Jamil Ahmad Der Weg des Falken

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Inhaltsangabe zu „Der Weg des Falken“ von Jamil Ahmad

Das Schicksal von Tor Baz steht unter einem schlechten Stern. Seine Eltern haben die Stammesregeln verletzt, waren jahrelang auf der Flucht und werden schließlich doch von ihren Angehörigen aufgespürt und erbarmungslos gerichtet. Den kleinen Jungen lässt man allein in der Wüste zurück. Zwar überlebt Tor Baz, doch sein Leben wird zu einer wahren Odyssee. Er erlebt Stammeszwiste und Mädchenhandel, begegnet Rebellen und Militärs, aber auch ganz normalen Männern und Frauen, die alles dafür geben würden, um ihre traditionelle Lebensweise zu bewahren. Diese jedoch beginnt sich vor ihren eigenen Augen aufzulösen.

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  • Ein betörendes Buch, das ich gern weiterempfehle

    Der Weg des Falken
    Gwhynwhyfar

    Gwhynwhyfar

    18. February 2014 um 17:25

    Dieses Buch war für den "Man Asian"-Literaturpreis nominiert. Will man Das Politikum Afghanistan verstehen, sollte man diesen kleinen Band lesen. Der Weg des Falken besteht aus neun lose miteinander verknüpften Erzählungen, in denen stets ein Junge mit einem silbernen Amulett auftaucht, als Hauptfigur oder als Nebenfigur. Die Geschichten handeln in der Grenzregion zwischen Pakistan, Afghanistan und Iran. Jamil Ahmad schrieb diese Erzählungen vor rund vierzig Jahren, als er als Regierungsbeauftragter in Belutschistan und Botschafter in Kabul war. Es sind nicht einfach Geschichten, die erzählt werden, sondern eher Berichte aus dem Leben der unwirtlichen Region: Landschaftsbeschreibung, archaische Stammesbräuche, paschtunischer Ehrenkodex, Sklavenmarkt für Frauen, Opium im Dorfladen, Wasser holen über viele Kilometer, karger Boden, Entführungen als Einnahmequelle über Stammesgrenzen hinweg, Spionage und Doppelagenten. Dies Buch ist ein Einblick in eine Welt, die uns fremd ist, die Geschichte des Zusammenbruchs des Nomadentum in dieser Region. Es werden Zusammenstöße zwischen Stämmen und der Durchsetzung von Stammesrecht beschrieben. Ein Stammesrecht, das auf Ehre und Freiheit beruht und sich nicht in einen Staat oder staatliche Grenzen pressen lässt. Nomaden, die vom Hochland im Sommer über Grenzen ins Tiefland ziehen scheitern plötzlich an Staatsgrenzen, werden systematisch ausradiert, weil sie nicht mehr ins System passen. Ahmads beschreibt einfache Menschen. Fest ist der Glaube der Frau Gul Jana, die meint, mit einem Koran auf dem Kopf könne ihr nichts geschehen, wenn sie den Männern mit Maschinengewehren entgegengeht, die ihren Stamm am Weiterziehen hindern wollen. Sie stirbt im Kugelhagel, mit dem Großteil des Stammes: Frauen, Kinder und Männer, Kamele, Ziegen. Zitat: "Mit ihnen starb auch Gul Janas Glaube, der Koran könnte eine Tragödie verhindern." Als die Belutschen, die sich gegen den Staat erheben, der ihnen - entgegen der Tradition - vorschreiben will, wer ihr Oberhaupt zu sein hat, glauben sie einem Flugblatt der Regierung, das ihnen freies Geleit zusichert. In der Stadt angekommen, werden sie nach einer grausamen Gerichtsverhandlung zu Tode verurteilt. Zitat: "Über die Belutschen, ihr Anliegen, ihr Leben und ihren Tod wurde absolutes Stillschweigen vereinbart. Kein Zeitungsredakteur riskierte, sich ihretwegen eine Strafe einzuhandeln. Kein Bürokrat setzte seine Stellung aufs Spiel. Was mit ihnen starb, war ein Teil des Belutschenvolkes selbst. Ein Teil der Spontaneität, mit der sie Zuneigung anboten, und etwas von ihrer Höflichkeit und ihrem Vertrauen. Auch dieses wurde vor Gericht gestellt und starb mit diesen sieben Männern." Ein betörendes Buch, das ich gern weiterempfehle.

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  • Einblick in eine ganz andere Lebensweise

    Der Weg des Falken
    Gospelsinger

    Gospelsinger

    06. August 2013 um 01:37

    Ein Paar flüchtet in einen militärischen Stützpunkt im Grenzgebiet der Staaten Iran, Afghanistan und Pakistan. Die Familie der Frau verfolgt sie, weil sie einen Geliebten hat. Auf dem Stützpunkt kann dem Paar keine offizielle Zuflucht gewährt werden, aber sie bekommen Unterkunft und Essen, so lange sie wollen. Das Paar richtet sich ein, bekommt einen Sohn und verbringt Jahre im Stützpunkt. Bis eines Tages die Familie der Frau auftaucht. Die Frau wird von ihrem Geliebten erschossen, der Geliebte von der Familie gesteinigt. Und der Junge? Die Familie überlässt ihn in der Wüste seinem Schicksal. Aber er wird gerettet, und damit beginnt die Odyssee des Jungen, der Tor Baz genannt wird, durch die drei Länder. Eine raue Welt ist es, in der er sich behaupten muss; die archaischen Gebote der Stämme treffen auf die gesellschaftlichen Anforderungen der Moderne. Warum zum Beispiel sollen Nomaden ihre jahrhundertealte Tradition aufgeben, nur weil irgendjemand plötzlich entscheidet, dass sie Papiere brauchen, um die Grenzen zu übertreten, die es bisher für sie nicht gab? Einen richtigen Protagonisten hat das Buch nicht. Die Figur Tor Baz fungiert lediglich als roter Faden, der die Episoden des Buches miteinander verbindet. Durch sein wechselhaftes Leben lernen wir die einzelnen Stämme und Clans kennen. Und immer wieder geht es um die Rolle der Frau in diesen Gesellschaften. Erst am Ende wird die Figur des Tor Baz plastischer, jedoch ganz anders, als man erwartet. Allerdings blieb mir Tor Baz zu nebelhaft, ebenso wie die anderen Charaktere, die jeweils kurz im Buch auftauchen und schnell wieder verschwinden. Keinen lernt man näher kennen; es bleibt bei Momentaufnahmen der Menschen. Davon abgesehen ist dieses Buch etwas ganz Besonderes, und es ist wunderbar geschrieben. Ich fand den Einblick in die Lebensweise mir bisher ziemlich unbekannter Völker sehr spannend.

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  • Die Veränderung tradierter Lebensformen

    Der Weg des Falken
    michael_lehmann-pape

    michael_lehmann-pape

    24. March 2013 um 12:51

      Der Falke ist ein freier Vogel, der seine Kreise am Himmel zieht und sich um irdische Grenzen, versperrte Wege und die Härten eines nomadischen Lebensstils nicht kümmert. Was für die Menschen und Stämme, die seit Jahrhunderten ihren Lebensstil im Grenzgebiet zwischen Afghanistan, Pakistan und dem Iran pflegen, nicht in solcher Freiheit gilt.   Denn die Verhältnisse ändern sich. Von jetzt auf gleich. Grenzen werden gesperrt, Soldaten in Forts, die lange Zeit dem Schutz der Karawanen und der hin- und herziehenden Stämme dienten, richten nun die Waffen auf die Nomaden. Mit Folgen. Ungläubig nimmt sich eine der Frauen ein Herz und zieht mit einigen Gefährten und Kamelen voran. Ein Versuch, „einfach zu gehen“, der im Blei erstickt werden wird.   Nicht nur in dieser Szene wird deutlich, wie sehr das tradierte Leben und die kommende Moderne mit allen ihren auch politischen Verstrickungen beginnen, aufeinander zu. Eine Veränderung, welche die Stammesführer kaum wahrhaben wollen, der sie aber letztlich doch nur ohnmächtig gegenüber stehen. Eine Veränderung, die in kürzester Zeit die Herden, von denen die Stämme leben, zerstören wird. Und damit den gesamten gewohnten Lebensstil. Ohne Alternativen zu bieten.   „Kopf hoch, Vater“. „Es war das erste Mal in seinem Leben als Sohn, dass er „den General“ so anredete“. Mit flehendem Klang, dass doch der gebeugte und wie erloschen wirkende Vater wieder zu alter Stärke als Führer seines Stammes finden möge.   Eine raue und harte Welt, in der nicht nur das Nomadische, sondern auch noch alles andere weitgehend wie vor Jahrhunderten untereinander geregelt wird. Nicht nur, das „Dawa Khan“, ein weiterer der Stammesführer, seit Jahren bereits „alle Jahre wieder“ in einem bestimmten Dorf vorbeischaut, ob die Söhne eines derer, mit denen sein Clan in Fehde liegt, bereits „Hosen tragen“. Denn dann könnte er die beiden töten um die Ehre wieder herzustellen.   Das Buch beginnt bereits direkt mit der Erzählung dieser archaischen „Gerechtigkeit“. Ein Paar flieht, kommt unter den Schutz eines Hauptmannes, die Frau gebiert einen Sohn. Doch sicher werden sie nie sein, denn die Frau war bereits verheiratet und Ehemann und Vater der Frau werden nicht ruhen, diese Schmach zu tilgen. So wird der Geliebte die Mutter seines Kindes erschießen und selber mitten in der Wüste gesteinigt werden.   Am Lebensgang des zurückgelassen Jungen Tor Baz vollzieht Ahmad nun (mit vielen kleineren Nebenlinien) die Lebensart, die Traditionen, die „alten“ Härten und „neuen“ Schwierigkeiten des Lebens der „Menschen zwischen den Grenzen“ nach. Ahmad nutzt für diese Darstellung (entgegen mancher Vorurteile gegenüber Erzählern mit arabischen Wurzeln) in keiner Weise eine überladen und blumige Sprache. Gerade aber sein klarer Stil, seine prägnanten, nüchternen Bilder von Menschen und Landschaft, seine manchmal  wie unbeteiligt wirkende Erzählweise (die Steinigung ist ein fast sachlicher, nicht dramatischer Vorgang) aber sind es, die diesem Buch seine große, erzählerische Kraft geben.   Mitten hinein versetzt er den Leser Kraft dieser Sprache und, durch die verschiedenen Stationen des Weges des Jungen in seinem Aufwachsen und Erwachsen werden, bietet Ahmad einen sehr breiten und vielfältigen Eindruck dieses ganz besonderen, alten Lebensstils und führt den Leser ebenso hinein in das Denken, die Selbstverständlichkeiten, auch die befremdlichen Härten der Menschen in diesem Gebiet.   Sprachlich und inhaltlich eine hervorragende, sehr zu empfehlende Lektüre, die mit präzisen, sparsamen Worten eine unbekannte und fremde Welt für den Leser öffnet.

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  • Rezension zu "Der Weg des Falken" von Jamil Ahmad

    Der Weg des Falken
    IlonGerMon

    IlonGerMon

    11. March 2013 um 11:02

    Gerade habe ich zwei Bücher gelesen, die beide die Geschehnisse und die Konflikte in der Region Pakistan, Iran und Afghanistan und angrenzender Gebiete thematisieren und die unterschiedlicher nicht sein könnten. Der Autor Jamil Ahmad begibt sich in „Der Weg des Falken“ auf die Spuren eines Waisenjungen namens Tor Baz- des Schwarzen Falken. Tor Baz verliert seine Eltern in früher Kindheit, weil seine Eltern die Stammesregeln verletzt haben. Gegen den Willen ihrer Eltern und der Familie haben sie die Ehe geschlossen und jahrelang mit ihrem Kind versteckt gelebt. Als sie aufgespürt werden, erwartet sie nichts anderes als der Tod und so werden sie vor den Augen ihres Kindes brutal hingerichtet. Tor Baz bleibt allein in der Wüste zurück. Fortan zieht er mit unterschiedlicher Begleitung durch sein Leben, zieht aber gleichzeitig auch durch die verschiedenen Länder und Stammesgebiete seiner Heimat, die keineswegs immer mit den uns bekannten politischen Grenzen in Einklang stehen. Der Autor hat diese Geschichten, die sich am Ende des Buches doch zu einem Ganzen vereinen, schon vor gut 40 Jahren geschrieben. Ahmad war damals als der politische Vertreter der Regierung im Swat-Tal, einer abgelegen Region im Grenzgebiet Pakistan – Iran. Das erklärt er wie folgt: "Nach dem Studium in Lahore, 1954, mussten wir sagen, wo wir eingesetzt werden wollen. Ich wollte unbedingt in die Stammesgebiete. Die haben mich schon immer fasziniert." Die Welt der Stammesgebiete ist eine archaische Welt, uns völlig fremd erscheint sie uns brutal und gnadenlos, doch kann man das auch anders sehen. Man muss dies sicher anders sehen, wenn man dort aufgewachsen ist und dort lebt. Man spürt beim Lesen der Geschichten die Zuneigung des Autoren zu den Menschen dieser Stammesgebiete deutlich an. Er selbst beschreibt das mit diesen Worten: "In ihren Herzen sind diese Leute gut.“ Wir erleben, dass hier eine Gesellschaft funktioniert, auch wenn wir die Kultur, die Tradition und das Denken und Handeln bei weitem nicht verstehen. Und so bleibt die Frage und drängt sich neu auf, ob die „Maßnahmen“ der westlichen Welt in erster Linie in Afghanistan, aber auch in den Grenzgebieten jemals einen Erfolg im Sinne unseres westlichen Verständnisses für dieses Wort haben können? Nach der Lektüre dieses Buches habe ich daran noch mehr Zweifel als ohnehin schon. Wir können Menschen nicht in unser Denken, in unsere Zivilisation pressen die einen ganz anderen Lebenshintergrund haben und in anderen Traditionen aufgewachsen sind. Wir erlesen uns die Erkenntnis, dass es bei diesen Stämmen um Ehre, um Würde und um gegenseitigen Respekt geht. Und auch trotz Taliban, trotz al-Qaida und auch trotz der heute sicher vermehrt vorhandenen Kriminalität in der Region haben die Menschen dort diese Begriffe nicht vergessen. Wir täten gut daran, ein wenig genauer und differenzierter hinzuschauen. Ahmads Buch bietet uns diese Möglichkeit, auch wenn seine Geschichten kein Spaziergang für Schnellleser durch eine leichte Lektüre sind. Bereitschaft, Ruhe und ein wenig Zeit müssen wir für die Lektüre schon mitbringen.

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  • Rezension zu "Der Weg des Falken" von Jamil Ahmad

    Der Weg des Falken
    Keeweekat

    Keeweekat

    25. February 2013 um 20:55

    Der Weg des jungen Tor Baz ist von seiner Geburt an steinig – die Liebe seiner Eltern darf nicht sein und nur der Zufall will es, dass er die blutige Rache ihrer Stammesväter überlebt. Heimatlos reist er von Ort zu Ort, tritt am Rand fremder Geschichten als kurzer Gast auf und verschwindet ebenso schnell wieder, streift am Weg verstreute Schicksale beinahe unbemerkt und lenkt den Lebensweg anderer plötzlich in eine ungeahnte Richtung. Durch ihn erfährt man Geschichten über Liebe, Tod, Hinterlist, Mut und Weisheit aus den entlegendsten Winkeln einer Welt, die wir so noch nie gesehen haben – der Grenzregion zwischen Pakistan, Afghanistan und dem Iran. Meine Meinung: “Der Weg des Falken” ist eine kostbare kleine Sammlung von Geschichten aus einem Teil der Welt, der uns heutzutage meist als Kriegsschauplatz in den Medien präsent ist; Ländern, in denen scheinbar Angst und Terror geboren werden. Jamil Ahmad nimmt uns jedoch mit auf eine Zeitreise in die erste Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts, zu Menschen, die zwischen Mittelalter und Moderne leben, Nomaden, die ihre Traditionen im Widerstand gegen die neuen politischen Bestimmungen bewahren wollen. Wir erfahren von Stammesfehden und uralten Traditionen, Hochzeiten und Ehrenmorden, Karawanenzügen und Sklavenmärkten, weisen Männern und mutigen Frauen, Mullahs, Händlern, Spitzeln, Gauklern, Häuptlingen, Soldaten und Hirten. Alle Geschichten sind in sich abgeschlossen, manche spinnen einen dünnen Faden zur nächsten weiter und immer wieder taucht Tor Baz auf, der in dieser weiten, bedrückenenden, schönen und beängstigenden Welt seinen Platz finden muss. Fazit: Ein einmaliger Einblick in einen fremden und durch und druch vielfältigen Teil der Welt, über den wir bisher noch viel zu wenig wissen.

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