Jamil Ahmad

 4.2 Sterne bei 18 Bewertungen
Autor von Der Weg des Falken, L'acqua più dolce del mondo und weiteren Büchern.

Alle Bücher von Jamil Ahmad

Jamil AhmadDer Weg des Falken
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Der Weg des Falken
Der Weg des Falken
 (18)
Erschienen am 05.06.2018
Jamil AhmadThe Wandering Falcon
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The Wandering Falcon
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Erschienen am 02.10.2012
Jamil AhmadAsymmetries in the Emerging Multilateral Trading System under the WTO: An Analysis
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Jamil AhmadClimate Change and its Impact on India
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Climate Change and its Impact on India
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Erschienen am 25.05.2012
Jamil AhmadClimate Change and Sustainable Development in India
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Jamil AhmadL'acqua più dolce del mondo
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L'acqua più dolce del mondo
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Erschienen am 01.08.2014

Neue Rezensionen zu Jamil Ahmad

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Gwhynwhyfars avatar

Rezension zu "Der Weg des Falken" von Jamil Ahmad

Ein betörendes Buch, das ich gern weiterempfehle
Gwhynwhyfarvor 5 Jahren

Dieses Buch war für den "Man Asian"-Literaturpreis nominiert. Will man Das Politikum Afghanistan verstehen, sollte man diesen kleinen Band lesen.

Der Weg des Falken besteht aus neun lose miteinander verknüpften Erzählungen, in denen stets ein Junge mit einem silbernen Amulett auftaucht, als Hauptfigur oder als Nebenfigur. Die Geschichten handeln in der Grenzregion zwischen Pakistan, Afghanistan und Iran. Jamil Ahmad schrieb diese Erzählungen vor rund vierzig Jahren, als er als Regierungsbeauftragter in Belutschistan und Botschafter in Kabul war. Es sind nicht einfach Geschichten, die erzählt werden, sondern eher Berichte aus dem Leben der unwirtlichen Region: Landschaftsbeschreibung, archaische Stammesbräuche, paschtunischer Ehrenkodex, Sklavenmarkt für Frauen, Opium im Dorfladen, Wasser holen über viele Kilometer, karger Boden, Entführungen als Einnahmequelle über Stammesgrenzen hinweg, Spionage und Doppelagenten. Dies Buch ist ein Einblick in eine Welt, die uns fremd ist, die Geschichte des Zusammenbruchs des Nomadentum in dieser Region. Es werden Zusammenstöße zwischen Stämmen und der Durchsetzung von Stammesrecht beschrieben. Ein Stammesrecht, das auf Ehre und Freiheit beruht und sich nicht in einen Staat oder staatliche Grenzen pressen lässt. Nomaden, die vom Hochland im Sommer über Grenzen ins Tiefland ziehen scheitern plötzlich an Staatsgrenzen, werden systematisch ausradiert, weil sie nicht mehr ins System passen.
Ahmads beschreibt einfache Menschen. Fest ist der Glaube der Frau Gul Jana, die meint, mit einem Koran auf dem Kopf könne ihr nichts geschehen, wenn sie den Männern mit Maschinengewehren entgegengeht, die ihren Stamm am Weiterziehen hindern wollen. Sie stirbt im Kugelhagel, mit dem Großteil des Stammes: Frauen, Kinder und Männer, Kamele, Ziegen. Zitat: "Mit ihnen starb auch Gul Janas Glaube, der Koran könnte eine Tragödie verhindern."

Als die Belutschen, die sich gegen den Staat erheben, der ihnen - entgegen der Tradition - vorschreiben will, wer ihr Oberhaupt zu sein hat, glauben sie einem Flugblatt der Regierung, das ihnen freies Geleit zusichert. In der Stadt angekommen, werden sie nach einer grausamen Gerichtsverhandlung zu Tode verurteilt. Zitat: "Über die Belutschen, ihr Anliegen, ihr Leben und ihren Tod wurde absolutes Stillschweigen vereinbart. Kein Zeitungsredakteur riskierte, sich ihretwegen eine Strafe einzuhandeln. Kein Bürokrat setzte seine Stellung aufs Spiel. Was mit ihnen starb, war ein Teil des Belutschenvolkes selbst. Ein Teil der Spontaneität, mit der sie Zuneigung anboten, und etwas von ihrer Höflichkeit und ihrem Vertrauen. Auch dieses wurde vor Gericht gestellt und starb mit diesen sieben Männern."

Ein betörendes Buch, das ich gern weiterempfehle.

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Gospelsingers avatar

Rezension zu "Der Weg des Falken" von Jamil Ahmad

Einblick in eine ganz andere Lebensweise
Gospelsingervor 5 Jahren

Ein Paar flüchtet in einen militärischen Stützpunkt im Grenzgebiet der Staaten Iran, Afghanistan und Pakistan. Die Familie der Frau verfolgt sie, weil sie einen Geliebten hat.

Auf dem Stützpunkt kann dem Paar keine offizielle Zuflucht gewährt werden, aber sie bekommen Unterkunft und Essen, so lange sie wollen.

Das Paar richtet sich ein, bekommt einen Sohn und verbringt Jahre im Stützpunkt. Bis eines Tages die Familie der Frau auftaucht. Die Frau wird von ihrem Geliebten erschossen, der Geliebte von der Familie gesteinigt.

Und der Junge? Die Familie überlässt ihn in der Wüste seinem Schicksal. Aber er wird gerettet, und damit beginnt die Odyssee des Jungen, der Tor Baz genannt wird, durch die drei Länder.

Eine raue Welt ist es, in der er sich behaupten muss; die archaischen Gebote der Stämme treffen auf die gesellschaftlichen Anforderungen der Moderne. Warum zum Beispiel sollen Nomaden ihre jahrhundertealte Tradition aufgeben, nur weil irgendjemand plötzlich entscheidet, dass sie Papiere brauchen, um die Grenzen zu übertreten, die es bisher für sie nicht gab?

Einen richtigen Protagonisten hat das Buch nicht. Die Figur Tor Baz fungiert lediglich als roter Faden, der die Episoden des Buches miteinander verbindet. Durch sein wechselhaftes Leben lernen wir die einzelnen Stämme und Clans kennen. Und immer wieder geht es um die Rolle der Frau in diesen Gesellschaften.

Erst am Ende wird die Figur des Tor Baz plastischer, jedoch ganz anders, als man erwartet. Allerdings blieb mir Tor Baz zu nebelhaft, ebenso wie die anderen Charaktere, die jeweils kurz im Buch auftauchen und schnell wieder verschwinden. Keinen lernt man näher kennen; es bleibt bei Momentaufnahmen der Menschen.

Davon abgesehen ist dieses Buch etwas ganz Besonderes, und es ist wunderbar geschrieben. Ich fand den Einblick in die Lebensweise mir bisher ziemlich unbekannter Völker sehr spannend.

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M

Rezension zu "Der Weg des Falken" von Jamil Ahmad

Die Veränderung tradierter Lebensformen
michael_lehmann-papevor 6 Jahren


 

Der Falke ist ein freier Vogel, der seine Kreise am Himmel zieht und sich um irdische Grenzen, versperrte Wege und die Härten eines nomadischen Lebensstils nicht kümmert.

Was für die Menschen und Stämme, die seit Jahrhunderten ihren Lebensstil im Grenzgebiet zwischen Afghanistan, Pakistan und dem Iran pflegen, nicht in solcher Freiheit gilt.

 

Denn die Verhältnisse ändern sich. Von jetzt auf gleich. Grenzen werden gesperrt, Soldaten in Forts, die lange Zeit dem Schutz der Karawanen und der hin- und herziehenden Stämme dienten, richten nun die Waffen auf die Nomaden. Mit Folgen. Ungläubig nimmt sich eine der Frauen ein Herz und zieht mit einigen Gefährten und Kamelen voran. Ein Versuch, „einfach zu gehen“, der im Blei erstickt werden wird.

 

Nicht nur in dieser Szene wird deutlich, wie sehr das tradierte Leben und die kommende Moderne mit allen ihren auch politischen Verstrickungen beginnen, aufeinander zu. Eine Veränderung, welche die Stammesführer kaum wahrhaben wollen, der sie aber letztlich doch nur ohnmächtig gegenüber stehen. Eine Veränderung, die in kürzester Zeit die Herden, von denen die Stämme leben, zerstören wird. Und damit den gesamten gewohnten Lebensstil. Ohne Alternativen zu bieten.

 

„Kopf hoch, Vater“.

„Es war das erste Mal in seinem Leben als Sohn, dass er „den General“ so anredete“.

Mit flehendem Klang, dass doch der gebeugte und wie erloschen wirkende Vater wieder zu alter Stärke als Führer seines Stammes finden möge.

 

Eine raue und harte Welt, in der nicht nur das Nomadische, sondern auch noch alles andere weitgehend wie vor Jahrhunderten untereinander geregelt wird. Nicht nur, das „Dawa Khan“, ein weiterer der Stammesführer, seit Jahren bereits „alle Jahre wieder“ in einem bestimmten Dorf vorbeischaut, ob die Söhne eines derer, mit denen sein Clan in Fehde liegt, bereits „Hosen tragen“. Denn dann könnte er die beiden töten um die Ehre wieder herzustellen.

 

Das Buch beginnt bereits direkt mit der Erzählung dieser archaischen „Gerechtigkeit“. Ein Paar flieht, kommt unter den Schutz eines Hauptmannes, die Frau gebiert einen Sohn. Doch sicher werden sie nie sein, denn die Frau war bereits verheiratet und Ehemann und Vater der Frau werden nicht ruhen, diese Schmach zu tilgen. So wird der Geliebte die Mutter seines Kindes erschießen und selber mitten in der Wüste gesteinigt werden.

 

Am Lebensgang des zurückgelassen Jungen Tor Baz vollzieht Ahmad nun (mit vielen kleineren Nebenlinien) die Lebensart, die Traditionen, die „alten“ Härten und „neuen“ Schwierigkeiten des Lebens der „Menschen zwischen den Grenzen“ nach. Ahmad nutzt für diese Darstellung (entgegen mancher Vorurteile gegenüber Erzählern mit arabischen Wurzeln) in keiner Weise eine überladen und blumige Sprache. Gerade aber sein klarer Stil, seine prägnanten, nüchternen Bilder von Menschen und Landschaft, seine manchmal  wie unbeteiligt wirkende Erzählweise (die Steinigung ist ein fast sachlicher, nicht dramatischer Vorgang) aber sind es, die diesem Buch seine große, erzählerische Kraft geben.

 

Mitten hinein versetzt er den Leser Kraft dieser Sprache und, durch die verschiedenen Stationen des Weges des Jungen in seinem Aufwachsen und Erwachsen werden, bietet Ahmad einen sehr breiten und vielfältigen Eindruck dieses ganz besonderen, alten Lebensstils und führt den Leser ebenso hinein in das Denken, die Selbstverständlichkeiten, auch die befremdlichen Härten der Menschen in diesem Gebiet.

 

Sprachlich und inhaltlich eine hervorragende, sehr zu empfehlende Lektüre, die mit präzisen, sparsamen Worten eine unbekannte und fremde Welt für den Leser öffnet.

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