Jamie Ford Keiko

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Inhaltsangabe zu „Keiko“ von Jamie Ford

Dezember 1941: Nach dem Angriff auf Pearl Harbor ist auch in Seattle nichts mehr, wie es war. Für den zwölfjährigen Henry bricht eine Welt zusammen, als Keiko, das bildschöne Mädchen aus seiner Schule, plötzlich verschwindet. Ihre Eltern sind Japaner und die Wirren des Krieges beenden eine aufkeimende Liebe. Vierzig Jahre später stößt Henry durch Zufall auf einen Bambusschirm und ist sich sicher: Dieser Schirm hat einmal Keiko gehört. Was ist mit ihr geschehen?

Ein Lieblingsbuch, eine ganz besondere Liebesgeschichte und die Suche eines Mannes nach seiner Identität.

— Barbara62
Barbara62

Ein sehr berührender Roman, der viele Leser verdient hat!

— Eliza08
Eliza08

Ein Buch, was man gelesen haben sollte.

— Esme--
Esme--

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  • Eine ganz besondere Liebesgeschichte

    Keiko
    Barbara62

    Barbara62

    01. May 2017 um 12:13

    Wenn man ein Lieblingsbuch erneut liest, besteht immer die Gefahr einer Enttäuschung. Bei Keiko, dem Debütroman des US-Amerikaners Jamie Ford aus dem Jahr 2009, ist es mir zum Glück nicht so ergangen, und ich war genauso berührt und gefangen wie beim ersten Lesen vor einigen Jahren. Aus der Sicht eines auktorialen Erzählers erfahren wir die Lebens- und Liebesgeschichte des Amerikaners chinesischer Herkunft Henry Lee, der 1986 vor Kurzem nach glücklicher Ehe seine Frau Ethel verloren hat. Bei einem Spaziergang durch Seattle beobachtet er, wie das an der Grenze zwischen chinesischem und japanischem Viertel gelegene und seit Kriegsende aufgegebene Hotel Panama zu neuem Leben erwacht. Seine Gedanken wandern zurück ins Jahr 1942, als er mit zwölf Jahren zum ersten Mal dort war. Zu dieser Zeit war Henry der einzige asiatische Stipendiat einer weißen Eliteschule, ein gemobbter Außenseiter. Mit seinen Eltern konnte er nicht darüber reden, zu stolz waren sie darauf, dass ihr Sohn ein echter Amerikaner geworden war, und er war abgrundtief einsam. Das änderte sich, als mit der Japanerin Keiko eine zweite Asiatin an die Schule kam. Die beiden Jugendlichen wurden unzertrennlich, erlebten ihre erste Liebe und streiften zusammen durch die Jazz-Szene Seattles, immer darauf bedacht, die Verbindung vor Henrys Vater, der die Japaner hasste, geheim zu halten. Doch nach dem Angriff auf Pearl Harbor, als die Amerikaner alle Japaner internierten, wurden auch Keiko und ihre Familie in ein Lager gebracht, und so sehr Henry sich auch bemühte, verlor er sie doch aus den Augen. Mir ist dieser Roman, der so sensibel und still eine wunderschöne lebenslange Liebesgeschichte und zwei schwierige Vater-Sohn-Beziehungen (zwischen Henry und seinem Vater bzw. Henry und seinem Sohn) erzählt, sehr ans Herz gegangen. Ist er ein wenig kitschig? Wenn ja, so hat es mich in keinem Moment gestört. Vielmehr habe ich Keiko, im Original Hotel on the Corner of Bitter and Sweet, als Zeugnis über ein Leben zwischen verschiedenen Kulturen und über Ausgrenzung gelesen, als zeitgeschichtlichen Bericht aus dem Zweiten Weltkrieg in den USA und als Suche eines überaus sympathischen Protagonisten nach seiner Identität.  

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  • Jamie Ford - Keiko

    Keiko
    FabAusten

    FabAusten

    Seattle, in den Vierziger Jahren: Henry ist der einzige chinesische Junge an seiner Schule. Sein Vater ist sehr streng, aber auch sehr stolz darauf, dass sein Sohn eine bessere Bildung als er genießen kann. Deshalb erzählt Henry ihm lieber nicht, wie schwer es ihm die anderen Schüler machen, wie sie ihn verspotten und schlagen. Sein Vater ist auch viel zu sehr damit beschäftigt, den Krieg zwischen China und Japan zu verfolgen, als sich mit seinem Sohn auseinanderzusetzen. Eines Tages kommt Keiko an Henrys Schule. Sie fassen schnell Sympathie und verbringen viel Zeit miteinander, obwohl Henry sich damit gegen seinen Vater auflehnt. Angesicht des Krieges zwischen den USA und Japan werden die Repressionen gegen die japanischen Bewohner Seattles immer stärker. Schließlich wird sogar das japanische Viertel, in dem Keikos Familie lebt, umgesiedelt. Henry muss sich entscheiden, wem seine Loyalität gilt. Jamie Ford erzählt eine Variante des klassischen Stoffs „Romeo und Julia“. Angesiedelt ist sie vor dem Hintergrund der realen historischen Ereignisse um Pearl Harbour und der Internierung japanischer US-Bürger. Ein aufschlussreiches und interessantes Kapitel der Geschichte, das mehr Beachtung finden sollte. Fords Roman bietet demnach sicherlich vielen Lesern Neuland. Erzählt werden die Ereignisse von einem auktorialen Erzähler, der jedoch Henrys Perspektive einnimmt. So lernt der Leser zwar dessen Gefühlwelt kennen, aber nicht die der anderen Figuren. Es ist der Erzählperspektive von außen geschuldet, dass die Beweggründe von Henrys Eltern nicht allzu viel Raum gegeben wird. Leider ist auch die tiefe Verbundenheit zwischen Henry und Keiko nicht in allen Teilen fundiert. Zwar lässt sich nachvollziehen, wie und warum sie zusammenfinden, aber nicht warum diese Verbundenheit über solch eine lange Zeit trägt. Oder liegen die Gründe dafür schlicht in dem Umstand, dass man immer dem hinterher trauert, das man nicht haben kann? Dafür kann der Roman mit seinen Figuren wuchern. Der Leser schließt Henry, Keiko und ihren gemeinsamen Freund, Jazz-Trompeter Sheldon, schnell ins Herz. Es gibt zwei Erzählstränge, die zwischen den Vierziger Jahren und dem Jahr 1986 hin und her springen. Dadurch ist es möglich, verschiedene Themen sowohl aus der Sicht des jungen Henrys als auch der des reiferen Henrys zu beleuchten. Und es werden zahlreiche Themen behandelt. Dazu gehören familiäre Beziehungen, Loyalitäten, der Tod, das Leben zwischen/mit verschiedenen Kulturen sowie die Auswirkungen von Vorurteilen, Diskriminierung und Krieg. Außerdem erhält der Leser Informationen, die erst im jeweils anderen Erzählstrang ihre volle Bedeutung offenbaren. So entsteht eine weitere spannende Erzählebene. Der Sprachstil ist bildhaft und sensitiv. Henrys Gefühlswelt sowie die kleineren und größeren (politischen und gesellschaftlichen) Zusammenhänge werden sehr nachvollziehbar geschildert. Die Handlung entwickelt sich wie ein langer ruhiger Fluss, auch wenn sie mitunter dramatische Züge annimmt. Der Leser wird besonders zum Ende hin emotional gefordert, allerdings entstehen gerade hier auch ein paar Längen. Darüber hinaus wirkt das Geschehen zwar über weite Strecken authentisch, doch andererseits gibt es das ein oder andere Ereignis, dass ein wenig konstruiert oder vorhersehbar anmutet. Insgesamt ist Keiko eine gefühlvolle Erzählung, welche sowohl die Auswirkungen von Vorurteilen als auch von historischen Umwälzungen auf den Einzelnen und seine Beziehungen sehr einfühlsam nachvollzieht.

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    • 3
  • Ein Buch, das zum Nachdenken anregt ...

    Keiko
    engineerwife

    engineerwife

    29. February 2016 um 13:39

    Ein wunderbares Debut eines vielversprechenden Autors, das zu Unrecht so lange ungelesen in meinem Regal verstaubte. Jamie Ford ist durch seinen Urgroßvater, den aus Kaiping in China stammenden Minenpioniers Min Chung, selbst chinesischer Abstammung. Dieser kam 1865 nach San Francisco und nahm den Namen Ford an, was viele Generationen später immer noch die Menschen irritiert. Da seine chinesischen Verwandten Jamies eigentlichen Namen James mit "Ji Mai” aussprechen, entstand so sein Name Jamie.   Jamie nimmt sich eines immer noch heiklen Themas an, in dem er die Internierung der in den USA lebenden Menschen mit japanischer Abstammung zum Mittelpunkt seines Romans macht. Mich persönlich beschäftigt dieses Thema schon seit vielen Jahren, besonders angeregt durch den Ausspruch meines Sohnes, der eine amerikanische Schule besuchte und ein Buch darüber in die Hände bekam. „Mama, das hat uns niemand erzählt!“ berichtete er mir sichtlich berührt. Der Roman schafft es durch die dichte Atmosphäre dem Leser ein Gefühl zu vermitteln, als wäre er dabei … in Seattle … vor dem Hotel, in dem Henry den Schirm sieht … an dem Tag, als Pearl Harbor angegriffen wurde … Doch man fragt sich als Leser und auch als Mensch … was konnte Keiko dafür, ihre Eltern und all die anderen Menschen, die doch nur in Frieden ihrem Tagwerk nachgehen und niemandem etwas Böses wollten. Henrys Vater besteht darauf, dass der junge Henry einen besonderen Button trägt mit der Aufschrift I am Chinese. Die Bedeutung wird schnell klar, wenn man Poster zu der damaligen Relocation aller Japaner gesehen hat. Henry ist geprägt durch seine sehr chinesischen Eltern, die so ganz anders sind als die aufgeschlossenen Eltern Keikos. Selbst später, als er schon selbst einen eigenen Sohn hat, fühlt er sich gefangen in zwei Welten. Mit Keiko gelang es dem Autor auch mich zu berühren und deshalb erhält das Buch von mir eine absolute Leseempfehlung.

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  • Eine ganz besondere Jugendliebe

    Keiko
    sanrafael

    sanrafael

    16. October 2014 um 09:28

    Henry (12J., Chinese) geht auf eine weiße Schule und muss jeden Mittag in der Schulküche arbeiten. Zu Hause spricht man chinesisch, aber Henry darf nur noch amerikanisch reden. Und so wird er als Außenseiter weder von den chinesischen, noch von den amerikanischen Kindern akzeptiert. Sein einziger Freund ist Sheldon, ein schwarzer Saxophonspieler, den er immer auf dem Nachhauseweg besucht. Doch alles ändert sich, als eines Tages Keiko (Japanerin) in seine Schule kommt. Auch sie wird der Schulküche zugeteilt und sofort ist Henry von ihr angezogen. Er begleitet sie nach Hause, teilt mit ihr die Liebe zur Jazzmusik und lernt ihre Eltern kennen. Henry‘s Vater, entsetzt von dieser Verbindung, hasst alle Japaner, seit China im Krieg mit Japan steht. Als er seinem Sohn den Umgang mit Keiko verbietet, widersetzt sich Henry zum ersten Mal – der Zeitpunkt ab dem Henry’s Vater kein Wort mehr mit ihm spricht.   Vierzig Jahre später, Henry ist inzwischen Witwer und hat selbst einen erwachsenen Sohn, holt ihn die Vergangenheit wieder ein. Rückblickend erzählt er seinem Sohn und dessen Freundin von der verbotenen Beziehung zu einer Japanerin, von ihrer Umsiedlung in ein Internierungslager und seinen Besuchen. Über Monate und Jahre hatte er versucht die Verbindung zu Keiko zu bewahren, bis sie eines Tages nicht mehr antwortete.   Ein Buch der leisen Töne, welches die erste Liebe zweier Jugendlicher während des 2.Weltkrieges berührend und einfühlsam erzählt. Die story an sich ist sicher etwas besonderes, aber stellenweise düster und unspannend.

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  • Rezension zu "Keiko" von Jamie Ford

    Keiko
    Kartoffelschaf

    Kartoffelschaf

    02. January 2013 um 22:16

    Zuerst der Klappentext: Dezember 1941: Nach dem Angriff auf Pearl Harbor ist auch in Seattle nichts mehr, wie es war. Für den zwölfjährigen Henry bricht eine Welt zusammen, als Keiko, das bildschöne Mädchen aus seiner Schule, plötzlich verschwindet. Ihre Eltern sind Japaner und die Wirren des Krieges beenden eine aufkeimende Liebe. Vierzig Jahre später stößt Henry durch Zufall auf einen Bambusschirm und ist sich sicher: Dieser Schirm hat einmal Keiko gehört. Was ist mit ihr geschehen? Ich muss mich wirklich ersteinmal sammeln, nachdem ich das Buch soeben ausgelesen und eine halbe Packung Taschentücher gebraucht habe .... Solch ein gutes Buch habe ich schon lange nicht mehr gelesen. Ein unheimlich sympathischer Protagonist, von welchem jeweils die Vergangenheit (1942-1945) und die Gegenwart (1986) erzählt wird. Die Geschichte einer verbotenen, unerfüllten Liebe, welche Jahrzehnte überdauerte. Unglaublich einfühlsam und mitreißend. Mit einem wundervollen als auch traurigen Ende. Mit schockierenden Enthüllungen und super viel Herz. Eine Geschichte die zum Nachdenken anregt und zumindest mich sprachlos zurückgelassen hat. Definitiv ein super gelungenes Debut, dass ich absolut empfehlen kann. 5 Sterne und mehr!

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  • Rezension zu "Keiko" von Jamie Ford

    Keiko
    porcelain

    porcelain

    13. May 2011 um 15:24

    'Keiko' von Jamie Ford beschreibt die komplizierte Liebesgeschichte zwischen einem chinesischen Jungen und einem japanischen Mädchen in einem von Jazz Musik geprägten Seattle der 40er Jahre. Henry, der in Amerika geborene Sohn einer chinesischen Familie wird von seinem Vater auf eine amerikanische Grundschule geschickt, wo er es sehr schwer hat. Der Zwölfjährige wird von den amerikanischen Mitschülern, die ihn gern als "Gelbhaut" oder "Japse" bezeichnen, ausgeschlossen. Die Situation ändert sich für Henry, als das japanische Mädchen Keiko an seine Schule kommt. Da sein Vater, ein chinesischer Nationalist, ihm beibrachte die Japaner, gegen die China zu dieser Zeit Krieg führte, zu verachten, ist Henry zunächst skeptisch was den Neuankömmling betrifft. Beim gemeinsamen Küchendienst lernen sich die beiden jedoch besser kennen, bis sie schließlich auch ihre Freizeit miteinander verbringen, obwohl dies von Henrys strengem Vater verboten wurde. Es wächst eine Liebe zwischen den beiden heran, jedoch wird Keiko mit ihrer Familie von amerikanischen Soldaten weggeschickt und der Kontakt zwischen den beiden wird immer schwieriger. Ich muss gestehen, dass ich mir selbst noch nicht viele Gedanken darüber gemacht habe, was mit den in Amerika lebenden Japanern nach dem Angriff auf Pearl Harbour geschehen ist. Dieses Buch erzählt von einer persönlichen Geschichte, beschreibt jedoch trotzdem sehr gut die äußeren Umstände der damaligen Zeit. Henrys und Keikos bittere Liebesgeschichte hat mich sehr berührt, was zum einen daran lag, dass dieses Buch wunderbar bildhaft geschrieben ist, zum anderen aber auch daran, dass das Ende gewissermaßen offen bleibt. An dieser Stelle möchte ich natürlich nichts vorweg nehmen und kann dieses Buch nur jedem ans Herz legen, denn es ist wunderschön!

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  • Rezension zu "Keiko" von Jamie Ford

    Keiko
    Molks

    Molks

    15. October 2010 um 08:43

    Kein wirklicher Liebesroman, aber eine Geschichte über eine Kinder-/Jugendliebe, die in Zeiten des Krieges keine Chance hat. Wunderbar erzählt - ein schönes Buch!

  • Rezension zu "Keiko" von Jamie Ford

    Keiko
    UteSeiberth

    UteSeiberth

    02. August 2010 um 19:30

    Diese leicht melancholische Freundschafts- und Liebesgeschichte hat mich sehr angerührt.Sie wird rückblickend von einem ältern Amerikaner chinesicher Herkunft erzählt,denn sie ist die unerfüllte erste Liebesgeschichte seines Lebens.Als Schüler freundet er sich mit dem Mädchen Keiko an,das japanischer Herkunft ist.Diese Beziehung muss leider unerfüllt bleiben,weil China und Japan während des 2. Weltkrieges miteinander kämpfen.Diese Situation führt dazu, dass viele eingewanderte Japaner interniert und verschleppt werden wegen Pearl Harbor.Trotzdem ist die Geschichte leicht zu lesen.

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  • Rezension zu "Keiko" von Jamie Ford

    Keiko
    Lonice

    Lonice

    22. June 2010 um 19:03

    Eine Zeitkapsel wird geöffnet... Durch Zufall kommt Henry Lee im Jahre 1986 am alten Panama Hotel in Seattle vorbei, gerade als dieses nach 40 Jahren zum ersten Mal wieder geöffnet wird. Die neue Besitzerin hat dort im Keller Koffer und Kisten mit den Besitztümern vertriebener Japaner gefunden und hält in diesem Moment, gerade als Henry vorbei kommt, einen alten Bambusschirm in die klickenden Kameras und Henry erstarrt. Dieser Schirm bringt eine Erinnerung zurück, die Henry tief und sicher in seinem Herzen verschlossen hat. Eine Erinnerung an das Jahr 1942 und an ein kleines, schwarzhaariges Mädchen, das für Henry etwas ganz besonderes war. Der Gedanke lässt ihn nicht mehr los und er macht sich auf die Suche nach dem Mädchen, auf die Suche nach Keiko und dem, was damals war. Mit Keiko ist Jamie Ford ein Meisterwerk gelungen. Der Erstling des amerikanischen Schriftstellers widmet sich einer Zeit, die in deutschen Schulen schon oft zu Tode diskutiert wurde, es geht um die Kriegsjahre ab 1942. Aber Ford hat nicht die üblichen Protagonisten und Blickwinkel gewählt, sondern beschäftigt sich in diesem Roman mit einem fast vergessenen Teil der amerikanischen Kriegsgeschichte. Nach dem Angriff der Japaner auf Pearl Habour hat sich die Lebensqualität der in den USA lebenden Japaner extrem verschlechtert. Die gesamte Bevölkerung hält sie für ein Volk der Kriegstreiber und Verräter, egal wie sehr sich die Japaner selbst als Amerikaner sehen. Und genau in diese Zeit und diese Problematik hat Ford seine Geschichte gelegt. Henry Lee ist ein ganz normaler Junge, bis auf die Tatsache, dass seine Eltern Chinesen sind. Sein strenger, nationalistischer Vater hasst die Japaner, die sein Land schon seit Jahren angreifen und macht Henry immer wieder klar, dass er etwas Besseres ist als die Japaner, die in Seattle Chinatowns direkter Nachbarschaft leben. Nach den Angriffen der Japaner auf die USA hält er es jedoch für besser, wenn Henry nicht mehr eine chinesische Ausbildung erhält, sondern eine amerikanische. Das ist auch der Grund dafür, warum der Junge seit einiger Zeit kaum noch mit seinen Eltern sprechen kann. Sie haben ihm verboten, Chinesisch zu sprechen, er darf nur noch "sein Amerikanisch" benutzen, was der Vater nur notdürftig und die Mutter gar nicht versteht. Und sie haben ihm ein Stipendium für eine Grundschule für weiße Mittelklassekinder besorgt. Henry hasst diese Schule, in der er als Japse, Schlitzauge und ähnliches beschimpft wird und das bevorzugte Opfer der Schulrowdies ist. Er hasst es, dass seine alten Mitschüler der chinesischen Schule ihn jetzt als "weißen Teufel" beschimpfen und er hasst seinen Küchendienst, den er ableisten muss, um die Schule besuchen zu dürfen. Bis zu dem Tag, an dem Keiko auftaucht. Keiko, das hübsche Mädchen aus Seattle Nihonmachi, dem japanischen Viertel. Keiko, das Mädchen, dass binnen weniger Tage seine einzige Verbündete und schließlich seine Freundin wird. Ihr geht es wie ihm, ihre Eltern möchten, dass sie eine amerikanische Ausbildung erhält. Auch sie wird an der Schule beschimpft und ausgelacht, dabei fühlt sie sich als Amerikanerin, zumal sie kein Wort japanisch spricht. Dann kommt der Tag, an dem alle japanischstämmigen Einwohner Seattle verlassen müssen und in Internierungslager kommen und so endet nach einiger Zeit die beginnende Liebe der Kinder. Henry verschließt die Gedanken an Keiko tief in seinem Herzen und lebt sein Leben, heiratet und bekommt einen Sohn, alles scheint normal, bis im Jahre 1986, kurz nach dem Tod seiner Frau Ethel, die Zeitkapsel "Hotel Panama" geöffnet wird und Keikos Bambusschirm auftaucht. Auf einmal sind all die Erinnerungen wieder da und Henry macht sich auf die Suche nach seiner Vergangenheit. Henrys und Keikos Geschichte wird in kurzen, aber eindrucksvollen Kapiteln geschildert, die zwischen den Kriegsjahren und 1986 hin und her springen. Die Geschichte der Liebe der beiden erfährt man direkt, immer aus Henrys Sicht geschildert, die Zeit nach dem Krieg durch Erzählungen und Erinnerungen des Henry aus 1986. Man gewinnt diesen freundlichen Mann sofort lieb und wünscht all die Zeit, dass er und Keiko es schaffen, all die Hindernisse zu überwinden, und zusammen zu sein. Das Buch beeindruckt mit seiner gnadenlosen Offenheit, mit der klaren Darstellung des Rassismusses auch zwischen den einzelnen Einwanderergruppen und der Härte, mit der die japanischen Einwohner der USA behandelt wurden, nur weil sie Japaner waren. Aber das Buch will nicht belehren, es will eine Geschichte über die Liebe zweier Kinder erzählen, die in diese Welt aus Hass, Krieg, Vergeltung und Verzweiflung hineingeraten und es trotz allem schaffen, ein wenig Licht in die Dunkelheit zu bringen. Zwar hat mich die Existenz von Online-Selbsthilfegruppen im Jahre 1986 gleich im ersten Kapitel doch ganz schön aus der Bahn geworfen (mal ehrlich 1986 war das Internet noch was für's Militär, auch in den USA), aber jedes weitere Wort hat mich unheimlich in den Bann gezogen. Ford beschreibt die Liebe der Kinder und die Lebensumstände dieser Zeit so liebevoll und gleichzeitig klar, dass man das Buch wirklich kaum aus der Hand legen kann. Wer Geschichten mag, die während des Krieges spielen und ein bisschen Herz-Schmerz beinhalten wird das Buch lieben. Mich hat übrigens das wunderschöne Cover angezogen, das tolle Sepiafoto der beiden Kinder mit den Schirmen und die tollen Ornamente sind einfach wunderschön und der schlichte deutsche Titel (Das Original heißt: The Hotel on the Corner of Bitter and Sweet = Das Hotel an der Ecke zwischen Bitter und Süß) besticht ebenfalls. Ein wirklich, wirklich tolles Buch, ich bin mächtig beeindruckt.

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  • Rezension zu "Keiko" von Jamie Ford

    Keiko
    Clari

    Clari

    12. June 2010 um 17:42

    Eine außergewöhnliche Liebesgeschichte in einer anderen Zeit und in einer geteilten Welt! Im Jahr 1942 treffen Henry und Keiko, zwei Jugendliche asiatischer Abstammung, in einer Schule in Seattle auf einander. Sehr vorsichtig und zaghaft beginnt zwischen den beiden eine zarte Liebesgeschichte. Sie sind auf einer ausgesuchten Eliteschule, wo sie den Hänseleien der weißen Mitschüler ausgesetzt sind. Der chinesisch aussehende Henry und seine japanische Freundin schließen sich deshalb eng zusammen. Beider Vorliebe gilt dem Jazz, und in einer Jazzkneipe erleben sie zum ersten Mal Attacken des FBI auf Japaner. Wir schreiben das Jahr 1942 und der Angriff auf Pearl Harbor droht den japanischen Einwanderern zum Menetekel zu werden. Henrys Vater ist betont stolz auf seine chinesische Abstammung, Keikos Vorfahren aber kommen aus Japan. Der zweite Weltkrieg beherrscht in jenen Jahren die Schlagzeilen, und Japan kämpft gegen Amerika und China. Henrys Vater droht mit aller Gewalt aus falsch verstandenem Nationalstolz, die Liebe zwischen Henry und Keiko zu stören. Inzwischen sind vierzig Jahre vergangen. Henry hat vor einem halben Jahr seine liebe Frau Ethel zu Grabe getragen, die an Krebs verstorben ist. Fast sieben Jahre hat er sie gepflegt. Mit Marty, seinem Sohn, der sich fleißig an der Universität um seinen Abschluss bemüht, sind die Beziehungen immer schon recht schwierig gewesen. Marty zeigt sich jetzt besorgt um den Vater, der mit 56 Jahren schon in Rente ist und vermeintlich tatenlos und unausgefüllt seiner Wege geht. Er irrt sich sehr in seinem Vater, denn Henry geht seinen Gedanken und Erinnerungen nach; dazu gehören seine Forschungen nach dem Verbleib von Keiko, die er nie vergessen konnte. Sie wurde wie viele andere Amerikaner japanischer Abstammung 1942 in ein Internierungslager verbannt. In Herz zerreißender Weise erzählt der Autor eine Liebesgeschichte, die von hinreißender Scheu und Anhänglichkeit zeugt. Merkmal dieser Liebesgeschichte ist die unterschiedliche Abstammung und die Geschichte der Integration, mit der sich eingewanderte Amerikaner um ihre Identität bemühen. Keiko fühlte sich schon als stolze Amerikanerin, als Henry von seinem Vater noch im Bewusstsein seines ehemaligen chinesischen Nationalstolzes erzogen wurde. Der Krieg entzweite die Geister, und Henry wurde dazu angehalten, sich gegenüber Japanern abzugrenzen. Dem widersprach seine heftige Zuneigung zu Keiko. In stiller Weise erzählt der Autor von Liebe, Hass, Nationalstolz und einer bewegend zärtlichen Liebe. Keiko und Henry sind ganz jung, als sie sich verlieben und schon bald wieder trennen müssen. Der zweite Weltkrieg schlägt einen Keil zwischen die Nationen. Die längst assoziierten Japaner müssen sich schmähliche Behandlungen gefallen lassen, weil sie an der Westküste Amerikas in den Verdacht der Sympathie für ihr Herkunftsland geraten. Umrahmt von dem schicksalsträchtigen Kriegsgeschehen entfaltet sich die Geschichte der beiden jungen Asiatenkinder zu einer rührenden und entsagungsvollen Lebensbeichte. Da die Erzählung von empfindsamen Seelenzuständen berichtet, löst die feine und sensibel erdachte Liebesgeschichte einen melancholischen und nachhaltigen Wohlklang aus. Es ist ein Buch mit einfühlsamem Unterhaltungswert.

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  • Rezension zu "Keiko" von Jamie Ford

    Keiko
    Reever

    Reever

    12. June 2010 um 14:33

    Das war stark ! 1942, Henry ist 12 Jahre alt Amerikaner, chinesischer Abstammung, sein Vater verbietet ihm chinesisch zu sprechen und schickt ihn auf eine Amerikanische Schule. Die Chinesischen Kinder schreien ihm weißer Teufel nach und die Weißen sagen Schlitzauge zu ihm, er arbeitet in der Schulkantine als ein japanisches Mädchen in seine Schule kommt, Keiko und Henry beide Aussenseiter werden Freunde, dann wird Pearl Harbor angegriffen. Alle in Amerika lebende Japaner werden in Lager umgesiedelt und ihre persönlichen Sachen verbrannt, Henry gelingt es Keiko manchmal zu besuchen bis sie nochmal verlegt wird in ein größeres Lager, sie schreiben sich bis kein Brief mehr von Keiko kommt, Parallel wird Henrys Leben 40 Jahre später erzählt. Diese Buch erinnert, lehrt und läßt einen nachdenken.

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  • Rezension zu "Keiko" von Jamie Ford

    Keiko
    Ailis

    Ailis

    02. May 2010 um 22:43

    Jamie Ford hat mit seinem Roman "Keiko" Zeugnis gegeben von der Schönheit und Reinheit der ersten großen Liebe. Es ist eine stille Geschichte, die von dem Kampf eines jungen Paares erzählt, dass sich zur falschen Zeit kennenlernt. Jamie Ford erzählt dieses Zwischenspiel im Leben zweier Menschen mit viel Wärme, Zuneigung und Weisheit. Die beiden Liebenden in dieser wunderschönen Geschichte sind Henry, der aus einer chinesischen Familie stammt, und Keiko, deren Familie aus Japan in die USA gekommen ist. Sie sind die beiden einzigen asiatischen Kinder an einer sonst vollkommen weißen Schule in Seattle. Es ist 1942 und die USA befinden sich im Krieg mit Deutschland und Japan. Der Angriff auf Pearl Harbor war ein schlimmer Schlag für die Nation und die Stimmung den japanischstämmigen Mitbürgern gegenüber ist mehr als nur gereizt. Henrys Vater hegt tiefempfundenen Hass jedem Japaner gegenüber, weil Japan sein geliebtes China mit Krieg überschwemmt und unterdrückt. Die aufkeimende Liebe zwischen Henry und Keiko steht also unter keinem guten Stern und scheint keine Zukunft zu haben. Doch Henry kämpft um seine Keiko: er widersetzt sich seinen Eltern und er bietet allen die Stirn, die dieser Verbindung im Weg stehen wollen. Doch Ford erzählt nicht nur von dem jungen Henry, auch der erwachsene Henry ist Teil dieser Geschichte. Es ist 1986, Henry ist seit kurzem Witwer, nachdem seine Frau Ethel nach langem Leiden verstorben ist. Da entdecken die neuen Besitzer des Panama Hotels, das einst Teil des japanischen Viertels Seattles gewesen ist, jahrelang vergessene Erinnerungsstücke japanischer Familien, die diese vor ihrem Abtransport dort im Keller gelagert haben. Und ein Bambusschirm, den Henry darunter entdeckt, sieht aus wie der seiner ersten großen Liebe... In Rückblicken erfährt der Leser nun, was Henry und Keiko in den Wirren des Krieges miteinander durchgestanden haben und warum Henry letztlich der Mann einer anderen Frau wurde. Dieser Roman ist wohl das, was man bittersüß nennt, denn das ist auch Henrys Lebenseinstellung: man muss das Süße in all der Bitternis finden. Entscheidungen prägen unser Leben, sie machen es süß, aber auch bitter. Und so dreht sich auch der für mich schönste Satz in diesem Buch um das Ermessen der Möglichkeiten: "Die schwersten Entscheidungen im Leben sind nicht die zwischen richtig und falsch, sondern die zwischen richtig und dem, was am besten ist." Das Leben meistern bedeutet, seine Entscheidungen zu leben. Dieser Roman zeigt uns, wie das geht.

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  • Rezension zu "Keiko" von Jamie Ford

    Keiko
    Zebrafink

    Zebrafink

    28. May 2009 um 16:59

    Keiko ist 12 und Amerikanierin japanischer Abstammung. Henry ist ebenfalls 12 und in Amerika geboren, aber chinesischer Abstammung. Es ist 1942 und es herrscht Krieg zwischen Japan und China, sowie zwischen Japan und Amerika. Keiko und Henry verlieben sich, ganz zum entsetzen von Henrys Vater, ein Vollblut-Chinesen. Nach Angriffen auf Pearl Harbour gilt jeder Japaner als potenzieller Spion. Also werden die Japaner an der Ostküste Amerikas, in diesem Fall aus Seattle, in Internierungslager gesteckt. Dazu gehört auch Keiko und Ihre Familie. Henry versucht den Kontakt mit Keiko gegen den Willen seines Vaters aufrecht zu halten. Was nicht ewig gelingt. Die Geschichte der Beiden wird in Rückblenden aus Henrys Sicht erzählt.Das Buch ist gut zu lesen und zeigt deutlich die Konflikte der damaligen Zeit in Amerika auf. Lesen lohnt sich.

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  • Rezension zu "Keiko" von Jamie Ford

    Keiko
    stories!

    stories!

    26. May 2009 um 11:11

    Jamie Ford erzählt uns in seinem großartigen Romandebüt eine Liebesgeschichte, zwischen dem chinesisch-stämmigen Henry und der Japanerin Keiko. Beide empfinden mehr als Sympathie füreinander und eine heimliche Liebe, die sich gegen Vorurteile, Hass und Verfolgung behaupten muss, beginnt. Eine herzzerreißende Story und ein Einblick in ein Stück amerikanische Geschichte , die mir noch immer Gänsehaut bereitet…

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  • Rezension zu "Keiko" von Jamie Ford

    Keiko
    papalagi

    papalagi

    20. April 2009 um 15:04

    Eine ruhige schöne Liebesgeschichte zur Zeit des 2. Weltkrieges in den USA, zwischen Henry, chinesischer Abstammung und Keiko, japanischer Abstammung und der gemeinsamen Liebe zum Jazz.Die beiden lernen sich auf einer "weissen" Schule kennen. Beide verdienen sich dort ihr Stipendium ab, indem sie beim Mittagessen in der Kantine das Essen ausschöpfen. Sie sind die einzigen Asiaten und werden dauern gehänselt. Während Henrys Vater gegen alle Japaner ist, wird nicht geduldet, dass er sich mit Keiko trifft. Dagegen wird Henry von Keikos Familie liebevoll akzeptiert. Das Buch ist in zwei Zeiten gegliedert. Einserseits spielt es in der Gegenwart: Henry beobachtet wie im Panama-Hotel alte Fundstücke von Japanern gesichtet werden, die seit des Krieges dort gelagert wurden. Ihn holt die Vergangenheit ein, und er stöbert in den alten Sachen um viellleicht etwas von Keiko und deren Familie zu finden. Der alte Henry findet einen Weg zu seinem Sohn zurückzufinden, indem er ihn an der Suche teilhaben lässt. Andererseits wird eben die Geschichte von 1942 von Henry und Keiko erzählt.

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