‚Es gibt sehr unterschiedliche Behandlungsmethoden in der Psychiatrie, von denen die Behandlung mit Medikamenten nur eine Möglichkeit ist. In den letzten Jahren wurde die Bedeutung von ganzheitlichen Behandlungsplänen erkannt und immer häufiger umgesetzt. Ein wichtiger Baustein ist die Psychotherapie, ein weiterer der Einbezug der Familie und des persönlichen Umfeldes. Auch Sport, Ernährung und natürlich die Klärung von aktuellen Problemen wie Belastungen am Arbeitsplatz oder Beziehungsproblemen gehören zur Behandlung.‘ (Seite 15)
In ‚Umgang mit Psychopharmaka‘ stellen die Autor:innen initial vor, wie man einen selbstbewussten Umgang mit Ärzten und Medikamenten erreichen kann. Hier wird auf den Arzt-Patient-Kontakt eingegangen, es werden praktische Tipps zur Handhabung von Medikamenten gegeben und nicht-medikamentöse Hilfen aufgelistet.
Danach setzen sich die Autor:innen mit unterschiedlichen Psychopharmaka-Gruppen auseinander: Antidepressiva, Phasenprophylaktika, Tranquilizer und Hypnotika, Antipsychotika, Medikamente zur Entgiftung und Abstinenzerhaltung, Medikamente gegen Aufmerksamkeitsstörungen.
Schließlich geben die Autor:innen Informationen für schwangere und stillende Mütter, für Psychopharmaka im Alter und zu Arzneimittelstudien und zur Schwierigkeit, fundierte Entscheidungen zu treffen.
Ganz am Ende finden sich ein Glossar sowie nützliche Adressen und Literatur.
Ich habe vor vielen Jahren bereits eine frühere Ausgabe des Buches gelesen und in der Zwischenzeit eine Verhaltenstherapie-Ausbildung gemacht, viel klinische Erfahrung gesammelt, meine ambulante Tätigkeit beendet und viele Jahre im Bereich der Psychosenpsychotherapie gearbeitet, sodass ich sehr viel dazugelernt habe. Die Lektüre dieser Neuausgabe fand ich unter diesen Voraussetzungen extrem spannend, zumal ich Jan Dreher von seinem Kanal PsychCast kenne und ich seine Einstellung zu medikamentöser Behandlung sehr erfrischend und wichtig finde.
Dieses Buch ist sehr wertschätzend geschrieben, ist informativ, hilfreich, überredet nicht zu Medikamenten, macht aber gleichzeitig auch keine Angst.
Es ist so knapp gehalten, dass man schnell Informationen findet, und gleichzeitig finde ich es so ausführlich, dass man die wichtigsten Details über Medikamente erfahren kann.
Ich habe mir hier sehr viele Abschnitte angestrichen, die ich gerne Psychoseerfahrenen vorlesen möchte. Diese Ausführungen treffen genau ins Schwarze, machen Mut, sind aber auch nicht verharmlosend oder fordern zu riskantem Verhalten auf, sondern sprechen auf ganz komplexe Weise sowohl Risiken als auch Vorteile von Psychopharmaka, aber auch Risiken und Vorteile eines Verzichts auf Psychopharmaka an. Dies ermöglicht Betroffenen und auch Angehörigen eine sehr fundierte Meinungsbildung und ist meiner Meinung nach ein extrem wichtiges Buch.
Jan Dreher
Lebenslauf
Quelle: Verlag / vlb
Alle Bücher von Jan Dreher
Umgang mit Psychopharmaka
Psychopharmakotherapie griffbereit: Medikamente, psychoaktive Genussmittel und Drogen
Die Macht der Wahrheit
Neue Rezensionen zu Jan Dreher
Rezension zu "Psychopharmakotherapie griffbereit: Medikamente, psychoaktive Genussmittel und Drogen" von Jan Dreher
sabatayn76‚Eine Tasse Kaffee am Morgen, eine Tablette gegen Depressionen nach dem Frühstück, eine Zigarette an der Bushaltestelle, ein Glas Wein am Abend, ein Schlafmittel: Die meisten von uns nehmen immer mal wieder Substanzen ein, die eine direkte oder indirekte Wirkung auf das Gehirn haben. Dabei setzen wir diese Substanzen oft gezielt ein, um den gewünschten Effekt zu erreichen.‘ (Seite 15)
Jan Dreher bietet in seinem Buch anfangs einen Überblick über Psychopharmaka, z.B. Neurotransmitterwirkung. Danach stellt er einzelne Substanzgruppen vor: Antidepressiva, Neuroleptika/Antipsychotika, Phasenprophylaktika, Anxiolytika, Schlafmittel/Hypnotika und ADHS-Therapeutika.
Dann geht er auf Genussmittel (Alkohol, Nikotin, Koffein) und auf illegale Drogen (inkl. Cannabis, was mittlerweile legalisiert wurde) ein, setzt sich mit der medikamentösen Behandlung in der Schmerztherapie, in der Gerontopsychiatrie, bei Notfällen und in der Schwangerschaft auseinander.
Am Ende seines Buches thematisiert Dreher Medikamentenwechselwirkungen, therapeutisches Drug Monitoring und sinnvolle Kontrolluntersuchungen.
Als Psychologin bin ich zwar niemand, der Medikamente verschreiben darf, aber ich finde es auch für meinen Berufszweig wichtig, Psychopharmaka, Transmitterwirkung, Einsatzgebiete, Dosierungen, Besonderheiten, Wirkungen und Nebenwirkungen zu kennen.
Dieses Buch hat mir sehr gut gefallen: Es ist sehr gut verständlich, praxisnah und hat eine klare Struktur. Ich habe hier viel dazulernen können, obwohl das Thema nicht neu für mich war.
Schön fand ich auch die Hervorhebungen, die Einblicke in persönlichen Präferenzen des Autors aufgrund seiner Expertise sowie die Benutzerfreundlichkeit des Buches. Als sehr gut und praktisch empfand ich zudem die Möglichkeit, das Buch über den Online-Zugriff zusätzlich als pdf herunterzuladen, wobei mir eine Option, mit der man das ganze Buch in einer Datei herunterladen kann (statt die einzelnen Kapitel separat) etwas besser gefallen hätte.
Was für ein tolles, hilfreiches, praxisnahes Fachbuch! Ich empfehle das Buch (wie der Autor auch) für (angehende) Psychiater, Psychologen, Psychotherapeuten, für andere Mitarbeiter des Gesundheitssystems sowie für Betroffene und Angehörige.
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