Jan Costin Wagner Tage des letzten Schnees

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Inhaltsangabe zu „Tage des letzten Schnees“ von Jan Costin Wagner

Ein Banker, der sich im Dickicht seines Doppellebens verliert, ein Schüler, der unaufhaltsam auf einen Amoklauf zusteuert, zwei unbekannte Tote, die auf einer Parkbank liegen, als würden sie schlafen während Anfang Mai der letzte Schnee im finnischen Turku fällt, muss Kommissar Kimmo Joentaa die Zusammenhänge zwischen den Schicksalen all dieser Menschen herausfinden, um einen Doppelmord aufzuklären. Und um dann zu erkennen, dass seine eigentliche Aufgabe eine ganz andere ist als die Suche nach einem Mörder ...§§

Drei Seiten vor Schluss kam der große Knall. Unglaublich gutes Buch!

— soetom
soetom

Atmosphärisch, spannend, berührend. Wagner at his best!

— Ituri
Ituri

Die Stärke dieser Serie ist die Zeichnung des Hauptdarstellers.

— Gruenente
Gruenente

Ein Roman (und ein bisschen Krimi) um Tod, Trauer und Trost. Kimmo Joentaa's fünfter Auftritt hinterlässt Fußstapfen im Schnee.

— papercuts1
papercuts1

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  • Wenn man die ersten Joentaa-Geschichten mochte ist diese das Sahnehäubchen obendrauf!

    Tage des letzten Schnees
    soetom

    soetom

    06. January 2017 um 11:33

    Bei der Kimmi Joentaa-Reihe muss man einen Warnhinweis vorweg stellen: Wer Thriller mit Blut, Gewalt und Schock-Momenten mag, muss wissen, dass nichts davon hier eine Rolle spielt. Alle Charaktere sind vor allem mit ihrem Innenleben, ihren Gefühlen und Sinneseindrücken beschäftigt. Man muss es mögen, mit einer der Figuren eine Seite lang aus dem Fenster eines fahrenden Zuges zu schauen. Ohne dass etwas "passiert". In "Tage des letzten Schnees" springt die Handlung zunächst zwischen scheinbar nicht zusammenhängenden Handlungen hin und her. Erst ab der Mitte des Buchs weren Berührungspunkte nach und nach sichtbar. Alle handelnden Personen versuchen mit ihren Möglichkeiten, glücklich zu werden. Mit meist überschaubarem Erfolg. Aber bei allen sind die Motive für ihr Handeln verständlich - auch wenn sie damit sich oder ihre Umwelt in größere oder kleinere Katastrophen stürzen. Wenn man die ersten Bücher der Reihe gelesen hat, kennt man dieses Vorgehen von Jan Costin Wagner. Auch, dass die Ermitler am Ende nicht die ganze Lösung finden, sondern Details übersehen oder falsch deuten - obwohl sie diemal fast alles aufklären - und dass am Ende die meisten Handelnden kein Happyend bekommen. Das alles habe ich von diesem Buch erwartet und gefunden - auch wenn ich es ein ganz kleines Bischen weniger großartig fand als die Vorgänger. Aber ich habe das Lesen trotzdem genossen. Dann kamen die letzten Seiten, die ich abends noch schnell zu Ende lesen wollte, um am nächsten Morgen ein neues Buch mit auf den Arbeitsweg in die Bahn nehmen zu können. Und auf einmal war die ganze Geschichte völlig anders. Nicht nur die aus "Tage des letzten Schnees", sondern auch die beiden vorangegangenen Bücher. Und statt des schnellen, gut gelaunten Abwickeln des Kriminalfalles, drehte alles schlagartig in eine sehr traurige Stimmung, Aber nach der drittletzten Seite kommt ja auch noch die vorletzte - und plötzlich drehte die Stimmung schon wieder und aus der Traurigkeit wurde ein herzerwärmender Hoffnungsschimmer. Ich habe das Buch auf den Tisch gelegt und gedacht: "Boah. Ist das gut!"

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  • Sehr dicht für einen Krimi

    Tage des letzten Schnees
    Gruenente

    Gruenente

    08. August 2015 um 17:10

    Kimmo verspürt macnhmal wieder so etwas wie Glück. Auch in der seltsamen Beziehung zu seiner Freundin. Doch er ist schon immer sehr traurig, ws die Beschäftigung mit den Morder nicht besser macht. Mehrere Handlungsstränge werden sehr kunstvoll ineinander verwoben. Fahrerflucht, Prostitution, Betrug, Doch das eigentliche Verbrechen, ein Amoklauf, wird von fast allen unbemerkt geplant. Männer, die ihre Ehe zerstören um andere Menschen zu retten.  Allerdings auch nicht ganz ohne Eigennutz. Menschen, die andere hintergehen. Und über allem liegt der Schnee. Die Hoffnung auf den Frühling bleibt vage.

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  • Tod, Trauer und Trost in Finnland

    Tage des letzten Schnees
    papercuts1

    papercuts1

    31. May 2015 um 19:50

    Wehmütig-kühle skandinavische Krimis können nicht nur geborene Skandinavier schreiben. Das beweist wieder einmal der deutsche Autor Jan Costin Wagner, dessen zweite Heimat Finnland ist. Mit einer Finnin verheiratet, scheint ihm das nordisch schwermütige Gemüt zur zweiten Natur geworden zu sein. Jedenfalls fühlt es sich danach an, wenn man seine Krimireihe um Kommissar Kimmo Joentaa liest. Roman um Tod und Trauer Das Thema Trauer zieht sich seit Beginn, als Kimmo seine Ehefrau verliert, durch die Serie, und es ist auch in diesem fünften Teil zentral. Dem Verlust gebührt der Anfang des Romans: Ein Vater gerät in einen Autounfall, bei dem seine 11jährige Tochter stirbt. Und natürlich ist es Kimmo, der ihm zur Seite steht. Er tut das größtenteils schweigend, in stillem Verständnis, ist aufrichtig und einfach da für die traumatisierten Eltern. Diese ‘Trauerbegleitung’ wirkt wie eine Berufung, und der Kriminalfall spielt sich mehr oder weniger im Hintergrund ab. Tatsächlich gibt es erst ein gutes Stück ins Buch hinein überhaupt einen echten Mord. Erst, nachdem wir viel Zeit mit den Figuren und ihren drei Handlungssträngen verbracht haben, muss Kimmo wirklich einen Fall lösen. Das ist aber gar nicht schlimm, denn auf dem Buch steht ja auch ‘Roman’ und nicht ‘Krimi’. Der Mordfall dient nicht dem Spannungsaufbau, sondern ist lediglich der Punkt, an dem sich die Fäden verküpfen. Schicksalsfäden verknüpfen sich Und das tun sie, die Geschichten um einen abgestumpften Banker, der die Liebe, das Leben und Lügen entdeckt; um einen Schüler, der sich von der Welt entfernt und einer Amoktat nähert; um eben jenen Vater, der mit der Trauer kämpft. Außerdem geht noch Kimmos eigene Geschichte weiter: Noch immer nicht über den Verlust seiner Frau hinweg, steht die neue Liebe zu Larissa, einer Prostituierten, nicht auf verlässlichen Beinen, hat nicht den sicheren Halt, nach dem er sich sehnt. Alle Beteiligten driften. Allen gemeinsam ist der Schmerz über etwas. Beim Lesen sieht man blasse Blau- und Grautöne vor sich. Es friert immer ein bisschen. Weniger Dunkelheit als die ewige Dämmerung der Polarnächte zieht sich durch die Zeilen. Schlussakt mit gelenktem Zufall Der Fall löst sich mithilfe kollegialer Zusammenarbeit und jeder Menge Zufall. Das mag man dem Buch ankreiden. Dass sich die Wege genau dort, genau dann kreuzen, wo alles plötzlich einen Sinn ergibt, ein Dominostein den nächsten anstößt. So passiert das im wahren Leben nicht. Oder doch? Schicksal ist etwas Seltsames, etwas, an das man glauben kann, und es wirkt richtig und schlüssig und birgt ein bisschen Trost, dass Jan Costin Wagner dem Schicksal und seinem Kommissar am Ende einen ordentlichen Schubs in die gewünschte Richtung verpasst. Für den Leser bedeutet das zwei, drei gehörige Überraschungen, sowie einen sehr guten Grund, Kimmo Joentaa auch im nächsten Band auf seinem wortkargen, Trost spendenden Weg zu folgen. Fühlt sich am Ende an wie eine Lage frisch gefallener Schnee – frisch, kühl, karg, aber darunter hält es auch ein bisschen warm.

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  • Schnee-Melancholie

    Tage des letzten Schnees
    walli007

    walli007

    Am Tag des letzten Schnees, am ersten Mai, verunglückt der Vater Lasse Eckholm mit dem Auto. Bei ihm war seine Tochter Anna. Eckholm ist nahezu unverletzt, seine 11jährige Tochter aber stirbt. Obwohl für Unfälle mit Fahrerflucht nicht zuständig, übernimmt Kimmo Joentaa die Sache. Dunkel erinnert er sich an den Namen Eckholms, er kennt die Familie, er kannte auch Anna. Helfen allerdings kann er kaum. Lasse und Kirsti sind wie erstarrt. Wenig später werden zwei Tote auf einer Parkbank gefunden, die offensichtlich keines natürlichen Todes gestorben sind. Ein Fall, der nichts als Rätsel aufgibt, denn die Toten sind nicht dort gestorben, wie aus dem Nichts sind sie aufgetaucht.  Verschiedene Handlungsstränge führen zu einem schaurig schönen Finale. Kimmo Joentaa, der traurige Kommissar, seine erste Frau bereits vor einigen Jahren verstorben, aber in seinem Herzen unvergessen, seine jetzige Freundin da oder nicht da, immer für eine Überraschung gut. Die abgrundtief trauernden Eltern, Lasse, der sich Vorwürfe macht, weil sein Kind nicht angeschnallt war, der sich noch mehr Vorwürfe macht, weil eine Einladung für seine Tochter, bei einer Freundin zu übernachten, nicht angenommen hat. Die beiden geheimnisvollen Toten, eine junge Frau, ein Mann, wobei die Frau (in Rückblenden) eine eigene Geschichte hat. Und die Geschichten, die nicht erzählt werden oder die woanders stattfinden. Wenn man sich auf die Bücher des Autors, die eigentlich immer eine winterlich-melancholische Stimmung hervorrufen, auch wenn sie wie dieses im finnischen Sommer angesiedelt sind, einlassen kann, wird man ein herausragendes stimmungsvolles Leseerlebnis haben. Trauer und Hoffnung beides strömt zwischen den Zeilen und nimmt einen gefangen, lässt einen eintauchen in eine Welt von Helden, denen man ein glücklicheres Leben wünschen würde, die aber an ihrer eingetrübten Welt wachsen müssen, wobei die kommenden Ereignisse den Gewesenen einen Sinn geben, auch wenn man sich noch so sehr gegen die Ungerechtigkeit sträubt. Eine Lektüre, die einen für eine Weile der Welt entrückt.

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  • Melancholie in Finnland

    Tage des letzten Schnees
    Corsicana

    Corsicana

    15. April 2014 um 15:02

    Klassische Krimis sind die Romane von Jan Costin Wagner (der kein Finne ist, sondern Deutscher - jedoch teilweise in Finnland lebt) eher nicht. Es gibt keine einfache Tat und deren Aufklärung und dann hat das Gute gewonnen. Es ist viel komplizierter, komplexer und im Endeffekt ist man sich nie sicher, ob es den Täter nicht fast schlimmer getroffen hat als die Opfer - oder ob der Täter überhaupt der eigentliche Täter ist.  Alle Beschreibungen sind verhalten, melancholisch - und auch wenn die Schönheit der finnischen Landschaft hervorgehoben wird, muntert dies nicht auf - sondern dient höchstens als Metapher dafür, dass die Natur und das Leben einfach weitergehen - egal, was den Menschen widerfährt. Und den Menschen widerfährt Schlimmes, Tragisches und manchmal so etwas wie Freundschaft und Zusammenhalt - was das Leben erst erträglich macht. Die Bücher der Reihe (Tage des letzten Schnees ist der aktuellste Band - Eismond war der erste Band) handeln immer vom finnischen Kommissar Kimmo Joentaa, dessen Frau im ersten Band qualvoll an Krebs stirbt - wovon er sich nicht erholt - und seinem Berufsleben. Zwangsläufig kommen darin Morde, Unglücksfälle, Todesfälle vor - diese scheinen dem Kommissar eine willkommene Ablenkung von seiner Trauer zu sein. Es gibt immer eine Fülle von Handlungssträngen, die zunächst parallel erzählt werden und vordergründig nichts miteinander zu tun haben - erst im Nachhinein wird klar, wie, wer und was zusammenhängt. In diesem Band ist dies besonders kunstvoll erzählt. Wer also (wie ich) Krimis mag, in denen nicht der Kriminalfall an sich die Hauptrolle spielt sondern die Protagonisten und das gesamte Umfeld - dem seien diese Romane empfohlen. Und: Die Sprache ist wunderbar - und trägt die Melancholie.

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  • Puzzle im Schnee.

    Tage des letzten Schnees
    simone_richter

    simone_richter

    28. March 2014 um 17:17

    Im finnischen Turku fällt Anfang Mai der letzte Schnee. An einem Unfallort ist eine Elfjährige ums Leben gekommen und auf einer Parkbank werden 2 Tote gefunden. Kimmo Joentaa wird zu beiden Tatorten gerufen. Der Kommissar wird für Lasse Eckholm, den Vater des verstorbenen Mädchens, zum Trauerbegleiter. Außerdem versucht er zeitgleich den Mord an den 2 Toten auf der Parkbank aufzuklären. Menschen, die ursprünglich nichts verband werden schicksalshaft zusammengeführt und Kimmo Joentaa erfährt ein fatales Beziehungsgeflecht. So, einen Architekten, einen Schüler der auf einen Amoklauf zusteuert, eine junge Rumänien, die versucht der Armut zu entkommen und einen Inverstmentbanker, der ein Doppelleben führt. Als sich das Geflecht dieser Menschen verbindet ist es fast zu spät. Ich hatte zum Anfang Passagen, die mir nicht gefielen und wo ich den Sinn nicht verstand (z. B. die Geschäftsreise der Inbestmentanker), aber es erschließt sich dann und die Handlungsstränge werden gut miteinander verwoben. Es ist wohl nicht ein klassischer Krimi, wo es um die Aufklärung eines Verbrechens und um gesellschaftliche Missstände geht. Es geht vielmehr um Figuren in Extremsituationen und das gefällt mir. Wagner kreist mehr um die Trauer, und den Druck der Bankangestellten, was ich nachvollziehen kann. Außerdem wurde ich das Gefühl nicht los, wer in diesem Roman überhaupt gesucht wird. Wagner schreibt mit sozialem Einfühlungsvermögen. Was die Kette der Ereignisse ausgelöst hat, die im Tod des elfjährigen Mädchens nicht einmal gegipfelt haben, ist nicht so offensichtlich, wie es scheint und einige Dinge werden gut zurückgehalten.

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  • Spannung pur

    Tage des letzten Schnees
    Ein LovelyBooks-Nutzer

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    27. March 2014 um 13:14

    Anfang Mai, im finnischen Turku fällt der letzte Schnee. Kimmo Joentaa wird gleich zwei Mal gerufen: an einen Unfallort, an dem eine Elfjährige durch einen Unbekannten ums Leben gekommen ist, und an einen Tatort, an dem zwei unbekannte Tote auf einer Parkbank liegen, als würden sie schlafen. Für den Vater des bei dem Unfall verstorbenen Mädchens wird Kimmo Joentaa zum Begleiter in der Trauer, während er gleichzeitig daran arbeitet, die Unfallflucht und den Doppelmord aufzuklären. Die Ermittlung führt Joentaa in ein fatales Beziehungsgeflecht, das Menschen, die ursprünglich nichts verband, schicksalhaft zusammengeführt hat: einen Architekten, der den festen Glauben an die Symmetrie des Lebens verliert, einen Schüler, der unaufhaltsam auf einen Amoklauf zusteuert, eine junge Frau, die versucht, der Armut zu entkommen, und einen Investmentbanker, der sich im Dickicht seines Doppellebens verliert. Als Kimmo Joentaa die Linien, die diese Menschen verbinden, schließlich zu erkennen beginnt, ist es fast zu spät. Und erst dann begreift er, dass seine große Aufgabe nicht die Suche nach einem Doppelmörder ist, sondern eine, die ihm noch bevorsteht … Die Personen glaubhaft und realitätsnah beschrieben. Dann gibt es den dritten Handlungsstrang „in einer anderen Zeit, an einem anderen Ort“, der in hastigen Dialogen auf einem Amoklauf zu steuert. Fast bis zum Schluss bleibt unklar, wie Wagner gedenkt, hier Verknüpfungen zu den anderen Handlungen herzustellen. Schlussendlich gibt es „zur selben Zeit, in einer Geschichte, die nicht erzählt wird“, mit denen der Erzähler aber die nötige Aufklärung liefert. Kann das Buch nur empfehlen.

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  • Schwierige Gratwanderung

    Tage des letzten Schnees
    UteSeiberth

    UteSeiberth

    13. March 2014 um 15:32

    Dieser so gelobte Krimi spricht mich vom Thema her leider nicht sehr an.Für mich ist die Kombination vom Doppelleben eines Bankers,das Prostituiertenmileu und der verhinderte Amoklauf eines Schüler ein zu abstruses Konglomerat, das mich nicht besonders interessiert.Schade,
    denn sonst lese ich Wagner ganz gerne!

  • Tief melancholische Vernetzung dramatischer Entwicklungen

    Tage des letzten Schnees
    michael_lehmann-pape

    michael_lehmann-pape

    30. January 2014 um 14:12

    Tief melancholische Vernetzung dramatischer Entwicklungen „Er drehte den Kopf in die Richtung, aus der die Stimme gekommen war, und sah einen Schatten an der Stelle stehen, an der die Beifahrertür gewesen sein musste“. Die Beifahrertür und seine elfjährige Tochter Anna, die auch einen Augenblick vorher noch dagewesen war. Vor diesem Blitz und dem drehenden Geschehen. Ein Unfall, Fahrerflucht, Anna tot und der Vater, Lasse Ekholm samt seiner Frau wie im Taumel. Eine Familie, die Kommissar Kimmo Joentaa oberflächlich kannte. In den Zeiten, in denen seine Frau noch lebte. Joentaa, der selber wie im inneren Nebel seit dem Tod seiner Frau lebt, der eine ominöse Mitbewohnerin hat, hält sich in der Nähe der Ekholms, auch als er zu einem Doppelmord gerufen wird. Schilderungen, Ereignisse schon zu Beginn des Romans, die in ihrer melancholischen, düsteren, schweren Atmosphäre emotional nahe gehen, die nicht einfach zu ertragen sind. Andere Personen treten hinzu, wie wahllos, in Ort und Zeit vom Geschehen des Unfalls noch getrennt. Unto, 19 Jahre alt, kaum mehr als assoziativ vor sich hin lebend und Teil eines Blogs, für den „Breivig Gott ist“ (der Amokläufer). Markus Sedin, scheinbar erfolgreicher Fondmanager, Ehemann einer weggleitenden Frau und Vater, der auf einer Geschäftsreise Reka kennenlernt und daraus gleich ein ganzes, fast professionell zu nennendes Doppelleben entstehen lässt. Im Übrigen die Person, an der Wagner zunächst exemplarisch zeigt, wie brüchig die Grenze zwischen alltäglichem, Leben und der jederzeit möglicher innerer Erosion ist. Wie wenig Halt in dem zu finden ist, was die meisten Menschen ihren „sicheren Alltag“ nennen würden. „Markus Sedin lebte in der Schwebe, auf einer schmalen Schiene zwischen den Welten, ohne das Gleichgewicht zu verlieren“ (noch nicht). Ein Architekt taucht auf, dem ebenfalls die „Ordnung der Welt“ entgleitet und Maris ältere Schwester, auch diese noch nicht im Leben gefestigt angelangt, versucht zu ergründen, was in ihrem „kleinen Bruder“ vorgeht. So ergibt sich eine Melange völlig voneinander getrennter Welten und Ereignisse, die ihren Reiz vor allem daraus beziehen, dass der Leser von Beginn an davon auszugehen hat, dass sich all dies an irgendeinem Punkt der Geschichte in dramatischer Weise miteinander verbinden wird. Was aber erst ganz langsam und kaum erkennbar sich heraus deutet, was erst ganz zum Schluss (und einige Tote später), als es fast für alles zu spät ist, Kimmo Joenta sich erschließen wird. Bis dahin verbindet die einzelnen Personen und Handlungsstränge, die Wagner abwechselnd verfolgt und denen er je einen ganz eigenen Anstrich, eine ganz eigene Sprache mit zu geben versteht, nur eines: Das das Leben entgleitet. Eine bedrückende Atmosphäre, die in manchen Teilen als nicht unbedingt realistisch empfunden wird (das Doppelleben Sedins ist eigentlich zu ausgeprägt, um nicht aufzufallen), die hier und da als zu viel des Guten sich erweist und den Leser auch mit Geduldsproben konfrontiert. Eine Geduld allerdings, die sich lohnt, wenn Wagner die Verbindungen beginnt, zu schließen und ein Bild des Lebens und der Welt im Nachhinein zu verstehen gibt, dass in seiner atmosphärischen, dunklen Dichte beeindruckt und sehr intelligent ein vorher kaum absehbares Ganzes in den Zusammenhängen ergibt. Bis hin zu einem Ende unverhoffter Hoffnung und Zukunftseröffnung.

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  • Ein Kommissar als Lebensphilosoph und Leidenskünstler

    Tage des letzten Schnees
    WinfriedStanzick

    WinfriedStanzick

    28. January 2014 um 09:58

        Der in Frankfurt und in Finnland lebende Schriftsteller und Musiker Jan Costin Wagner hat mit seiner Figur des finnischen Polizisten Kimmo Joentaa aus Turku einen Protagonisten für seine außergewöhnlichen und von der Literaturkritik hoch gelobten Romane geschaffen, wie ich sie sonst in noch keinem Krimi gefunden habe, auch nicht bei den skandinavischen Meistern ihrer Klasse wie etwa Henning Mankell oder Hakan Nesser. Kimmo Joentaa löst nicht nur Mordfälle zusammen mit seinem sympathischen Team, sondern er ist so etwas wie ein Philosoph, der melancholisch gelassen die Schicksalsschläge annimmt, von denen das Leben ihm einige verpasst hat, ohne mit dem Saufen zu beginnen, wie nahezu alle seiner anderen Kollegen des Genres. Seit Kimmo vor Jahren seine Frau Sanna durch einen langsamen Krebstod verlor( nachzulesen in "Eismond", dem ersten Band der Reihe) trauert er um sie und hat sich in seine eigene Welt zurückgezogen. Doch seit im zweiten Band der Reihe mit dem Titel "Im Winter der Löwen" sich eine Prostituierte bei ihm einquartiert hat, ist die Liebe zu ihm zurückgekehrt. Doch es scheint sein Schicksal zu sein, dass ihm alles Wertvolle wieder genommen wird. Denn im dritten Band „Das Licht in einem dunklen Haus“ verschwindet Larissa spurlos Mit großer Sprachkunst und geschicktem Aufbau nimmt Wagner seinen Leser hinein in ein verwirrendes Spiel von Tätern, die Opfer sind, und von Opfern, die zu Tätern werden.   Diese Kunst hat Jan Costin Wagner in seinem neuen Buch „Tage des letzten Schnees“ zu einem nicht für möglich gehaltenen Höhepunkt getrieben. Es ist ein  Roman, der einen wegen seiner fast sich ins Unerträgliche steigernden Spannung nicht los lässt bis zu den letzten Seiten und der auf eine Weise dicht geschrieben ist, dass er ob seiner menschlichen Schicksale und Abgründe, nicht nur denen  von Kimmo Joentaa, mir so unter die Haut ging, wie schon lange kein anderes Buch mehr.   Menschen, die vorher nichts miteinander verband, werden vom Leben schicksalhaft zusammengeführt und Wagner verknüpft mit großer sprachlicher Kraft die zunächst wirren Handlungsfäden bis zu einem Ende, das man nie für möglich gehalten hätte. Ein Ende aber auch, das deutlich nach einer Fortsetzung der Reihe ruft, auf die man heute schon gespannt sein kann.   Wie ein einzelner Mann die Kraft und die Seelenstärke aufbringen kann, trotz aller Nackenschläge des Schicksals immer wieder aufzustehen, seiner Arbeit nachzugehen und auch seinem Leben einen Sinn abzugewinnen, das kann man von Kimmo Joentaa lernen. Ein Kommissar als Lebensphilosoph und Leidenskünstler.  

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