„Schwarzes Licht“ von Jan Viebahn
(Überarbeitete Neuauflage 2018; Print)
⭐️ ⭐️ ⭐️
Grundidee & Setting:
Die Grundidee ist nicht neu und wurde schon in einigen anderen Büchern und auch vielen Filmen aufgegriffen:
Jemand findet sich plötzlich in einer völlig fremden Parallelwelt wieder. So geschieht es auch hier mit dem Protagonisten Johann.
Die mittelalterliche Welt war durchaus interessant, aber für mich noch nicht gut genug ausgearbeitet, mir fehlten die Details (zu Sitten, Bräuchen, Sprache usw.).
Hier hätte man weitaus mehr herausholen können.
Ebenfalls verwundert hat mich, dass dieses Buch Dark Fantasy sein soll, ich empfand es beim Lesen eher als eine düstere (etwas schwache) High Fantasy mit Orks, Elben, Dämonen und Magiern, die allesamt nicht gut genug durchdacht waren.
Die beigefügte Karte ist zwar schön anzusehen, doch stimmt sie nicht ganz mit der Landschaft überein, die im Buch vorkommt. Bspw. durchqueren Johann und sein Begleiter die Hjulakwüste, die dort an den Siliniwald angrenzt - auf der Karte nur nicht.
Erzählstil/Erzählweise:
Mit dem Erzählstil des Autors hatte ich manchmal so meine Probleme. Er war leicht „altertümlich“, was aber meist eher gezwungen wirkte und auch nicht durchgängig war. Immer wieder wurde in eine modernere, einfachere (und damit einfach unpassende) Sprache gewechselt, auch bei den Dialogen.
Eine durchgehender Erzählstil hätte schlichtweg die Authentizität gesteigert.
Auch wollte der Autor seine erschaffene Welt wohl „brutal“ erscheinen lassen, denn es gibt genügend Szenen, in denen es um Mord, Verstümmelung, Krieg u.ä. geht. Allerdings laufen diese viel zu schnell und nebensächlich ab, dass sie kaum auf einen wirken und man sie schnell wieder vergessen hat. Genauso wie die Tode alle paar Seiten. Das Namensregister am Ende des Buches hat sich auf nicht mal 300 Seiten rasch verkleinert.
Handlungsaufbau:
Zuerst befindet sich der Protagonist Johann noch (sehr kurz) in der realen Welt, um nach seinem vermeintlichen Tod in der bereits erwähnten Parallelwelt zu erwachen.
Die Handlung beginnt durchaus spannend, „gedämpft“ durch den eigenartigen Erzählstil und die Tatsache, dass der Protagonist bis zum Ende des Buches eigentlich nur herumreist und wieder und wieder in Kämpfe gerät, ohne das es einen wirklichen Höhepunkt im Buch gibt.
Die Perspektiven der anderen Charaktere haben das nur wenig verbessert, obwohl sie zum Verständnis der Handlung beitragen. Viele Hintergründe bleiben dennoch offen und hätten auch gar nicht in so ein kurzes Buch gepasst.
Die Rückblenden bzw. Erinnerungen des Protagonisten haben die Stimmung beim Lesen dann noch einmal verschlechtert. Jedes Mal fühlte ich mich aus dem Geschehen herausgerissen und gestört. Auch habe ich mich gefragt, wie Johann in dieser grausamen Welt, zwischen Monstern, Mord und Totschlag noch Gedanken dafür übrig hat.
Dass er an seine große Liebe in der anderen Welt denkt ist durchaus logisch - nur wieso ausgerechnet an einen Las Vegas Urlaub, in dem sie ja umwerfend aussah, oder an die feuchtfröhlichen Partys (wortwörtlich so genannt) in seiner Studienzeit?
Charaktere:
Alle Charaktere, selbst Johann, blieben für mich flach und ohne besonderen Tiefgang.
Es gibt die „Guten“, die Anhänger des Pergonia Ordens und das Kaiserreich, und die „Bösen“, die Dunkelmenschen.
Johann, der nach seiner Landung in der Parallelwelt in einem Dämonenkörper steckt, hat ein „reines“ Herz, wie sein späterer Begleiter feststellt, obwohl auch mal aus Blutlust ein paar Orks zerfetzt oder zerstückelt. Gerade hier hätte es so viel Potential für die innere Zerrissenheit und den Zwiespalt Johanns gegeben, der durch seine dämonische Seite ausgelöst wird. Solange er jedoch nur die Feinde des Kaiserreichs ab metzelt, hat er keine zu großen Gewissensbisse - seine Verbündeten auch nicht.
Zu den Nebencharakteren gibt es nicht viel zu sagen. Außer das einige mehr, andere weniger böse sind. Leider entwickelte sich auch ein zuerst interessanter weiblicher Nebencharakter zum Negativen, der zuerst Gutes tun will, dann auf einmal selbst die Macht an sich reißen will und am Ende doch wieder gut wird.
Teilweise wirkten die Charaktere auch schlichtweg lächerlich. So beispielsweise der Herrscher der Dunkelmenschen Kjulan. Wurde dieser vom Autor zunächst noch (einigermaßen) bösartig und bedrohlich beschrieben, driftet es in einer Szene wie folgt aus, in der Kjulan sich einem (augenscheinlichen) Verräter gegenüber sieht:
Kjualan hingegen sprang auf und schrie wütend: „Was hat das zu bedeuten, Zalfar? Du wagst es, dich einfach zu erheben?[...] Ich erwarte Erklärungen!!“ (Seite 252)
Hier sei gesagt, dass Kjulan in einem früheren Kapitel aus reiner Machdemonstration einen Untergebenen mit dem Schwert getötet hat, der vor ihm kniete. Daran kann man gut erkennen, wie widersprüchlich die Charaktere teils sind.
Fazit:
Mich konnte dieser 1. Band einer Reihe nicht überzeugen. Da ich das Buch allerdings gewonnen hatte, wollte ich es wenigstens zu Ende lese und eine Rezension dazu verfassen.
Die Handlung „plätschert“ so dahin ohne wirkliche Höhepunkte und ich fühlte mich als Leser nicht mitgerissen. Weder von der Welt, noch dem Handlungsablauf oder den Charakteren.
Mir fehlte es vor allem an einer besser ausgearbeiteten Welt, einem an das Setting angepassten Erzählstil und Charakteren mit Tiefgang und Authentizität.
Daher vergebe ich nur 3 von 5 Punkten.