Der Garten Eden (hebräisch) ist eine biblische Bezeichnung für das zunächst irdische Paradies, welches Gott nach der biblischen Paradieserzählung in Gen 2 – 3 für den Menschen erschaffen hatte. Er geht auf das gleichlautende hebräische Substantiv zurück und bedeutet „Wonne“ oder „Wonneland“. (Wikipedia)
Und das Familienleben von Sofie und ihren Eltern (Markus und Kerstin) lässt auch diesen Vergleich aufkommen. Wir lernen sie am 21. Mai kennen, als Tobias, der Schulkamerad von der 12-jährigen Sofie, bei Familie Stenger zu Besuch ist und an Tobias‘ Referat gearbeitet wird. Zwei Tage später soll er es in der Schule halten.
Am 22. Mai wird die Familie jedoch aus diesem ‚wonnevollen Ort‘ herauskatapultiert: beim Besuch eines Konzerts ihrer Lieblingssängerin in Stuttgart, zusammen mit ihrer Tante Isabel und Cousine Lotte - als Überraschung ihres Vaters geplant - zündet der islamistische Selbstmord-Attentäter Ayoub eine Bombe in der Gruppe der letzten Zuschauer und Sofie stirbt.
Danach ist nichts mehr, wie es war! Ausgerechnet Sofie, der Sonnenschein, die „ganz toll Leuten klarmachen konnte, dass sie sich vertragen sollen“, so die Aussage von Tobias: „Wenn es Stress gab wegen irgendwas, haben ihr alle zugehört und danach war Ruhe.“
Wir begleiten die Trauernden ca. 7 Monate lang: lesen immer abwechselnd, wie es Markus und Kerstin, den Eltern geht, die jetzt ohne ihre Tochter klarkommen müssen, jeder in seiner individuellen Trauer gefangen. Tobias, der sie sehr vermisst und immer wieder auftaucht, da er sich bei Familie Stenger – im Kontrast zu seinem Elternhaus – sehr wohl und wahrgenommen fühlt. Auch Isabel und Kerstin (Schwester und Nichte von Markus) rücken jetzt wieder näher an die Familie ran.
Es werden auch Fragen behandelt wie: muss die demente Mutter von Kerstin im Altersheim überhaupt vom Tod ihrer geliebten Enkeltochter unterrichtet werden? Oder: Wie gehen Freunde mit unterschiedlichen Meinungen um? Der Blick auf unsere gespaltene Gesellschaft war sehr treffend!
Sehr gut fand ich, dass wir auch Ayoub Issa, den Attentäter, seine Beweggründe und seine Familie kennenlernen. (Besonders den 1. Besuch von Markus bei ihnen fand ich beeindruckend und ich bezweifle stark, dass ich dazu in der Lage gewesen wäre.)
Jan Costin Wagner hat hier einen feinen psychologischen Roman geschrieben und mit seinen empathischen, aber aufrüttelnden Worten mich tief bewegt. 5 Sterne gebe ich voller Überzeugung und empfehle dieses Meisterwerk allen, die sich diesem schweren Thema gewachsen fühlen.


















