emotional und wunderschön geschrieben...

    Die chinesische Sängerin

    angi_stumpf

    Die Geschichte: William lebt in Seattle im Sacred Heart – Waisenhaus und weiß wenig von seiner Vergangenheit. Seinen Vater kennt er nicht und seine Mutter scheint in einem Sanatorium gelebt zu haben und dort irgendwann verstorben zu sein. Er erhält keine Briefe und keine Besuche. Doch als die Waisenkinder eines Tages in die Stadt fahren dürfen, um ihren gemeinsamen “Geburtstag” zu feiern, entdeckt er Plakate, die eine große Live-Show ankündigen: unter anderem ist dort die chinesische Sängerin Willow Frost zu sehen. William ist sich sofort sicher: diese Frau ist niemand anderes als seine geliebte Mutter Liu Song. Kurz darauf verlässt William zusammen mit der blinden Charlotte das Waisenhaus, um in der Stadt nach seiner Mutter zu suchen. Am Hinterausgang eines Theaters kommt es zu einer folgenschweren Begegnung… Meine Meinung: Der Schreibstil von Jamie Ford nimmt den Leser vollends mit in die Geschichte und damit ins Seattle der Dreißiger- und Vierzigerjahre: eine von Armut und Rassendiskriminierung geprägten Stadt, die mit allerlei Problemen zu kämpfen hat. Hier begegnen wir dem 12-jährigen William, der seit 5 Jahren im Waisenhaus lebt. Das Leben im Heim wird sehr realistisch geschildert und auch die Protagonisten wirken lebendig und ausdrucksstark. Nicht nur William, sondern auch seine Freunde sind sehr sympathische Kinder, die die vielfältigsten Schicksale ertragen mussten und müssen. Der historische Hintergrund erscheint gut recherchiert und ist sehr informativ. Die Geschichte wird in wechselnden Zeiten erzählt: einerseits Williams Suche nach seiner Mutter im Jahr 1934, andererseits die Vergangenheit von 1921 bis 1929. Die Jahreszahlen finden sich immer übersichtlich am Anfang jeden Kapitels. Dieses Buch hat mich absolut gefesselt und mit seiner emotionalen Erzählweise sehr beeindruckt. Man kann mit den Charakteren mitfühlen, stellenweise sind Taschentücher in greifbarer Nähe ganz hilfreich. Fazit: Ein wunderschönes, tragisches, emotionales Buch über eine von Verzicht, Liebe und Aufopferung geprägte Mutter-Sohn-Beziehung!

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  • Unschöne Zeiten

    Die chinesische Sängerin

    Arun

    Die chinesische Sängerin von Jamie Ford Eine Familiengeschichte aus den 20er und 30er Jahren des 20. Jahrhunderts. Handlungsort ist Seattle gelegen am Puget Sound im Bundesstaat Washington im Nordwesten der USA. Die Story ist angesiedelt im Umfeld der chinesischen Gemeinde welche in der Hafenstadt Seattle lebt. Erzählt wird uns das Schicksal von William und seiner Mutter Liu Song mit Künstlernamen Willow Frost. Im Jahre 1934 lebt der 12 jährige William im Waisenhaus, bei einer Filmvorführung sieht er seine totgeglaubte Mutter in einer Filmrolle auf der Leinwand. Anlässlich eines Gastspiel von Willow in ihrer Heimatstadt, flüchtet William mit einer blinden Freundin aus dem Kinderheim und versucht zu seiner Mutter zu gelangen. Dieses Vorhaben gelingt auch, nun erzählt seine Mutter ihre Geschichte beginnend im Jahre 1921. Dies ist die Ausgangslage der Story – die folgenden Ereignisse sollten aber selbst gelesen werden um die Spannung zu erhalten. Meine folgenden Anmerkungen beziehen sich deshalb auf das Umfeld der Story und was mir beim lesen aufgefallen ist. Man erfährt einiges über soziale, politische und kulturelle Themen der damaligen Zeit. Hier wie immer einige Beispiele: Das Klassendenken der weißen Bevölkerung gegenüber anderer Rassen. Das Eingreifen des Staates in Bezug auf das Leben von ledigen Müttern und ihrer Kinder, über die Praxis der Adoptionsfreigabe, über Kinderheime bis hin zur Zwangssterilisation. Das Leben in der chinesischen Gemeinde mit ihren traditionellen Verhaltensmustern. Die vom Gesetz festgelegte Machtbefugnis der Eltern über das Kinderwohl hinaus. Folgen und Auswüchse der Weltwirtschaftskrise von 1929. Entstehen der Filmindustrie von Stummfilm bis hin zum Tonfilm. Erblühen und vergehen von Geschäftsideen in den verschiedenen Branchen. Gerade diese Informationen haben neben der Geschichte von William und seiner Mutter das Buch für mich lesenswert gemacht.

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