Jan Terlouw

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Autor von Kriegswinter.

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Kriegswinter

Kriegswinter

 (7)
Erschienen am 01.01.2013

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Rezension zu "Kriegswinter" von Jan Terlouw

Kriegswinter
Claudia-Marinavor 3 Jahren

1944/45. Kriegswinter. Der letzte. Doch das wissen die Menschen in den von den Nazis besetzten Niederlanden leider nicht, und so versuchen sie, so gut es geht über die Runden zu kommen. Mit dem Wenigen, das sie zum Leben haben, versorgen sie sich und auch immer wieder die, die noch weniger haben. Verstecken Juden, sind im Widerstand aktiv – und hoffen, dass sie nicht verraten werden.

So geht es auch dem 15-jährigen Michiel. Seit er nicht mehr zur Schule gehen kann, schlägt er sich so gut es geht durch und hilft seinen Eltern, wo er nur kann. Trifft seine Freunde und versucht das Beste aus der Situation zu machen. Einen Alltag zu finden. Bis ihm sein Freund Dirk einen streng geheimen Brief übergibt.

Michiel wird in den Widerstand verwickelt. Er soll einen englischen Piloten versorgen, der schwer verletzt im Wald versteckt gehalten wird. Zusammen mit seiner Schwester Erica gelingt es ihm, den Soldaten am Leben zu halten – doch jetzt beginnt ein Versteckspiel, und Michiel weiß nicht mehr, wem er noch vertrauen kann.

Dass Kriegswinter ein Jugendbuch ist, merkt man schon auf den ersten Seiten, denn die Sprache ist doch sehr einfach gehalten – und leider schwingt darin auch immer ein leicht belehrender Tonfall mit. Ob das in einem Buch über den zweiten Weltkrieg immer so sein muss, wage ich zu bezweifeln, aber darüber lässt sich sicherlich reichlich diskutieren.

So sind dann auch Themen die ewig selben – Freundschaft und Familie, Zusammenhalt und Verrat, der Kampf Gut gegen Böse. Damit will ich keinesfalls die Opfer dieses schrecklichen Krieges bagatellisieren, ich will einfach nur ausdrücken: Die Geschichte ist nicht neu. Gut, welche ist das schon? Noch ein Diskussionsthema.

In den Niederlanden war Jan Terlouws Roman ein riesiger Erfolg, auch in der Verfilmung, mich hat er jedoch nicht berühren können. Weil ich mit den Charakteren nicht warm geworden bin, weil mich die Geschichte nicht packen konnte und letztendlich auch, weil es mir sprachlich zu einfach war.

Ich denke, dass es bei Roman über den Zweiten Weltkrieg oft die Vorstellung gibt, man müsse sie mögen, weil das Thema so ernst ist und so eng mit der fest im kollektiven Gedächtnis sitzt und einem immer wieder eingebläut wurde und wird, wie wichtig das ist – was es auch ist, keine Frage. Aber wenn mich ein Roman nicht berührt, dann tut er das nicht – egal zu welchem Thema.

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Rezension zu "Kriegswinter" von Jan Terlouw

Kriegswinter von Jan Terlouw - Ein authentischer Roman
Tintenfaesschenvor 6 Jahren

Kriegswinter 1944/45: Die Niederlage der Deutschen zeichnet sich bereits ab, doch Teile der Niederlande sind noch besetzt. In diesen schweren Zeiten, die geprägt sind von Ausgangssperren, Überwachung, Bomben und einer ständigen Angst vor den deutschen Soldaten, muss der 15-jährige Michiel auf einmal ganz schnell erwachsen werden, denn er gerät unfreiwillig in die Aktivitäten des Widerstandes, indem er einen vertraulichen Brief überreichen soll. Doch dazu soll es nicht kommen und schon steckt Michiel mitten im Widerstand gegen die deutsche Besatzung. In einem Waldstück soll er einen englischen Piloten versorgen und braucht dabei die Hilfe seiner Schwester. Die Ereignisse überschlagen sich und Michiel muss bei diesem gefährlichen Versteckspiel die Erfahrung machen, dass er noch nicht einmal seinen engsten Bekannten vertrauen kann.

"Und deshalb, Michiel, lass dir nicht einreden, im Kriege gehe es um Werte wie Heldenmut und Aufopferung oder um Spannung. Krieg bedeutet immer Hunger, Tränen, Entbehrungen, Angst, Schmerz, Gefangenschaft und Unrecht, und das alles hat ganz und gar nichts Abenteuerliches."

Ich gebe es zu, ich hatte Respekt vor “Kriegswinter”, aus dem einfachen Grund, da ich noch nicht sehr viel Erfahrung mit Gegenwartsliteratur habe. Daraufhin habe ich ganz unvoreigenommen - also ohne mich vorher weiter über dieses Werk zu informieren- angefangen es zu lesen. Und so ließ mich das Buch nach Beendigung mit zweierlei Gefühlen zurück, nicht was die Meinung über diesen Roman betrifft, sondern vielmehr was die Stimmung und die Atmosphäre, die dem Leser vermittelt wird, angeht. Leid und Trauer auf der einen Seite und Freude und Hoffnung auf der anderen. Diese Gefühle liegen am Ende des Buches nah beieinander und, so vermute ich, war es auch am Ende des 2. Weltkrieges. Dies spiegelt auch die Authentizität des Romans wieder, die ich im gesamten Leseverlauf festgestellt habe. In einem Roman der Gegenwartsliteratur, und im Werk “Kriegswinter” im Besonderen, ist dies doch von entscheidender Bedeutung. Diese Authentizität erreicht Terlouw in seinem Werk durch seine Kindheitserinnerungen, die er mit der Geschichte verflochten hat.

Terlouw wählte als Erzählperspektive die 3. Person. Und wenn dies der Fall ist, stellt sich mir als Leser die Frage, ob es hier sinnvoll und gelungen ist und ob nicht in einigen Passagen die Ich-Perspektive besser wäre, um die Innenwelt des Protagonisten näher zu beleuchten und seine Emotionen aufzuzeigen. Terlouw erreicht dies jedoch auch geschickt durch Gedankengänge, die in kursiver Schrift auftauchen. Trotzdem fehlen mir in einigen Szenen, z.B. als Michiels Vater, der Bürgermeister, als Geisel genommen und erschossen wird, die Schilderung tiefer Emotionen. Ein einfacher Schreibstil, der sich durch den gesamten Roman zieht, ist hier durchaus positiv, da er ein schnelles und flüssiges Lesen erlaubt.

Der 15-jährige Michiel muss plötzlich erwachsen werden und begreift schnell worum es in diesem Krieg geht, wobei er erst 11 Jahre alt war, als deutsche Truppen in den Niederlanden und Belgien einfielen. Zu diesem Zeitpunkt hielt er den Krieg für “eine spannende Sache”. Zweifel kamen aber schon früh auf und als er in die Aktivitäten des Widerstandes gerät, setzt er sich weiter mit der Bedeutung des Krieges auseinander. Er begreift den Ernst der Lage und weiß, dass es um Leben und Tod geht. Nach der Devise “Ein falsches Wort kann den Tod bedeuten” handelt er mutig und überlegt. Wie er sich im Laufe der Geschichte entwickelt und an seinen Aufgaben wächst ist wirklich gut zu lesen. Er bewundert immer wieder andere aus dem Widerstand für ihren Mut, dabei ist er derjenige, der mit 15 Jahren beweist, wie mutig und verantwortungsbewusst er handeln kann. In “Kriegswinter” sind geschichtliche Fakten simpel erläutert, stehen aber nicht unbedingt im Vordergrund. Dazu gibt es aber am Ende des Buches eine kurze Information über die Besetzung der Niederlande und ein Glossar mit Begriffen aus dem 2. Weltkrieg und weiteren Worterklärungen. Die Geschichte fügt sich bis zum Schluss gut ineinander, auch wenn man bereits vor der Enthüllung des Verräters ahnt, um wen es sich handeln könnte.

Die Originalausgabe erschien bereits 1972 unter dem Titel “Oorlogswinter” und wurde erst jetzt, 40 (!) Jahre später, ins Deutsche übersetzt. Nun mag man sich wundern, aber ehrlich gesagt, bin ich über diese Tatsache doch erfreut, wer weiß, ob ich sonst “Kriegswinter” je in meinen Händen gehalten hätte. Ich empfehle “Kriegswinter” wirklich jedem! Es ist ein authentischer und durchaus überzeugender Roman, den man getrost zwischendurch lesen kann!

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Rezension zu "Kriegswinter" von Jan Terlouw

Rezension zu "Kriegswinter" von Jan Terlouw
Ein LovelyBooks-Nutzervor 6 Jahren

Inhalt
1945 kurz vor Ende des zweiten Weltkrieges sind trotzdem noch weite Teile der Niederlande von den Deutschen besetzt und es herrscht Hunger und Verzweiflung unter den Menschen. Doch auch Vertrauen und Verrat spielen eine große Rolle in diesen Tagen: Wer spioniert für die Deutschen, wer verrät seinen Nachbarn oder wer ist im Widerstand gegen die Besetzer, wem kann man trauen? In dieser schwierigen Zeit lebt der 15 jährige Michiel mit seiner Familie. Als er einem abgestürzten englischen Piloten helfen will, sich zu verstecken und zu versorgen, beginnt ein Spiel um Angst, Verrat und Menschlichkeit, denn wem kann Michiel vertrauen, wer kann ihm helfen?

Meine Meinung
Da ich schon einige Bücher über die Kriegszeiten gelesen habe, alle aber aus deutscher Sicht, war es sehr interessant dieses Buch von Jan Terlouw zu lesen und zu erfahren, wie der Krieg auch in den Niederlanden gewütet hat.
Nicht nur in Deutschland sondern auch in den Niederlanden gab es erstaunlich viele Sympathisanten, die den Deutschen und Hitlers Zielen wohlgesonnen waren und sowohl offen als auch im Geheimen mit den Deutschen kolaborierten und so auch für unzählige Deportationen sorgten.
In dieser Zeit gab es aber auch viele mutige Menschen, die sich gegen die Besetzer stellten und verfolgte Menschen bei sich versteckten und versorgten.
Zu diesen mutigen Menschen gehört auch Michiel, erst 15 Jahre jung, der ungewollt in die Geschehnisse um einen britischen Soldaten hineingezogen wird. Der Soldat wurde abgeschossen und ist in der Nähe von Michiels Dorf abgestürzt. Durch schicksalhafte Verkettungen unterliegt der Soldat nun der Verantwortung Michiels und er entscheidet sich dem Soldaten zu helfen auch wenn das lebensgefährlich ist. Doch der Soldat benötigt nicht nur Nahrung sondern auch ärztliche Hilfe für seine Verletzungen und so muss Michiel weitere Menschen in sein Geheimnis einweihen. Doch wem kann man in diesen schwierigen Zeiten vertrauen, in der selbst nahestehende Menschen aus Geldgier oder purem Neid an die Nazis verraten werden. Michiel begibt sich in Gefahr und vertraut sich einigen Menschen an, von denen er glaubt ihnen vertrauen zu können. Ist das ein Fehler? Geht alles gut, oder landet Michiel in den Armen der verhassten Deutschen und muss um sein Leben fürchten?
Eindrucksvoll aber mit einfacher und verständlicher Sprache erzählt der Autor in diesem Buch die Geschehnisse um Michiel und den zweiten Weltkrieg. Die Erzählweise ist sehr gut verständlich und besonders für Jugendliche geeignet.
In diesem Buch, das sicher auch autobiographische Züge aufweist oder zumindest einige Kindheitserinnerungen, denn der Autor war selbst Zeitzeuge und zum Zeitpunkt des Krieges 14 Jahre alt, erfährt man ausführlich über die Situation der Menschen damals: Wie sie Hunger gelitten haben, hunderte von Kilometern zu Fuß zurück gelegt haben um ein paar Lebensmittel für die Familie zu besorgen, über den Strom der Menschen, die in deutsche Arbeitslager geschickt wurden, über den Zusammenhalt in der Familie, über die Kinder, die arbeiten gehen müssen anstatt die Schule besuchen zu können. In diesem Buch erfährt man bildhaft einiges über die damalige Situation und wie die Menschen mit Angst, Verlust, Tod und einigem mehr umgehen mussten.
Der Protagonist Michiel wird vom Autor sehr authentisch dargestellt und ist auf Anhieb sympathisch. Man kann direkt mit ihm mitfühlen und erkennt, wie der Junge im Buch nach und nach erwachsener wird und mehr und mehr Verantwortung übernimmt.

Fazit: Für mich war dieses Buch lesenswert und ich kann es nur empfehlen, denn es trägt dazu bei, sich noch mal vor Augen zu halten, wozu die Menschen in der Vergangenheit fähig waren und wozu sie auch in Zukunft wieder fähig sein könnten.

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