Kühn hat zu tun

von Jan Weiler 
4,1 Sterne bei71 Bewertungen
Kühn hat zu tun
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Neue Kurzmeinungen

daneegolds avatar

Toll!! Ich will auf jeden Fall mehr davon!!

chaosbaerchens avatar

Ich habe es nach "Kühn hat Ärger gelesen", fand es aber bei weitem nicht so gut.

Alle 71 Bewertungen lesen

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Inhaltsangabe zu "Kühn hat zu tun"

Ehemann, Vater, Freund, Polizist, Nachbar – und umfassend überfordert.
Martin Kühn ist 44, verheiratet und hat zwei Kinder. Er wohnt auf der Weberhöhe, einer Neubausiedlung nahe München. Früher stand dort eine Munitionsfabrik, aber was es damit auf sich hatte, weiß Kühn nicht so genau. Es gibt ohnehin viel, was er nicht weiß: Zum Beispiel, warum von seinem Gehalt als Polizist ein verschwindend geringer Betrag zum Leben bleibt. Ob er sich ohne Scham ein Rendezvous mit seiner rothaarigen Nachbarin vorstellen darf. Warum er jeden Mörder zum Sprechen bewegen kann, aber sein Sohn nicht mal zwei Sätze mit ihm wechselt. Welches Geheimnis er vor sich selber verbirgt. Und vor allem, warum sein Kopf immer so voll ist.
Da wird ein alter Mann erstochen aufgefunden, gleich hinter Kühns Garten in der Böschung. Und plötzlich hat Kühn sehr viel zu tun.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783499266829
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:320 Seiten
Verlag:ROWOHLT Taschenbuch
Erscheinungsdatum:21.05.2016
Das aktuelle Hörbuch ist am 09.03.2015 bei Der Hörverlag erschienen.

Rezensionen und Bewertungen

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    Holdens avatar
    Holdenvor 4 Monaten
    Kurzmeinung: Mut zur Kühnheit. Und dem Leitz immer feste druff!
    Eiler mit Weiler

    Bisher das Beste, was ich von Weiler gelesen habe: Bereits die Einleitung rund Rupert Baptist W. und dessen posthumer Läuterung von seinen Menschheitsverbrechen ist unglaublich, aber man muß natürlich sofort an Oskar Schindler oder Traudl Junge denken, absolut lesenswert und nachdenklichmachend. Der sich anschließende Krimi um den umfassend überforderten Hauptkommissar Kühn ist krimimäßig auch ganz weit vorne dabei, dank zahlreicher Wendungen und humorvoller Aufbrechungen. Und schließlich kommt die braune Scheiße doch wieder hoch, ein nachdenklicher Blick auf das aktuelle Deutschland und seine ratlose Gesellschaft. Sehr gelungen, mein Buch des Monats!

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    Xirxes avatar
    Xirxevor 7 Monaten
    Kurzmeinung: Tolle Beschreibung des Mikrokosmos einer Neubausiedlung - und ganz nebenbei gibt es noch einen Krimi, Fremdenfeindlichkeit, III. Reich uvm.
    Die Weberhöhe ist überall

    Martin Kühn, Leiter der Mordkommission München, lebt mit seiner Familie auf der Weberhöhe, einem recht beschaulichen Neubauviertel vor den Toren Münchens. Bisher lief sein Leben in wohlgeordneten Bahnen, doch seit einiger Zeit kommt Kühn nicht mehr zur Ruhe. Die Gedanken rasen, Alltägliches scheint zum Problem zu werden und als fast unmittelbar vor seinem Gartengrundstück ein Toter gefunden wird, droht seine Gedankenflut zu eskalieren - was sich auch auf seine Arbeit und sein Privatleben auswirkt.
    Gut, dass auf dem Cover 'Roman' steht und nicht Krimi. Denn trotz des aufzuklärenden Mordes ist es Martin Kühn und das Leben um ihn herum, was im Mittelpunkt dieses Buches steht. Fast schon nebenbei muss halt noch ein Mörder gefunden werden, was dennoch spannend zu lesen ist. Jan Weiler versteht es, diese Welt der Weberhöhe so anschaulich darzustellen, dass man fast schon glaubt, man lebe selber dort. Überwiegend wohnt dort der Mittelstand, der es geschafft hat, sich ein eigenes Haus (oder eine Hälfte) zu leisten, auch wenn er nun hochverschuldet ist. Man gibt sich liberal, umweltbewusst und der Welt zugewandt; doch als es erste Probleme gibt, sind (wie auch woanders) schnell die Schuldigen ausgemacht.
    Ganz beiläufig zeigt Jan Weiler hier auf, wie sich Fremdenfeindlichkeit beinahe aus dem Nichts entwickelt und derart radikalisiert, dass es fast zur Lynchjustiz kommt. Aus dem ursprünglichen Wir der Weberhöhe wird bald ein Ihr und Wir sowie ein Jeder für sich. Es wäre leicht, hier in die typischen Klischees zu verfallen, die ja nicht zu unrecht existieren (irgendwie müssen sie auch entstanden sein ;-)), aber dem Autor gelingt es, die Personen (insbesondere natürlich Kühn) so vielschichtig darzustellen, dass er diese Klippe wunderbar umschifft.
    Beeindruckend fand ich auch, wie eindringlich das Innenleben der Hauptfigur beschrieben wurde. Diese Gedankenflut, die fortwährend durch Kühns Gehirn strömt und ihn nicht zur Ruhe kommen lässt, löste bei mir ebenfalls eine gewisse Unruhe während des Lesens aus. Ja, so stelle ich mir durchaus jemanden vor, der vielleicht kurz vor einem Burnout steht.
    Ein interessante und unterhaltsame Lektüre, in dem man zudem den für Jan Weiler typischen Humor findet, wenn auch nicht so ausgeprägt wie in anderen seiner Bücher. Das Einzige, was mich etwas störte, war Nikos Wandlung. Etwas plötzlich mit einer ein bisschen zu dürftigen Erklärung - dieses HappyEnd hätte doch auch in den zweiten Band können ;-)

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    B
    bettina3642vor 8 Monaten
    Kurzmeinung: Sehr unterhaltsam, guter Spannungsbogen und interessante Wendungen. Konnte es kaum aus der Hand legen. Schnippikäse ;-)
    Guuut

    Sehr unterhaltsam, guter Spannungsbogen und interessante Wendungen. Konnte es kaum aus der Hand legen. Schnippikäse ;-)

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    djojos avatar
    djojovor einem Jahr
    Kurzmeinung: Eine Autorenlesung die mehr Unterhaltung als Spannung bietet. Sehr abstruse Unterhaltung.
    Ein wirklich kühner Krimi.

    Martin Kühn ist Polizist. Er hat mit seinen 44 Jahren ein kleines Häuschen mit seiner Familie, zwei Kinder und ist durch und durch normal. Irgendwie zumindest. Seine Tochter wünscht sich zum sechsten Geburtstag ein Pferd, sein Sohn dagegen entfernt sich immer weiter von ihm. Für das Pferd könnte er dringend eine Beförderung vertragen, denn das monatliche Budget für außergewöhnliche familiäre Belastungen ist nicht gerade hoch. Bei seinem Sohn kann ihm aber vermutlich niemand mehr helfen.


    Und dann ist da noch die Arbeit. Er muss sich mit einem halbintelligenten Muskelprotz beschäftigen der vermutlich seinen Opa erschlagen hat. Und dann wird da noch eine brutal zugerichtete Leiche ausgerechnet im Gebüsch hinter seinem Garten gefunden. Martin Kühn muss in seinem unmittelbaren Umfeld ermitteln. Und dabei versucht er nach Möglichkeit so objektiv wie möglich vorzugehen. Seine Kollegen unterstützen ihn, und das obwohl er sogar unmittelbar von den radikaleren Bewohnern der Weberhöhe direkt angegriffen wird. Im Ermittlungsgefecht hat Martin Kühn aber noch ein ganz anderes Problem: irgendetwas rührt in seinem Kopf herum. Alles ist einfach ein bisschen viel. Er fühlt sich überfordert, fasst schon ausgebrannt. Aber vor allem weiß er nicht warum, und das gibt ihm zu denken.


    Jan Weilers erster Krimi ist ein echter Jan Weiler. Seit „Maria, ihm schmeckt’s nicht!“ hat sich der Autor einen Ruf für kurios komische Geschichten mit einem harten Bezug zur Realität erarbeitet. Der Krimi zeigt, dass der Autor seine skurrilen Geschichten auch mit einem Spannungsbogen versehen kann. Allerdings darf man keinen gewöhnlichen Krimi erwarten. Immer wieder schweift der Autor in die absurdesten Teile des Alltags seiner Protagonisten ab. Und keiner versteht es so gut wie Jan Weiler zu beschreiben, was passiert wenn man z.B. versehentlich das Video seiner Hochzeit mit einer proktologischen Operation überspielt.


    Auf der Suche nach Autorenlesungen im Krimi-/Thriller-Genre bin ich auf Martin Kühn gestoßen. Jan Weiler liest passend zu seinem Inhalt. Mal gleichmütig, mal mit einem Hauch Naivität. Man kann sich auf jeden Fall gut in die Geschichte und in die beschriebenen Situationen hineinversetzen. Dem Autor gelingt es schnell einen Bezug zu Martin Kühn, seinen Problemen und seinen Herausforderungen herzustellen. Man versteht den Polizisten manchmal nur zu gut. Manchmal aber auch gar nicht.


    Einen kleinen Schatten auf die Geschichte wirft die doch zu absurde Einbindung der Vergangenheit des Protagonisten in das Geschehen oder Kleinigkeiten wie z.B. der allzu überflüssige Cliffhanger am Ende des Buches. Das geht normalerweise nur einmal gut. Trotzdem arbeitet der Autor schon am zweiten Teils seiner Serie rund um Martin Kühn. Für Mai 2017 wurde „Kühn hat Ärger“ angekündigt. Hoffen wir, dass Jan Weiler seine Ideen nicht ausgehen und sein zweiter Krimi mit mindestens genauso hohem Unterhaltungswert folgt. Von mir erhält dieser Krimi durchaus eine Empfehlung. Wenn auch mehr für den unterhaltsamen Rahmen als für die kriminalistische Handlung. Besonders aber möchte ich dieses Hörbuch empfehlen: eine wirklich gelungene Autorenlesung.

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    Callsos avatar
    Callsovor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Der Kommissar als Mensch auf Mördersuche - Jan Weiler will es wissen!
    Ja, ja, jan Weiler kann auch Krimi....


    Jan Weiler bleibt Jan Weiler - egal, ob lustige Geschichten über seltsam heranwachsende Teenager oder - wie in diesem Fall - ein verzwickter Krimi mit echten Leichten und viel, viel Blut.

    Im modernen Neubaugebiet taucht eine böse zugerichtete Leiche auf, der gestresste Martin Kühn ist nicht nur Anwohner in dem Viertel, sondern auch der leitende Kommissar.
    Kühn pendelt zwischen Familientrübsal, dem Behördendenken und seiner feinen kriminalischtischer Spürnase. Kuhn hat nicht nur zu tun, er hat viel zu tun, er hat mächtig Stress und einen stetes Unwohlsein im Kopf.

    Die Geschichte ist jetzt nicht wahnsinnig originell oder einzigartig, wohl aber die Schreibe des Herrn Weiler. Der umtriebige Autor macht das Buch so besonders, seine feinen Beobachtungen, wie er dem Otto-Normalverbraucher auf den Scheitel und in deren Herz und Hirn schaut, das macht dieses Buch zum Erlebnis.

    So umsorgt uns Weiler mit einigen heiteren Passagen, mit ein klein wenig Spannung und mit dem Vorhalten des Spiegels der Gesellschaft der anständigen und braven Normalos.

    Manchmal scheint mir das Buch ein wenig zu überfrachtet (Nazi-Vergangenheit, Ausländerhass), aber das sind nur kleinere Abzüge in der B-Note.

    "Kühn hat zu tun" ist ein feines Lesevergnügen und das eindeutige Plädoyer, dass Jan Weiler fast alles in Buchülle pressen kann und es für uns Bedürftige nur einen Auftrag gibt; einfach lesen...!

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    W
    WinfriedStanzickvor 2 Jahren
    Köstliche Krimilektüre



    Dieser Roman von Jan Weiler erzählt von einem ganz normalen Polizisten namens Kühn. Er lebt mit seiner Frau Susanne, seinem Son Niko und seiner Tochter Alina in einem kleinen Haus mit großer Hypothek auf der Weberhöhe. Die Weberhöhe ist eine Neubausiedlung nahe München, die auf einem Gelände gebaut wurde, auf dem vor und während des Zweiten Weltkrieges eine Munitionsfabrik stand.

    Über deren Geschichte und über ihren Eigentümer Rupert Baptist Weber, und den zweifelhaften Ruf, der ihm nach dem Krieg zu Teil wurde, informiert Jan Weiler seine Leser ganz zu Anfang des Buches. Es ist so etwas wie eine Rahmenhandlung, die aber nicht bis zum Ende fortgeführt wird.

    Kühn hat auf seiner Dienststelle nette Kollegen, vor allem Steierer, mit dem ihn so etwas wie eine gute Männerfreundschaft verbindet. Was ihn täglich umtreibt, sind die Sorgen um das Geld, denn nach Abzug aller Kosten bleibt ihm nur ein sehr kleiner Restbetrag zum Leben, der hinten und vorne nicht reicht, um die Bedürfnisse und Wünsche seiner Familie  zu befriedigen.

    Seine Tochter Alina will ein Pferd, sein Sohn redet nicht mit ihm und auch seine Frau verschließt sich ihm immer mehr.  Weiler gelingt es zu Beginn und auch im späteren, immer spannender werdenden Verlauf des Buches ganz hervorragend, die Kultur und das nachbarschaftliche Klima in einer solchen Neubausiedlung, in der alle in schönen Häusern, aber auf erdrückenden Schuldenbergen sitzen, einzufangen und zu beschreiben.

    Als eines Tages ein alter Mann erstochen auf einem Weg gleich hinter Kühns Garten aufgefunden wird, muss Kühn für eine schwierige Zeit der Ermittlungen versuchen, seine Alltagssorgen zu vergessen, doch auf eine sympathische Weise schleppt er sie andauernd mit in seinem Kopf.

    Der alte Mann weist ganz eigenartige Schnittwunden auf, die der Täter ihm mit einem scharfen Gegenstand zugefügt hat, nachdem er ihn getötet hatte.   Weiler hat wieder eine Figur erfunden, die dem Leser menschlich ganz nahe kommt, er hat seine Geschichte eingebunden in den normalen Alltag von Kleinbürgern in einer Münchener Vorstadt und seinen ermittelnden Kommissar mit einer Täterstruktur konfrontiert, die Kühn alle ihm zu Verfügung stehende Intuition abfordert und ihn dennoch an die Grenze bringt. Eine Grenze, an der nicht nur den Fall löst mit einem total überraschende Ende, sondern an der er auch Energie gewinnt und Neuanfänge entdeckt in seinen privaten Krisen. Bis zu nächsten ….

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    DieTina2012s avatar
    DieTina2012vor 2 Jahren
    Wirklich viel zu tun bei Kühn

    Martin Kühn lebt auf der Weberhöhe, einer Siedung in München, die auf dem ehemaligen Gelände einer Munitionsfabrik errichtet wurde. Kühn ist seit 25 Jahren bei der Polizei und mittlerweile Hauptkommissar. Er ist 44,  verheiratet und hat zwei Kinder. Eigentlich ist alles soweit in Ordnung, doch momentan schwirrt ihm der Kopf und alles überfordert ihn.
    Seine Tochter wünscht sich ein Pony, sein Sohn spricht kaum noch mit ihm und beim Einkauf mit dem vom Nachbarn geliehenen Wagen platzt ein Sack Blumenerde auf und versaut das ganze Auto... und das ist erst der Anfang.
    Kühn kann keinen klaren Gedanken fassen, die losen Enden in seinem Kopf wollen sich einfach nicht verbinden lassen. Endet nun alles in einer Katastrophe oder schafft er es doch noch, Ordnung in das Chaos zu bringen?

    Nach der Lektüre fast aller Bücher von Jan Weiler erwarte ich von ihm meist Komisches. Daher war ich sehr gespannt auf einen Krimi. Für mich als Thrillerleserin auf der anderen Seite war ich sehr skeptisch. Nun habe ich mich einfach überraschen lassen und finde der Roman ist etwas Besonderes. Kein typischer Krimi, eher schon Drama, eine Beobachtung von normalen Menschen und ihrer Nachbarschaft, eine Geschichte über Ehe und Kindererziehung, über Zufälle und die Unbeeinflussbarkeit des Lebens an vielen Ecken.
    Das Lesen hat mir großen Spaß gemacht und das Buch hat mich trotz mancher Vorhersehbarkeit gefesselt.

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    Arbutuss avatar
    Arbutusvor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Schön geschrieben. Gut zu lesen. Spannend.
    Spannend.

    Ein toller Krimi. Wenn es so etwas wie einen tollen Krimi überhaupt gibt. Ich mag nämlich keine Krimis. Und wenn ich gewusst hätte, dass es einer ist, hätte ich ihn schön in der Buchhandlung im Regal stehen gelassen. Das schöne bunte Cover und der kantige, griffige Titel haben mich verführt, oder sollte ich sagen: betrogen? Aber dann war das Buch so spannend, dass ich in zwei Tagen damit durch war. Was mich noch lange nicht zum begeisterten Krimileser macht. Keine Sorge!

    Martin Kühn ist Kommissar, und zwar einer, dessen Menschenkenntnis und ermittlerischer Scharfblick mir grenzenlose Bewunderung abtrotzt. Trotzdem kommt bei ihm irgendwann der Punkt, an dem der Kopf immer voller wird und die Gedanken Achterbahn fahren, ohne dass er wüsste, warum. Dazu kommt, dass das Polizistengehalt gerade so zum Nötigsten für die Familie reicht. Und dann ist da noch der Schatten dieses zwielichtigen Nazis, der dort, wo Kühn wohnt, früher eine Munitionsfabrik betrieben hat - der Leser ist seinem Protagonisten nicht nur hier an Wissen um eine Nasenlänge voraus, was aber der Spannung keinen Abbruch tut.

    Die Geschichte ist schön geschrieben, mühelos zu lesen und so spannend, dass man das Buch ab einem gewissen Punkt eigentlich nicht mehr weglegen kann. Ich finde gut, dass der Roman den Leser für das Dilemma sensibilisiert, in dem sich Polizisten in Deutschland tagtäglich befinden. Weder am Stil noch an der Dichte der Erzählung habe ich irgend etwas auszusetzen, zudem ist mir der Hauptakteur sehr sympathisch und am Ende wirklich ans Herz gewachsen. Trotzdem vergebe ich von den eigentlich verdienten fünf Sternen nur vier, weil ich Romane, die das Morden so blutig zelebrieren, prinzipiell ablehne. Ich bin mir bewusst, dass dieses Urteil sehr subjektiv ist und dass hartgesottene Leser kriminalistischer Literatur verächtlich die Nase rümpfen werden, aber ich habe schon subjektivere Rezensionen gelesen, und mein schlechtes Gewissen hält sich in Grenzen.

    Fazit: Lest nicht so viele Krimis, Leute. Dieser hier ist allerdings nicht schlecht.

    Kommentare: 4
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    Bücherfüllhorn-Blogs avatar
    Bücherfüllhorn-Blogvor 3 Jahren
    Kühn hat zu tun - das sagt alles

    Der erste Krimi von Jan Weiler, dem Autor von „Maria, ihm schmeckt‘s nicht“ und „Das Pubertier“. Das Buch hat mich hauptsächlich wegen dem Autor interessiert, der bisher immer kurzweilig, witzig und pointiert geschrieben hat. Außerdem lese ich gerne Krimis.

    Ich hatte fälschlicherweise einen witzigen Krimi erwartet und war daher ein klein wenig enttäuscht. Aber nicht lange.

    Die Geschichte nimmt einen gleich „gefangen“, auch wenn sie ungewöhnlicher weise am letzten Märztag 1945 beginnt, als Rupert Baptist Weber energisch durch seine Munitionswarenfabrik schritt, schließlich nach draußen geht, die Chemikalienbehälter öffnet, Benzin vergießt eine Zyankali-Tablette nimmt, und in letzter Sekunde mit einem Feuerzeug alles in Brand steckt. Später wird man diesen Einstieg als zweiten Handlungsstrang der Geschichte verstehen, und hätte sich diesen auch noch mehr ausgeschmückt gewünscht, oder vielleicht als zweiten Band mit Hauptkommissar Martin Kühn.

    Jedenfalls ist das Gelände der Munitionsfabrik ein halbes Jahrhundert später eine Wohnsiedlung und  Vorzeigeobjekt  - und Rupert Baptist Weber wird fälschlicherweise als Held verehrt.

    Die Siedlung wird „Weberhöhe“ genannt.

    Martin Kühn wohnt mit seiner Familie in dieser Siedlung. Er ist 44 Jahre, hat 25 Dienstjahre bei der Polizeivoll, ist Hauptkommissar und hat sich mit seiner Arbeit weitgehend arrangiert, nichts regt ihn wirklich auf, er ist auf alles gefasst. Leichen, Verstümmelungen und Ermordungen tangieren ihn nicht, er steckt gefasst alles weg. Er denkt pragmatisch.

    Zitat Seite 24: „Eine Altbauwohnung in München wurde in hundert Jahren gut und gerne acht- oder neunmal vermietet, und die Chance, in eine Wohnung zu ziehen, in der schon mal eine Leiche gelegen hatte, war relativ groß. So einfach war das für ihn.“

    Er kennt seine Nachbarschaft, der Alltag in der Familie und ja auch ein gewisser Alltag auf seiner Arbeit ist sehr strukturiert, auf Effizienz ausgerichtet. Von daher wundert es ihn, dass er in letzter Zeit von einer Sekunde auf die andere von einem unablässigen, ungefilterten  Gedankenstrom überfallen wird. Unzusammenhängende Ereignisse, Termine, Alltag und Erinnerungen wallen sich auch nachts ungefiltert zu einem Gedankenwirrwarr zusammen, dem er machtlos gegenüber steht. Er schläft schlecht. Seine Frau und seine Kollegen diagnostizieren einen Burnout, Kühn will davon jedoch nichts wissen.

    Zitat Seite 52: „Sein Kopf. Seit einiger Zeit ließ sich kein Gedanke mehr zu Ende führen. Kühn fand einfach zu keinem Schluss mehr, zu keiner Entscheidung. …“

    Er rechnet sich öfter aus, was ihm vom Leben bleibt, ausgehend von seinen 3421E Gehalt:

    Davon werden abgezogen: 1200E Rate Haus, 240E Vers., 201E Vers. Ehefrau, 300E Lebensversicherung, 100E Rentenversicherung, 120E Bahnkarten für die ganze Familie, 100E Internet/Telefon/Handy, 80E Rate Gartenmöbel, 200E sparen Urlaubsgeld, 250E Altenheim für seine Mutter. Bleiben 550E. Es sind noch keine Lebensmittel gekauft.

    Die eigentliche Geschichte beginnt mit einer Alltagsituation auf der Arbeit. Kühn wird zu einem Mord gerufen, und verhört den Enkel des Ermordeten. Kühns Gesprächstaktik ist einfach genial, ein Katz und Mausspiel, durchzogen aber auch von einer souveränen Routine.

    Zitat Seite 53: „Dann fühlte er sich, als befände er sich im Körper seines Gegenübers. Er konnte regelrecht in Tätern lesen. Und vielleicht war das auch der Grund dafür, dass ihn niemand belügen konnte.“

    Der Täter gesteht und der erste Fall wäre damit erledigt, als hinter Kühns Haus eine Leiche gefunden wird. Nun kommen einige Dinge ins Rollen, die Kühn sicherlich nicht erwartet hätte. Auf der Suche dem Mörder erfährt der Leser viel über die Vorzeige-Kleinstadt-Idylle, über das Innenstadtleben und -Sterben, über Kulturprogramme, den Ausländeranteil etc. und für all dies steht exemplarisch die Weberhöhe. Dem Autor ist eine bemerkenswerte Stadtrandsiedlung-Charakterstudie gelungen.

    Kühn ermittelt und versinkt immer tiefer in seinem Gedankenkarussell. Sein Alltag zu Hause ist auch nicht mehr so, wie er sich das vorgestellt hatte, das Familienleben läuft ohne ihn. Seine Tochter will ein Pferd, dass er nicht bezahlen kann, sein Sohn mutiert zu einem Nazi. Seine Frau macht einfach weiter und Kühn schielt nach einer rothaarigen Nachbarin die im Telefonmarketing in der Erwachsenen-Unterhaltung arbeitet (Pay TV …).

    In der Siedlung mehren sich die Fälle, eines unbekannten giftigen Schimmelpils in den Kellern, auch Kühn entdeckt in seinem Keller einen kleinen orangefarbenen Fleck. Das Leben schnürt ihm die Luft zu.

    Der Leser wird von Anfang an mitgenommen, die Lage spitzt sich immer mehr dramatisch zu: Der Mordfall, sein Sohn ein Nazi, sein Gedankenkarussell, seine Karriere, sein Haus, seine Familie, das Pony ….

     Nachdem es kam wie es kommen musste, und Kühn auf dem Polizeirevier zusammengebrochen ist, kommt ihm Nachts wie ein Geistesblitz eine plötzliche Klarheit über ihn. Das Puzzle entwirrt und setzt sich neu zusammen, er erkennt Zusammenhänge und weiß nun, wer der Mörder ist.

    Kühn  macht sich mitten in der Nacht auf den Weg, um diesen zu verhaften …

     

    Fazit:

    Nicht so wie erwartet, trotzdem, diese Geschichte hatte das gewisse „Etwas“.  Sicherlich würde ich auch noch einen zweiten Bahn mit Hauptkommissar Kühn lesen.

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    Soerens avatar
    Soerenvor 3 Jahren
    Kurzmeinung: Amüsante Mischung aus Privatproblemen und Kriminalfällen
    Amüsante Mischung aus Privatproblemen und Kriminalfällen


    Nach einem recht langen Prolog beginnt der Roman wie ein normaler Krimi. Es gibt eine Leiche und Kriminalhauptkommissar Martin Kühn beginnt zu ermitteln. Zu meiner Verblüffung klärt er den Fall allerdings gleich an Ort und Stelle auf, bevor er sich auf der Heimfahrt seinen privaten Sorgen und Nöten hingibt. Und davon hat er - unter anderem durch das Chaos in seinem Kopf - jede Menge. Kühn dabei zu begleiten, macht Spaß, vor allem da man viele seiner Problemchen von sich selbst ihn ähnlicher Form kennt und der Autor das Meiste ziemlich humorvoll herüberbringt. Dennoch kommt der nächste - und deutlich komplexere - Mordfall für den Leser sehr gelegen. Hier ist noch mehr von Kühns Spürsinn gefragt. So bekommt man in der Geschichte eine angenehme Mischung aus privaten und dienstlichen Rückschlägen geboten. Auch wenn das Ende für meinen Geschmack etwas zu konstruiert wirkt, ist der Roman äußerst lesenswert. Gern darf Jan Weiler seinen Helden Martin Kühn auch in einem neuen Fall wieder ermitteln lassen.

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    Gespräche aus der Community zum Buch

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    lilly_89s avatar
    sorry, das buch wird verlost, nicht getauscht. 
    morgen wird geinner ermittelt. 
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    Pressestimmen

    Ein sehr aktueller Gesellschaftsroman.

    Weilers Art zu schreiben ist einzigartig. Voller Biss, Humor, wortgewandt, fesselnd und manchmal abründig. Wer 'Kühn hat zu tun' liest, hat auf einmal selbst viel zu tun: Denn dieses Buch will man nicht mehr aus der Hand legen.

    Weiler hat einen starken Kommissar erschaffen, einen, der ein Typ ist und die Stärke hat, einen Krimi zu Literatur werden zu lassen.

    Ein großes Buch über die kleinen Leute. Gut beobachtet, zurückhaltend geschrieben und vielleicht gerade deshalb so stark.

    Ein sehr kluges Buch darüber, wo das Böse wohnt: unter deutschen Dächern.

    Weiler […] verwebt in seinem Buch clevere Gesellschaftsbeobachtungen, menschliche Innenansichten und historische Bedenklichkeiten in einem spannenden Whodunit-Plot. Mit einer Leichtigkeit, die wie der Titel zum Lakonischen neigt, gelingt es ihm, sich sprachlich über die bürgerliche Enge zu erheben, in der seine Protagonisten leiden.

    Das Faszinierendste an diesem Gesellschaftsroman im Krimigewand sind die einfühlsamen Minimilieustudien, die überzeugende tragikomische psychologische Dramaturgie sowie die schonungslose historische und gesellschaftskritische Selbstironie – eine Humorfacette, die in Deutschland ein eher seltenes Pflänzchen ist.

    Der Mann kann einfach schreiben.

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