Jan Philipp Reemtsma

 4 Sterne bei 26 Bewertungen
Autor von Im Keller, Mehr als ein Champion und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Jan Philipp Reemtsma

Jan Philipp Reemtsma, Prof. Dr. phil., lebt und arbeitet vorwiegend in Hamburg. Er ist Gründer und geschäftsführender Vorstand der Hamburger Stiftung zur Förderung von Wissenschaft und Kultur sowie der Arno Schmidt Stiftung; Gründer und bis März 2015 Leiter des Hamburger Instituts für Sozialforschung.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Jan Philipp Reemtsma

Cover des Buches Im Keller (ISBN: 9783499222214)

Im Keller

 (15)
Erschienen am 01.10.1998
Cover des Buches Vertrauen und Gewalt (ISBN: 9783570550861)

Vertrauen und Gewalt

 (3)
Erschienen am 15.06.2009
Cover des Buches Daodejing (ISBN: 9783406717741)

Daodejing

 (1)
Erschienen am 29.08.2017
Cover des Buches Wahlverwandtschaften (ISBN: 9783518294406)

Wahlverwandtschaften

 (1)
Erschienen am 21.11.2007
Cover des Buches Erneuerung der Kritik (ISBN: 9783593388595)

Erneuerung der Kritik

 (1)
Erschienen am 11.05.2009
Cover des Buches Einige Hunde (ISBN: 9783458194323)

Einige Hunde

 (1)
Erschienen am 11.09.2017

Neue Rezensionen zu Jan Philipp Reemtsma

Cover des Buches Einige Hunde (ISBN: 9783458194323)Giselle74s avatar

Rezension zu "Einige Hunde" von Jan Philipp Reemtsma

Hunde in der Kunst
Giselle74vor 4 Jahren

Für mich sind Bücher aus der Insel-Bücherei ja immer etwas Besonderes. Ganz unabhängig vom Inhalt sind sie einfach schön. Liebevoll gestaltet und anhand der einheitlichen Aufmachung sofort zu erkennen. So auch dieser Band, dessen Anblick sowohl mein Buch- als auch mein Hundeliebhaberherz augenblicklich höher schlagen ließ. Windhunde auf cremefarbenem Hintergrund sind auf dem Einband zu sehen, schlicht und elegant zugleich. Und der Name Reemtsma weckte Erinnerungen.

Über zwanzig Jahre ist es her, ich war gerade aus der westfälischen Provinz nach Hamburg gezogen und hatte meine Mutter zu Besuch da, ihrem ersten, vermute ich, da entdeckten wir im Programm des Schauspielhauses eine Lesung über Arno Schmidt, gehalten von Jan Philipp Reemstma. Meine Mutter, die - mir damals völlig unverständlich, man verzeihe mir, ich war gerade neunzehn - die Texte von Schmidt begeistert las, wollte partout dorthin und ich musste mit. "Musste" ist vielleicht nicht ganz richtig ausgedrückt. Um ins Schauspielhaus zu kommen, hätte ich mir damals auch einen Vortrag über Traktoren angehört, aber allzu weit davon entfernt war Schmidt für mich nicht.

Es wurde ein wunderbarer Abend. Es war ein kleiner Kreis von Interessenten, der sich dort zusammen gefunden hatte und das Ganze weder eine Lesung, noch ein Vortrag, sondern ein herrlich humorvolles Geplauder mit Auszügen aus Schmidts Texten. Ich war hingerissen von der Art Reemtsmas Wissen zu vermitteln und seiner spürbaren Begeisterung für das Thema.

Nun muss man mich nicht für Hunde begeistern, um zum Thema zurückzukommen, aber ich war wirklich gespannt darauf, was Reemtsma zu Hunden in der Kunst zu verkünden hat. Wer eine komplette Aufzählung mit Bildanalyse oder ähnlichem erwartet, der wird enttäuscht, das sei zu Anfang gleich gesagt. Der Titel "Einige Hunde" verrät es wohl schon, es geht um eine ganz subjektive Auswahl von Bildern verschiedener Epochen, die der Autor uns vorstellt. Und um die Frage nach der jeweiligen Funktion des oder der Hunde im Bild. Besonders drastisch gestellt zum Beispiel bei Rembrandts "Der barmherzige Samariter" mit einem, man verzeihe mir, kackenden Hund im Bildvordergrund.

Und wieder gelingt es Herrn Reemstma sein Wissen plaudernd zu vermitteln. Mit Abschweifungen, Einlässen, fließt der Text mäandernd dahin. Allerdings nie den Faden verlierend, es gibt eben so viel Interessantes drumherum zu berichten. Ich kenne diese Art der Wissensvermittlung mit leichter Hand eigentlich nur aus England.Hier in Deutschland werden Sachbücher im allgemeinen ernster, oder soll ich sagen "strenger",  angegangen. Wie auch immer, es macht Spass das Büchlein zu lesen, dem Autor bei seinen Gedankengängen zu folgen. Hilfreich dabei ist die Qualität der abgedruckten Bilder, bei dem kleinen Format des Buches nicht selbstverständlich.

Ein wunderschöner Band für Hunde- und Kunstfreunde mit einer feinen Auswahl an vorgestellten Bildern und einem interessant zusammengestellten Essay.

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Cover des Buches Daodejing (ISBN: 9783406717741)M

Rezension zu "Daodejing" von Laozi

Lebens-Text
michael_lehmann-papevor 4 Jahren

Lebens-Text

Nachdem Ende der Sechziger, Anfang der Siebziger Jahre des letzten Jahrhunderts durch die Jugendbewegung ein hohes Interesse an Alternativen, nicht rein materialistisch ausgerichteten Lebensweisen und Philosophien eine starke Verbreitung gerade auch fernöstlichen „Erkenntnisse“ durch Gurus, im Zen, durch alte philosophische Schriften erlebt hat, scheint nun wiederum „die Zeit reif“ zu sein, sich weiter und wiederum und auch tiefer mit jenen Schriften zu beschäftigen, die das Leben selbst zum Thema machen.

Eines der ältesten „Nach-Denk-Bücher“ über das Leben in asiatischer Traditin ist das Daodejing. Das in der hier vorliegenden Fassung eine „aufgefrischte“ und dennoch fundierte neue Übersetzung durch Jan Philipp Reemtsma erfahren hat.

„Das ist leer. Unerschöpflich. Der Abgrund, aus dessen Fülle alles war“.
„Das ist nicht tun. Doch bleibt nichts ungetan“.

Mit einem klaren Blick auf die Essenz des Lebens, die für Laozi „Wunschlosigkeit durch Einfalt und Namenlosigkeit“ ist.

Wobei schon bei diesen kleinen Sätzen klar ist, dass, wie viele fernöstliche und andere „Essenz-Worte“ sich der Inhalt dem Verstand nur Unzulänglich erschließt. Das Daodejing beinhaltet Einsichten, Worte, Einfachheiten und komplexe Zusammenhänge gleichermaßen, die auf anderen Ebenen ein „Schwingen der Seele“ hervorrufen wollen, als nu dem sachlichen Denken im Sinne einfacher Gebrauchsanweisungen dienlich zu sein.

Gerade diese meditative zugangsweise und der Anstoß in jedem der Texte, „das Herz“ erreichen zu wollen, gestalten die Lektüre des Daodejing zeitlos und in Form einer „inneren Arbeit“, die Geduld und Zeit benötigt, um sich setzten zu können.

„Dao ist ein einfacher Weg, Herrschende gehen die wirren Wege“.

Was man zugleich auf viele Ebenen setzten kann. In der äußeren Welt wie in der inneren. Denn auch im Menschen sind es vielleicht jene Kräfte, die „herrschen und kontrollieren wollen“ und damit „wirre Wege“, Ausflüchte, mit vielen Dehnungen versehene Argumentationen zur Rechtfertigung für sich selbst in Gang setzten.

Wobei der genau Inhalt des „einfachen Dao“ nun auch nicht umgehend dem Versand zugänglich ist, sondern innerlich durchgearbeitet werden muss, um hier und das auch das Gefühl von „Erkenntnis“ zu gewinnen.

Und dennoch und immer noch sind es jene Orientierungen im alten Text, die sich wohltuend abheben von einer Welt der Funktionalität, der Effizienz, des Konsums als vermeintlich starkem Lebenssinn und beständig und in großer Ruhe darauf verweisen, dass das Leben einen inneren Weg benötigt, um in sich Frieden und Sinn zu finden.

„Das Haus des. Seins ist mit nichts verfugt“, eine (mögliche) Übersetzung dieser tiefen Einsicht, dass das Äußere die Person nicht zusammenhält, die die Feinfühligkeit Reemtsmas ebenso aufzeigt, wie es eine tiefgreifende Anfrage an den „modernen Lebensstils“ eines äußerlich „immer mehr“ durch alle Zeiten hinweg seit tausenden von Jahren zeitlos in den Raum menschlichen Lebens stellt.

Lesenswert wie ehedem und anregend frisch in der neuen Übersetzung.

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Cover des Buches Im Keller (ISBN: 9783499222214)S

Rezension zu "Im Keller" von Jan Philipp Reemtsma

33 Tage - „eine aufgezungene Intimität zerstören“
StefanieFreigerichtvor 5 Jahren

Mich beeindruckt, wie Herr Reemtsma versucht, für sich einen Weg der Verarbeitung zu gehen. Seine Darstellung ist oft abstrakt (über Erlebnisse während der Entführung schreibt er in der dritten Person, um bei der Einschätzung dazu aus heutiger Sicht wieder zur ersten Person zu wechseln), sein Vokabular kann sehr anspruchsvoll sein, viele seiner Vergleiche sind literarisch, einiges stammt aus Kinderzeit und „Familienvokabular“ (Tiere, Zitieren von Macken etc.).
Ich kann und möchte Fiktion rezensieren. Ich kann und möchte „normale“ Sachbücher rezensieren, gerne auch Tatsachenberichte der Sorte „Meine Weltreise“ – über etwas, was jemand freiwillig getan hat. Hier geht es um einen Tatsachenbericht über ein Verbrechen. Die Worte können aus meiner Sicht daher nur von dem kommen, an dem es verübt wurde.

Direkt nach der Freilassung:
„Warum fahren wir eigentlich nach New York? Ob ich eine Ahnung habe, wie es ‚zu Hause‘ aussehe? Als ob wir Greta Garbo zu Besuch hätten.

Man kommt da nicht nach Hause, sondern ins Fernsehen.“ S. 10

Gründe für das Buch:
„Warum mit diesem Buch noch einmal das Gesicht zeigen, diesmal in Worten, diesmal freiwillig? Einmal eben darum, weil es bereits in der Öffentlichkeit ist, weil meine Geschichte schon überall kursiert, weil sie schon wenige Stunden nach meiner Freilassung öffentlicher Besitz geworden ist, so daß ich sie mir nicht nur für mich selbst (das ist der Grund, warum ich sofort nach meiner Freilassung begonnen habe, die Geschichte aufzuschreiben), sondern auch in der Öffentlichkeit wieder aneignen will.“ S. 15

„Ich habe festgestellt, dass es mir geholfen hat, von anderen Entführungsfällen zu wissen.“ S. 16

„warum…dieses Buch so bald….  … Die Antwort führt direkt … in den Keller. Eine Entführung, eine Zeit außerhalb aller anderen sozialen Kontakte als der antisozialen mit den Entführern, ist eine Zeit aufgezwungener Intimität.…. All das innerhalb eines extremen Machtgefälles: absolute Macht dort, absolute Ohnmacht hier. Das läßt man nicht im Keller zurück. Denn den Keller läßt man nicht zurück. Der Keller wird in meinem Leben bleiben, aber sowenig wie möglich von der mir in diesem Keller aufgezwungenen Intimität soll in meinem Leben bleiben. Das einzige Mittel gegen ungewollte Intimität ist Veröffentlichung.“ S. 17

während der Entführung – im Keller

s. 106 „If you want to cut my finger off – read this first!!“ (auf einem Zettel für die Entführer, als im Raum steht, an die Familie Reemtsmas zur Bekräftigung einen seiner Finger zu senden – innen unter anderem Gedanken über eine mögliche Gefahr der Infektion, Penizillinallergie etc.)

S. 138 "Daß der Engländer [einer der Entführer] sich gleichsam als Verdienst anrechnen lassen wollte, was er in den 33 Tagen im Keller alles nicht tat, ist allerdings Zeichen einer signifikanten moralischen Verwahrlosung."

im Rückblick:
S. 180 "Man verliert diesen Gedanken nie: Dieser Mensch verfügt über mein Leben."
S. 186 "...was sie seiner Familie angetan hatten, würde er ihnen nie verzeihen können."
S. 190 „Er hatte in seinem Keller oft das Gefühl, aufgeben zu wollen; er empfand es als gleichsam ungerecht, daß er gar nicht die Chance hatte, aufzugeben und dadurch irgend etwas zu bewirken. Mit der Möglichkeit aufzugeben war ihm auch die Möglichkeit genommen, nicht aufzugeben, aktiv durchzuhalten."
S. 191 „Vielleicht wird Übermächtigung immer von Gefühlen der Scham begleitet.“

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