Jan Skacel

 4,8 Sterne bei 18 Bewertungen
Autor*in von Wundklee, Und nochmals die Liebe und weiteren Büchern.

Lebenslauf

Jan Skácel (1922-1989) stammt aus Südmähren und ist einer der wichtigsten Lyriker tschechischer Sprache. Trakl und Huchel sind seiner Vorbilder. Vor dem Einmarsch der sowjetischen Truppen in die Tschechoslowakei veröffentlichte er zahlreiche Bücher und war Chefredakteur einer Literaturzeitschrift. Danach konnte er über ein Jahrzehnt nicht mehr in seiner Heimat publizieren. 1989 erhielt Jan Skácel den Petrarca-Preis.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Jan Skacel

Cover des Buches Fährgeld für Charon (ISBN: 9783875360936)

Fährgeld für Charon

(3)
Erschienen am 01.01.2015
Cover des Buches Wundklee (ISBN: 9783596101290)

Wundklee

(8)
Erschienen am 01.10.1998
Cover des Buches Und nochmals die Liebe (ISBN: 9783701707904)

Und nochmals die Liebe

(5)
Erschienen am 01.10.1996

Neue Rezensionen zu Jan Skacel

Cover des Buches Wundklee (ISBN: 9783596101290)
Trishen77s avatar

Rezension zu "Wundklee" von Jan Skacel

Trishen77
"Im Funkeln hört die Düsternis auf mit dem Schwarz". Skacel, ein Dichter verschwindender Entwindung

       "die laubigen laubfrösche bitten laut
(der morgen stellt sich häufig taub und blind)
mit laub auf den stimmen mit zungen betaut
für alle die im herzen barfuß sind"

Gedichte haben mir gezeigt, dass das Unspektakuläre oft sehr viel höher in unserem Empfinden Nachhall und Gleichsinn findet, als das Spektakuläre, das allein für den Moment uns in sein Ebenbild stellt. Auch das Gedicht tut dies, aber mit dem Zusatz, dass es einen ganz kleinen Teil seiner selbst von diesem Ebenbild ausschließt und uns diesen kleinen, feinen Anteil auf anderem Wege zukommen lässt, der nicht freizulegen und auch nicht leicht zu beschreiben ist. Er liegt irgendwo zwischen Erinnerung und Erfahrung und verbindet uns auf einer ganz speziellen Ebene der Sprache mit unserer innersten Wahrnehmung, unserem einzig wahren Gefühls- und Bilderkatalog.

"kindheit ist das was irgendwann
gewesen ist und aus dem Traum nun hängt
ein faden fesselrest den man
zersprengen kann und nie zersprengt"

Es gibt ganz unterschiedliche Weisen, auf welche ein Gedicht gelingen kann - doch oft ist es leider nur eine zentrale Komponente, die ein bestimmtes Gedicht zusammenhält. Groß muss man daher wohl die Dichter nennen, bei denen sich teilweise diese einzelne Komponente nicht findet, dafür aber zahllose sehr individuelle Komponenten.

Jan Skácel hat das beinahe klassische Schicksal der osteuropäischen Dichter des 20. Jahrhunderts tragen müssen, wie auch Joseph Brodsky und unzählige andere. Seine Werke durften nach dem Ende des Prager Frühlings nicht mehr gedruckt werden, obwohl er trotz Engagement und Humanismus kein politischer Dichter war, bis gegen Anfang der 80er Jahre auch in der Tschechoslowakei das Tauwetter einsetzte. In Deutschland sollte sein Werk allein deshalb bekannt sein, weil Rainer Kunze eine sehr beeindruckende und filigrane Übersetzung seiner Werke in unsere Sprache gelungen ist. Skácel starb 1989.

"und wie eine unerbittliche seltenheit
wird erinnerung auf erinnerung gelegt werden
ins nichtgedächtnis der welt"

"und nicht wahr ist`s dass das schicksal uns betrügt
weil das schicksal eine münze ist die lange fällt
ob der adler fällt oder der kopf
wird sich zeigen wenn sie auf der erde liegt"

Als ein Dichter der unterlassbaren Schwermut, der einsamen Hoffnungskerze, ist Skácel in der Tat ein Dichter der sich nah bei dem deutschen Dichter Peter Huchel oder auch seinem russisch-amerikanischen Kollegen Brodsky verorten lässt. Unabstrakt arbeitet er in seinen längeren Gedichten (die meist auch über eine Seite nicht hinausgehen) mit uneindringlichen, langsam in das Thema seines Gedichts überschwappenden Bildern, die sich mit einer Welt aus Schemen und Lichtmomenten, einer gewissen Armut des Lebens und einer Anmut und Fülle des Lebendigen verbinden.

"die häuser am holunder tun mir leid
all ihre Wunden möchtest du verbinden
nacht ist's in den höfen duften die linden
wie eine ratte nagt am putz die zeit"

Auf der anderen Seite sind da die kreisrund anmutenden Vierzeiler (aus denen hier am meisten zitiert wurde). In Ihnen hält Skácel Dialog mit dem Leser, wie es nur wenige Dichter ohne Übergriffe vermögen. Mich haben diese Vierzeiler am meisten beeindruckt, auch wenn Skácel ansonsten ebenfalls ein sehr bestechender Poet ist. Aber man sucht ja immer das, was einen selbst mit neuer Stimme und doch mit ewiger Erkenntnis des Wahren anspricht.

"vor der für immer letzten pforte
wenn man hinübersieht
kehrt zurück die kinderträne
und kullert unters Lid"

Die Kunst, mit den Worten die Dunkelheit zu vertreiben, ist möglicherweise nicht zu erreichen. Die Kunst, mit Worten die Dunkelheit zu erhellen und in diesem Lichte die Dinge wieder neu ansehen zu können, ist etwas, für das ich immer wieder dankbar bin - ich persönlich finde dieses Licht oft in Gedichten, auch vielfach in diesen Gedichten von Jan Skácel.

"Noch glauben wir's einander nicht dass aus dem nahen dickicht
der herbst tritt
Immerzu liegen die bäume vor anker in wurzeln wie glocken
Sicherheit überkommt
Und wunderschön das überflüssigsein der klage"

Cover des Buches Fährgeld für Charon (ISBN: 9783875360936)
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Rezension zu "Fährgeld für Charon" von Jan Skacel

SV
Rezension zu "Fährgeld für Charon" von Jan Skacel

Trinkspruch

Stoßen wir an,
und trinken wir's still aus.
Keinem erzählen wir,
was der wein von uns weiß.

Und fallen wird ein stern.
Wie blattgold dünn.
Und das wasser am brückenstein
wird silbern sein.

"Ja", möchte man sagen, "das tun wir, so solls sein"

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