Jan Philipp Reemtsma

 4.1 Sterne bei 25 Bewertungen
Autor von Im Keller, Mehr als ein Champion und weiteren Büchern.

Alle Bücher von Jan Philipp Reemtsma

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Im Keller

Im Keller

 (14)
Erschienen am 01.10.1998
Vertrauen und Gewalt

Vertrauen und Gewalt

 (3)
Erschienen am 15.06.2009
Einige Hunde

Einige Hunde

 (1)
Erschienen am 11.09.2017
Folter im Rechtsstaat?

Folter im Rechtsstaat?

 (1)
Erschienen am 03.03.2005
Das Scheinproblem «Willensfreiheit»

Das Scheinproblem «Willensfreiheit»

 (0)
Erschienen am 02.10.2008

Neue Rezensionen zu Jan Philipp Reemtsma

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Giselle74s avatar

Rezension zu "Einige Hunde" von Jan Philipp Reemtsma

Hunde in der Kunst
Giselle74vor einem Jahr

Für mich sind Bücher aus der Insel-Bücherei ja immer etwas Besonderes. Ganz unabhängig vom Inhalt sind sie einfach schön. Liebevoll gestaltet und anhand der einheitlichen Aufmachung sofort zu erkennen. So auch dieser Band, dessen Anblick sowohl mein Buch- als auch mein Hundeliebhaberherz augenblicklich höher schlagen ließ. Windhunde auf cremefarbenem Hintergrund sind auf dem Einband zu sehen, schlicht und elegant zugleich. Und der Name Reemtsma weckte Erinnerungen.

Über zwanzig Jahre ist es her, ich war gerade aus der westfälischen Provinz nach Hamburg gezogen und hatte meine Mutter zu Besuch da, ihrem ersten, vermute ich, da entdeckten wir im Programm des Schauspielhauses eine Lesung über Arno Schmidt, gehalten von Jan Philipp Reemstma. Meine Mutter, die - mir damals völlig unverständlich, man verzeihe mir, ich war gerade neunzehn - die Texte von Schmidt begeistert las, wollte partout dorthin und ich musste mit. "Musste" ist vielleicht nicht ganz richtig ausgedrückt. Um ins Schauspielhaus zu kommen, hätte ich mir damals auch einen Vortrag über Traktoren angehört, aber allzu weit davon entfernt war Schmidt für mich nicht.

Es wurde ein wunderbarer Abend. Es war ein kleiner Kreis von Interessenten, der sich dort zusammen gefunden hatte und das Ganze weder eine Lesung, noch ein Vortrag, sondern ein herrlich humorvolles Geplauder mit Auszügen aus Schmidts Texten. Ich war hingerissen von der Art Reemtsmas Wissen zu vermitteln und seiner spürbaren Begeisterung für das Thema.

Nun muss man mich nicht für Hunde begeistern, um zum Thema zurückzukommen, aber ich war wirklich gespannt darauf, was Reemtsma zu Hunden in der Kunst zu verkünden hat. Wer eine komplette Aufzählung mit Bildanalyse oder ähnlichem erwartet, der wird enttäuscht, das sei zu Anfang gleich gesagt. Der Titel "Einige Hunde" verrät es wohl schon, es geht um eine ganz subjektive Auswahl von Bildern verschiedener Epochen, die der Autor uns vorstellt. Und um die Frage nach der jeweiligen Funktion des oder der Hunde im Bild. Besonders drastisch gestellt zum Beispiel bei Rembrandts "Der barmherzige Samariter" mit einem, man verzeihe mir, kackenden Hund im Bildvordergrund.

Und wieder gelingt es Herrn Reemstma sein Wissen plaudernd zu vermitteln. Mit Abschweifungen, Einlässen, fließt der Text mäandernd dahin. Allerdings nie den Faden verlierend, es gibt eben so viel Interessantes drumherum zu berichten. Ich kenne diese Art der Wissensvermittlung mit leichter Hand eigentlich nur aus England.Hier in Deutschland werden Sachbücher im allgemeinen ernster, oder soll ich sagen "strenger",  angegangen. Wie auch immer, es macht Spass das Büchlein zu lesen, dem Autor bei seinen Gedankengängen zu folgen. Hilfreich dabei ist die Qualität der abgedruckten Bilder, bei dem kleinen Format des Buches nicht selbstverständlich.

Ein wunderschöner Band für Hunde- und Kunstfreunde mit einer feinen Auswahl an vorgestellten Bildern und einem interessant zusammengestellten Essay.

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StefanieFreigerichts avatar

Rezension zu "Im Keller" von Jan Philipp Reemtsma

33 Tage - „eine aufgezungene Intimität zerstören“
StefanieFreigerichtvor 2 Jahren

Mich beeindruckt, wie Herr Reemtsma versucht, für sich einen Weg der Verarbeitung zu gehen. Seine Darstellung ist oft abstrakt (über Erlebnisse während der Entführung schreibt er in der dritten Person, um bei der Einschätzung dazu aus heutiger Sicht wieder zur ersten Person zu wechseln), sein Vokabular kann sehr anspruchsvoll sein, viele seiner Vergleiche sind literarisch, einiges stammt aus Kinderzeit und „Familienvokabular“ (Tiere, Zitieren von Macken etc.).
Ich kann und möchte Fiktion rezensieren. Ich kann und möchte „normale“ Sachbücher rezensieren, gerne auch Tatsachenberichte der Sorte „Meine Weltreise“ – über etwas, was jemand freiwillig getan hat. Hier geht es um einen Tatsachenbericht über ein Verbrechen. Die Worte können aus meiner Sicht daher nur von dem kommen, an dem es verübt wurde.

Direkt nach der Freilassung:
„Warum fahren wir eigentlich nach New York? Ob ich eine Ahnung habe, wie es ‚zu Hause‘ aussehe? Als ob wir Greta Garbo zu Besuch hätten.

Man kommt da nicht nach Hause, sondern ins Fernsehen.“ S. 10

Gründe für das Buch:
„Warum mit diesem Buch noch einmal das Gesicht zeigen, diesmal in Worten, diesmal freiwillig? Einmal eben darum, weil es bereits in der Öffentlichkeit ist, weil meine Geschichte schon überall kursiert, weil sie schon wenige Stunden nach meiner Freilassung öffentlicher Besitz geworden ist, so daß ich sie mir nicht nur für mich selbst (das ist der Grund, warum ich sofort nach meiner Freilassung begonnen habe, die Geschichte aufzuschreiben), sondern auch in der Öffentlichkeit wieder aneignen will.“ S. 15

„Ich habe festgestellt, dass es mir geholfen hat, von anderen Entführungsfällen zu wissen.“ S. 16

„warum…dieses Buch so bald….  … Die Antwort führt direkt … in den Keller. Eine Entführung, eine Zeit außerhalb aller anderen sozialen Kontakte als der antisozialen mit den Entführern, ist eine Zeit aufgezwungener Intimität.…. All das innerhalb eines extremen Machtgefälles: absolute Macht dort, absolute Ohnmacht hier. Das läßt man nicht im Keller zurück. Denn den Keller läßt man nicht zurück. Der Keller wird in meinem Leben bleiben, aber sowenig wie möglich von der mir in diesem Keller aufgezwungenen Intimität soll in meinem Leben bleiben. Das einzige Mittel gegen ungewollte Intimität ist Veröffentlichung.“ S. 17

während der Entführung – im Keller

s. 106 „If you want to cut my finger off – read this first!!“ (auf einem Zettel für die Entführer, als im Raum steht, an die Familie Reemtsmas zur Bekräftigung einen seiner Finger zu senden – innen unter anderem Gedanken über eine mögliche Gefahr der Infektion, Penizillinallergie etc.)

S. 138 "Daß der Engländer [einer der Entführer] sich gleichsam als Verdienst anrechnen lassen wollte, was er in den 33 Tagen im Keller alles nicht tat, ist allerdings Zeichen einer signifikanten moralischen Verwahrlosung."

im Rückblick:
S. 180 "Man verliert diesen Gedanken nie: Dieser Mensch verfügt über mein Leben."
S. 186 "...was sie seiner Familie angetan hatten, würde er ihnen nie verzeihen können."
S. 190 „Er hatte in seinem Keller oft das Gefühl, aufgeben zu wollen; er empfand es als gleichsam ungerecht, daß er gar nicht die Chance hatte, aufzugeben und dadurch irgend etwas zu bewirken. Mit der Möglichkeit aufzugeben war ihm auch die Möglichkeit genommen, nicht aufzugeben, aktiv durchzuhalten."
S. 191 „Vielleicht wird Übermächtigung immer von Gefühlen der Scham begleitet.“

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Bellis-Perenniss avatar

Rezension zu "Mehr als ein Champion" von Jan Philipp Reemtsma

"Es ist schwer, bescheiden zu sein, wenn man so großartig ist, wie ich es bin."
Bellis-Perennisvor 2 Jahren

Autor Jan Philipp Reemtsma setzt mit dieser penibel recherchierten Biographie einem ganz Großen der Sportwelt ein würdiges Denkmal.

Er schildert jeden einzelnen Boxkampf minutiös wie ein Radioreporter, fügt ein paar Hintergrundinformationen ein und zeichnet eine berührende Biographie.

Er geht auf den Mann ein, der zur Ikone der schwarzen Bürgerrechtsbewegung wird. Cassius Clay später dann Muhammad Ali, der als „loudmouth“ (also Großmaul) verunglimpft wird, hat einen großen Anteil an den Veränderungen in den USA.

Ich kann mich noch gut an meine Kindheit erinnern, wo ich gemeinsam mit meinem Vater frühmorgens vor dem Fernsehgerät gesessen bin und seine Kämpfe verfolgt habe.

Doch nicht nur seine großartigen sportlichen Erfolge kennzeichnen diesen Mann. Er, der Schwarze, er hält den weißen Bürgern einen Spiegel vors Gesicht, als sie über ihn herfallen, weil er den Wehrdienst verweigert, weil er nicht in Vietnam für ein fremde Sache kämpfen will. Man entzieht ihm die Boxlizenz, da die Verweigerung des Militärdiensts in Amerika eine Straftat ist. Als er zum Islam konvertiert, schockiert er die Amerikaner ein weiteres Mal.

Trotz seiner Erkrankung an Parkinson engagiert er sich politisch. Er scheut sich nicht, seine Popularität für friedliche Missionen einzusetzen. So trifft er auch solche Menschen, um die andere einen großen Bogen machen, wie Saddam Hussein. Der lässt wenig später - aus Bewunderung gegenüber Ali - mehrere Geiseln frei.
2005 wird ihm 

„für herausragende Verdienste um Frieden und Völkerverständigung, insbesondere für sein lebenslanges Engagement für die amerikanische Bürgerrechtsbewegung und die kulturelle und spirituelle Emanzipation der Schwarzen in aller Welt.“ 

die Otto-Hahn-Friedensmedaille“ verliehen. Laudator ist der Autor dieses Buches.

Muhammad Ali war mehr als ein Boxchampion. Er war ein Meister archaischer Gewalt und ein Held unserer modernen Gesellschaft.
Heute, 04.06.2016, hat er seinen letzten Kampf verloren – er wird unvergessen bleiben.



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