Jan Stressenreuter Mit seinen Augen

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Inhaltsangabe zu „Mit seinen Augen“ von Jan Stressenreuter

Felix findet auf dem Dachboden seines Elternhauses eine geheimnisvolle Truhe. Eine Truhe, deren Inhalt aus alten Fotos, Briefen und Tagebüchern besteht, die sein schon früh ums Leben gekommener Vater zurückgelassen hat. Die Dokumente entführen ihn in die Zeit vor seiner Geburt, in die spießigen 50er Jahre, und sie geben ein Geheimnis preis, mit dem Felix nicht gerechnet hat: sein Vater hatte eine Liebesbeziehung zu einem anderen Mann. Neugierig macht sich Felix auf die Suche nach Anton, dem Liebhaber seiner Vaters, eine Suche, die nicht nur sein Bild des Vaters, sondern auch ihn selbst für immer verändern wird. Mit seinen Augen ist eine detailreiche Zeitreise in ein Deutschland, in dem schwule Männer in ständiger Angst vor Entdeckung, gesellschaftlicher Ächtung und Gefängnis lebten, und in dem doch die Liebe zwischen Männern möglich war. Die beklemmende Atmosphäre der ersten Nachkriegsjahre und ein Stück vergessener schwuler Geschichte werden lebendig.

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  • Rezension zu "Mit seinen Augen" von Jan Stressenreuter

    Mit seinen Augen
    HowardJ

    HowardJ

    26. February 2012 um 09:45

    Eine Lesung anlässlich der Vorstellung eines neuen Buches ist nichts Besonderes. Dass sie in Köln stattfindet, auch nicht. Wenn es sich um das neue Buch von Jan Stressenreuter handelt, der jahrelang im Englisch-Leistungskurs neben mir gesessen hat und ebenso verzweifelt versuchte, Gedichte von T.S.Elliot zu verstehen, Songtexte von Don McLean zu interpretieren oder Artikel aus der Newsweek zu analysieren, dann schon eher. Und wenn die Buchpremiere dann noch bei Brunos (www.brunos.de) steigt, dann rückt das Ganze schon etwas näher an das Besondere heran. Zumindest für mich. Ich gebe zu, dass ich mit einem etwas mulmigen Gefühl in die Kettengasse nach Köln kam. Warum eigentlich? Homosexualität ist nichts Unnormales. Dennoch habe ich das Gefühl, in eine fremde Welt zu kommen. Eben weil die Gay-Shops nicht meine Welt sind. Eben weil es doch kein ganz normaler Buchladen ist, in dem die Lesung stattfindet. Das hat weniger was mit den Themen der Bücher zu tun, die hier verkauft werden. Auch das Ambiente ist hell, offen, freundlich. Es sind eher solche Gimmicks wie die Plastik-Schniepel, die neben den Ralf König-Comics feilgeboten werden, und die mir ein ungewolltes Grinsen aufs Gesicht treiben. Damit hört das Außergewöhnliche aber auch schon auf. Zur Begrüßung wird ein Glas Prosecco gereicht, ich wechsel’ ein paar Worte mit Jan, setze mich dann in die dritte Reihe und warte, dass es los geht. Bevor er anfängt sagt Jan, dass er nervös sei. Aber das kann er offenbar gut verbergen. Auch diese Koketterie: normal. Aus dem Klappentext weiß ich, dass der Roman von Felix, Mitte 40, handelt, der auf dem Dachboden Fotos, Briefe und Tagebücher seines früh verstorbenen Vaters findet. Daraus erfährt er, dass sein Vater ein Verhältnis zu einem anderen Mann hatte. Die Handlung spielt auf zwei Zeitebenen, die geschickt mit einander verknüpft werden. Dank sehr guter Recherche wird besonders die Adenauer-Ära plastisch herausgearbeitet. Die Szenen rund um Anstand, Moral und Paragraph 175 lassen den Geist dieser Jahre spüren. Es wird klar, dass der Weg weg von der Nazizeit noch ein weiter ist. Die im Mittelpunkt stehende Dreiecksgeschichte ist gut konstruiert, lässt den Leser mitfiebern. Der flüssige Schreibstil tut sein übriges, dass man das Buch nur ungern aus der Hand legt. Besonders die Zerrissenheit von Felix’ Vater zwischen dem Wunsch nach Anerkennung, die nur über die damals gültige Vorstellung von Normalität erreicht werden kann, und seinen Neigungen kommt eindrucksvoll herüber. Das lässt auch darüber hinweg sehen, dass nicht alle Perspektivwechsel immer nachvollziehbar sind und der ein oder andere kleinere Bruch in der Logik vorhanden ist. Die Kapitel, die Jan für die Lesung ausgesucht hat, machen neugierig. Ich erstehe ein Exemplar, selbstverständlich mit Widmung, und gehe mit einer kurzweiligen Lektüre nach Hause.

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