Jana Döhring

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Autor von Stasiratte.

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Stasiratte

Stasiratte

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Erschienen am 13.08.2012

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Rezension zu "Stasiratte" von Jana Döhring

Ein Stasispitzel erzählt
Liebes_Buchvor 5 Jahren

Dieses Buch hat mich überrascht. Als Wessi hatte ich das Vorurteil, dass die Stasi-Spitzel aus Angst und Bedrängnis gegen ihren eigentlichen Willen mitgemacht hätten. In dem Buch "Stasiratte" räumt Jana Döhring mit diesem Klischee auf. Siebeschreibt wie sie mit 23 von der Stasi angeworben wurde und fortan Freunde und Fremde bespitzelte. Als abenteuerhungrige und schöne Frau erscheint sie erstaunlich praktisch. Ihre Gedanken kreisen hauptsächlich darum, wer ihr nützlich sein könnte. Auch in einer Diktatur will man ja Spass haben. So wird sie wegen der guten Bezahlung in der DDR Kellnerin und arbeitet in einem Hotel, in dem auch Ausländer absteigen und es Westgeld gibt. Sie geniesst erotische Abenteuer, heiratet jedoch einen Schwarzhändler, der z. B. Tiere schächtet, obwohl es verboten ist, und Polizeikontrollen über den Haufen fährt. Als die Stasi sie anspricht, fühlt sie sich geschmeichelt und wittert ein neues Abenteuer. Über viele Leute schreibt sie angeblich positiv, manchen schadet sie aber bewusst. So schwärzt sie aus Neid eine Kollegin an, die schöner ist als sie und deren Name, Chiara, ihr nicht gefällt. Nach der Wende heiratet sie einen westdeutschen Anwalt und lebt in Köln. Doch plötzlich wird ihre Erfolgsgeschichte gestört. Ihr Freund und Kollege Gerry, den sie bespitzelt hatte, schreibt ihr monatlich Postkarten. Mit dem Stalking-Gesetz bringt sie ihn vor Gericht, das ihm das Schreiben der Karten untersagt. Der Richter erklärt, er wüsste nicht, ob er sich selber in der DDR nicht ebenso verhalten hätte wie Jana Döhring! Hier kommt das typische Vorurteil zum Tragen, dass wir alle denken, die Stasi-Spitzel hätten aus einer Notlage heraus mitgemacht und sich gefürchtet. Aus diesem Grund halte ich dieses Buch für empfehlenswert, weil es Wessis die Augen öffnen könnte. Viele Ostdeutsche waren mutig, anständig und tapfer. Trotzdem hat sich in unseren Köpfen die Idee eingenistet, die Stasi-Spitzel wären Opfer gewesen. "Stasiratte" offenbart, dass das durchaus nicht so war. Jana Döhring schreibt ihre Lebensbeichte distanziert, zynisch und mit einer gewissen Koketterie. Sie macht sich sogar darüber lustig, dass keine Zeitung einen Bericht über die Geschichte ihres Opfers drucken würde, weil die Opfergeschichten gewöhnlich sind. Auch nach dem Ende der DDR hat die Autorin sich nicht geändert. Ein hässliches Zeitzeugnis, das Wessis die Naivität nehmen könnte. Obwohl bzw. weil dieses Buch so negativ ist, halte ich es für empfehlenswert- allerdings muss man beim Lesen selber denken. Jana Döhring sagte in einem Interview, sie würde die Einnahmen aus dem Verkauf des Buches spenden.

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