Leserpreis 2018
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JanHolmes

vor 1 Jahr

Alle Bewerbungen

"Wenn Dein Leben ein offenes Buch ist, stelle sicher, dass Du weißt, wer es geschrieben hat ..."

Hallo zusammen,

hiermit möchte ich zu meiner Leserunde zu meinem Roman "Lebenslinien" einladen, der im Juli diesen Jahres erschienen ist.

Ich stelle insgesamt 15 eBooks zur Verfügung (EPUB, MOBI o. PDF).


Klappentext:
Eine Gruppe von Freunden versucht, ein neuartiges Computerspiel auf den Markt zu bringen, in dem es um Biografien von Menschen und deren Erinnerungen geht. Mit der Übernahme ihrer Firma durch einen internationalen Konzern verlieren sie jedoch zunehmend die Kontrolle über ihr Produkt.Erst als einer der Freunde verschwindet, merken sie, dass sie selbst schon Teil eines Spiels sind. Bevor sie die Auswirkungen begreifen können, ist bereits ihr Leben in Gefahr - oder das, was sie dafür halten.


Die Geschichte basiert auf tatsächlichen, technischen Möglichkeiten, die uns bereits heute (be)drohen, fokussiert aber auf die Menschen und wie diese mit den Möglichkeiten umgehen bzw. was diese mit ihnen machen.

In die ersten Kapitel kann man bei amazon reinsehen.

Zum mir:
Jahrgang 1972, Autor von spannenden, herausfordernden Büchern, in denen die Protagonisten an ihre Grenzen gehen (und teilweise darüber hinaus).
2014 erschien mein Debut "Kains Königsweg", 2016 "Unmenschen", 2017 "Lebenslinien". Weitere Romane sind in Arbeit.


Ich werde an der Leserunde teilnehmen, freue mich auf Bewerbungen, Fragen und Feedback und bin gespannt auf eure Meinungen und einen netten Austausch!

Bitte beachtet die Teilnahmerichtlinien.

Autor: Jan Holmes
Buch: Lebenslinien

anna_m

vor 1 Jahr

Alle Bewerbungen

Dann versuche ich mal mein Glück!
Bei der Beschreibung des Buches musste ich unvermittelt an die Spielereihe Assassins' Creed denken. Ich bin gespannt, wie das weit gefächerte Thema Datenschutz hier verarbeitet wird.

JanHolmes

vor 1 Jahr

Titel, Cover & Gestaltung

Auf das Cover bin ich dieses Mal ganz besonders stolz - also eigentlich auf die Arbeit des Designers, der nicht mehr über das Buch wusste, als in meinem Exposé stand, und der die Grundidee der Geschichte einfach perfekt eingefangen hat.
Ich habe zunächst selbst versucht, einige Ideen zusammenzutragen und hatte das Bild einer Hand im Kopf, auf der die "Lebenslinie" deutlich zu erkennen ist. Um den digitalen Hintergrund auszudrücken, hatte ich mir ganz viele Nullen und Einsen vorgestellt, die im Hintergrund angedeutet waren. Dann hatte ich eine s/w-Fotografie von einem Laubblatt auf einem Grabstein - aber letztendlich hat das alles nicht funktioniert.

Die Idee von "Lebenslinien" ist, dass wir das Produkt unserer Erinnerungen sind, bestimmt durch das, was wir erlebt und erfahren haben. Die Erinnerungen sind unsere Wurzeln und machen uns aus - das zeigt das Cover perfekt, wie ich finde.
In der Geschichte geht es dann weiter (und das sollen die Fragen auf der Buchrückseite veranschaulichen): Was passiert, wenn man sich seiner Wurzeln nicht (mehr) sicher sein kann?

JanHolmes

vor 1 Jahr

Plauderecke

Zum Hintergrund des Geschichte: Ich arbeite selbst seit vielen Jahren im Bereich der Informationstechnologie und habe vieles von meinen Erfahrungen in dem Buch mit einfließen lassen können. Das betrifft nicht nur die Abläufe einer Produktentwicklung, sondern speziell die menschliche Seite, die Rollen der verschiedenen Positionen (Geschäftsführer, Projektmanager, Entwickler) und den Umgang mit dem Zeitdruck, der immer über allem hängt.
Insbesondere habe ich mehrere Jahre in einer Firma gearbeitet, die von einer anderen übernommen wurde, was zunächst strukturell gravierende Dinge änderte, die sich dann aber schleichend auch in den anderen Bereichen abzeichneten, was die Arbeitsatmosphäre grundlegend änderte und im Laufe der Zeit zu Kündigungen (freiwillige wie auch erzwungene) führte.
Ich denke, dass ich den "Flair" dieser Arbeitsweise und -umgebung gut einfangen habe, um auf dieser Basis eine menschliche Geschichte von Personen zu erzählen, die sich in diesem Umfeld bewegen (müssen).

anna_m

vor 1 Jahr

Lesen: Kapitel 1-5

Spannend und humorvoll beginnt der Roman „Lebenslinien“ von Jan Holmes. Er handelt von einem Softwareprojekt, dessen junge Entwickler es geschafft haben, den Dachboden der Eltern zu verlassen, ihre Idee voranzutreiben und zu finanzieren. Dabei gleitet ihnen das Projekt jedoch zunehmend aus den Händen.

Die drei ehemaligen Studienfreunde Ferdi, Clemens und Theo sind die drei Hauptprotagonisten der ersten Kapitel. Ferdi und Clemens sind die Gründer der Firma „Finally Development“, die an ihrer Softwareidee „Lifelines“ arbeitet und über die letzten zwei Jahre rasant gewachsen ist, Dank ihrer Geldgeber. Während Ferdi sich dem Big Business der Branche anzupassen versucht, kämpft Clemens, der Kopf hinter der Idee, als eigenbrötlerischer Entwickler mit seiner wachsenden Abneigung gegenüber den Geldgebern, die mittlerweile die Entscheidungen treffen. Theo arbeitet in seiner Freizeit als Softwaretester für das Projekt, wird dann aber fest angestellt. Er stößt gemeinsam mit dem Leser neu zur Belegschaft hinzu und muss sich an seinem Arbeitsplatz auch erst einmal zurechtfinden.

Ohne viel Branchenjargon stellt Holmes die drei Männer vor, deren Ideale und Privatleben durch ihre Arbeit auf die Probe gestellt werden.

JanHolmes

vor 1 Jahr

Lesen: Kapitel 1-5

@anna_m
"Ohne viel Branchenjargon" war mir wichtig, da ich kein technisches Buch schreiben wollte, sondern eins, was allgemein verständlich ist, zumal die Technik ja nur "Vehikel" für die menschlichen Geschichten ist, die davon betroffen werden.
Schön zu hören, dass es funktioniert hat :)

anna_m

vor 1 Jahr

Lesen: Kapitel 6-10

In der Gamer-Klatschpresse im Internet erscheint ein äußerst zutreffender Artikel über das geplante Spiel und die Marketingabteilung läuft Sturm um die Wogen zu glätten. Auch die firmeninternen Sicherheitsvorkehrungen gegen Industriespionage werden verschärft und der Veröffentlichungstermin für das Spiel wird vorgezogen, um Nachahmern möglichst wenig Zeit zu geben, das Produkt zu kopieren.

Neue Updates im Spiel fragen nach persönlichen Vorlieben, Erlebnissen, Ängsten etc. Tester Theo beantwortet diese der Einfachheit halber wahrheitsgetreu, um weiterspielen zu können, was den Leser unweigerlich über die eigene Nutzungsweise von sozialen Netzwerken und Co nachdenken lässt, wenn auch nur am Rande. Die gesellschaftskritische Frage nach dem Umgang mit unseren persönlichen Daten taucht hin und wieder auf, aber im Mittelpunkt stehen die Gründer und deren geringer Einfluss auf ihr Herzensprojekt, sowie die moderne Arbeitswelt. Wie geht der Mensch damit um? Welcher Platz bleibt für den Einzelnen und sein persönliches Schicksal? Hin und wieder werden diese Themen von den Protagonisten mit einer Prise „Nerdhumor“ kommentiert.

Die Spannung wird auch dadurch gehalten, dass der Leser nicht weiß, welches Ergebnis sich mit „Lifelines“ anbahnt. Ein Spiel, um sich in eine virtuelle Welt zu flüchten? Ein Spiel, das sensible Daten über das Leben der Spieler sammelt und sie analysiert? Zu statistischen Zwecken? Um Vorhersagen zu treffen? Eine Goldgrube für die Archäologen der Zukunft? Theo philosophiert: „Wird der Mensch nicht nur durch seine Erinnerungen bestimmt, sondern auch durch seine Familie, deren Geschichte und die Geschichte aller Vorfahren bzw. der Menschheit? […] Dann würde das Wissen um die Geschichte den Unterschied machen, nicht der Umstand, dass die Geschichte passiert ist. […] Sein letzter Gedanke war: „Schade, bei „Lifelines“ wüsste ich, was zu tun wäre.“ Dann brach er in hysterisches Gelächter aus.“ (S. 207)

Ich bin gespannt wie es weiter geht, vor allem für Theo, beruflich wie privat, aber auch für Clemens und Ferdi, über deren Privatleben noch nicht so viel gesagt wurde.

anna_m

vor 1 Jahr

Titel, Cover & Gestaltung

Interessant, dass man das Cover in der Geschichte wiederfindet. Auch wenn die Marketingabteilung von Inter-View ihre Auswahl nicht so poetisch begründet ;-)

JanHolmes

vor 1 Jahr

Titel, Cover & Gestaltung

@anna_m
Das Cover für die Software ist im Buch ja recht genau beschrieben (Foliant, Goldschrift, etc.), der Designer hat auch einen entsprechenden Entwurf gemacht, das sah als Buchcover aber sehr bieder aus, deswegen die jetzige Umsetzung, die sehr schlicht, dabei aber modern und inhaltlich absolut passend ist.

JanHolmes

vor 1 Jahr

Lesen: Kapitel 6-10

@anna_m
Ohne zuviel zu verraten: Die Geschichte wird sich auf Theo fokussieren, da er direkt "betroffen" ist bzw. wird :)

anna_m

vor 1 Jahr

Lesen: Kapitel 11-15

Clemens hat Streit mit den Leuten von Inter-View und scheint unter Paranoia zu leiden. Dann verschwindet er plötzlich, zum Erstaunen und Entsetzen seiner Freunde. Theo und Ferdi müssen sich fragen, in wie fern sie vielleicht für das Verschwinden ihres überarbeiteten Freundes verantwortlich sind, was sie für ihn tun können und in wie weit sie sich schuldig fühlen. Schließlich melden sie ihn als vermisst und gestehen sich somit offiziell ein, dass sie als beste Freunde versagt haben. Während dessen wird die Veröffentlichung des Spiels vorgezogen und viel gearbeitet. Theos Freundin Tine geht es Dank einer Therapie wieder etwas besser.

Die Gespräche zwischen Theo und Tine gefallen mir besonders gut. Es ist interessant zu sehen, wie das Paar mit dem Trauerfall umgeht und wie Tine die Therapie gefällt und sie versucht, Erlebtes neu zu bewerten. Dabei tauchen immer wieder Anspielungen auf „Lifelines“ auf, wie z.B. dass Tine ihre Erinnerungen als Puzzleteile beschreibt. Da scheint doch etwas im Busch zu stecken…

Die Gewissensbisse, die Theo und Ferdi plagen, runden die Handlung ab. Als Leser stellt man sich die Frage, wie man selber reagieren würde. Wann meldet man jemanden als vermisst? Wie viel Zeit lässt man vergehen, bevor man tatsächlich so beunruhigt ist, dass man aktiv wird? Clemens Verschwinden wird immer mysteriöser, er gibt kein Lebenszeichen von sich, sein Arbeitsplatz ist geräumt worden. Theo hatte diesen einmal fotografiert und über dieses Bild löst er zusammen mit Ferdi ein Rätsel, das Clemens für sie hinterlegt zu haben scheint, als hätte er etwas geahnt. Seine Freunde gelangen so auf eine Website, werden aus der Unmenge an Informationen jedoch nicht schlau.

Es drängt sich der Verdacht auf, dass Clemens Arbeitgeber etwas mit seinem Verschwinden zu tun haben könnte, aber warum? Clemens muss etwas entdeckt haben, das geheim gehalten werden sollte. Wie ich seit langem vermute, plant Inter-View wohl doch etwas ziemlich Mieses mit dem Spiel…

Ich muss das Buch jetzt schnell zu Ende lesen, es ist sehr spannend. Wo ist Clemens? Irgendwas kann mit Tines Therapie nicht stimmen…

JanHolmes

vor 1 Jahr

Lesen: Kapitel 11-15
@anna_m

Schön, dass dir auch die etwas nachdenklicheren Passagen gefallen, diese machen bei mir immer einen großen Teil der Erzählung aus, da mich selbst interessiert, wie Menschen in gewissen Situationen reagieren - wenn der Leser damit "angesteckt" wird, umso besser :)
Auch freut mich sehr, zu sehen, wie du der Geschichte folgst und offenbar mitfieberst - viel Spaß mit dem Rest, ich bin gespannt auf deine Meinung.

anna_m

vor 1 Jahr

Lesen: Kapitel 16-20

Nach Clemens Verschwinden wird Theo der Posten des Produktmanagers angeboten und er soll das Spiel „Lifelines“ zusammen mit Ferdi der Presse vorstellen. Die Marketingstrategien von Inter-View gehen auf und „Lifelines“ ist ab seiner Veröffentlichung ein Kassenschlager. Theo und Ferdi können sich jedoch nicht richtig darüber freuen, denn der Erfolg gebührt zu großen Teilen eigentlich ihrem Freund. Mittlerweile sind sie froh darüber, dass das Abenteuer rund um das Spiel in absehbarer Zeit beendet sein wird, denn auch sie trauen ihren Arbeitgebern bzw. Partnern nicht mehr über den Weg. Ferdi gibt schwermütig zu, auch sie seien „Schafe in der Armee von Kläusen“ geworden. Auf dem Weg zum Erfolg sind ihre jugendlichen Ideale über Bord gegangen.

Dann meldet sich ihr Freund Jan, denn er meint Clemens in seiner Stadt in der S-Bahn gesehen zu haben. Obwohl die Wahrscheinlichkeit, ihn mitten auf einem Bahnhof wiederzufinden, gegen null geht, begeben sich Ferdi und Theo in Jans Stadt und hoffen auf einen Glückstreffer. Als Ferdi seinen besten Freund tatsächlich trifft, kann sich dieser anscheinend nicht an ihn erinnern, egal wie viele gemeinsame Erinnerungen Ferdi aufzählt, egal welche Fotos er ihm zeigen kann.

Wieder zu Hause macht Theo sich daran, Erinnerungsträger über seine Freundschaft mit Clemens herauszusuchen. Dabei fällt ihm ein merkwürdiges Kinderbild von Tine in die Hände und er hat einen Verdacht, dem er unbedingt nachgehen muss…

Ich will das Ende nicht vorweg nehmen (es hat mir gefallen und in Anbetracht der Ausweglosigkeit und Unterlegenheit der Protagonisten hatte ich es gegen Ende des Buches auch so erwartet, wie es kam – schön, wenn man da hin und wieder mal richtig liegt), aber so viel sei verraten: Es geht um unfreiwillige und freiwillige Erinnerungsmanipulation. Wir sind hier bezüglich der „historischen Wahrheit“ nah am System aus Orwells „1984“, nur auf einer individuellen Ebene. Theo und Ferdi sind sich der Brisanz ihrer Entdeckung bewusst und Theo möchte die Sache auffliegen lassen. Für den Leser bleiben einige Fragen unbeantwortet, wie z.B. die Rolle der Behörden (Finanz- oder Einwohnermeldeamt z.B.). Das mag den ein oder anderen stören – mir hat es den Lesespaß nicht genommen. Allein, all die Fragen, die sich die Protagonisten am Ende Stellen, bringen in etwa auf den Punkt, was ich vor dem Lesen vom Buch erwartet hatte. Eine Dystopie, die genau diese Auswirkungen beschreibt, über die Theo und Ferdi sich nun den Kopf zerbrechen.

„Sie bestellten noch einmal nach und verfielen in dumpfes Brüten. Ihre Gedanken führten sie nirgendwohin, sie hatten alle Alternativen bedacht und doch keinen Ausweg gefunden, sie saßen in der Falle und mit ihnen alle, die dem System ausgeliefert waren und noch nicht einmal wussten, was mit ihnen passierte. Dass sie sich der Manipulation freiwillig aussetzten, machte die Sache nicht besser. Was wäre, wenn in zehn Jahren herauskäme, dass die Therapie nicht von Dauer war? […]Wie würde ein Mensch reagieren, der sich plötzlich mit einer Vergangenheit konfrontiert sah, die er nie gehabt zu haben meinte? […] Gäbe es Konflikte zwischen den gefälschten und den echten Erlebnissen, oder würden die verdrängten Ereignisse einfach alles überschwemmen, inklusive den Verstand ihres Trägers? Theo meinte, allein den Gedanken daran nicht aushalten zu können und offenbarte sich Ferdi.“

Der Roman hat mich äußerst gut unterhalten, auch weil ich dank des willentlichen Aussetzens der Ungläubigkeit beim Lesen über einige ungeklärte Punkte hinwegsehen kann. Es muss nicht immer eine Antwort auf alles geben. Und gerade weil die Geschichte zeitlich und räumlich nicht festgelegt ist – man weiß z.B. nicht um welche Städte es sich handelt – muss es auch nicht auf jedes Wenn und Aber eine Antwort geben.

JanHolmes

vor 1 Jahr

Lesen: Kapitel 16-20
@anna_m

Ganz herzlichen Dank für dein ehrliches Feedback, es freut mich sehr, dass es dir gefallen hat!
Mit den "ungeklärten Punkten" hast du natürlich recht, und ich kann mir auch vorstellen, dass dem ein oder anderen da etwas "fehlen" mag, allerdings ist es auch genauso, wie du sagst, dass es um die "individuelle Ebene" geht. Mir ist es immer wichtig, dass man auch als Leser die Möglichkeit einer Identifikation hat, und das geht immer am besten über persönliche Auseinandersetzung und Betroffenheit bei einzelnen Protagonisten. Ich fand es in diesem Zusammenhang nicht nötig, z.B. die Behörden in eine Erklärung mit einzubeziehen, vor allem, weil ja bist kurz vor Schluss gar nicht klar ist, was eigentlich dahinter steckt. Danach noch eine Erklärung nachzuliefern hätte ich als viel weniger bedrohlich empfunden als das jetzige Ende und das Gefühl von "Es ist möglich, aber ich weiß nicht wie" :)

Vielen Grüße und danke nochmal für deine Teilnahme!

anna_m

vor 11 Monaten

Fazit & Rezensionen

„Schafe in der Armee von Kläusen“


Spannend und humorvoll beginnt der Roman „Lebenslinien“ von Jan Holmes, in dem es um die jungen Softwareentwickler Clemens und Ferdi geht – und natürlich um ihr Softwareprojekt „Exil“. Die zwei haben es geschafft, den Dachboden der Eltern zu verlassen, ihre Ideen voranzutreiben, zu finanzieren und eine Firma zu gründen. Dabei gleitet ihnen das Projekt jedoch zunehmend aus den Händen.

Während Ferdi sich dem Big Business der Branche anzupassen versucht, kämpft Clemens, der Kopf hinter dem Computerspiel, als eigenbrötlerischer Entwickler mit seiner wachsenden Abneigung gegenüber den Geldgebern, die mittlerweile die Entscheidungen treffen. So wird „Exil“ zum Beispiel umgetauft und soll unter dem Namen „Lifelines“ auf den Markt kommen. Theo, ein Freund aus Studienzeiten, arbeitet erst in seiner Freizeit als Softwaretester für das Projekt, wird dann aber fest angestellt und macht Karriere bei Finally Development. Die Firma seiner Freunde ist allerdings eine verhängnisvolle, wenn auch notwendige Partnerschaft mit dem Unternehmen Inter-View eingegangen, das sich „um alles kümmert, wo wir keine Lust drauf oder keine Ahnung von haben“, wie Ferdi erklärt.

Ohne viel Branchenjargon stellt Holmes die drei Freunde vor, deren Ideale und Privatleben durch ihre Arbeit auf die Probe gestellt werden. Dabei beweist er sein stilistisches Können und lässt seine Protagonisten auch wunderbar naturgetreu so sprechen, wie es die „Nerds“ der Computerbranche eben tun.

Nach und nach lernt der Leser mehr über das Privatleben der drei Freunde kennen. Spieletester Theo steht im Mittelpunkt. Spätestens, als neue Updates im Spiel anfangen, nach persönlichen Vorlieben, Erlebnissen, Ängsten etc. zu fragen, wird der Leser argwöhnisch. Was ist das für ein geheimnisvolles Puzzlespiel rund um erfundene Biografien, an dem da programmiert? Tester Theo beantwortet diese Fragen der Einfachheit halber wahrheitsgetreu, um weiterspielen zu können, was den Leser unweigerlich über die eigene Nutzungsweise von sozialen Netzwerken und Co nachdenken lässt, wenn auch nur am Rande. Die gesellschaftskritische Frage nach dem Umgang mit unseren persönlichen Daten taucht hin und wieder auf, aber im Mittelpunkt stehen die Gründer und deren geringer Einfluss auf ihr Herzensprojekt, sowie die moderne Arbeitswelt. Wie geht der Mensch damit um? Welcher Platz bleibt für den Einzelnen und sein persönliches Schicksal? Hin und wieder werden diese Themen von den Protagonisten mit einer Prise „Nerdhumor“ kommentiert.

Die Spannung wird unter anderem dadurch gehalten, dass der Leser nicht weiß, was sich mit „Lifelines“ anbahnt. Ein Spiel, um sich in eine virtuelle Welt zu flüchten? Ein Spiel, das sensible Daten über das Leben der Spieler sammelt und sie analysiert? Zu statistischen Zwecken? Um Vorhersagen zu treffen? Eine Goldgrube für die Archäologen der Zukunft? Von einem Schicksalsschlag getroffen und etwas niedergeschlagen philosophiert Theo: „Wird der Mensch nicht nur durch seine Erinnerungen bestimmt, sondern auch durch seine Familie, deren Geschichte und die Geschichte aller Vorfahren bzw. der Menschheit? […] Dann würde das Wissen um die Geschichte den Unterschied machen, nicht der Umstand, dass die Geschichte passiert ist. […] Sein letzter Gedanke war: „Schade, bei „Lifelines“ wüsste ich, was zu tun wäre.“ Dann brach er in hysterisches Gelächter aus.“ (S. 207)

Clemens Mistrauen mündet schließlich in einen Streit mit den Leuten von Inter-View. Er scheint unter Paranoia zu leiden. Dann verschwindet er plötzlich, zum Erstaunen und Entsetzen seiner Freunde. Theo und Ferdi müssen sich fragen, in wie fern sie vielleicht für das Verschwinden ihres überarbeiteten Freundes verantwortlich sind, was sie für ihn tun können und in wie weit sie sich schuldig fühlen.

Und dann müssen sie auch noch entdecken, was wirklich aus ihrem Computerspiel geworden ist…

Hier geht es um Freundschaft, Partnerschaft, ein wenig Datenschutz und das harte Business in der PC-Spiele-Branche. Und George Orwell lässt grüßen.

Der Roman hat mich äußerst gut unterhalten, auch weil ich dank des willentlichen Aussetzens der Ungläubigkeit beim Lesen über einige ungeklärte Punkte hinwegsehen kann. Es muss nicht immer eine Antwort auf alles geben. Und gerade weil die Geschichte zeitlich und räumlich nicht festgelegt ist – man weiß z.B. nicht um welche Städte es sich handelt – muss es auch nicht auf jedes Wenn und Aber eine Antwort geben. Allein, all die Fragen, die sich die Protagonisten am Ende Stellen, bringen in etwa auf den Punkt, was ich vor dem Lesen vom Buch erwartet hatte. Eine Dystopie, die genau diese Auswirkungen beschreibt, über die Theo und Ferdi sich den Kopf zerbrechen.

Die Lektüre von „Lebenslinien“ kann ich nur weiterempfehlen. Es ist ein Buch, das länger im Kopf bleibt. „Mal was anderes“, wenn man sonst gerne Krimis, historische Romane und „die Klassiker“ liest.

JanHolmes

vor 11 Monaten

Fazit & Rezensionen
@anna_m

Vielen Dank!

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