Der gestrandete Wal

von Jan Bürger 
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Der gestrandete Wal
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Inhaltsangabe zu "Der gestrandete Wal"

Hans Henny Jahnn war Orgelexperte, Landwirt, Pazifist, Musikverleger und – vor allem – Schriftsteller. Er hat provoziert, obwohl er es nie darauf anlegte. Sein künstlerischer Eigensinn wurde als skandalös empfunden, seine Besessenheit rückte ihn in die Rolle des Außenseiters. Von Schriftstellern, Musikern und Künstlern als genialer Erneuerer des modernen Romans verehrt, konnte er nie ein breites Publikum erreichen. In Vergessenheit geriet er dennoch nicht. Jan Bürger verknüpft Jahnns Lebenswerk mit den Tendenzen seiner Zeit: Wie reagierte ein so origineller und auf Wirkung bedachter Künstler auf die Erschütterungen durch Kriege, politische Katastrophen und wissenschaftliche Revolutionen?

Im Ersten Weltkrieg floh er zusammen mit Gottlieb Harms, seinem engsten Freund und Lebensgefährten, aus Hamburg nach Norwegen. Nach der Rückkehr gründete er 1919 in der Lüneburger Heide die Glaubensgemeinschaft Ugrino und gewann 1920 mit dem Drama "Pastor Ephraim Magnus" den Kleist-Preis. 1926 heiratete er Ellinor Philips. Mit Alfred Döblin, Bertolt Brecht, Gustaf Gründgens und vielen anderen stand er in enger Verbindung. Jan Bürger legt mit erzählerischer Verve und philologischer Präzision die Kraftzentren dieses exzentrischen Lebens frei.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783455503807
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Fester Einband
Umfang:448 Seiten
Verlag:Hoffmann und Campe
Erscheinungsdatum:16.05.2017

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    michael_lehmann-papevor einem Jahr
    Intensive Lebenserschließung durch das literarische Schaffen

    Intensive Lebenserschließung durch das literarische Schaffen

    Grundlage dieser „literarischen Biographie“ ist die Dissertation des Autors aus den Jahren 1995 bis 2000.

    Wobei der Name Hans Henny Jahnn vielleicht nicht (mehr) breit geläufig ist. Doch wenn der Komponist der Eröffnungsmusik der Hamburger Elbphilharmonie diese ebenjenem Jahnn widemet, dann kann man schon aufmerksam werden. Auf diesen Autoren, der zugleich (für neine Weile) „Sektenführer“ der eigenen „Religion der Kunst“ war, der in seinen Werken nicht leicht verdaulich, aber oft anstößig sich ausdrückte und vielleicht einfach nur seinen Ruhm suchte.

    Der ein bewegtes Privatleben pflegte (von der Hochzeitsnacht als junger Mann mit seinem Schulfreund Harms, später in einer „Liaison zu dritt“ mit seiner Ehefrau und Geliebten). Der sich mit Architektur, vor allem aber dem Orgelbau- beschäftigte. Einer also, der umfassend rührig war und dennoch nicht breit verlegt oder bekannt wurde über seine Lebenszeit und gewisse Kreise hinuas.

    Einer, vor allem, der maßlos war. Vor allem sich selbst und dem eigenen Lebensstil, den eigenen Ansprüchen gegenüber. Was so manchen Gönner stark irritierte (und dessen finanzielle Mittel).

    „Jahnn belastete die Vorstellung, in Zeiten des Wiederaufbaus überhaupt nicht mehr gebraucht zu werden“. Aber unter Umständen hat sich der Mann in seiner und seines Werkes Bedeutung auch nur haltlos überschätzt. Wie er in den Exiljahren in Norwegen auch erstaunt war, dass der Hotelier, bei dem er mit Harms lange Logis genommen hatte, in irgendwann einfach „nicht zurück haben wollte“.

    Jan Bürger wählt zur Annäherung an dieses Leben, an die Person hinter den Texte, den Weg über das lite4rarische Schaffen des Mannes. Woher die Ideen kamen, wie er sie umsetzte, welche Geschichte seine Werke erlebten und wie wiederum Jahnn darauf reagierte. Was es mit einer „Religion der Kunst“ auf sich hat, wie andere Interessen dazu kamen und wieder später in Literatur ihren Niederschlag fanden.

    Und es gelingt Bürger damit, jenes „Image“ zu durchbrechen, dass Jahnn sich selbst so gerne gab und mit dem er ein Leben lang kokettierte: „Der Absolute Außenseiter“. Mit der Folge, dass er lange als „Sonderphänomen“ gesehen wurde. Was Jahnn recht gewesen sein dürfte, so aber einfach nicht stimmt. Denn es gab Bezüge, eine Einbettung in vorhandene Literatur, die Bürger sorgsam herausstellt und damit dem Menschen Jahnn näher und näher kommt. Gespickt natürlich mit vielfachen äußeren Fakten dieses Lebens, die jeweils flüssig in die Themen des Lebens eingebettet werden.

    „Je älter er wird, desto mehr scheint sich der Schreibende seinen eigenen Erfindungen anzugleichen“.

    Hier sauber wieder zu trennen ist eine der Leistungen Bürgers. Wobei ebenso die sorgfältige Erläuterung zu den Werken und Inhalten Jahnns dem Leser die Person des „Außenseiters“ nahe bringt.

    Und ob wirklich für Jahnn „Liebe Quatsch ist“. Eine These, dem das Leben doch ein Stück weit entgegensteht.

    Zu beachten ist, dass das Buch auf einer Dissertation beruht und entsprechend sprachlich nicht immer einfach zu verfolgen ist. Konzentration und ein Einlassen auch auf komplexere Inhalte sind für die Lektüre Voraussetzung.

    Die dann aber ein außergewöhnliches Künstlerleben sehr umfassend zu beschreiben und zu deuten versteht.

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