Jan Assmanns Buch ist eine komplexe Angelegenheit, denn die Welt von Thomas Manns Josephsromanen kritisch, aber gutherzig zu erklären und über manche esoterische Dinge wie z.B. "Atlantis" einfach hinweg zu sehen, sich mehr der kulturellen Identität und der Theologie in den Josephsbüchern zu widmen, das ist wahrlich ein feiner Zug vom Autor, den ich vor seinem Tod in der Leopoldina in Halle noch erleben durfte. Bei aller Begeisterung für Thomas Mann Werk, was bei Assmann immer durchschwingt, macht er dennoch als Ägyptologe unmissverständlich klar: Thomas Mann Ägypten ist keinesfalls eine historische Rekonstruktion, zu suspekt sind die vom Lübecker benutzten Quellen und viel zu sehr ist die ägyptische Welt der Theologie von Mann untergeordnet. Deswegen ist Assmanns Werk "Thomas Mann und Ägypten" mehr als nur ein Begleit- oder Interpretationsbuch, sondern ein Einstiegsbuch für alle, die sich an die vielfarbigen und wortgewaltigen Josephsbücher vom Nobelpreisträger für Literatur heran zu wagen trauen. Wenn sie zu Manns Joseph Fragen haben, werden Sie in Assmanns Buch fündig.
Jan Assmann
Lebenslauf
Quelle: Verlag / vlb
Alle Bücher von Jan Assmann
Das kulturelle Gedächtnis
Exodus
Thomas Mann und Ägypten
Tod und Jenseits im alten Ägypten
Die Mosaische Unterscheidung
Ägypten
Totale Religion
Beethoven bewegt (Zeitgenössische Kunst)
Neue Rezensionen zu Jan Assmann
Das Unbehagen an der Demokratie und den Politikern ist als Gegenstand der Diskussion nicht neu. Dennoch besteht die Herausforderung darin, ihre tieferen Ursachen zu untersuchen und daraus entsprechende Schlüsse zu ziehen. Das haben die Kulturwissenschaftler und Friedenspreisträger Aleida und Jan Assmann, der voriges Jahr verstorben ist, in diesem Buch versucht. Es zu lesen bedeutet große Konzentration. Wir befinden uns weithin in einem Zustand der Krise der modernen, liberalen Demokratien. Die feindlichen politischen Lager, die sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten gebildet haben, wollen beide davon profitieren:: die einen, die von dieser Krise profitieren wollen, um eine pseudodemokratische autoritäre Ordnung zu etablieren, und die anderen, die sie verteidigen. Letztere sind mit dem Umstand konfrontiert, dass die unbestreitbaren Vorzüge einer offenen, stabilen, liberalen Ordnung für so selbstverständlich genommen werden, dass man sie gar nicht bemerkt. Die positive Erinnerung könnte dabei also das Nachsehen haben. Wenn die schleichende Untergrabung der Demokratie entsprechend weit fortgeschritten ist, lässt sich die Entwicklung nur mehr mühsam umkehren.
Philosophie muss kein trockener Stoff sein, hier begegnen einem top-aktuelle Themen, die sehr direkt mit unserem Alltag und mit unserer Demokratie zu tun haben. Klare Leseempfehlung!
Es ist wenig verwunderlich, dass das Beethovenjahr 2020 ganz anders ausfällt als von vielen Stellen angedacht. Nahezu alle Veranstaltung, die anlässlich des 250. Geburtstags angedacht waren, wurden entweder abgesagt oder wie im Falle der Ausstellung „Beethoven bewegt“ verschoben. In Zeiten, in denen die Kunst einer der größten Leidtragenden ist, kann das vorliegende Buch zur Ausstellung die Durststrecke zumindest ansatzweise helfen zu überbrücken.
Die Ausstellung (und somit auch das Kunstbuch) möchte nicht nur einfach die Biografie Beethovens zeigen, sondern setzt sich ganz anders mit seinen Werken auseinander. Es stellt sich nämlich die Frage, wie Beethovens Musik Einfluss auf andere Menschen und Künstler genommen hat. In diversen Interviews wird natürlich auch auf sein Leben eingegangen und mit welchen widrigen Umständen Beethoven zu kämpfen hatte und welchen Einfluss dies auf seine Musik hatte. Es werden aber auch Parallelen zu anderen Künstlern gezogen, selbst wenn die sich nicht begegneten oder gar voneinander wussten, wie z.B. Francisco de Goya.
Es sind interessante Gedankenspiele, die die Kuratoren der Ausstellung zustande gebracht haben, die zuweilen auch sehr abstrakt werden. Die Bezüge zu Beethovens Musik sind in diesem Fall nicht immer auf den ersten Blick ersichtlich, erschließen sich allerdings durch die Texte. In anderen Fällen wird der Betrachter einfach nur zum Innehalten und Nachdenken angeregt, wie z.B. dass es vor gar nicht all so langer Zeit nicht selbstverständlich war, zu jeder Zeit Musik hören zu können, sondern diese nur live zu haben war.
Der Brückenschlag zu anderen künstlerischen Disziplinen ist in jedem Fall sehr anregend, wenn die Einflüsse auf die bildgebende Kunst, Skulpturen oder dem Schauspiel gezeigt werden. Mit passenden Internetangeboten kann zudem auch jetzt schon das ein oder andere Musikstück genossen werden.
Fazit
Die Ausstellung des Kunsthistorischen Museums wird in jedem Fall nachgeholt (aktuell bereitet sich das Museum auf die Wiedereröffnung Ende Mai vor). Der Leser kann aber schon jetzt in Form dieses Buchs Impressionen sammeln und die interessanten Zusammenstellungen und Zusammenhänge bewundern. Dass das Beethovenjahr ganz im Zeichen der Coronakrise vollkommen anders wahrgenommen wird, tut dem Gesamtwerk des großen Künstlers sicherlich keinen Abbruch.
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Jan Assmann wurde am 07. Juli 1938 in Deutschland geboren.
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