Im Hause Transpress hat man sich offenbar von der GeraMond-Reihe "101 Dinge" inspirieren lassen und setzt nun auf ähnlich übersichtliche Softcover mit leicht zugänglich aufbereitetem Inhalt. Allerdings wiederholt das Autorenduo die Fehler der Konkurrenz.
Die Gliederung ist vom Grundgedanken her gar nicht mal so schlecht. Nicht nach Baujahr, Leistung oder Herkunftsland, sondern nach den Achsfolgen sortieren Kühne und Reiners die Maschinen, womit zumindest für etwas Abwechslung in den ersten Kapiteln gesorgt ist. Immerhin entwickelten sich in den ersten Jahren der Bahngeschichte die Loktypen so schnell, dass Achsfolge A und B sowohl Schnellzugloks als auch Güterzugmaschinen betreffen konnten - oder eine Lok erledigte gleich beide Jobs.
Mit der Zeit wächst die Spezialisierung, das lässt sich anhand der ausgewählten Lokomotivtypen gut nachvollziehen. Allerdings müsste man den Titel ergänzen, denn es sind nicht einmal annähernd die für die Entwicklungsgeschichte der Dampflokomotive typischen Fahrzeuge enthalten. Der Schwerpunkt liegt auf Deutschland und Österreich, vereinzelte Exemplare aus Belgien, Ungarn, Polen, Tschechien und Großbritannien mischen sich darunter, sowie ganz am Schluss gerade einmal zwei amerikanische Gelenkloks, ausgerechnet im Kaptiel "Achsfolge F und mehr". Für ein eigenes Gelenklok-Kapitel hat es nicht gereicht.
An solchen Punkten stößt die eigentlich gut durchdachte Gliederung an ihre Grenzen und es wird das Bedürfnis erkennbar, es irgendwie jedem recht zu machen. Dabei gehen wirklich wichtige Loktypen wie Trevithicks allererste Maschinen oder die "Americans" der in Nordamerika einst sehr populären 2'B-Type völlig verloren. Egal wie subjektiv die Auswahl auch sein mag: Das sind keine 100 Dampfloks, die man kennen muss, eher 100 Dampfloks, die sich hoffentlich gut verkaufen, denn es ist kein Geheimnis, dass internationale Lokbücher auf dem deutschen Markt eher schlecht laufen, wie interessant sie auch sein mögen.
Umso verwunderlicher ist es, dass auf dem Cover keine traditionelle Einheitslok abgebildet ist, sondern stattdessen die vergleichsweise exotische 01.10, die identisch übrigens schon auf dem Transpress-Titel "Stromlinie" von Alfred B. Gottwaldt erscheint. Insgesamt ist das Buch leider nur einer der üblichen Bände über größtenteils deutsche Dampfloks, wie man sie schon viel zu oft gesehen hat. Nichts Neues für Fans, kein wesentlicher Aha-Effekt. Ein nettes Geschenkbuch, das allerdings durch die Verwendung fast ausschließlich schwarz-weißer (und damit wahrscheinlich kostengünstigerer) Bilder den Mitbewerbern kaum etwas voraus hat. Schade drum.
Jan Reiners
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Quelle: Verlag / vlb
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Jan Reiners großzügig ausgestattetes Buch ist eine zusammengefasste Neuauflage der beiden Bände "Deutsche Dampfloks im Bild" und "Deutsche Schmalspurdampfloks im Bild". Soweit, so bekannt. Inhaltlich wurden vor allem aktuelle Daten und Streckenlisten überarbeitet, sonst bleibt es bei einer Auswahl der bekanntesten Baureihen.
Somit muss man vor allem im Regelspur-Teil Abstriche machen. Die populärsten und ohnehin überall vorgestellten Loks, von 01 bis 58, haben es ins Buch geschafft, Länderbahn-Lokomotiven, Rangier- und Nebenbahnloks und überhaupt alles, was keinen Schlepptender hat, kommt nicht vor. Reiners erhebt zwar keinen Anspruch auf Vollständigkeit, trotzdem wäre es spannend gewesen mehr seltenere Fahrzeuge wie die Baureihen 04, 06 oder irgendetwas aus der Prä-DRG-Zeit zu sehen.
Der zweite Teil über Schmalspurlokomotiven hat schon mehr zu bieten. Auch hier konzentriert sich der Autor eher auf die bekannteren Einheitsloks der meterspurigen und 750-mm-Netze, bringt jedoch auch manches sonst nicht so häufig besprochene Exemplar wie die Trambahndampflok der ehemaligen Plettenberger Kleinbahn, die Loks der Härtsfeldbahn und der Mansfelder Bergwerksbahn unter. Dazu einige Länderbahnklassiker wie die unvermeidliche sächsische IV K und die württembergische Tssd und fertig ist der repräsentative Querschnitt durch die Bauartenvielfalt deutscher Schmalspurdampfloks.
Ähnliche Akribie hätte man sich auch für Teil 1 gewünscht, der hat jedoch wenigstens noch eine gut zusammengefasste Einführung zum Lokomotivbau in Deutschland zu bieten. Überhaupt sind sämtliche Texte zu den jeweilige Baureihen ausführlicher und besser informiert als in vielen Konkurrenzprodukten. Danke dafür! Außerdem kommen bei diesem Buchformat endlich die oft etwas stiefmütterlich behandelten Maßzeichnungen mit allen Angaben voll zur Geltung, während die zahlreichen großformatigen Fotos dem Buch Qualitäten eines hochwertigen Eisenbahn-Bildbands verleihen.
Dazu sind alle wichtigen technischen Daten enthalten sowie übersichtliche Tabellen, z.B. mit den verwendeten Abkürzungen und den noch vorhandenen deutschen Schmalspurstrecken. Eine gute Mischung also, wer es allerdings vollständiger möchte wird auf Komplettverzeichnisse wie Horst J. Obermayers Eisenbahn-Taschenbücher und das ebenfalls bei Transpress erschienene Deutsche Lok-Archiv weiterhin nicht verzichten können.
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