Jan Weiler Kühn hat zu tun

(62)

Lovelybooks Bewertung

  • 59 Bibliotheken
  • 4 Follower
  • 5 Leser
  • 14 Rezensionen
(22)
(25)
(14)
(0)
(1)

Inhaltsangabe zu „Kühn hat zu tun“ von Jan Weiler

Ehemann, Vater, Freund, Polizist, Nachbar – und umfassend überfordert. Martin Kühn ist 44, verheiratet und hat zwei Kinder. Er wohnt auf der Weberhöhe, einer Neubausiedlung nahe München. Früher stand dort eine Munitionsfabrik, aber was es damit auf sich hatte, weiß Kühn nicht so genau. Es gibt ohnehin viel, was er nicht weiß: Zum Beispiel, warum von seinem Gehalt als Polizist ein verschwindend geringer Betrag zum Leben bleibt. Ob er sich ohne Scham ein Rendezvous mit seiner rothaarigen Nachbarin vorstellen darf. Warum er jeden Mörder zum Sprechen bewegen kann, aber sein Sohn nicht mal zwei Sätze mit ihm wechselt. Welches Geheimnis er vor sich selber verbirgt. Und vor allem, warum sein Kopf immer so voll ist. Da wird ein alter Mann erstochen aufgefunden, gleich hinter Kühns Garten in der Böschung. Und plötzlich hat Kühn sehr viel zu tun.

Sehr unterhaltsam, guter Spannungsbogen und interessante Wendungen. Konnte es kaum aus der Hand legen. Schnippikäse ;-)

— bettina3642

Spannende Unterhaltung! Es ist gut, es ist solide, es ist Jan Weiler. Lesen schadet hier wirklich nichts.

— CosmoKramer

Eine Autorenlesung die mehr Unterhaltung als Spannung bietet. Sehr abstruse Unterhaltung.

— djojo

Der Kommissar als Mensch auf Mördersuche - Jan Weiler will es wissen!

— Callso

Schön geschrieben. Gut zu lesen. Spannend.

— Arbutus

Sehr guter Roman!

— Nil

Solider gesellschaftskritischer Kriminalfall mit einem überzeugenden Kriminalkomissar aber mit Schwächen in der konstruierten Handlung.

— Maldoror

Stöbern in Romane

Lügnerin

In jeder Hinsicht überzeugend erzählt.

jamal_tuschick

Wer hier schlief

Gut geschrieben, regt zum Nachdenken an, berührt mich persönlich aber nicht genug.

MrsFraser

Der Sympathisant

Ein kommunistischer Spion unter Exil-Vietnamesen in den USA: Teilweise fesselnd und überraschend amüsant und satirisch-ironisch.

Gulan

Im siebten Sommer

Spannend und emotional. Ein echter Pageturner!

thebooklettes

Als wir unbesiegbar waren

Nicht mein Buch

brauneye29

Menschenwerk

Schwer erträglich. Als Mahnmal und Erinnerung notwendig.

wandablue

  • Rezensionen
  • Leserunden
  • Buchverlosungen
  • Themen
  • Ein wirklich kühner Krimi.

    Kühn hat zu tun

    djojo

    22. April 2017 um 17:33

    Martin Kühn ist Polizist. Er hat mit seinen 44 Jahren ein kleines Häuschen mit seiner Familie, zwei Kinder und ist durch und durch normal. Irgendwie zumindest. Seine Tochter wünscht sich zum sechsten Geburtstag ein Pferd, sein Sohn dagegen entfernt sich immer weiter von ihm. Für das Pferd könnte er dringend eine Beförderung vertragen, denn das monatliche Budget für außergewöhnliche familiäre Belastungen ist nicht gerade hoch. Bei seinem Sohn kann ihm aber vermutlich niemand mehr helfen.Und dann ist da noch die Arbeit. Er muss sich mit einem halbintelligenten Muskelprotz beschäftigen der vermutlich seinen Opa erschlagen hat. Und dann wird da noch eine brutal zugerichtete Leiche ausgerechnet im Gebüsch hinter seinem Garten gefunden. Martin Kühn muss in seinem unmittelbaren Umfeld ermitteln. Und dabei versucht er nach Möglichkeit so objektiv wie möglich vorzugehen. Seine Kollegen unterstützen ihn, und das obwohl er sogar unmittelbar von den radikaleren Bewohnern der Weberhöhe direkt angegriffen wird. Im Ermittlungsgefecht hat Martin Kühn aber noch ein ganz anderes Problem: irgendetwas rührt in seinem Kopf herum. Alles ist einfach ein bisschen viel. Er fühlt sich überfordert, fasst schon ausgebrannt. Aber vor allem weiß er nicht warum, und das gibt ihm zu denken.Jan Weilers erster Krimi ist ein echter Jan Weiler. Seit „Maria, ihm schmeckt’s nicht!“ hat sich der Autor einen Ruf für kurios komische Geschichten mit einem harten Bezug zur Realität erarbeitet. Der Krimi zeigt, dass der Autor seine skurrilen Geschichten auch mit einem Spannungsbogen versehen kann. Allerdings darf man keinen gewöhnlichen Krimi erwarten. Immer wieder schweift der Autor in die absurdesten Teile des Alltags seiner Protagonisten ab. Und keiner versteht es so gut wie Jan Weiler zu beschreiben, was passiert wenn man z.B. versehentlich das Video seiner Hochzeit mit einer proktologischen Operation überspielt.Auf der Suche nach Autorenlesungen im Krimi-/Thriller-Genre bin ich auf Martin Kühn gestoßen. Jan Weiler liest passend zu seinem Inhalt. Mal gleichmütig, mal mit einem Hauch Naivität. Man kann sich auf jeden Fall gut in die Geschichte und in die beschriebenen Situationen hineinversetzen. Dem Autor gelingt es schnell einen Bezug zu Martin Kühn, seinen Problemen und seinen Herausforderungen herzustellen. Man versteht den Polizisten manchmal nur zu gut. Manchmal aber auch gar nicht.Einen kleinen Schatten auf die Geschichte wirft die doch zu absurde Einbindung der Vergangenheit des Protagonisten in das Geschehen oder Kleinigkeiten wie z.B. der allzu überflüssige Cliffhanger am Ende des Buches. Das geht normalerweise nur einmal gut. Trotzdem arbeitet der Autor schon am zweiten Teils seiner Serie rund um Martin Kühn. Für Mai 2017 wurde „Kühn hat Ärger“ angekündigt. Hoffen wir, dass Jan Weiler seine Ideen nicht ausgehen und sein zweiter Krimi mit mindestens genauso hohem Unterhaltungswert folgt. Von mir erhält dieser Krimi durchaus eine Empfehlung. Wenn auch mehr für den unterhaltsamen Rahmen als für die kriminalistische Handlung. Besonders aber möchte ich dieses Hörbuch empfehlen: eine wirklich gelungene Autorenlesung.

    Mehr
  • Ja, ja, jan Weiler kann auch Krimi....

    Kühn hat zu tun

    Callso

    20. January 2017 um 11:32

    Jan Weiler bleibt Jan Weiler - egal, ob lustige Geschichten über seltsam heranwachsende Teenager oder - wie in diesem Fall - ein verzwickter Krimi mit echten Leichten und viel, viel Blut.Im modernen Neubaugebiet taucht eine böse zugerichtete Leiche auf, der gestresste Martin Kühn ist nicht nur Anwohner in dem Viertel, sondern auch der leitende Kommissar.Kühn pendelt zwischen Familientrübsal, dem Behördendenken und seiner feinen kriminalischtischer Spürnase. Kuhn hat nicht nur zu tun, er hat viel zu tun, er hat mächtig Stress und einen stetes Unwohlsein im Kopf.Die Geschichte ist jetzt nicht wahnsinnig originell oder einzigartig, wohl aber die Schreibe des Herrn Weiler. Der umtriebige Autor macht das Buch so besonders, seine feinen Beobachtungen, wie er dem Otto-Normalverbraucher auf den Scheitel und in deren Herz und Hirn schaut, das macht dieses Buch zum Erlebnis.So umsorgt uns Weiler mit einigen heiteren Passagen, mit ein klein wenig Spannung und mit dem Vorhalten des Spiegels der Gesellschaft der anständigen und braven Normalos. Manchmal scheint mir das Buch ein wenig zu überfrachtet (Nazi-Vergangenheit, Ausländerhass), aber das sind nur kleinere Abzüge in der B-Note."Kühn hat zu tun" ist ein feines Lesevergnügen und das eindeutige Plädoyer, dass Jan Weiler fast alles in Buchülle pressen kann und es für uns Bedürftige nur einen Auftrag gibt; einfach lesen...!

    Mehr
  • Köstliche Krimilektüre

    Kühn hat zu tun

    WinfriedStanzick

    13. December 2016 um 08:16

    Dieser Roman von Jan Weiler erzählt von einem ganz normalen Polizisten namens Kühn. Er lebt mit seiner Frau Susanne, seinem Son Niko und seiner Tochter Alina in einem kleinen Haus mit großer Hypothek auf der Weberhöhe. Die Weberhöhe ist eine Neubausiedlung nahe München, die auf einem Gelände gebaut wurde, auf dem vor und während des Zweiten Weltkrieges eine Munitionsfabrik stand.Über deren Geschichte und über ihren Eigentümer Rupert Baptist Weber, und den zweifelhaften Ruf, der ihm nach dem Krieg zu Teil wurde, informiert Jan Weiler seine Leser ganz zu Anfang des Buches. Es ist so etwas wie eine Rahmenhandlung, die aber nicht bis zum Ende fortgeführt wird.Kühn hat auf seiner Dienststelle nette Kollegen, vor allem Steierer, mit dem ihn so etwas wie eine gute Männerfreundschaft verbindet. Was ihn täglich umtreibt, sind die Sorgen um das Geld, denn nach Abzug aller Kosten bleibt ihm nur ein sehr kleiner Restbetrag zum Leben, der hinten und vorne nicht reicht, um die Bedürfnisse und Wünsche seiner Familie  zu befriedigen. Seine Tochter Alina will ein Pferd, sein Sohn redet nicht mit ihm und auch seine Frau verschließt sich ihm immer mehr.  Weiler gelingt es zu Beginn und auch im späteren, immer spannender werdenden Verlauf des Buches ganz hervorragend, die Kultur und das nachbarschaftliche Klima in einer solchen Neubausiedlung, in der alle in schönen Häusern, aber auf erdrückenden Schuldenbergen sitzen, einzufangen und zu beschreiben.Als eines Tages ein alter Mann erstochen auf einem Weg gleich hinter Kühns Garten aufgefunden wird, muss Kühn für eine schwierige Zeit der Ermittlungen versuchen, seine Alltagssorgen zu vergessen, doch auf eine sympathische Weise schleppt er sie andauernd mit in seinem Kopf.Der alte Mann weist ganz eigenartige Schnittwunden auf, die der Täter ihm mit einem scharfen Gegenstand zugefügt hat, nachdem er ihn getötet hatte.   Weiler hat wieder eine Figur erfunden, die dem Leser menschlich ganz nahe kommt, er hat seine Geschichte eingebunden in den normalen Alltag von Kleinbürgern in einer Münchener Vorstadt und seinen ermittelnden Kommissar mit einer Täterstruktur konfrontiert, die Kühn alle ihm zu Verfügung stehende Intuition abfordert und ihn dennoch an die Grenze bringt. Eine Grenze, an der nicht nur den Fall löst mit einem total überraschende Ende, sondern an der er auch Energie gewinnt und Neuanfänge entdeckt in seinen privaten Krisen. Bis zu nächsten ….

    Mehr
  • Wirklich viel zu tun bei Kühn

    Kühn hat zu tun

    DieTina2012

    15. November 2016 um 15:55

    Martin Kühn lebt auf der Weberhöhe, einer Siedung in München, die auf dem ehemaligen Gelände einer Munitionsfabrik errichtet wurde. Kühn ist seit 25 Jahren bei der Polizei und mittlerweile Hauptkommissar. Er ist 44,  verheiratet und hat zwei Kinder. Eigentlich ist alles soweit in Ordnung, doch momentan schwirrt ihm der Kopf und alles überfordert ihn. Seine Tochter wünscht sich ein Pony, sein Sohn spricht kaum noch mit ihm und beim Einkauf mit dem vom Nachbarn geliehenen Wagen platzt ein Sack Blumenerde auf und versaut das ganze Auto... und das ist erst der Anfang. Kühn kann keinen klaren Gedanken fassen, die losen Enden in seinem Kopf wollen sich einfach nicht verbinden lassen. Endet nun alles in einer Katastrophe oder schafft er es doch noch, Ordnung in das Chaos zu bringen?Nach der Lektüre fast aller Bücher von Jan Weiler erwarte ich von ihm meist Komisches. Daher war ich sehr gespannt auf einen Krimi. Für mich als Thrillerleserin auf der anderen Seite war ich sehr skeptisch. Nun habe ich mich einfach überraschen lassen und finde der Roman ist etwas Besonderes. Kein typischer Krimi, eher schon Drama, eine Beobachtung von normalen Menschen und ihrer Nachbarschaft, eine Geschichte über Ehe und Kindererziehung, über Zufälle und die Unbeeinflussbarkeit des Lebens an vielen Ecken. Das Lesen hat mir großen Spaß gemacht und das Buch hat mich trotz mancher Vorhersehbarkeit gefesselt.

    Mehr
  • Spannend.

    Kühn hat zu tun

    Arbutus

    21. August 2016 um 23:03

    Ein toller Krimi. Wenn es so etwas wie einen tollen Krimi überhaupt gibt. Ich mag nämlich keine Krimis. Und wenn ich gewusst hätte, dass es einer ist, hätte ich ihn schön in der Buchhandlung im Regal stehen gelassen. Das schöne bunte Cover und der kantige, griffige Titel haben mich verführt, oder sollte ich sagen: betrogen? Aber dann war das Buch so spannend, dass ich in zwei Tagen damit durch war. Was mich noch lange nicht zum begeisterten Krimileser macht. Keine Sorge!Martin Kühn ist Kommissar, und zwar einer, dessen Menschenkenntnis und ermittlerischer Scharfblick mir grenzenlose Bewunderung abtrotzt. Trotzdem kommt bei ihm irgendwann der Punkt, an dem der Kopf immer voller wird und die Gedanken Achterbahn fahren, ohne dass er wüsste, warum. Dazu kommt, dass das Polizistengehalt gerade so zum Nötigsten für die Familie reicht. Und dann ist da noch der Schatten dieses zwielichtigen Nazis, der dort, wo Kühn wohnt, früher eine Munitionsfabrik betrieben hat - der Leser ist seinem Protagonisten nicht nur hier an Wissen um eine Nasenlänge voraus, was aber der Spannung keinen Abbruch tut. Die Geschichte ist schön geschrieben, mühelos zu lesen und so spannend, dass man das Buch ab einem gewissen Punkt eigentlich nicht mehr weglegen kann. Ich finde gut, dass der Roman den Leser für das Dilemma sensibilisiert, in dem sich Polizisten in Deutschland tagtäglich befinden. Weder am Stil noch an der Dichte der Erzählung habe ich irgend etwas auszusetzen, zudem ist mir der Hauptakteur sehr sympathisch und am Ende wirklich ans Herz gewachsen. Trotzdem vergebe ich von den eigentlich verdienten fünf Sternen nur vier, weil ich Romane, die das Morden so blutig zelebrieren, prinzipiell ablehne. Ich bin mir bewusst, dass dieses Urteil sehr subjektiv ist und dass hartgesottene Leser kriminalistischer Literatur verächtlich die Nase rümpfen werden, aber ich habe schon subjektivere Rezensionen gelesen, und mein schlechtes Gewissen hält sich in Grenzen.Fazit: Lest nicht so viele Krimis, Leute. Dieser hier ist allerdings nicht schlecht.

    Mehr
    • 5
  • Kühn hat zu tun - das sagt alles

    Kühn hat zu tun

    Bücherfüllhorn-Blog

    27. October 2015 um 22:02

    Der erste Krimi von Jan Weiler, dem Autor von „Maria, ihm schmeckt‘s nicht“ und „Das Pubertier“. Das Buch hat mich hauptsächlich wegen dem Autor interessiert, der bisher immer kurzweilig, witzig und pointiert geschrieben hat. Außerdem lese ich gerne Krimis. Ich hatte fälschlicherweise einen witzigen Krimi erwartet und war daher ein klein wenig enttäuscht. Aber nicht lange. Die Geschichte nimmt einen gleich „gefangen“, auch wenn sie ungewöhnlicher weise am letzten Märztag 1945 beginnt, als Rupert Baptist Weber energisch durch seine Munitionswarenfabrik schritt, schließlich nach draußen geht, die Chemikalienbehälter öffnet, Benzin vergießt eine Zyankali-Tablette nimmt, und in letzter Sekunde mit einem Feuerzeug alles in Brand steckt. Später wird man diesen Einstieg als zweiten Handlungsstrang der Geschichte verstehen, und hätte sich diesen auch noch mehr ausgeschmückt gewünscht, oder vielleicht als zweiten Band mit Hauptkommissar Martin Kühn. Jedenfalls ist das Gelände der Munitionsfabrik ein halbes Jahrhundert später eine Wohnsiedlung und  Vorzeigeobjekt  - und Rupert Baptist Weber wird fälschlicherweise als Held verehrt. Die Siedlung wird „Weberhöhe“ genannt. Martin Kühn wohnt mit seiner Familie in dieser Siedlung. Er ist 44 Jahre, hat 25 Dienstjahre bei der Polizeivoll, ist Hauptkommissar und hat sich mit seiner Arbeit weitgehend arrangiert, nichts regt ihn wirklich auf, er ist auf alles gefasst. Leichen, Verstümmelungen und Ermordungen tangieren ihn nicht, er steckt gefasst alles weg. Er denkt pragmatisch. Zitat Seite 24: „Eine Altbauwohnung in München wurde in hundert Jahren gut und gerne acht- oder neunmal vermietet, und die Chance, in eine Wohnung zu ziehen, in der schon mal eine Leiche gelegen hatte, war relativ groß. So einfach war das für ihn.“ Er kennt seine Nachbarschaft, der Alltag in der Familie und ja auch ein gewisser Alltag auf seiner Arbeit ist sehr strukturiert, auf Effizienz ausgerichtet. Von daher wundert es ihn, dass er in letzter Zeit von einer Sekunde auf die andere von einem unablässigen, ungefilterten  Gedankenstrom überfallen wird. Unzusammenhängende Ereignisse, Termine, Alltag und Erinnerungen wallen sich auch nachts ungefiltert zu einem Gedankenwirrwarr zusammen, dem er machtlos gegenüber steht. Er schläft schlecht. Seine Frau und seine Kollegen diagnostizieren einen Burnout, Kühn will davon jedoch nichts wissen. Zitat Seite 52: „Sein Kopf. Seit einiger Zeit ließ sich kein Gedanke mehr zu Ende führen. Kühn fand einfach zu keinem Schluss mehr, zu keiner Entscheidung. …“ Er rechnet sich öfter aus, was ihm vom Leben bleibt, ausgehend von seinen 3421E Gehalt: Davon werden abgezogen: 1200E Rate Haus, 240E Vers., 201E Vers. Ehefrau, 300E Lebensversicherung, 100E Rentenversicherung, 120E Bahnkarten für die ganze Familie, 100E Internet/Telefon/Handy, 80E Rate Gartenmöbel, 200E sparen Urlaubsgeld, 250E Altenheim für seine Mutter. Bleiben 550E. Es sind noch keine Lebensmittel gekauft. Die eigentliche Geschichte beginnt mit einer Alltagsituation auf der Arbeit. Kühn wird zu einem Mord gerufen, und verhört den Enkel des Ermordeten. Kühns Gesprächstaktik ist einfach genial, ein Katz und Mausspiel, durchzogen aber auch von einer souveränen Routine. Zitat Seite 53: „Dann fühlte er sich, als befände er sich im Körper seines Gegenübers. Er konnte regelrecht in Tätern lesen. Und vielleicht war das auch der Grund dafür, dass ihn niemand belügen konnte.“ Der Täter gesteht und der erste Fall wäre damit erledigt, als hinter Kühns Haus eine Leiche gefunden wird. Nun kommen einige Dinge ins Rollen, die Kühn sicherlich nicht erwartet hätte. Auf der Suche dem Mörder erfährt der Leser viel über die Vorzeige-Kleinstadt-Idylle, über das Innenstadtleben und -Sterben, über Kulturprogramme, den Ausländeranteil etc. und für all dies steht exemplarisch die Weberhöhe. Dem Autor ist eine bemerkenswerte Stadtrandsiedlung-Charakterstudie gelungen. Kühn ermittelt und versinkt immer tiefer in seinem Gedankenkarussell. Sein Alltag zu Hause ist auch nicht mehr so, wie er sich das vorgestellt hatte, das Familienleben läuft ohne ihn. Seine Tochter will ein Pferd, dass er nicht bezahlen kann, sein Sohn mutiert zu einem Nazi. Seine Frau macht einfach weiter und Kühn schielt nach einer rothaarigen Nachbarin die im Telefonmarketing in der Erwachsenen-Unterhaltung arbeitet (Pay TV …). In der Siedlung mehren sich die Fälle, eines unbekannten giftigen Schimmelpils in den Kellern, auch Kühn entdeckt in seinem Keller einen kleinen orangefarbenen Fleck. Das Leben schnürt ihm die Luft zu. Der Leser wird von Anfang an mitgenommen, die Lage spitzt sich immer mehr dramatisch zu: Der Mordfall, sein Sohn ein Nazi, sein Gedankenkarussell, seine Karriere, sein Haus, seine Familie, das Pony ….  Nachdem es kam wie es kommen musste, und Kühn auf dem Polizeirevier zusammengebrochen ist, kommt ihm Nachts wie ein Geistesblitz eine plötzliche Klarheit über ihn. Das Puzzle entwirrt und setzt sich neu zusammen, er erkennt Zusammenhänge und weiß nun, wer der Mörder ist. Kühn  macht sich mitten in der Nacht auf den Weg, um diesen zu verhaften …   Fazit: Nicht so wie erwartet, trotzdem, diese Geschichte hatte das gewisse „Etwas“.  Sicherlich würde ich auch noch einen zweiten Bahn mit Hauptkommissar Kühn lesen.

    Mehr
  • Amüsante Mischung aus Privatproblemen und Kriminalfällen

    Kühn hat zu tun

    Soeren

    09. October 2015 um 17:32

    Nach einem recht langen Prolog beginnt der Roman wie ein normaler Krimi. Es gibt eine Leiche und Kriminalhauptkommissar Martin Kühn beginnt zu ermitteln. Zu meiner Verblüffung klärt er den Fall allerdings gleich an Ort und Stelle auf, bevor er sich auf der Heimfahrt seinen privaten Sorgen und Nöten hingibt. Und davon hat er - unter anderem durch das Chaos in seinem Kopf - jede Menge. Kühn dabei zu begleiten, macht Spaß, vor allem da man viele seiner Problemchen von sich selbst ihn ähnlicher Form kennt und der Autor das Meiste ziemlich humorvoll herüberbringt. Dennoch kommt der nächste - und deutlich komplexere - Mordfall für den Leser sehr gelegen. Hier ist noch mehr von Kühns Spürsinn gefragt. So bekommt man in der Geschichte eine angenehme Mischung aus privaten und dienstlichen Rückschlägen geboten. Auch wenn das Ende für meinen Geschmack etwas zu konstruiert wirkt, ist der Roman äußerst lesenswert. Gern darf Jan Weiler seinen Helden Martin Kühn auch in einem neuen Fall wieder ermitteln lassen.

    Mehr
  • Die Errungenschaften der Zivilisation: Schnippikäse und Tetrisbauten

    Kühn hat zu tun

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    01. October 2015 um 11:21

    Polizeihauptkommissar Martin Kühn, 44, wohnt mit seiner Familie in einer Neubausiedlung am Münchner Stadtrand. Damals, zur Zeit des zweiten Weltkrieges befand sich genau auf diesem Areal, eine Munitionsfabrik. Der einstige, sehr regimtreue und experimentier-freundige Vorbesitzer begeht bei der Niederlage Deutschlands Selbstmord. Jedoch nicht bevor all seine bevorrateten Chemikalien ins Erdreich gesickert sind. Nun nennt sich das Gebiet "Weberhöhe" und beherbergt Häuser in einem ausgeklügelten Wohnambiente. Trotz der mittelständischen Idylle geschehen in kürzester Zeit zwei Verbrechen- ein Mord und eine Entführung. Das bedeutet für Kühn er muss nun in seiner eigenen Nachbarschaft ermitteln. Zudem kämpft er noch mit einem drohenden Burn-Out, mit seinem Sohn der in die rechte Szene abrutscht, mit einem passenden Geburtstagsgeschenk für seine Tochter, sogar noch mit orangen Flecken an seiner Kellerwand. Meine Meinung: Jan Weiler wollte es diesmal aber wissen. Er wechselte mit seinem Roman nicht nur in die Sparte der Kriminalfälle, sondern befasste sich auch gleich noch mit den Sorgen und Nöten des Mittelstandes, dem "Sondermüll" der deutschen Geschichte, einer vermeintlich liberalen Nachbarschaft sowie psychischen Überlastungserscheinungen. Da muss man ganz schön auf der "Hut" sein, um allen Aspekten das richtige "Gewicht" zu verleihen.  In Bezug auf die Elemente, die sich mit unserer Gesellschaft an sich beschäftigen, ist ihm dies auch gut gelungen. Herr Weiler trifft viele Dinge genau auf dem Punkt.  Der mittelständische Arbeitnehmer erwirbt z.B. ein Eigenheim, muss sich dafür verschulden, wird ein lebenlang für die Abzahlung der Raten arbeiten und dann stellt sich heraus, dass der Lebenstraum von Giftmüll umgeben ist. Der blanke Horror.  Treffend fand ich auch seine Beschreibungen zu der, angeblich ach so liberalen, Nachbarschaft. Zunächst streben die Städteplaner ja sogar eine gewisse Ausländerquote bei den Bewohnern der Weberhöhe an. Letztendlich gelingt es den tatsächlichen Anwohnern dann jedoch ausländischen Mitbürgern die Freude am Wohnen und Leben bei ihnen zu vermiesen. Die Darstellung der Charaktere ist Jan Weiler ebenso gut gelungen. Kühn der vor einer psychischen Überbelastung in beruflicher Hinsicht steht, der seine bisherigen Lebensziele in Frage stellt, oder der befürchtet den Zugang zu seinem Sohn zu verlieren. Nachvollziehbare Befürchtungen und Ängste, die der Autor gut vermittelt. Die Aufdeckung der Verbrechen sind hingegen nicht so mit Spannung und Orginalität gesegnet. Ein echter Krimifan wird hier sicher enttäuscht sein. Den tieferen Sinn, die Wohngegend auf dem Gelände einer alten Munitonsfabrik entstehen zu lassen, entzieht sich etwas meinem Verständnis. Aber vielleicht ging es ja wirklich nur um die möglichen Risiken beim Erwerb eines Eigenheims. Fazit: Eine treffende Darstellung unserer mittelständischen Gesellschaft mit einem steigerungs-fähigem Kriminalfall an der Seite.

    Mehr
  • Gesellschaftkritische Kriminalgeschichte

    Kühn hat zu tun

    gaby2707

    Polizeikommissar Martin Kühn, 44, lebt mit seiner Frau Susanne und den Kindern Niko und Alina auf der Weberhöhe, einem neu erbauten Stadtteil mit S-Bahnanschluss vor den Toren Münchens. Neuerdings hat er den Kopf so voller Fragen und Probleme, die er sich nicht erklären kann. Da verschwindet eines Abends ein kleines Mädchen aus seiner Nachbarschaft. Am Tag darauf findet ein Hundebesitzer gleich hinter Kühns Garten an der Böschung eine männliche Leiche. Die Spurensuche beginnt... Ich habe bisher einige humoristische Romane von Jan Weiler gelesen und war gespannt auf seinen Ausflug ins Kriminalistische. Mit viel Persönlichem, einer Portion Gesellschaftskritik und einem Ausflug in die Vergangenheit ist ihm, wie ich finde, eine gut nachzuvollziehende Geschichte gelungen. Die ganz eigentümliche Spannung, die nicht nur dem Kriminalfall sondern auch die persönliche Situation Kühns betrifft, hat mich das Buch kaum aus der Hand legen lassen. Die Protagonisten finde ich größtenteils gut vorstellbar und ich habe mich mitten unter ihnen als Nachbarin auf der Weberhöhe sehen können. Vor allem Kühn, der Vorzeigepolizist, ist mir mit seinen kleinen Fehlern bzw. Schwächen richtig ans Herz gewachsen. Er kümmert sich nicht nur um seine Fälle, sondern findet auch Zeit für das Geburtstagsgeschenk seiner Tochter, kümmert sich um seinen Sohn, der dabei ist sich in einer Bürgerbewegung zu stark zu engagieren und hat auch Augen für seine rothaarige Nachbarin. Bei den Mordermittlungen bin ich mittendrin und habe auch bald einen Täter für mich ausgemacht. Als der Fall dann gelöst ist, war ich doch schockiert und entsetzt über den Ausgang, musste ich mich in die Kindheit von Kühn zurückversetzen lassen. Den Showdown am Schluss finde ich persönlich etwas zu gestellt. Insgesamt habe ich einen kriminalistischen Roman gelesen, wie aus dem Leben gegriffen, der sich flott weglesen lässt, gut unterhält und wo auch die Spannung nicht zu kurz kommt. Meine absolute Leseempfehlung.

    Mehr
    • 3

    SalanderLisbeth

    22. September 2015 um 10:03
  • Von Mördern, zu vielen Gedanken und Schnippikäse

    Kühn hat zu tun

    serendipity3012

    Von Mördern, zu vielen Gedanken und Schnippikäse Martin Kühn hat nicht nur zu tun, das auch, sehr! – nein, vor allem ist sein Kopf voll. Er ist Polizeikommissar, hat eine Frau und zwei Kinder, ein geregeltes Leben, aber seine Gedanken kommen nicht zur Ruhe. Warum bleibt von seinem Gehalt nach allen Abzügen so wenig zum Leben übrig? Wieso findet er keinen Zugang zu seinem Sohn, der sich plötzlich mit Rechten abgibt? Muss seine Tochter unbedingt ein Pferd haben? Darf er von seiner schönen Nachbarin phantasieren? Und dann sind da noch die Geschehnisse aus der Vergangenheit, die sich immer wieder mit den aktuellen mischen und sich ihren Weg in seinen Kopf bahnen. Diese Gedankenströme gibt Jan Weiler gekonnt wieder, so, wie Kühn sie denkt, konfus und ungeordnet, quasi nicht wie aus dem Kopf, sondern aus dem Bauch heraus. „Kühn hat zu tun“ handelt nicht nur vom Familienleben des Protagonisten, denn Kühn bekommt es mit einem brutalen Mord zu tun, und die Leiche wird ausgerechnet gleich hinter der „Tetris-Siedlung“, in der er wohnt, gefunden. Ein Zufall? Jan Weilers Roman ist nicht in erster Linie ein Krimi, vor allem nicht einer von der Sorte, in der der Leser bis zum Schluss mit rät und bestenfalls im Dunkeln tappt, was die Person des Mörders angeht. „Kühn hat zu tun“ ist vielmehr ein Gesellschaftsroman, in dem Weiler auf den Punkt genau das Leben seines Helden für den Leser abbildet, der in vielem so normal ist, wie man nur sein kann. Seine pointierte Sprache ist lebendig und voller Wortwitz, der ganze Roman durchsetzt von leisem Humor und von einer trotz aller Probleme positiven Grundstimmung. Sein Protagonist ist Sympathieträger mit Ecken und Kanten, sein Roman ein Pageturner. Und gegen Ende wird es richtig spannend, auch wenn man weiß, wie der Krimiteil ausgehen wird. Nur was eigentlich Schnippikäse ist, weiß ich immer noch nicht.

    Mehr
    • 3
  • Kühn hat wirklich viel zu tun

    Kühn hat zu tun

    Mausezahn

    04. May 2015 um 09:32

    Kühn hat zu tun ist ein Gesellschaftsroman, auch wenn es manchmal den Anschein nach einem Krimi hat. Martin Kühn ist nur deshalb Polizist und muss Mordfälle klären, damit deutlich wird, das er etwas sehr wichtiges zu tun hat. In Wahrheit handelt der Roman von einem Menschen, der das Problem, das er sich auf nichts wirklich konzentrieren kann, sondern, das ihm ständig alles auf einmal durch den Kopf geht. Das ist ein Problem, mit dem meiner Meinung nach heut zu Tage viele Menschen mit zu tun haben. Martin Kühn muss also Mordfälle aufklären und Täter dingfest machen, und so die Mitmenschen vor schlimmerem bewahren. Diese Ereignisse laufen aber eher so beiläufig, denn man wird eher Zeuge davon, wie er ständig und das immer häufiger abtriftet. Eingerahmt wird das ganze noch in die Vergangenheit der Wohnsiedlung. Ich finde der schnörkelhafte Sprachstil von Jan WEiler unterstreicht das ganze Wirrwarr, dass sich in Kühns Kopf abspielt nur noch mehr. Jan Weiler ist wieder ein toller Roman gelungen, der aber so ganz anders ist , als seine bisherigen. Nichts humorvolles, sondern ein ernstes Thema, das in der Gesellschaft kein Einzelfall mehr ist, aber dennoch hin und wieder mit satirischen Körnern gespickt. Sehr lesenswert.

    Mehr
  • Kühn hat wirklich viel zu tun

    Kühn hat zu tun

    Mausezahn

    04. May 2015 um 09:30

    Kühn hat zu tun ist ein Gesellschaftsroman, auch wenn es manchmal den Anschein nach einem Krimi hat. Martin Kühn ist nur deshalb Polizist und muss Mordfälle klären, damit deutlich wird, das er etwas sehr wichtiges zu tun hat. In Wahrheit handelt der Roman von einem Menschen, der das Problem, das er sich auf nichts wirklich konzentrieren kann, sondern, das ihm ständig alles auf einmal durch den Kopf geht. Das ist ein Problem, mit dem meiner Meinung nach heut zu Tage viele Menschen mit zu tun haben. Martin Kühn muss also Mordfälle aufklären und Täter dingfest machen, und so die Mitmenschen vor schlimmerem bewahren. Diese Ereignisse laufen aber eher so beiläufig, denn man wird eher Zeuge davon, wie er ständig und das immer häufiger abtriftet. Eingerahmt wird das ganze noch in die Vergangenheit der Wohnsiedlung. Ich finde der schnörkelhafte Sprachstil von Jan WEiler unterstreicht das ganze Wirrwarr, dass sich in Kühns Kopf abspielt nur noch mehr. Jan Weiler ist wieder ein toller Roman gelungen, der aber so ganz anders ist , als seine bisherigen. Nichts humorvolles, sondern ein ernstes Thema, das in der Gesellschaft kein Einzelfall mehr ist, aber dennoch hin und wieder mit satirischen Körnern gespickt. Sehr lesenswert.

    Mehr
  • Kühn hat wirklich viel zu tun

    Kühn hat zu tun

    Mausezahn

    04. May 2015 um 09:27

    Kühn hat zu tun ist ein Gesellschaftsroman, auch wenn es manchmal den Anschein nach einem Krimi hat. Martin Kühn ist nur deshalb Polizist und muss Mordfälle klären, damit deutlich wird, das er etwas sehr wichtiges zu tun hat. In Wahrheit handelt der Roman von einem Menschen, der das Problem, das er sich auf nichts wirklich konzentrieren kann, sondern, das ihm ständig alles auf einmal durch den Kopf geht. Das ist ein Problem, mit dem meiner Meinung nach heut zu Tage viele Menschen mit zu tun haben. Martin Kühn muss also Mordfälle aufklären und Täter dingfest machen, und so die Mitmenschen vor schlimmerem bewahren. Diese Ereignisse laufen aber eher so beiläufig, denn man wird eher Zeuge davon, wie er ständig und das immer häufiger abtriftet. Eingerahmt wird das ganze noch in die Vergangenheit der Wohnsiedlung. Ich finde der schnörkelhafte Sprachstil von Jan WEiler unterstreicht das ganze Wirrwarr, dass sich in Kühns Kopf abspielt nur noch mehr. Jan Weiler ist wieder ein toller Roman gelungen, der aber so ganz anders ist , als seine bisherigen. Nichts humorvolles, sondern ein ernstes Thema, das in der Gesellschaft kein Einzelfall mehr ist, aber dennoch hin und wieder mit satirischen Körnern gespickt. Sehr lesenswert.

    Mehr
  • Weiler kann besser witzig

    Kühn hat zu tun

    franzzi

    06. April 2015 um 08:58

    Kühn hat zu tun. Soweit stimmt die Ankündigung des neuen Romans von Jan Weiler. Der Leiter der Mordkommission Martin Kühn, Mitte vierzig, groß gewachsen, hat schon von Amtswegen viel zu tun. Kaum den einen Mordfall in München aufgeklärt, muss sich Kühn mit einem verschwundenen Mädchen und einem rituell ausgebluteten Rentner beschäftigen. Das Schlimme: Beide Fälle haben mit seiner sonst so beschaulichen und stadtsoziologisch durchdeklinierten Stadtrandsiedlung zu tun, die Nachbarn haben Erwartungen und überhaupt. Aber auch privat kommt Kühn nicht zur Ruhe, das Töchterchen hat Geburtstag und will unbedingt ein Pferd und Kühn kommt bei jeder kühnen Berechnung des Budgets darauf, dass ein Pferd nicht drin ist. Ebenso wenig wie ein Ersatz für das kaputte Auto oder sonst irgendwas. Kühn hat zu tun. Vor allem Kühns Hirn hat so viel zu tun, dass es immer schneller dreht und Kühn den Nachtschlaf, die Ruhe, die Gesundheit raubt - und eigenartige Erinnerungsbruchstücke aus der Vergangenheit zurückzerrt, die Kühn nicht begreift. Weiler, der Mann, der seine früheren Werke wie «Maria, ihm schmeckt's nicht», so erfrischend schrieb wie selber vorlas, hat jetzt mal einen Krimi versucht. Naja, einen Halbkrimi. Die Whodunnit-Frage ist spätestens ab der Mitte des Buches vom Autor selbst auf den Tisch gelegt, es geht noch ein bisschen um das Warum? und natürlich um den Hintergrund für Kühns durchdrehenden Kopf. Natürlich verfällt Weiler der schon zehntausend mal gedachten - und leider auch umgesetzten - Idee: Was wäre, wenn alles irgendwie miteinander zusammenhängt? Und so hängt dann alles aufs Konstruierteste miteinander zusammen. Gerettet wird das Buch, wie könnte es anders sein, von Weilers Erzählstil, von der Wärme mit der er seinen Kühn beschreibt und begleitet, von den klugen Alltagsbeobachtungen und den Spitzen auf's Familienleben wie auf die Nachbarschaft allgemein. Da findet man ihn, den alten, den richtig guten Weiler. Versteckt zwischen einem mittelmäßigen Krimi, den die starke Hauptfigur nicht rettet.

    Mehr
  • Was ist LovelyBooks?

    Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freunden und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist! Mehr Infos

    Buchliebe für dein Mailpostfach!

    Hol dir mehr von LovelyBooks