Jan Off Happy Endstadium

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Inhaltsangabe zu „Happy Endstadium“ von Jan Off

”Soziale Revolution - oder Scheiße für immer!” Nur: Wie den so dringend benötigten Umbruch organisieren? Und vor allen Dingen: Wie dafür Sorge tragen, dass am Ende tatsächlich eine gerechtere Gesellschaftsform auf dem Siegertreppchen steht? Fünf junge Weltverbesserer - von den ständigen Reibereien mit der Staatsmacht ebenso zermürbt wie vom zwischenzeitlichen Stress mit dem Gangsternachwuchs aus der Nachbarschaft - machen sich auf den Weg, den ewigen Unsicherheitsfaktor Mensch ein für alle Mal auszuschalten. Da die autonome Rasselbande ihrerseits aber auch nur aus Fleisch und Blut besteht, kommt den Plänen des Quintetts schon bald allzu Menschliches in die Quere: Intrigen, Liebeshändel, Tod, rauschbedingte Torheiten. Der Roman ”Happy Endstadium” ist der Nachfolger von Offs Meisterstück ”Vorkriegsjugend”. War es dort die Punkszene, deren Sitten und Gebräuche mit liebevollem Spott seziert wurden, ist es diesmal die autonome Bewegung, die unters Messer kommt. Eine wortgewaltige Auseinandersetzung mit linksradikalen Positionen, die, bei aller berechtigten Kritik, nie den Grundsatz fahren lässt, dass nur hier, also auf der emanzipatorischen Seite der Medaille, ein Weg aus dem Schlamassel gefunden werden kann. Denn, wie heißt es doch so schön? Richtig: ”Freiheit entsteht als kämpfende Bewegung!”

Herrlich sprachgewaltige und witziger Roman der die linke Szene gehörig auf die Schippe nimmt!

— rallus
rallus

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  • Es ist ganz schön schwer linksradikal zu sein

    Happy Endstadium
    rallus

    rallus

    Eigentlich müsste jeder Autor zumindestens einmal an einem Poetry Slam Wettbewerb teilnehmen, wenn auch nur als Zuschauer, bevor er nur eine Zeile schreibt. Das würde manche Bücher wortwitziger, klarer und direkter machen. So wie bei Jan off, der 2001 deutscher Meister bei den Poetry-Slam Meisterschaften in Düsseldorf wurde. Buchtitel wie: 'Getrockneter Samen im Haar Eurer Mutter' oder 'Bei uns kommt der Hass aus der Leitung: Wichsvorlagen für Scheintote' zeigen uns deutliche Bilder und auch, wo der Autor wegen seiner ungezügelten Sprache hingehört, leider in die Trash- Punk- und Indieecke. Leider weil er so einer großen Masse unbekannt bleibt. Dabei sollten solche erfrischenden Bücher auch vermehrt in Buchhandlungen und großen Verlagen aufgelegt werden. Man will die Massen aber nicht erschrecken, wo kämen wir da hin! Doch so ganz erschreckend, ist das hier vorliegende Buch, mit dem herrlichen Namen 'Happy Endstadium' nun gar nicht. Klare Erzählstruktur, schräge aber authentische Charaktere, wie man sie in der Szene auch so antrifft und öfters was zum Lachen. Mehr will ich doch gar nicht. Die Frage die sich jedem Revoluzzer stellt: wie soll eine zukünftige gerechte Gesellschaft aussehen und wer trägt dafür Sorge? Nun vor allen Dingen erstmal der Revoluzzer selber, das ist hier die Hauptperson, der Biertrinkende Ich-Erzähler der sich in Julia verliebt und schwanzgesteuert in deren linke WG einzieht. Damit er das Herz seiner Angebeteten bekommt, muss er dazugehören. Politisch und natürlich höchst subversiv aktiv! Doch Jan Off fährt hier den Stinkefinger in alle Richtungen aus! Was ist links, was sind Arbeiter, wer ist der Feind, wo stehen wir in der Frage Israel oder Palästinenser? "Stattdessen hatte ich mich auf diese völlig hirnrissige Diskussion über zwei Nationen eingelassen, die auch noch nach Jahrzehnten noch nicht begriffen hatten, dass jedwede Aggression früher oder später immer auf den Aggressor selbst zurückfällt. Beim Scheitan, dieses unsägliche Spektakel aus dem Nahen Osten lief schon im TV, als ich noch nicht mal taschengeldberechtigt war." So langsam schwant ihm, dass einfach nur dagegen sein, völlig hirnrissig ist, das Leben besteht ja nicht nur aus Null oder Eins: "...fühlten sich diese neunmalklugen Tröpfe im Krisen- oder Kriegsfall sogleich bemüßigt, Partei zu ergreifen und uns anderen ungebeten mitzuteilen, wer diesmal die Cowboys und wer die Indianer waren. Zur Hölle mit diesen geistigen Einzellern. Soweit ich das bisher mitbekommen hatte, war die Welt an normalen Tagen nicht schwarz oder weiß sondern grau gestrichen, und die meisten dieser althergebrachten Auseinandersetzungen derart verworren, dass man schon ein rechter Dummbeutel sein musste, um ohne den Hauch eines Zweifels eine Unterscheidung in gut oder böse vorzunehmen." Auch den fortgesetzten Drogeneskapaden seiner Mitbewohner, fühlt er sich nicht gewachsen, er trinkt lieber Bier, Tag und Nacht, ein Konterbier, ein Aufwachbier, ein Gute-Nachtbier und sowieso zwischendurch...aber an seine Julia kommt er dadurch nicht ran, die anderen Mitbewohner haben andere Methoden dem grauen Alltag zu entfliehen: "Ich nippte an meinem Cola-Rum. Mein Körper reagierte, indem er einen Schwall Magensäure Richtung Kehle pumpte. Wie hieß es doch so schön? Richtig: Koksen, Kotzen, Kommunismus. Was das Kotzen betraf: Ich war bereit!" Am Schluss gibt es dann doch noch den genialen Plan, den Plan der alles beinhaltet und einen großen Schlussstrich unter alle Feinde setzt. Happy Endstadium ist herrlicher, literarischer hochwertiger Undergroundtrash. Es macht wirklich Spaß dem kruden linken WG-Alltag und den vergeblichen Versuchen der sinnvollen linken Agitation zu folgen. Leute unterstützt den Ventil Verlag in Mainz, kauft Jan Off Bücher!

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    thursdaynext

    thursdaynext

    18. May 2016 um 18:52