Jamil Jan Kochai

 3,5 Sterne bei 4 Bewertungen

Lebenslauf von Jamil Jan Kochai

JAMIL JAN KOCHAI wurde in einem afghanischen Flüchtlingscamp in Pakistan geboren, aufgewachsen in den USA. Sein Roman "99 Nächte in Logar" stand auf der Shortlist des PEN/Hemingway Award für das beste Debüt und war nominiert für den DSC Prize for South Asian Literature. Seine Essays und Prosa erschienen u.a. im New Yorker, der New York Times, der Los Angeles Times. Kochai lebt in Kalifornien.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Jamil Jan Kochai

Cover des Buches 99 Nächte in Logar (ISBN: 9783442770458)

99 Nächte in Logar

 (4)
Erschienen am 11.01.2021

Neue Rezensionen zu Jamil Jan Kochai

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Rezension zu "99 Nächte in Logar" von Jamil Jan Kochai

Nett für Zwischendurch
ninanorvaldvor 2 Monaten

"99 Nächte in Logar" von Jamil Jan Kochai umfasst 320 Seiten und ist im Januar 2021 im btb Verlag erschienen. Übersetzt wurde das Buch aus dem amerikanischen von Werner Löcher-Lawrence. Das Cover und der Klappentext hat mich sehr neugierig gemacht, auch dass ich vorher noch nichts über dieses Buch gehört habe, was ich im Nachhinein sehr unverständlich finde. Denn dieses Buch zeigt einen tollen Einblick in eine komplett andere Sichtweise der afghanischen Kultur. Ganz so viel über die Geschichte möchte ich euch nicht erzählen, denn ich möchte ja niemanden spoilern. Man sollte auf jeden Fall offen sein für die afghanische Kultur. Besonders gut hat mir die Figur des Marwand gefallen, denn man konnte einen schönen Einblick in sein Leben und seine Sichtweisen gewinnen. Der flüssige Schreibstil hat es mir sehr einfach gemacht, dass Buch relativ zügig zu lesen. Ein Highlight war für mich auch, dass Marwand zwar aus seiner kindlichen Sicht erzählt hat, aber dafür häufig Erwachsene Worte gewählt hat. Zum Ende hin war die Geschichte zwar ein wenig verwirrend, aber das Buch war wirklich interessant.

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Cover des Buches 99 Nächte in Logar (ISBN: 9783442770458)M

Rezension zu "99 Nächte in Logar" von Jamil Jan Kochai

Jugendlicher sein im Afghanistan der Gegenwart
michael_lehmann-papevor 2 Monaten

Jugendlicher sein im Afghanistan der Gegenwart

 

Aus der Ferne weiß man nicht allzugleich aus dem Inneren von Land und Kultur.

 

Taliban. Krieg. Russland über Jahre im Land, amerikanische Truppen nach 2001, Terror, Zerstörung von Kunstwerken der Menschheit, NATO Einsatz, all diese Stichworte ergeben ein Bild eines zerrissenen, armen, gebeutelten Landes, das irgendwie „rückständig“ zu sein scheint.

 

Das aber Menschen unter erschwerten Umständen auch „ganz normal“ ihren Alltag leben, dass eine lange Kulturgeschichte, auch Möglichkeiten der wirtschaftlichen Entwicklung in Afghanistan möglich wären, das fällt in der öffentlichen Berichterstattung ein stückweise unter den Tisch. Afghanistan im Inneren besteht nicht nur, aber eben auch, aus Warlords und dem ständigen Ringen um die eigene Macht und den eigenen Vorteil.

 

Das ist die Atmosphäre, in der Marwand, 12 Jahre alt, gewitzt, mit Sehnsucht  ausgestattet, seinen Weg sucht und mit seinen Freunden zur Jagd aufbricht.

 

Und das ist nicht unbedingt ein Jagdausflug unter Hobby Jägern, sondern notwendig, einerseits, aber auch ein Abenteuer guter Freunde, andererseits. Denn was die Menschen in Afghanistan als eine der Grundlagen des Lebens betrachten und leben ist die Gemeinschaft. Ohne einander zu helfen und beizustehen würde keiner für sich alleine in all den Einschränkungen und Gefahren gut durchkommen.

 

„Agha hatte sein eigenes Anwesen…..Der Großteil seiner Familie war jedoch im Krieg geflohen oder umgekommen und sein Anwesen war voller ferner Verwandter, denen er nicht wirklich traute“.

 

Das ist eben die andere Seite der Medaille. Wo man einander braucht, und den Alltag in unsicheren Zeiten zu bestehen, da muss man auch aufpassen, dass man nicht „über den Tisch gezogen“ wird oder dem Feind angedient für mögliche Vorteile anderer.

 

Und dennoch setzt sich die kindliche Lust am Leben, am Abenteuer, die emotionalen Aufregungen in Marwands und seiner Freunde leben durch. Intensiv und atemlos folgt man den Beschreibungen der Jagd, dem Erleben der Jungen.

 

„Ich versteckte mich noch zwischen den Büschen und Feldern und versuchte verzweifelt die Scheiße aus meinen Kleidern zu reiben“.

 

Gelegenheit auch, und das sind teils die eigentlichen Einblicke in die Seele des Landes, sich Geschichten zu erzählen. Die weniger poetisch als in „1001 Nacht“ des Weges daherkommen, aber sehr praktisch und griffig das Befinden der Menschen auf den Punkt bringen.

 

„Die Geschichte der Geschichte von Marena und dem Scheisse fressenden Dschinn“ ist so eine Geschichte in der Geschichte, mittels derer Kochai den Leser vertraut macht mit dem Leben und den Sehnsüchten in Afghanistan.

 

Oder die „Geschichte vom alten Hund“, die Marwand mit Schmerz und einem fehlenden Körperteil zurückgelassen hat.

 

99 Nächte sind es, die auf die Tage der Jagd folgen, in denen Geschichten aus dem Leben und aus Wunschträumen und der Realität gefärbt sich finden.

 

Inmitten einer Vielzahl von Figuren (bei denen man durchaus leicht, gerade zu Anfang, den Überblick verlieren kann) und Orten und Ereignissen, die nicht immer faszinieren, aber im Gesamten doch ein stimmiges Bild vom Aufwachsen in Afghanistan erzeugen. Inmitten von Krieg, Bomben, Misstrauen und drohender Gewalt bewahren sich de Jugendlichen ihre Fantasie, haben ganz handfeste Träume („Erzähl mir eine Geschichte aus Amerika“) und lernen von früh an, dass man als Mensch immer „Teil der anderen“ ist. Im Guten wie im Schlechten.

 

Dass Kochai gerade nach dem temporeichen Beginn und vor dem anregenden Finale nicht immer Spannung erzeugt in den vielen Geschichten, die einander erzählt werden und das ganze auch hier und da dazu drängt, einige Seiten einfach zu überschlagen, das erschwert die Lektüre aber doch auch. Zu ausschweifend und zu sehr verliebt in das ein oder andere Motiv einer Geschichte lässt die Spannung teils zu sehr abflauen.

 

Dennoch. Im Gesamten, eine empfehlenswerte Lektüre, weil Kochai immer wieder die Augen öffnet und wichtige Momente Afghanistans nachvollziehbar und packend darstellt.

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Rezension zu "99 Nächte in Logar" von Jamil Jan Kochai

Die Suche nach Budabasch
nonostarvor 3 Monaten

Marwand, der 12-Jährige Erzähler, lebt eigentlich in Amerika, verbringt jedoch den Sommer mit seinen Eltern in Logar wo ihre Verwandten leben. Gleich am ersten Tag beist ihm jedoch der Dorfhund Budabasch den Finger ab und als er davon läuft, machen sich Marwand und seine Freunde auf die Suche nach ihm.

Obwohl Kochai einen sehr lebendigen Schreibstil hat, hab ich nie so richtig in seine Geschichte gefunden. Marwand und seine Freunde blieben mir immer ein bisschen rätselhaft und die Erzählstimme von Marwand fand ich manchmal etwas fremd. Er konnte mir die Emotionen der Figuren nicht vermitteln und so habe ich zwar die Reise durch die Umgebung des Dorfes verfolgt aber ich hatte immer das Gefühl einen Schritt hinterher zu hinken.

Dennoch habe ich "99 Tage in Logar" auch gerne gelesen, denn die Geschichten, die immer wieder in der eigentlichen Handlung versteckt waren, waren durchaus interessant. Kochai zeigt hier das Leben einer Familie in Afghanistan, deren Kultur und Bräuche im alltäglichen Ablauf und auch an Liebe und den damit einhergehenden Probleme wird nicht gespart. Oft war mir aber auch alles etwas zu kurios und aberwitzig und ich habe mich so manches Mal gefragt, was ich da eigentlich lese.

Alles in allem ist es ein gutes Buch, das durch seine kleinen Geschichtchen punkten kann, dessen Rahmenhandlung mir aber manchmal etwas zu überdreht war.

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