Jan Kilman

 4.1 Sterne bei 26 Bewertungen
Autor von Heldenflucht.
Jan Kilman

Lebenslauf von Jan Kilman

Jan Kilman ist ein Pseudonym eines deutschen Spannungsautors, der mit historischen Krimis eine neue Seite von sich veröffentlichen möchte. Für "Heldenflucht", das Mitte März 2017 erschienen ist, recherchierte Kilman an den Original-Kriegsschauplätzen, las Feldpostbriefe und brachte alles in Erfahrung, was mit Kriegstraumata und Deutschland nach dem Ersten Weltkrieg zu tun hat. Jan Kilman ist verheiratet, hat Kinder und liest für sein Leben gern.

Alle Bücher von Jan Kilman

Heldenflucht

Heldenflucht

 (26)
Erschienen am 13.03.2017

Neue Rezensionen zu Jan Kilman

Neu
Nisniss avatar

Rezension zu "Heldenflucht" von Jan Kilman

Nachkriegsdrama
Nisnisvor 10 Monaten

1918 – Deutschland nach dem großen Krieg … Das Land wird von Hungersnöten geplagt, die Daheimgebliebenen warten sehnsüchtig auf die Kriegsrückkehrer. In dieser düsteren Zeit begibt sich die Kriegsberichterstatterin Agnes Papen in die Eifel, in ihr Heimatdorf, das von den Wunden des Krieges heimgesucht wird, wie sich bald zeigt. Als die Bewohner einen stummen französischen Soldaten stellen, kommt eine Spirale der Gewalt in Gang. Menschen verschwinden spurlos, und in den Wäldern wird eine Leiche gefunden. Agnes beschließt, sich auf die Suche nach der Wahrheit zu machen …

Der Autor:

Jan Kilman ist das Pseudonym eines bekannten deutschen Spannungsautors. Für seinen historischen Krimi »Heldenflucht« recherchierte Kilman intensiv über die Themen Kriegstraumata und Deutschland nach dem Ersten Weltkrieg, begab sich an Kriegsschauplätze und las unzählige Feldpostbriefe dieser Zeit. (Quelle HEYNE Verlag)

Jan Kilman schreibt als Pseudonym von Autor Rudolf Jagusch.

Reflektionen:

Jan Kilman hat mit Heldenflucht einen spannenden Roman geschrieben, der vor allem das Leben, der unter Entbehrung lebenden und leidenden Menschen beleuchtet, die sehnsüchtig auf die rückkehrenden Soldaten aus dem ersten Weltkrieg warten. Er gewährt tiefe Einblicke in die verletzten und überstrapazierten Psychen der Dorfbewohner und Kriegsrückkehrer und hält damit die Spannungskurve auf einem ansehnlichen Niveau. Zu Zeiten, als es noch keine Elektrizität gab und die Einwohner der Eifel ihre Höfe bewirtschafteten, um sich überhaupt noch ernähren zu können, blüht der Schwarzmarkt und mit ihm Kummeleien.

Agnes Papen, ehemalige Kriegsberichterstatterin, kehrt in ihr Heimatdorf zurück. Sie pflegt ihren kranken Onkel, bis der spurlos verschwindet. Sie kümmert sich auch um einen französischen Soldaten, der in den Kriegsdramen zunächst seine Stimme verloren hat und den die Dorfgemeinde beinahe auf brutalste Weise aus dem Dorf vertrieben hätte. Agnes Papen wittert Geheimnisse und macht sich auf die Suche nach der Wahrheit.

In Heldenflucht sind Elemente verarbeitet, die man einem Kriminalroman zuordnet, doch insgesamt und rückblickend betrachtet, wäre das Genre Roman hier doch zuträglicher kategorisiert.

Jan Kilman mischt gut recherchierte, historische Geschichte mit Fiktion und baut seinen Roman chronologisch auf. Abwechslung bieten authentisch nachempfundene Briefe von der Front, in denen Soldaten ihren Alltag, die Schrecken des grausamen Krieges und ihre Vorfreude auf Heimat und Familie schildern. Doch die meisten dieser Soldaten werden noch fallen, obwohl die Nachkriegszeit bereits begonnen hat.

In einem flüssigen Schreibstil und in einer einfach gehaltenen literarischen Sprache, liest sich dieser Roman in einem leichten Fluss. Es ist zwar hochspannend und wirklich interessant, tiefe Einblicke in die damalige Gesellschaft und ihre Entwicklung nach dem Krieg zu erhalten, doch leider wartet dieser Roman auch mit ein paar Längen auf, während hin und wieder szenenabhängig Dramatik und Action die Vorherrschaft übernehmen.

Die Figuren spiegeln mit ihren Handlungen, ihren Gedanken und den gesprochenen Dialogen zwar gut und authentisch die damalige Zeit wieder und sie gestalten den Roman auf diese Weise besonders interessant und informativ, aber die meisten Charaktere bleiben doch weitestgehend blass. Eine intensivere, gleichbleibend gute Zeichnung der Charaktere und das Weglassen vieler Klischees, hätte dem Roman zu einer harmonischeren Gestaltung der Handlung verholfen.

Einem Kriminalroman gerecht, wird Kilman, indem er einer Figur extrem brutales, verbrecherisches Handeln zuschreibt. Bis fast zuletzt bleibt der Leser im Unklaren, wer hier Täter und wer Opfer ist. Intelligent kaschiert durch Wendungen und Verstrickungen, löst sich die Story zum Ende hin nachvollziehbar lückenlos auf, nach dem die Psyche des Täters, die die Schrecken des Krieges widerspiegelt, wie ein offenes Buch vor dem Leser liegt.

Fazit und Bewertung:

Heldenflucht ist ein Nachkriegsdrama. Weniger ein Kriminalroman als ein Roman, aber dennoch mit einer gesunden Spannung ausgestattet, die den Leser in die historisch interessante Zeit nach dem ersten Weltkrieg führt. Der Fokus des komplexen Romans liegt eindeutig in der Geschichte der Menschen, die unter den Entbehrungen dieser Zeit psychisch und körperlich leiden. Leider bleiben die Charaktere dennoch ein wenig blass, aber der flüssige, einfach gehaltene Stil garantieren angenehme Lesestunden.

Trotz der kritischen Anmerkungen, ist der Roman empfehlenswert.

©nisnis-buecherliebe

Kommentieren0
44
Teilen
kidcat283s avatar

Rezension zu "Heldenflucht" von Jan Kilman

Die Kriegszeit war echt schlimm
kidcat283vor einem Jahr

Wir befinden uns im Krieg, das heißt, kurz bevor der Krieg beendet ist. Die Kirchbacher Männer sind alle im Krieg und es wird auf die Rückkehr gewartet. Leider werden viele nicht wiederkehren.
Es ist auch eine Zeit in der alles knapp ist. Die Vorräte an Lebensmitteln vor allem. Viele Söhne, die in den Familien am Hof gebraucht werden mussten in den Krieg ziehen, so dass die Frauen allein für das Geld sorgen müssen. An viel Schlaf ist da nicht zu denken. Jeder ist ausgelaugt, krank oder hat Schmerzen.
Agnes Papen, eine der Protagonisten kehrt zu ihrem Onkel nach Kirchbach zurück, um sich um ihn zu kümmern, da ihre Eltern tot sind. Ihr Onkel ist krank und sie sucht den örtlichen Arzt auf, der aber gar kein Arzt sein möchte, bzw. betrunken ist, um seine Erlebnisse im Krieg zu vergessen.
Franz, der Sohn eines Vaters, der auch im Krieg ist, muss nun in der Fabrik arbeiten, in der seine Mutter geschafft hat, die aber durch eine Verletzung nicht mehr brauchbar ist.
Ruben Lieberstock bewirtschaftet einen Laden in denen die Leute im Dorf Lebensmittel einkaufen können. Er ist nicht nur ein guter Geschäftsmann, sondern hat auch ganz viel Herz, was er beweist, als er einen Mann, der plötzlich im Dorf auftaucht und sein Gedächtnis und seine Sprache verlor bei sich aufnimmt.
Aber es ist nicht nur die Art von Not, die in Kirchbach eingezogen ist, sondern auch die Sache, dass Menschen verschwinden und irgendwann der Fund einer Leiche zum Thema wird. Was ist passiert?

Meine Meinung:

Das Cover dieses Buches zeigt schon, dass es in einer Zeit spielt, wo es noch Schwarz-weiß Photographien gab und es erst der Beginn der Telefonie war. Eben 1918, Kriegszeit, Armut und eine Zeit wo die Leute damals noch nicht an PC´s, digitale Photographie, Handys oder aber Fernseher gedacht hatten.

Es war eine schlimme Zeit. Die Männer wurden in den Krieg geschickt und wurden nur so scharenweise abgeschlachtet. Dieses Buch zeigt genau die Seite der Welt, die es damals war. Diese Menschen mussten ums Überleben kämpfen. Es gab Menschen, die haben sich mit dem abgefunden, was sie waren...Tagelöhner oder Mägde. Andere hatten eine andere Berufswahl im Sinn, die schon etwas moderner war.
Der Leser begleitet Ruben Lieberstock, ein alter Mann, der einen Lebensmittelladen hat, Franz, ein 15-jähriger Junge, der für seine Familie das Geld verdienen muss, Agnes Papen, ein junges Mädchen und Wiebke, eine Magd.

Bei Kapitelwechsel ist immer ein anderer dran. Allerdings muss ich sagen, dass diese Geschichte mit Krimi nicht viel am Hut hat. Es ist zu 80 % ein Buch das eine Geschichte nach der Nachkriegszeit erzählt. Es war aber trotzdem sehr fesselnd, vor allem die letzten 100 Seiten waren richtig richtig spannend, fast ein bisschen skrupellos und pervers.
Im Großen und Ganzen hat es mir sehr gut gefallen, und der Schmetterlin Abzug ist nur, weil ich dachte ich hätte einen Krimi vor mir, was ich nicht so empfand.

Kommentieren0
0
Teilen
Gwhynwhyfars avatar

Rezension zu "Heldenflucht" von Jan Kilman

Kein Krimi und der Plot hat mich nicht ganz überzeugt
Gwhynwhyfarvor einem Jahr

Der Anfang: »Er war fünfzehn Jahre alt, als er seinen ersten Toten sah. Franz hockte sich vor die Leiche. Sie stank trotz der Kälte.«

Das Buch hat mich ratlos hinterlassen, auf mehreren Ebenen. Wie fange ich an? Der Roman an sich ist, oberflächlich formuliert, spannend. Beginnen wir mit der Verlagsinformation: » Jan Kilman ist das Pseudonym eines bekannten deutschen Spannungsautors. Für seinen historischen Krimi »Heldenflucht« recherchierte Kilman intensiv über die Themen Kriegstraumata und Deutschland nach dem Ersten Weltkrieg, begab sich an Kriegsschauplätze und las unzählige Feldpostbriefe dieser Zeit.« Und dann registrierte ich die Tage zufällig, der Name Kilman sei so entstanden: »Der Nachname sollte zu einem Thrillerautor passen, somit setzte ich »Kill« und »Mann« zu Kilman zusammen.« …

Ein Krimi? Wo bitteschön? Historischer Roman? Na ja. Ich versuche, die Essenz in einen Satz zu bekommen: Es geht um schreckliche Erlebnisse von Soldaten des 1. Weltkriegs, die bei ihnen heftigste Kriegstraumata hinterlassen haben, mit drastischen Folgen. Jeder dieser Soldaten lebt das Trauma anders aus und drumherum wurde eine Geschichte konstruiert. Dazu kommt die Not in allen Lebenslagen im Nachkriegsgeschehen, Beschaffungsschwierigkeit des täglichen Lebens.

Wer ist der Hauptprotagonist? Keine Ahnung. Laut Klappentext soll es Agnes sein, für mich eher eine unbedeutende Randfigur. In der Chefetage tummet sich viel Personal herum, das halbe Dorf, jeder ist gleich wichtig oder ziemlich wichtig. Das Ganze führt natürlich dazu, dass die Protagonisten extrem unausgegoren und flach daherkommen.

»›Du Taugenichts bist eine Schande für das ganze Dorf‹, keifte sie. … ›Sehr wohl, gnädige Frau‹, sagte er, weil ihm nichts besseres einfiel und Lieberstock ihm geraten hatte, nicht zu widersprechen. ›Die Menschen wollen recht behalten‹, hatte er Franz erklärt …«

Franz war für mich tragend, aber ich konnte ihn nicht fassen. Er wird für den Dorfdeppen gehalten, weil er komisch redet. Er interessiert sich für eine Leiche, stochert drin herum, möchte den Verwesungsprozess beobachten. Er gibt komische merkwürdige Antworten, scheint nicht ganz dumm zu sein. Für einen Autisten war zu interessiert an den Menschen. Es gibt eine »Krankheit«, bei der Menschen an Empathielosigkeit leiden. Das passte am Anfang. Plötzlich benahm sich Franz aber wie ein normaler Junge, zeigte viel Angst, Mitleid, wollte helfen, mischte sich ein, sogar so etwas wie Verliebtheit kam durch. Zwischendurch fiel er immer wieder in kurze Empathielosigkeit. Ich wurde nicht schlau daraus. Zum Ende wird er auch noch … verrate ich nicht – passt für mich gar nicht.

Agnes Papen, eine Frau in Hosen, was nicht jedem gefällt. Franz bietet ihr mitleidig an, bei anderen Frauen nachzufragen, ob eine einen Rock überhätte. Käme ein Empathieloser darauf? Agnes arbeitete an der Front als Kriegsberichterstatterin und nun erhält die Journalistin keinen Job mehr, weil sie eine Frau ist, nicht mal als Sekretärin kommt sie unter. Sie zieht in ihr Heimatdorf, nähe Cöln, um den Onkel zu pflegen. Ziemlich bald bekommt die taffe Frau ein Angebot aus Cöln, bei einer Wochenzeitung zu arbeiten, eine neue Art des Journalismus, Reisen, Reportagen. Sie ist begeistert, denn sie will arbeiten, Karriere machen, liebt den Beruf, konnte sich an der Front bei den Männern durchsetzen. Und diese Frau lässt beim ersten Anflug des Verliebtseins die Karriere sausen um Hausfrau und Mutter in einem Dorf zu werden, benimmt sich die ganze Geschichte über wie eine brave, untertänige Frau? Und genau DIESE Protagonistin soll die Hauptperson sein? Sie kommt kaum vor, trägt nichts zur Sache bei (welche eigentlich?), und am Ende benimmt sie sich wie eine zittrige Greisin: Null Gegenwehr, Null Nachdenken, denn sie ist ja angeblich schlau, Null Gefühl für psychologische Feinheiten und natürlich muss sie gerettet werden. Irgendwann ist der taffe Charakter zum Baubernweib mutiert; obwohl, eine solche hätte mit dem Schürhaken zugeschlagen, anstatt ihn sich wegnehmen zu lassen. - Du liest und staunst, welch merkwürdige Verwandlungen in den Protagonisten vor sich gehen.

Ich will nicht alle detailliert aufzählen, aber die Protagonisten sind fast alle nicht stimmig. Ruben Lieberstock ist der empathische Kaufmann im Dorf, der sich um alles und jeden kümmert, er ist immer dabei, ihm vertrauen alle, er hat eine Hauptrolle.

»Wiebke wich dem Klaps des alten Müllers aus, der ihrem Hinterteil gegolten hatte.«

Wiebke, tragend, ist eine kräftige Magd, fleißig, unermüdlich und unglücklich. Der alte Müller, Dorfvorsteher, grabscht alles an, was bei drei nicht auf den Bäumen ist und seine Frau ist ein launisches Biest (tragende Protagonistin), scheucht das Personal 20 Stunden am Tag. Der Sohn Heinrich ist ein Tüftler, baut per Mühlrad Elektrizität für das Dorf, träumt vom Bau eines Flugzeugs. Es gibt eine weitere Magd, sie bekommt einen Jungen vom Müller.

»Der Staat musste nach den immensen Kriegsausgaben insolvent sein. Jeder Kaufmann konnte das im Kopf überschlagen. Nein, sich auf den Staat zu verlassen war keine Idee heutzutage.«

Herrmann der Arzt, gehört zu den Hauptpersonen. Er ist einer der Kriegsveteranen. Seine Liebesgeschichte klingt für mich klischeehaft konstruiert. Alle Kriegsheimkehrer sind psychisch am Ende. Zu ihnen gehört auch Paul, der anfänglich für einen Franzosen gehalten wird und anfangs stumm ist, unter einer Teilamnesie leidet, gehört auch zu den tragenden Protagonisten. Es gäbe noch einige halbtragende, wichtige Protagonisten.

Der Inhalt ist schwer zusammenzufassen: Das Dorfgeschehen nach dem Krieg. Die anfänglich beschriebene Leiche wird von den Dorfbewohnern erst auf den letzten Seiten gefunden, identifiziert. Wer der Mörder ist, erfährt man nicht. Eine Person verlässt sein Heim, auch das wird nicht aufgeklärt, weder warum, noch wohin. Oder habe ich das nicht kapiert? Landet er in einem Keller? War er das?

Am Ende des Romans gibt es ein riesiges Massaker. Minikapitel, ein Cliffhanger jagt den nächsten, es war mir derer zuviel, ebenso zuviel Gemetzel, das war unglaubwürdig, sehr konstruiert. Der Roman beginnt historisch, beschreibt die Schwierigkeiten, an wichtige Dinge des Lebens zu kommen, Steckrüben mag keiner mehr sehen. Der Briefträger verteilt Todesnachrichten, jeder hofft, der Kelch möge an ihm gehen. Der ein oder andere Mann kehrt aus dem Krieg zurück. Wir schreiben das Jahr 1918. Etwas verwirrend sind die Briefe aus dem Feld, von 1916 usw. die zwischen die Kapitel gelegt werden. Ich habe mich bis zum Ende gefragt, was diese Briefe, die nicht von oder an Protagonisten der Handlung gesendet werden, mit der Story zu tun haben. Damit man etwas über den Krieg erfährt? Dann hätte das Buch anders geschrieben werden müssen. Die ist ein Geschichtskrimi, der nichts mit einem Krimi zu tun hat, es wird ja auch nicht ermittelt. Diverse Verbrechen tauchen erst in den letzten Seiten auf. Die anfängliche Leiche kennen nur Franz und die Leser.

Dieser Roman entwickelt sich im Verlauf nicht passend dem Genre, denn im letzten Viertel mutiert er zum absurden Thriller. Ab dieser Stelle mochte ich das Buch nicht mehr, das mich zuvor noch angesprochen hatte. Der Plot wird unmöglich: Massaker. Irgendwie fühlte ich mich wie hineingeworfen vom Historischen in einen Fitzek: unglaubwürdig, effekthaschend, blutrünstig. Hier brach der Spannungsautor durch. Und dann passierten üble Schnitzer. Jemand schneidet mit einem Skalpell fachgerecht die Bauchdecke auf, paar Seiten später sind es nur Kratzer. Ein Psychotiker ist von einer Sekunde zu anderen normal, weiß, was er gerade angestellt hat. Wie geht das? Am Ende passiert viel in Hetze, und die massigen Stränge (müssen mehr als 10 sein) lösten sich nicht auf. Es folgt ein Epilog. Hier werden fast alle Rätsel gelöst, im Galopp. Unverständlich, die Top-Journalistin Agnes hat das schreckliche Dorf sofort verlassen und kehrt nach Monaten kurz zurück. Erst jetzt will sie wissen, wie die Geschichte für die Bösewichte endete? Wer soll das glauben? Der Abgabetermin drückte den Autoren, und die Lösung wurde auf drei Seiten schnell zusammenzimmert? So erschien es mir der Epilog.

Dabei sind ein paar Stränge vergessen worden und zwei lauteten lapidar: Keiner weiß, wo er ist, bzw. sein Mörder wurde nie gefunden. Ein sogenannter Krimi, prima abgesch(l)ossen! Nach dem Mörder wird nicht gesucht und er wird deshalb auch nicht gefunden, logisch. Gleiches gilt für einen anderen schrecklichen Verbrecher, der halt verschwunden ist. Ein weiterer Protagonist ist tot. Und weiter? Einer Weiterer ist verschwunden. Und? Der Vergewaltiger, was passiert mit dem? Ich war ziemlich enttäuscht.

Alle Kriegsheimkehrer sind stark psychisch gestört, viele gemeingefährlich, ein bisschen dick aufgetragen. Genau hier vermisse ich die Ernsthaftigkeit zur Realität und die psychologische Auseinandersetzung mit Kriegstraumata, die einem historischen Roman gebühren. So hätten die Protagonisten auch Charakter bekommen. Man kann es sich auch einfach machen: Massaker.

»Sie machte große Augen. ›Wirklich?‹«

Sprachlich einfach gestrickt, für meinen Geschmack an manchen Stellen zu einfach. Bis Dreiviertel fand ich das Buch ok., spannend. Und dann war ich nur noch genervt. Die eingeschobenen Feldbriefe gaben am Ende für mich keinen Sinn, sie hatten nichts mit der Handlung zu tun. Wieder eine Frage nicht beantwortet. Wer sich für Geschichte, kombiniert mit abstrusen Gemetzel interessiert und nicht auf Einzelheiten achtet, der mag Gefallen an dem Buch finden. Spannend ist es an sich und die Nachkriegszeit wird gut dargestellt. Für mich war der Roman oberflächlich, weder Fisch noch Fleisch.

Noch ein Wort zu Klappentext und Cover, dazu äußere ich mich selten. Lieber Verlag, meine Zensur: setzen, Thema verfehlt! Cover: Ein Großstadtbild. Die Geschichte spielt in einem kleinen, schlammigen Dorf! Klappentext: Von welchem Buch reden wir hier? »Agnes beschließt, sich auf die Suche nach der Wahrheit zu machen.« Sie sucht einen Mann, mehr nicht, sucht nicht mal nach ihrem verschollenen Onkel, knutscht lieber. Und welche Wahrheit soll sie finden? Es gibt im Grunde zig Einzelgeschichten, die gar nicht zusammenhängen, nicht eine Wahrheit, sondern eine ganze Reihe. Und die Journalistin interessiert sich rein gar nicht dafür. Beschreibung: historischer Krimi. Dazu müsste es einen Kriminalfall geben und einen Ermittler. Im Laufe der Geschichte geschehen diverse Verbrechen. Aber eins hat mit dem anderen nichts zu tun und niemand ermittelt.

Wenn ich zwischen den Sternen schwanke, nehme ich die höhere Bewertung. Drum mit blauem Auge 3 *

Kommentieren0
9
Teilen

Gespräche aus der Community

Neu
hallolisas avatar

Fragefreitag mit Jan Kilman

Deutschland in der Nachkriegszeit, eine Leiche und die verzweifelte spannungsgeladene Suche nach der Hoffnung und der Wahrheit – all das und noch viel mehr erwartet euch in Jan Kilmans neuem historischen Roman "Heldenflucht"!

Interessiert es euch, wie der Autor auf seine Ideen kam? Dann stellt Jan Kilman im Rahmen dieses Fragefreitags einfach eure Fragen und gewinnt eines von 5 Exemplaren von "Heldenflucht"!

Mehr über das Buch:

1918 – Deutschland nach dem großen Krieg … Das Land wird von Hungersnöten geplagt, die Daheimgebliebenen warten sehnsüchtig auf die Kriegsrückkehrer. In dieser düsteren Zeit begibt sich die Kriegsberichterstatterin Agnes Papen in die Eifel, in ihr Heimatdorf, das von den Wunden des Krieges heimgesucht wird, wie sich bald zeigt. Als die Bewohner einen stummen französischen Soldaten stellen, kommt eine Spirale der Gewalt in Gang. Menschen verschwinden spurlos, und in den Wäldern wird eine Leiche gefunden. Agnes beschließt, sich auf die Suche nach der Wahrheit zu machen …

>> Hier geht's zur Leseprobe!

Mehr über den Autor:
Jan Kilman ist ein Pseudonym eines deutschen Spannungsautors, der mit historischen Krimis eine neue Seite von sich veröffentlichen möchte. Für "Heldenflucht", das Mitte März 2017 erschienen ist, recherchierte Kilman an den Original-Kriegsschauplätzen, las Feldpostbriefe und brachte alles in Erfahrung, was mit Kriegstraumata und Deutschland nach dem Ersten Weltkrieg zu tun hat. Jan Kilman ist verheiratet, hat Kinder und liest für sein Leben gern.

Gemeinsam mit Heyne vergeben wir unter allen Fragestellern 5x "Heldenflucht" von Jan Kilman. Stellt dem Autor einfach am 12.05.2017 direkt unter diesem Beitrag eure Fragen zum Buch, seinem Leben und Schreiben.

Ich wünsche euch viel Spaß und Glück!
Zur Buchverlosung

Zusätzliche Informationen

Jan Kilman im Netz:

Community-Statistik

in 47 Bibliotheken

auf 8 Wunschlisten

Was ist LovelyBooks?

Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freunden und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist!

Mehr Infos

Buchliebe für dein Mailpostfach

Hol dir mehr von LovelyBooks