Jan Wagner Guerickes Sperling

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Inhaltsangabe zu „Guerickes Sperling“ von Jan Wagner

Er übersetzt uns die Welt. Wie schon in seinem preisgekrönten Debüt Probebohrung im Himmel schickt Jan Wagner den Leser mit seinen neuen Gedichten auf eine Expedition der Wahrnehmung. Oft auf Reisen, ob im Ausland oder in der deutschen Provinz, überall findet er Geschichten und Geheimnisse des Alltäglichen. Kein Detail ist belanglos, kein Thema zu groß. Wie nebenbei, etwa durch eine unerwartete Wendung im letzten Vers, klingen in den präzisen Miniaturen umfassendere Fragen an. Mit der gelassenen Weitsicht eines Wanderers spannt Wagner den Bogen zwischen mythologischen Urszenen und trivialen Requisiten der Gegenwart. Dabei schließen seine subjektiven Entdeckungen den Leser nie aus, und er bleibt, mit augenzwinkernder Selbstironie, vor allem eins: ein Geschichtenerzähler.Der Duft eines Weihnachtsbratens, der Name eines Stadtviertels - Neukölln -, ein einsamer Koffer am Flughafen - alles weckt hier Erinnerungen und Assoziationen. In dem Gedicht guerickes sperling gerät ein vermeintlich kühles, wissenschaftliches Experiment unvermittelt zur poetischen Apotheose, und die dezente Kraft einer Berührung vermag in Dolmen im wahrsten Sinne Berge zu versetzen: als sie mich, wortlos, wie von ungefähr / am arm berührte. jener augenblick, / in dem die stütze fiel, der monolith / zu schweben begann. Souverän jongliert Wagner zwischen Formentreue und freien Rhythmen, behauptet im Spiel mit der Tradition klassischer Lyrik seinen eigenen Stil. Die Gedichte bieten Türen an - dem Leser ist es überlassen, einzutreten und mit Jan Wagners Versen der eigenen Wahrnehmung auf die Schliche zu kommen: in Augenblicken von stillem Pathos, die so lebendig sind, als führe eine Lawine durch den Raum.

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