Jan Morris

 4 Sterne bei 9 Bewertungen
Autor*in von Mein Haus in Wales, Reisen mit Virginia Woolf und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Jan Morris

JAN MORRIS, 1926 als James Humphrey Morris geboren, wusste bereits als Kind, dass er im falschen Körper lebte. Nach dem Studium in Oxford durfte er 1953 als Reporter Edmund Hillary und Tenzing Norgay bei der Erstbesteigung des Mount Everest begleiten. 1972 unterzog er sich einer Geschlechtsumwandlung und wurde offiziell zu Jan Morris. Sie veröffentlichte zahlreiche Werke, darunter »Rätsel« (1974) sowie zwei Romane. Jan Morris ist Fellow der Royal Society of Literature. Sie lebt auch heute noch mit ihrer Partnerin Elizabeth Tuckniss in Wales, die sie 1949 heiratete und mit der sie vier Kinder hat.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Jan Morris

Cover des Buches Mein Haus in Wales (ISBN: 9783894052836)

Mein Haus in Wales

 (5)
Erschienen am 04.05.2006
Cover des Buches Rätsel (ISBN: 9783038200772)

Rätsel

 (2)
Erschienen am 19.08.2020
Cover des Buches Over Europe (ISBN: 9781876778699)

Over Europe

 (0)
Erschienen am 01.09.2001

Neue Rezensionen zu Jan Morris

Cover des Buches Rätsel (ISBN: 9783038200772)
Julia79s avatar

Rezension zu "Rätsel" von Jan Morris

Was für ein tolles Buch
Julia79vor 7 Monaten

Bereits im Kindergartenalter bemerkte James, dass er sich weiblich fühlt. Je älter er wurde, umso mehr konnte er es in Worte fassen - er, nein sie, war im falschen Körper geborenen. Die Autobiografie erzählt von Gefühlen, Liebe, Sexualität, Respekt und Familie, vor allem aber von der Suche nach der eigenen Identität. Es ist einer der ersten Berichte einer transsexuellen Person über die Wandlung von einem Geschlecht zum anderen. 

Manchmal musste ich wirklich lachen, und dass Jan Morris ihre Erlebnisse teils mit Humor betrachtete macht sie so unglaublich sympathisch und lässt einen nach der letzten Seite mit einem hoffnungsvollen Gefühl zurück. Was für eine wunderbare Frau, die so offen und direkt mit so viel Wärme und Glück auf ihr nicht grade leichtes Leben zurückblickte. Sie sagte ganz klar, dass es nicht für jeden ein Happy-end gibt, doch für sie gab es das und es war schön, sie kennen gelernt zu haben. Diese Lektüre hat mich nachhaltig beeindruckt.

Es ist oft so, dass ich Bücher lese und zwar akzeptiere, dass jemand so fühlt oder mir fremde Erfahrungen gemacht hat, diese aber so weit von meinem Erleben entfernt sind, dass auch das Verstehen weit weg für mich bleibt. Hier war das nicht so! Ich kann nicht behaupten, ich könne mich in irgendeine Art queeren Menschen hineinversetzen oder nachvollziehen, was es vollumfänglich bedeutet, sich zu was-auch-immer zu outen, aber dieser Bericht hat es geschafft, ein "Rätsel" für mich zu lüften und ich glaube, die positive Stimmung des Romans trägt wesentlich dazu bei. Diese Sehnsüchte und Freuden waren für mich greifbar. Ungekünstelt und unaufgeregt ließ die Autorin es mich verstehen. Für mich ist es daher ein literarisches Meisterwerk und mehr noch als transsexuellen Menschen möchte ich es denen empfehlen, die das Glück haben, gleich im richtigen Körper geboren zu sein. Verständnis füreinander ist die Basis für Toleranz.

Zur Autorin:

Jan Morris wurde am 1926 als James Humphrey Morris in Wales geboren. 

1949 heiratete James Elisabeth und sie bekamen 5 Kinder zusammen. Sie führten eine für diese Zeit "moderne" Ehe, liebevoll und in gegenseitigem Respekt, mit Freiheiten für beide Seiten. Elisabeth wusste von Beginn an, dass James sich schon lange als Frau fühlte und unterstützte ihn. 

Ab 1965 unterzog sich die Journalistin und Autorin von Reiseberichten einer Hormonbehandlung und lebte fast 10 Jahre zwischen den Geschlechtern, bis sie 1974 in Marokko eine geschlechtsangleichende Operation vornehmen ließ. Hätte sie sich in England operieren lassen, hätte sie sich zuvor scheiden lassen müssen, denn Frauen durften nicht verheiratet sein. 

Letztendlich kam sie um die Scheidung nicht herum, als sie die Umwandlung amtlich machte, dennoch blieben Elisabeth und Jan, so der neue, neutrale Name, Lebenspartnerinnen und gemeinsame Eltern, bis die Schriftstellerin im November 2020 mit 94 Jahren starb. 

Kommentare: 2
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Cover des Buches Rätsel (ISBN: 9783908778776)
aus-erlesens avatar

Rezension zu "Rätsel" von Jan Morris

Das Rätsel der Natur
aus-erlesenvor 2 Jahren

Oft spricht man bei einer Biographie über ein außergewöhnliches Leben. Feldherren, die mit List und Tücke Tausende in die Schlacht – und den sicheren Tod – schickten. Gewiefte Wissenschaftler, die mit Beharrlichkeit ihrer Idee folgten. Oder Schauspieler, die mit ihrem Wirken die Massen begeisterten. Und dann gibt es Biographien, die wirklich außergewöhnlich sind. Wie die von James Humphrey Morris. Er begleitete Sir Edmond Hilary auf den Mount Everest, zumindest einen großen Teil seines Weges. Doch das ist nicht das Außergewöhnliche. Nein, es ist die Wandlung, die dieser Mann durchmachte, der heute als Jan Morris mit ihrer Frau Elizabeth in Wales lebt. Ja, mit IHRER Frau. Denn aus James Humphrey wurde Jan. Aus dem Mann James Humphrey wurde die Frau Jan.

Es ist ihr bis heute ein Rätsel woher die Neigung kam. Ein Rätsel, das sie gern lösen möchte. Aber dessen Nichtlösung ihr um nichts in der Welt den Weg, den sie einschlug, verhageln könnte. Schon in frühester Kindheit, unter dem Klavier sitzend, wurde James klar, dass es ihm besser tun würde als Mädchen durch die Welt streifen zu können. Im Militärdienst strengte er sich wohl deshalb mehr an als andere, um seinem Geschlecht gerechter zu werden als man es verlangte. Kein übertriebender Ehrgeiz, aber immer eine Portion mehr Engagement in der Hand. 

Als Journalist bei Guardian und später bei der Times konnte er sich frei entfalten, beruflich. Er sah die Welt, traf Menschen, nahm an ihren Schicksalen teil. Und er fand die Liebe seines Lebens: Elizabeth. Sie wusste von Anfang an, was in James vor ging. Ein Problem? Kaum, und wenn, nur anfangs.

Im seinen Vierzigern reifte der endgültige Entschluss, dass der Zwiespalt zwischen administrativen und gefühltem Geschlecht nicht mehr hinnehmbar sei. Die Geschlechtsangleichung musste vorgenommen werden, nicht als physischer Akt, sondern als Glücksbringer im weitesten Sinne. Doch dazu musste die Ehe geschieden werden. Schließlich war es in den 70ern in Großbritannien – wie überall auf der Welt – nicht möglich als Frau eine Frau oder als Mann einen Mann zu heiraten. Casablanca war der Ort, der alles verändern sollte. Hier wurde der chirurgische Eingriff vorgenommen. Auch beim Leser stellt sich nach vielen Seiten emotionaler, doch oft auch pragmatischer Gedankengänge, eine emotionale Erlösung ein. Der Schreibstil wird frischer, lebendiger – das Glück der Autorin ist greifbar wie zuvor der ständige Zweifel. 

Jan Morris gebührt ein Riesendank dem Publikum eine ehrliche und wirkliche Biographie vorzusetzen. Man taucht ein in eine Welt, die man immer nur von außen betrachten kann, wenn man sich denn überhaupt darauf einlassen will. Einfühlsam, einprägsam, einzigartig. 


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Cover des Buches Mein Haus in Wales (ISBN: 9783894052836)

Rezension zu "Mein Haus in Wales" von Jan Morris

Rezension zu "Mein Haus in Wales" von Jan Morris
Ein LovelyBooks-Nutzervor 11 Jahren

"Mein Haus in Wales" ist eine Art Reisebericht und somit auch in der National Geographic-Reihe von Malik erschienen, aber ein wirklicher Reisebericht ist es nicht, denn die Journalistin und Autorin Jan Morris schreibt in diesem Buch über ihr Heimatland. Sie nimmt den Leser mit in ihr Haus in Wales, dass sie gemeinsam mit ihrer Partnerin und einigen Tieren bewohnt. Auf wunderbare Weise führt sie einen durch ihr Haus, beschreibt die verschiedenen Räume und die Geschichte des Hauses. Damit verknüpft sie die Geschichte des Landes Wales, von den frühesten Anfängen bis hinein in die Gegenwart. Die große Geschichte des Landes wird lebendig, ebenso wie kleine Geschichten der örtlichen Bewohner, die manchmal herzerwärmend und lustig sind, manchmal auch nachdenklich stimmen. Dazu kommt auch noch eine große Portion Persönlichkeit, wenn Jan Morris aus ihrem eigenen Leben erzählt oder davon, was sie mit diesem Haus verbindet. Es ist wunderschön, die Geschichten von einzelnen Gegenständen zu hören, z.B. von bestimmten Büchern, einem Schiffsmodell oder einer Skulptur im Garten: Die Autorin hat viel von Reisen mitgebracht und erzählt davon auf sehr interessante Weise.
Ich hab jede Seite in diesem Buch geliebt, und das, obwohl ich gar keine Erwartung daran hatte (ich kannte die Autorin nicht und habe einfach online zugegriffen, weil ich Bücher über Wales gesucht habe und das Buch gebraucht nur zwei Euro gekostet hat). Jan Morris hat einfach einen wunderbaren Stil und alles, was sie in diesem Buch geschrieben hat, fand ich interessant und begeisternd. Ich habe das Gefühl, dass ich Wales durch dieses Buch wirklich besser verstehe, bzw. dass sie mir ihr Land wirklich nahe gebracht und tiefe Einblicke gegeben hat, die man im Reiseführer so nicht findet. Ein einzigartiges Buch, das ich mit Sicherheit noch mehrmals lesen werde!

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