Jan-Christoph Hauschild Georg Büchners Frauen

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Inhaltsangabe zu „Georg Büchners Frauen“ von Jan-Christoph Hauschild

Georg Büchner (1813 –1837) gilt trotz seines schmalen OEuvres als einer der innovativsten deutschsprachigen Dramatiker. In seinen Werken reicht die »Skala der Liebe« von bürgerlicher Sittsamkeit bis zu ausschweifender Sinnlichkeit. War der Dichter selbst vielleicht ein Schürzenjäger, ein erotischer Freigeist? Wie verhalten sich Poesie und Wirklichkeit zueinander im Faktencheck? In zwanzig Einzelporträts begibt sich der Büchner-Kenner Jan-Christoph Hauschild erstmals auf Spurensuche bei Büchners »Frauen«: den realen, mit denen er Raum und Zeit teilte, und jenen weiblichen Geschöpfen, die Imaginationen seiner dichterischen Phantasie waren.

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  • Büchners „Frauenwelt“

    Georg Büchners Frauen

    michael_lehmann-pape

    15. July 2013 um 14:18

      Es sind 20 Portraits, kurze Biographien, die der Büchner-Kenner Jan-Christoph Hauschild in diesem Buch vereint. Wobei „Biographien“ auch Blicke auf „fiktive Frauen“ (zum größeren Teil im Buch) in sich vereinigt, denn  nicht nur den realen Frauen in Büchners Leben geht Hauschild auf die Spur, sondern auch besonderen literarischen Schöpfungen. Schöpfungen, an denen Hauschild, fast noch mehr als an den realen Figuren im Leben Büchners, dem Dramatiker in dessen eigenen Haltung, was Liebe und Sittlichkeit, Eros und Emotion nahe kommt.   Büchner starb bekanntermaßen im Alter von 23 Jahren, viel Zeit für „echte Erprobungen“ in Liebesdingen war ihm somit nicht gegeben und, zudem, wenig Gesichertes ist wirklich bekannt. So betont Hauschild zu Recht, dass eigentlich nur fünf reale Frauen „in Frage kämen, an die Büchner sein Herz verloren haben könnte“. Und das zudem noch bei einem jungen Mann, der sich dem „grobsinnigen“ widersetzte, diesem nicht zugeneigt war.   Hätte überhaupt bei jenen Voraussetzungen Büchner „Frauen haben können, so viele er wollte“, eine Art „Womanizer“. Oder doch einer, der eher nur in der Fantasie den Rahmen und Reigen der Liebe von sittsam bis enthemmt (bis hin zur „sexuellen Polyphonie in „Leonce und Lena“) auslotete? Wobei der „Privatmann Büchner“ sich ausgesprochen und stringent als Vertreter von „Sitte und Moral“ immer nach außen gezeigt hat.   So ist es sicherlich eines der zentralen Portraits im Buch, wenn sich Hauschild auf seiner Spurensuche Wilhemine Jaegle nähert. Mit dieser war Büchner verlobt, dies war die „Frau an seiner Seite“ und, wunderbar auch sprachlich dargestellt, in diesem biographischen Portrait kommt Hauschild dem Dramatiker als Liebendem am Nächsten vor allem durch seine erhaltenen Briefe an Wilhemine (wobei sämtliche Darstellungen im Buch faktenreich und sprachlich flüssig zu lesen sind und sich in allen Darstellungen immer wieder neu Facetten des Denkens, Träumens, aber auch Handeln Büchners wiederfinden lassen).   Allein schon Büchners „Geschmack“, was Frauen anging, lässt sich an Jaegle ablesen. „Kindliche Zartheit“ gepaart mit einer gewissen „mütterlichen Haltung“, „natürlich und einfach“ von ihrer klaren Art her, gepaart mit einem hohen, literarischen Interesse.   Büchner selbst nennt „innere Glückseligkeit“ und „göttliche Unbefangenheit“ im Kontrast mit „Leichtsinn“ und „weitern bösen Eigenschaften“, überwiegend aber gerade die Stabilität Wilhemines hat ihren hohen Reiz für Büchner.   Von dieser „Realität“ aus ist es dann interessant, zu lesen, wie sich gerade in den fiktiven Frauengestalten Büchners Gegenpole, „erweiterte Sitten“ und anderes literarisch entfalten und so die Realität Büchners ins seinem Leben ergänzt werden durch eben auch seine Sehnsüchte und „Erweiterungen“ in seinen literarischen Ausdrucksformen. Sehnsüchte und „Gelüste“, die in „hitzig-zarten Briefen“ an Wilhemine auf zeigen, dass auch im „wahren Leben“ mehr als nur platonische Freundschaft zwischen den Verlobten im Raum stand. Wohl aber ohne sittlich gesetzte Grenzen zu überschreiten.   Konstellationen im Übrigen, die durchaus auch Eingang in das literarische Schaffen anderer fanden. Büchner und sein „Liebesleben“ ist durchaus Thema verschiedenster Dramen und Prosastücke, wie Hauschild kundig vielfach einfließen lässt.   Flüssig und verständlich bietet Hauschild eine Spurensuche zu „Bücher und die Liebe“ in vielfachen Facetten an, die informativ und aus vielen Richtungen her ein literarisches Bild des „Inneren“ Büchners in den Raums setzt, die realen und biographische Hintergründe mit diesem verzahnt und die einzelnen Fäden der gegenseitigen Bedingtheit in Leben, Literatur und Rezeption offen legt.

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