Jan Faktor

 4.1 Sterne bei 30 Bewertungen

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Jan FaktorGeorgs Sorgen um die Vergangenheit oder Im Reich des heiligen Hodensack-Bimbams von Prag
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Georgs Sorgen um die Vergangenheit oder Im Reich des heiligen Hodensack-Bimbams von Prag
Jan FaktorSchornstein
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Schornstein
Schornstein
 (6)
Erschienen am 05.04.2011
Jan FaktorKörpertexte
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Körpertexte
Jan FaktorDie Leute trinken zuviel, kommen gleich mit Flaschen an oder melden sich gar nicht
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Jan FaktorGeorgs Versuche an einem Gedicht und andere positive Texte aus dem Dichtergarten des Grauens
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Rezension zu "Georgs Sorgen um die Vergangenheit oder Im Reich des heiligen Hodensack-Bimbams von Prag" von Jan Faktor

Jan Faktor | GEORGS SORGEN UM DIE VERGANGENHEIT oder IM REICH DES HEILIGEN HODENSACK-BIMBAMS VON PRA
Bookster_HROvor einem Jahr

INHALT: Dieser Apparat, von dem gleich zu Beginn und auch später immer wieder die Rede ist, gehört Georg, der inmitten einer bunten Schar von Tanten und Großmüttern im Prag der 1950er und 60er aufwächst. In dieser östrogengeschwängerten Atmosphäre voller unbehandelter Kriegstraumata und verqueren Regeln tut er sich mit dem Erwachsenwerden sichtlich schwer. Hinzu kommt der gesellschaftliche und politische Zerfall der Tschechoslowakei in den wirren Zeiten des Prager Frühlings, der ihm zusätzlich die Illusionen nimmt. Georg weiß nicht so recht, wohin im Leben. Er weiß nur eins: Er muss raus aus der Prager Enge. Als er alt genug ist, flieht Georg in die slowakischen Berge und führt dort eine Art Einsiedlerexistenz, doch die familiären Bande reichen auch bis in den letzten Winkel der Republik und ziehen ihn nach einer kurzen Zeit der Freiheit zurück in den Sippensumpf.

FORM: Jan Faktor (*1951) versammelt in diesem Erinnerungsroman eine nicht enden wollende Zahl von Anekdoten und Charakteren, schreibt mit ungebremster Fabulierwut und würzt alles mit einem gehörigen Schuss Humor. Die Spanne der Gefühlsregungen beim Leser reicht dabei weit: Wenn man sich über die brutalen Sitten unter den Müllmännern von Prag noch vor Lachen auf die Schenkel klopft, vergeht einem Spaß bei den überaus genauen und zahlreichen Beschreibungen diverser Körperöffnungen. (Man liest aber doch begierig – es ist wie ein Unfall.) Spätestens jedoch bei den Erinnerungen der Frauen an das KZ Groß-Rosen entsteht zwischen all den saftigen Zoten eine unerwartete Tiefe, die betroffen macht. Im letzten Viertel zieht der Autor bei einer Reise Georgs mit seiner Mutter zu ihren alten Leidensorten und durch das sächsische Hinterland nochmal alle Register der Schreibkunst – meines Erachtens der stärkste Teil des Romans.

Faktor deckt also alle Ansprüche an einen Roman ab, den man gemeinhin als gelungen bezeichnen möchte, verzettelt sich aber in der puren Masse, die er seinem Leser zumutet – nach der letzten Seite ist man so voll, dass einem beim bloßen Gedanken an einen Nachschlag schlecht werden kann. Das Ende ist dann auch eher ein Abbruch der Anekdoten als ein klassisches Beenden irgendeines Handlungsbogens, worüber ich, erschöpft und satt, nicht traurig war.

Eins jedoch ist unbestreitbar: Jan Faktor ist ein stilsicherer Satiriker, der auf hohem Niveau ein Sittengemälde einer ganzen Epoche einfangen kann. Ein Blick in die Bibliografie Faktors verrät, dass ihn sein Alter Ego Georg schon seit mehreren Jahr(zehnt)en begleitet. Vielleicht folgt ja irgendwann eine Fortsetzung über die Jahre nach dem Fall des Eisernen Vorhangs; ich würde, auch mit dem Ausblick auf schmerzendes Völlegefühl, wieder zugreifen.

FAZIT: Dies war meine zweite Lektüre dieses Brockens von einem Roman und ich gestehe: Ich hatte im Vorfeld gehörigen Bammel, gepaart mit einer gewissen Unlust, weil ich wusste, was mich erwartet. Beim ersten Durchgang vor etwa fünf Jahren war ich ähnlich begeistert, aber auch ähnlich gemästet. Ich wollte für meine dbp-Shortlist-Challenge aber keine Rezension aus der Erinnerung zaubern, also nochmal ran den Schinken. Mein Urteil lautet somit (damals wie heute): Schwer verdaulich aber lesenswert – 4 Sterne.

*** Diese und viele weitere Rezensionen könnt Ihr in meinem Blog Bookster HRO nachlesen. Ich freue mich über Euren Besuch ***

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Rezension zu "Georgs Sorgen um die Vergangenheit oder Im Reich des heiligen Hodensack-Bimbams von Prag" von Jan Faktor

Was für ein Brocken!
Ein LovelyBooks-Nutzervor 5 Jahren



Kurz zum Inhalt: Es geht um Georg, der in einem Frauenhaushalt zwischen unzähligen Tanten und Großmüttern im Upper-Class-Prag der 50er und 60er Jahre aufwächst und jede Möglichkeit sucht, aus der maroden tschechischen Gesellschaft auszubrechen. Dies führt ihn in die slowakischen Berge, in die DDR und nach Polen, zum Schluss aber immer wieder zu seiner Familie.
 
Hier wird einem so einiges abverlangt, vor allem Durchhaltevermögen. Jedes kleine Detail wird seitenlang auf sprachlich hohem Niveau behandelt, bis auch das letztmögliche Missverständnis aus der Welt geschafft ist. Das Ganze beginnt sehr vielversprechend und humorvoll, wird dann aber zunehmend langatmig. Im mittleren Drittel war ich, wenn mich das eine oder andere Thema nicht so interessierte, versucht, einige Seiten einfach zu überblättern, weil ich wusste, dass es jetzt zwanzig Absätze lang so weiter geht. Auf den letzten hundert Seiten nimmt die Geschichte aber nochmal richtig Fahrt auf, so dass sich nach dem letzten Satz doch ein positives Gefühl einstellt.
 
Fazit: Ein anstrengendes aber lohnendes Buch – 4 Sterne.

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Rezension zu "Georgs Sorgen um die Vergangenheit oder Im Reich des heiligen Hodensack-Bimbams von Prag" von Jan Faktor

Rezension zu "Georgs Sorgen um die Vergangenheit oder im Reich des heiligen Hodensack-Bimbams von Prag" von Jan Faktor
Beaglevor 7 Jahren

Ein erstklassiges Buch. Eine Geschichte, an die man sich auch nach Jahren noch erinnern wird. Voll von Poesie und hintergründigem Humor.

Georg wächst kurz nach dem 2. Weltkrieg in Prag und somit in der damals kommunistischen Tschechoslowakei auf. Seine Vorfahren waren Juden, die nur zum Teil die Vernichtungslager überlebt haben. Der Teil, der es schaffte, wohnt in einer Wohnung zusammengedrängt. Und bis auf Georg und seinen Onkel ONKEL, der sich allerdings die meiste Zeit in seinem Durchgangszimmer hinter Regalen und Schränken verschanzt, sind das nur Frauen. So verbringt er seine frühen Kindertage in der Obhut seiner Mutter, seiner Großmutter und mehreren Tanten und Großtanten, die jede für sich eine Geschichte erzählen.

Aus allen Teilen der Welt haben sich die Frauen nach dem Krieg wiedergetroffen. Welche kamen aus der Emigration aus England, eine Großtante aus Ungarn und eine der Tanten ist gänzlich in Amerika geblieben. Aber, jede hat den Schrecken des Krieges anders erlebt. Georgs Mutter verfällt so noch immer in Panik, wenn sie Männer in Uniformen zu sehen bekommt, eine Tante kann keinen Lärm vertragen.

Doch, es sind nicht die Geschichten der vielen Frauen, die im Vordergrund der Geschichte stehen. Denn Georg erzählt sein Leben im sozialistischen Prag. Von frühester Kindheit mit „seinen“ Frauen, über die Schulzeit mit seinem Freund Petr und seiner Clique, mit der zusammen er die Straßen und später das Nachtleben unsicher machte.

Seine erste Liebe allerdings ist keine Gleichaltrige, sondern Dana, eine Freundin seiner Mutter, die zusammen mit ihren adoptierten Tieren außerhalb Prags in einem kleinen Häuschen wohnt und dort ihre Skulpturen schafft. Es ist eine gefühllose Liebe, wie es schein, die ohne viele Wort doch funktioniert, wenn auch meist auf sexueller Basis. Aber, die beiden sind sich doch näher, als sie denken und alles zerbricht erst, als Georgs Mutter hinter die Affäre kommt.

Ein weiterer wichtiger Teil der Geschichte ist die politische Situation des Staates und in der Gesellschaft. Immer wieder erwähnt Georg die Missstände der Regierung vor und nach 1968, dem Jahr des Prager Frühlings und erwähnt, wie sie ihn und sein Leben prägten.

Jan Faktors Roman „Georgs Sorgen um die Vergangenheit oder im Reich des heiligen Hodensack Bim-Bams von Prag“ ist ein Geniestreich, der sich allerdings in keine der gängigen Genre-Schubladen einordnen lässt. Denn einerseits lässt der Autor seinen Protagonisten alles derart ironisch erzählen, dass man stellenweise meint, einen satirischen Text zu lesen. Andererseits fließt so viel Vergangenes in die Geschichte mit ein und erzählt den Werdegang eines Menschen, dass man die Erzählung auch als Biographie lesen könnte.

Wie auch immer man das Buch einordnen mag, es ist großartig geschrieben, gibt einem einen grandiosen Einblick in die Geschichte der Tschechoslowakei und lässt einen an mehreren Stellen andächtig schmunzeln. Uneingeschränkte Leseempfehlung!

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