Keinland

von Jana Hensel 
3,0 Sterne bei3 Bewertungen
Keinland
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Positiv (1):
miss_mesmerizeds avatar

Eine Liebe, die die ganze Bürde der Vergnagenheit schultern muss.

Kritisch (1):
FrauGoldmann_Buechers avatar

Zu viel Meinland, Keinland, zu viele sprachgewandte Wiederholungen. Mein Buch ist es nicht.

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Inhaltsangabe zu "Keinland"

»Keinland« ist ein Liebesroman, aber auch ein Roman über Schuld, Erinnerung, Herkunft und Grenzen.

Eigentlich hatte Nadja nur ein Interview mit Martin Stern führen wollen, aber von der ersten Sekunde an ist da eine schwer erklärbare Nähe – und eine Fremdheit, die sich auch dann nicht auflöst, als die beiden sich näherkommen. Woher rührt diese Nähe? Und warum ist diese Fremdheit nur so schwer zu überwinden? Nadja sagt ja zu dieser Liebe, an die Martin nicht recht glauben kann. Martin, der als Jude in Frankfurt am Main aufgewachsen ist, Deutschland aber nach der Wiedervereinigung verlassen hat und nach Tel Aviv gezogen ist. Zu vieles liegt zwischen den beiden: biographische Erfahrungen, geographische Entfernung und eine Vergangenheit, die nicht nur mit den eigenen Lebensläufen zu tun hat.
Das falsche Land, das richtige, das neue, das heilige – Jana Hensel lotet in kunstvollen Zeitsprüngen und Erinnerungen an Tage in Berlin und Nächte in Tel Aviv, an tiefe Innigkeit und immer wieder scheiternde Gespräche die Grenzen zwischen zwei Liebenden aus. Dabei umkreist sie mit großer sprachlicher Kraft und Intensität unsere Auffassung von Heimat, Geschichte und Schicksal und stellt mit ihren Charakteren die Frage, wie weit die Vergangenheit unser Leben bestimmt.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783835330672
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Fester Einband
Umfang:196 Seiten
Verlag:Wallstein
Erscheinungsdatum:31.07.2017

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    LolitaBuettners avatar
    LolitaBuettnervor 6 Monaten
    Gedankenreich

    Jana Hensels Liebesroman KEINLAND ist ein schmales Buch, welches von einer komplizierten Liebe erzählt.

    Die Ich-Erzählerin Nadja aus Berlin liebt Martin, einen jüdischen Unternehmer aus Frankfurt, der aber inzwischen in Tel Aviv lebt. Beide fühlen sich zueinander hingezogen und dennoch trennt das Paar so vieles.

    Martin entzieht sich immer wieder Nadja. Für die beiden scheint es keinen richtigen Ort zu geben, an welchem sie ihr Glück leben können. Nicht Berlin. Nicht Tel Aviv. Nicht Israel. Nicht Deutschland. KEIN LAND eben. Die beiden treffen sich nur selten, haben sporadischen Kontakt. Nicht besonders innig. Manchmal befremdlich.

    Der Liebesroman ist nicht schnulzig, aber auch nicht rührend. Es wird einfach von einer gescheiterten Beziehung erzählt. Obwohl die Sprache der Autorin sehr persönlich ist, wirkt das Erzählte kühl - vielleicht weil die Beziehung der Protagonisten ebenso kühl ist. Beim Lesen hatte ich das Gefühl, ich neheme an Dialogen teil. Einmal unterhält sich Nadja mit Martin - wenn auch nie stattgefunden, sondern von ihr vorgestellt, mit ihrer Freundin Bettie, Kollegen oder Freunden. Nadja wirkt traurig und zuversichtlich zu gleich.

    Die Kapitel flatterten an mir vorbei. In der Mitte des Buches verlor ich ein bisschen das Interesse, weil die Autorin weniger von der Beziehung erzählte. Es ging um die Aufarbeitung der Judenverfolgung, die Erkundung von Erinnerungsstätten in Israel, eine andere Liebschaft ...

    Ich hatte mir von dem Buch mehr erwartet, weiß aber nicht so recht, was dieses "mehr" sein könnte. Im Ganzen war die Geschichte mir zu zäh, zu traurig, zu einsam und auch irgendwie verwunschen. Nadja ist eine Träumerin, die mit großen Phrasen fern der Realität die Liebe zu halten versucht.

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    miss_mesmerizeds avatar
    miss_mesmerizedvor einem Jahr
    Kurzmeinung: Eine Liebe, die die ganze Bürde der Vergnagenheit schultern muss.
    Jana Hensel - Keinland

    Nadja und Martin, eine ungewöhnliche Beziehung in einem nirgendwo, in Keinland. Nadja will den Unternehmer Martin Stern eigentlich nur für ihre Zeitung interviewen, doch schnell merken beide, dass da mehr ist zwischen ihnen. Aber sie sind beide nicht frei von dem, was sie als Erbe und Erfahrung mit sich tragen., Martin wächst als Kind von Holocaustüberlebenden im Feindesland in Frankfurt auf und hasst es. Als Erwachsener flüchtet er ins gelobte Land. Auch Nadja hadert mit ihrem Land, das es schon gar nicht ehr gibt. In Ostberlin groß geworden hat sie den Niedergang der DDR erlebt und findet sich nun in einem anderen Land wieder, das irgendwie nie ihres wird. Martin will nicht nach Deutschland kommen, dafür zeigt er Nadja sein geliebtes Israel. Immer wieder treffen sie sich, aber sie kommen nicht zusammen, zu viel trennt sie, trennt jeden einzelnen davon, irgendwo richtig anzukommen und bei sich selbst zu sein.


    Jana Hensels Buch wird als Liebesroman kategorisiert, aber ist er das wirklich? Für mich war die Liebesgeschichte zwischen Nadja und Martin nicht wirklich greifbar, denn sie entsteht nicht wirklich. Es gibt Zuneigung und Anziehung, doch viel mehr stecken die beiden Figuren in den Fragen ihrer eigenen Definition und Orientierung fest, als dass es ihnen möglich wäre, sich aufeinander einzulassen. Zwischen ihnen steht vor allem auch die Schuld der Deutschen, die nicht nur ein Volk, sondern auch dessen Geschichte versuchten auszulöschen:

    „Ich komme aus dem Nichts, Nadja. Das ist eigentlich ganz einfach. Vielleicht zeige ich dir eines Tages, wo das ist. Vielleicht auch nicht. Das weiß ich noch nicht. Ich weiß, du findest, deine Leute laufen herum und sehen unter der neuen Farbe wie Tote aus. Aber das ist mir egal. Meine Leute sind wirklich tot. Sie laufen nirgends mehr herum.”

    Martins Eltern mussten nach dem Krieg als Displaced Persons in Deutschland leben, wenigstens ihrem Sohn wollten aber sie eine Zukunft ermöglichen und dies führte für diesen jedoch zum Identitätsverlust:

    „Meine Eltern haben mir nach dem Krieg den Namen Martin gegeben, damit man mich nicht erkennt. Sie wollten, dass ich genauso heiße wie ein richtiger Deutscher. Aber ich werde nie ein richtiger Deutscher. Ich weiß nicht, wer ich bin.”

    Er bemüht sich nicht aufzufallen und dazuzugehören, aber jemand wie Nadja kann sofort erkennen, wenn jemand am falschen Ort, im falschen Land ist. Richtig ist für ihn jedoch Israel, seine neue Heimat, die er wie eine Geliebte verehrt. Eine Liebe, die Nadja nicht kennt, denn sie liebt ihr neues Land nicht, dies bleibt für sie immer das falsche:

    „mein Land ist wirklich untergegangen, und ich glaube manchmal, ich mit ihm. Vielleicht weil ich damals so jung war, habe ich nicht verstanden, was passierte. Martin, verstehst du, vielleicht bin ich ja mit diesem Land untergegangen. Man kann auch mit falschen Ländern untergehen.”

    Da es auf der Welt kein Land für sie beide gibt, müssen sie nach Nadjas Vorstellung eine neue Enklave für sich schaffen, eine eigene Welt, in der sie leben können und die ihnen die Freiheit und Sicherheit gibt, nach der sie sich sehnen:

    „wir haben ein Land gegründet. Eine ganze Weile schon tun wir das, seit mehr als einem Jahr tun wir das, wenn du es ganz genau wissen willst. Ein Land für dich, ein Land für mich und nun auch noch ein Land für unser Kind. Meinland, Deinland, Keinland, unser Land vielleicht. Für das Kind in mir.“

    Nadja und Martin sind im permanenten Kräftemessen, wessen historisches Erbe ist schlimmer, wer ist verlorener und in diesem Tauziehen finden sie sich immer wieder. Aber ihre Liebe ist fragil, sie setzt voraus, dass beide einen Schritt weitergehen, die Vergangenheit hinter sich lassen und nach vorne blicken. Die Last abwerfen, die sie mit sich tragen, die sie sich selbst gegeben haben.

    Eine Liebe vor dem Hintergrund der deutschen Geschichte. Ein Roman, der weit über seine Figuren hinaus wirkt, nicht nur wegen der Tragweite des Rahmens, sondern auch wegen der treffenden Formulierungen Jana Hensels, die genau den richtigen Ton für ihre Figuren gefunden hat.

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    FrauGoldmann_Buechers avatar
    FrauGoldmann_Buechervor einem Jahr
    Kurzmeinung: Zu viel Meinland, Keinland, zu viele sprachgewandte Wiederholungen. Mein Buch ist es nicht.
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    Pressestimmen

    »Keinland ist ein souveränes Buch, illusionslos und intelligent.«
    (Heinrich Wefing, Die ZEIT, 26.10.2017)

    »eine provozierende, eine faszinierende Lektüre – eine Empfehlung!«
    (Denis Scheck, druckfrisch, 01.10.2017)

    »Ein trauriges Buch, aber ein beglückendes.«
    (Jochen Overbeck, SPIEGEL ONLINE, 07.08.2017)

    »Eine feinsinnige und gelungene Probebohrung in die Geröllwüste der deutschen Geschichte.«
    (Katrin Schumacher, MDR, 01.08.2017)

    Hensel »schafft mit literarischer Dichte und einem sensiblen Blick fürs Historische viel mehr als nur eine reine Liebesgeschichte«
    (André Böhmer, Leipziger Volkszeitung, 01.08.2017)

    »›Keinland‹ ist stark assoziativ, in sich melodisch, mit schönen, klaren Bildern«
    (Sarah Pines, Die literarische Welt, 29.07.2017)

    »meisterlich«
    (Martin Kluger, Neue Zürcher Zeitung, 29.07.2017)

    »Die sensible Bilanz einer Herzensangelegenheit – mit Sätzen, die im Kopf hängenbleiben«
    (Börsenblatt, 14.6.2017)

    »›Keinland‹ zieht den Leser mit viel poetischer Kraft hinein in eine intensive Liaison zwischen einer deutschen Journalistin und einem israelischen Geschäftsmann.«
    (André Böhmer, Dresdner Neueste Nachrichten 01.08.2017)

    »nochmals vielen Dank für diesen gut geschriebenen Roman. Er entwickelt interessante Gedanken und schlägt eine Brücke zwischen Israel und Deutschland.«
    (Meike Blanke, Horner Buchhandlung, Bremen)

    Interview mit Jana Hensel in der Berliner Zeitung, 30.07.2017

    »Es gelingt ihr in ihrem literarischen Debüt, eine Sensibilität für die Prägungen zweier sehr unterschiedlicher Generationen zu schaffen.«
    (Doreen Mildner, dpa, 01.08.2017)

    »ein leises, sehnsüchtiges literarisches Debüt«
    (Kristina Pleinert, fixpoetry.com, 01.08.2017)

    »›Keinland‹ – ein sehr schönes, zartes und mutiges Buch«
    (Susanne Rikl, gute-buecher-lesen.de, 02.08.2017)

    »Hensel fragt in diesem berührenden Liebesroman nach dem richtigen oder falschen Land (...) und gibt darauf mit »Keinland« eine literarisch leidenschaftliche Antwort.«
    (Bettina Hesse, WDR 5, 05.08.2017)

    »Einfühlsamer, vorsichtiger Roman über das Erinnern.«
    (Yvonne Kraus, www.leselink.de, 14.08.2017)

    »ein sehr ungewöhnlicher und stiller Roman«
    (Hauke Harder, www.leseschatz.com, 16.08.2017)

    »Ein Roman, der weit über seine Figuren hinaus wirkt«
    (Katja Zimmermann, www.missmesmerized.wordpress.com, 19.08.201

    »zart schwingend und alles Zarte zugleich hinterfragend«
    (Britta Heidemann, WAZ, 25.08.2017)

    »nicht nur sprachlich fein gesponnen, auch die Perspektiven, die Rückblenden, die Zeiten sind behutsam und klug zu einer Erzählung geschichtet«
    (Dr. Katrin Schumacher, www.kulturfalter.de, 11.09.2017)

    »Schwerer Stoff, der leicht präsentiert wird«
    (Georg Duroy, tip berlin, September 2017)

    eine »spezielle Liebesgeschichte, die sich abseits der gängigen Klischees zu einem wirklich berührenden Werk mausert«
    (Alexander Nickel-Hopfengart, zuckerkick.com, 11.09.2017)

    »Assoziativ und wunderbar melodisch erzählt Jana Hensel von diesen zwei Geschichtszerriebenen, die sich schmerzlich bemühen, nicht zu scheitern.«
    (Göttinger Tageblatt, 15.09.2017)

    »anmutig, kraftvoll und intensiv«
    (Senta Wagner, Buchkultur, Oktober/November 2017)

    »Ein schönes Buch für kalte Novembertage und gebrochene Herzen.«
    (www.bild.de, 11.10.2017)

    »Jeder Satz, jeder Gedanke sitzt tief.«
    (aviva-berlin.de, 09.09.2017)

    »Jana Hensel weiß davon anmutig, kraftvoll und intensiv zu erzählen.«
    (Senta Wagner, derhotlistblog.wordpress.com, 08.09.2017)

    ein »kluges Buch«
    (Susanne Emschermann, Buchprofile/medienprofile, 2017, Heft 4)

    »man kann sich, mit intellektueller und emotioneller Begeisterung, verlieren in ausgefeilten Sätzen«
    (Manfred Allenhöfer, Heidenheimer Zeitung, 15.12.2017)

    »Der Autorin gelingt es in intensiver psychologischer Sprachmelodie das bebende Seelenleben der Liebenden mitreißend zu öffnen und in spannender Story zu entwickeln.«
    (Walter Pobasching, literaturoutdoors.wordpress.com, Oktober 2017)

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