Jan Assmann

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Das kulturelle Gedächtnis

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Weisheit und Mysterium

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Der Ursprung der Geschichte

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Erschienen am 01.03.2005

Neue Rezensionen zu Jan Assmann

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Rezension zu "Totale Religion" von Jan Assmann

Jan Assmann - Totale Religion
Jarivor 10 Monaten

Da ich in einer Buchhandlung mit katholischem Hintergrund arbeite, ist mir der Name Jan Assmann geläufig. Sein Werk "Exodus" gehört zum Inventar. Da dies aber ein ziemlich umfangreiches Werk ist, wagte ich mich erst einmal an das um einiges schmalere Werk "Totale Religion", das mich auch vom Thema her sehr fasziniert.

Doch zu Beginn hatte ich meine liebe Müh mit dem Buch, da sich Assmann immer wieder auf die zwei Arten des Monotheismus bezieht: den "Monotheismus der Treue" und der "Monotheismus der Wahrheit". Wobei ich stets Mühe hatte, die beiden auseinanderzuhalten. Auch kam es mir immer mal wieder vor, als hätte der Autor diesen Titel nur geschrieben, um sich gegenüber bestimmten Leuten zu rechtfertigen.

Zum Glück legte sich dies mit der Zeit und auch die beiden unterschiedlichen Monotheismen verlieren mit fortschreitendem Text an Wichtigkeit. Dennoch: Assmann ist keine leichte Lektüre, auch dieses eher kurze Werk fordert volle Aufmerksamkeit. Wer diese aufbringt, erfährt jedoch auch sehr viele interessante Dinge.

Assmann möchte hier keine Antwort darauf geben, wie wir mit dem Terrorismus umgehen können, sondern lotet die Bedeutung der Gewalt im sprachlichen Kontext aus. Sehr viele Bibelstellen sind äusserst gewalttätig, obwohl die Botschaft dieses Buches der Bücher eine ganz andere ist.

Woher kommt das? Was hat das zu bedeuten? Welchen Einfluss hat diese Sprache der Gewalt?

Dabei fördert der Autor einige höchst interessante Fakten zutage. Mich interessieren die anthropologischen Hintergründe zur Entstehung der biblischen Texte, auch die Frage, wie das Leben damals für die Menschen war. Hier lässt Assmann tief blicken und somit ist "Totale Religion" eine spezialisierte Vertiefung zu Carel van Schaiks "Das Tagebuch der Menschheit".

Mit jedem Satz merkt man, dass Assmann ein absoluter Fachmann ist (Ägyptologie, Klassische Archäologie und Gräzistik). Sein Wissen ist tief und fundiert, sein Text strotzt vor Selbstbewusstsein, aber nach den eingangs erwähnten Stolpersteinen sagte mir das alles sehr zu. Ich habe mir sehr viele Textstellen vermerkt, hatte einige Aha-Erlebnisse und mein grundsätzliches Wissen über die Hintergründe der Bibel wurden ein weiteres Mal erneuert.

Dass der Autor seine Theorien mit Carl Schmitt untermauert, hat zwar einen faden Beigeschmack, aber in dem Bezug, in dem er sie verwendet, passen sie. Ich denke auch, dass sich Assmann bewusst war, dass er damit dünnes Eis betritt. Aber ihm einen Strick daraus drehen, muss man meiner Meinung nach nicht, da Assmann wirklich sehr bedacht damit umgeht.

Mich hat Assmann tief beeindruckt und vielleicht wage ich mich irgendwann auch an sein Monumentalwerk "Exodus".

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M

Rezension zu "Exodus" von Jan Assmann

„Wahr und Falsch“ statt „Stärker“, „Lebens-Treue“ statt „Nur-Anbetung“
michael_lehmann-papevor 4 Jahren

„Wahr und Falsch“ statt „Stärker“, „Lebens-Treue“ statt „Nur-Anbetung“

Hatten die „alten Völker“ je ihre Götzen und Stammesheilige, die sich im Leben und Kampf als „Stark und hilfreich“ erweisen hatten, konnten ohne große Überlegungen solche „Götter“ auch „ausgetauscht“ werden (wenn sie sich als „schwach“ gezeigt hatten) und gab es damit eine vielfältige und „bunte“ Götterschar in alter Zeit, die einander befehdeten, ergänzten, ersetzten und vieles mehr, so verweist Jan Assmann zu Recht seit Langem bereits darauf, dass die Entwicklung des Monotheismus einer der absoluten und existenziellen „Wendepunkte“ der Menschheitsgeschichte darstellt.

Ein Wendepunkt, der, vor allem, Loyalität ohne Ausnahme (und ohne Grenze) erforderte in den neuen religiösen Orientierungen mit ihrem je allgemeinen und universellen Wahrheits- und Geltungsanspruch.
Und, wie Assmann ebenfalls seit Langem herausgearbeitet hat, damit auch mit einem wesentlichen Kern an „ausgrenzender Gewalt“.
Am „Kampf bis aufs Blut“ gegen „andere Götter“ und deren Religionen. Ein Kampf, der nicht nur in antiker Zeit die Welt formte, sondern bis heute in (fast) unverminderter und immer wieder neu aufflammender Art und Weise die Menschheitsgeschichte mit bestimmt.

Eine, eher „die“ (folgt man den akribischen, fundierten und detaillierten Ausführungen Assmanns in diesem, seinem neuen Werk) Gründungsgeschichte, Gründungsurkunde des Monotheismus ist die Geschichte des Exodus. Der Auszug Israels aus Ägypten unter Mose (unter drängender und harter Gewalt, schon in der biblischen Vorbereitung dieses Auszuges).

In zwei Richtungen nimmt Assmann kenntnisreih und sehr verständlich formuliert dabei den Leser mit auf diese „existenzielle Reise“.

Zum einen befasst er sich mit den historischen Tatbeständen und versetzt den Leser „hautnah“ in die Hoch-Zeit des alten Ägypten. Zum anderen aber, und das ist sein eigentliches Anliegen, geht Assmann den verdichteten Menschheitserfahrungen und der tiefgreifenden Symbolik hinter der biblischen Geschichte nach.
Ein Ereignis (nicht nur in der Geschichte Israels als „Volkwerdung“ und „Bundeschluss“ mit umfassendem Treuegebot diesem „einen Gott“ gegenüber, sondern auch für die Weltgeschichte), welches das Judentum, aber auch später das Christentum und den Islam grundlegend mitgestaltet und geprägt hat.

Das Individualität und persönlicher Lebenssinn nur erfasst wird in die Einbettung einer Glaubensgemeinschaft und damit nur im personalen Gegenüber zwischen „dem einen Gott“ (mit seinem Plan für „sein Volk“ und den einzelnen Menschen in diesem Volk) und dem eigenen Sein, das ist jener existenzielle Kern der Exodusgeschichte, der „Geschichte gemacht hat“, persönliche und allgemeine Geschichte, und diese bis heute beeinflusst und prägt.

Loyalität und „Treue“ sind dabei die prägenden inhaltlichen Begriffe.
Eine „gegenseitige“ Treue in Form einer „Bundesverpflichtung“, letztlich auf Augenhöhe, ein „Vertrag“ zwischen zwei Partnern, Gott und den Menschen seines Volkes, dass mit Lob und Strafe, Gewinn und Restriktionen einhergeht, wie es Israel in seiner folgenden Geschichte von Erfolgen und Niederlagen, Zerstörung und Aufbau immer wieder reflektiert und immer wieder auf das „Gründungsgeschehen“, die „Bundesartikel“ (Gebote) und Bundeszeichen (Lade, Stiftshütte und anderes) sich hin orientiert.

So erläutert Assmann historisch und als „erzählte Geschichte“ die Kraft dieses Ereignisses einer inneren und äußeren Zeitenwende, verweist auf die „Freiheit“, die hier als „höchstes Gut“ (nur in Bindung mit einem patriarchalischen Gott allerdings) Antrieb und „gelobtes Land“ zugleich ist, zeigt die Folgen dieser „revolutionären“ Haltungen auf (auch in ihren gewaltsamen Ausprägungen) und führt so dem hin zu den Grundlagen der „modernen Welt“.

In einem geschichtsimmanenten System von Ursache und Wirkung, von einem direkt möglichen Erleben göttlichen (korrigierenden oder bestätigendem) Eingreifen in das gesellschaftliche und individuelle Leben, das bis heute die Weltreligionen bestimmt (mit anderen Vorstellungen eines „gelobten Landes“ und anderen „Geboten“ vielleicht).

Die Vision einer „besseren Zukunft“ findet in der Exodus Geschichte damit erstmalig Ausdruck, die Deutung der Vergangenheit erhält einen linearen Faden und die Ausgrenzung Andersgläubiger bildet nun eine der Wesensgrundlagen der Religion.

Ein ungeheuer erhellendes, sehr akribisch und fundiert verfasstes, dabei überaus verständliches Buch, das die Elemente und Grundgedanken der Exodusgeschichte erläutert und damit die Grundlagen für Religionskriege, Erwählungsgedanken und „irdische Zeichen Gottes in der Geschichte“ dezidiert aufweist und benennt.

„In diesem Sinne lässt sich die Exodus-Geschichte als die grandioseste und folgenreichste Geschichte verstehen, die sich Menschen jemals erzählt haben…und ist…zum Symbol grundlegender geistiger, religiöser und politischer Wenden überhaupt geworden“.

Ein sehr empfehlenswertes Buch, das in der Besinnung auf „den Anfang“ eine hochaktuell Erklärung der gegenwärtig noch immer stark zu spürenden „Folgen“ in sich trägt, der (behaupteten) „Einwohnung Gottes inmitten seines Volkes“ mit all dem, was dies auch im Negativen und an Fanatismus bedeuten kann, wie es ebenso Identität und Kraft zu geben vermag.

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W

Rezension zu "Exodus" von Jan Assmann

Für Assmann ist der Auszug aus Ägypten d i e Gründungserzählung der modernen Welt
WinfriedStanzickvor 4 Jahren




Schon als Kind hat mich die Erzählung vom Auszug der Hebräer aus der Sklaverei in Ägypten als eine monumentale Befreiungsgeschichte fasziniert. Neben der Nächsten-und Feindesliebe und der Erzählung von Gottes Gerechtigkeit, für die Jesus im Neuen Testament steht, war sie nicht nur für meinen  Glauben entscheidend, sondern auch für meine Berufswahl.

Diese Geschichte vom Auszug aus Ägypten ist eine der wirkmächtigsten Erzählungen der Menschheit und ich habe sie deshalb auch keiner einzigen Grundschulklasse vorenthalten, die ich in zwei Jahrzehnten unterrichtete. Der Exodus steht, wie Jan Assmann in seinem hier vorliegenden, an sein umstrittenes Buch „Die mosaische Unterscheidung“ und seine Kritik des Monotheismus anknüpfenden Buch zeigt, nicht nur für die Befreiung aus der Sklaverei,  sondern ist auch immer wieder Quelle von Befreiungsbewegungen und Revolutionen quer durch die Geschichte, und sie steht für die Geburt bzw. Erfindung des Monotheismus, des Glaubens an den einen Gott. 

Die Schlüsselszenen im Buch Exodus sind bedeutsam für die Heilsgeschichte des Judentums, des Christentums und des Islam. Doch weit über die Ausbildung und die Entwicklung dieser drei monotheistischen, abrahamitischen Religionen hinaus hat die Erzählung und die Tradition vom Exodus, vom gottgewirkten Weg aus der Unfreiheit in die Freiheit in der Kunst und in der Literatur der Jahrhunderte seitdem eine ungeheure Wirkung entfaltet bis auf den heutigen Tag.

Jan Assmann beschreibt in diesem lesenswerten und informativen Buch, wie diese Geschichten entstanden sind, wie sie überliefert und im Pentateuch von den Theologen der Priesterschrift zusammengestellt wurden. Er geht den ägyptischen und altorientalischen Wurzeln nach und benennt das genuin Neue an ihnen.

Auch seine nach „Die mosaische Unterscheidung“  2010 kontrovers diskutierte Monotheismustheorie und -kritik wird noch einmal aufgenommen und fortgeführt.

Hauptfokus dieses Buches aber sind die enormen weltgeschichtlichen Folgen des Auszugs Israels aus Ägypten bis in die heutige Zeit. Insbesondere christlichen und liberalen islamischen Theologen kann man dieses Buch nur an das Herz legen. Auch die jüdische theologische Debatte kann es enorm bereichern.

Für Assmann ist der Auszug aus Ägypten  d i e  Gründungserzählung der modernen Welt, wie wir sie heute kennen.

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Jan Assmann wurde am 07. Juli 1938 in Deutschland geboren.

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