Während „Mit anderen Augen“ von Jane Tara mich im ersten Drittel noch voll überzeugen konnte, ließ die Begeisterung dann leider schnell nach. Frech und plakativ geht die Autorin das Thema Unsichtbarkeit bei Frauen ab 50 zunächst an. Gut gefiel mir die gesellschaftliche Kritik, die sympathischen Figuren und die vorherrschende Diversität. Im Handlungsverlauf verrutscht der Ton dann aber leider zunehmend zu einem schlechten Lebensratgeber. Prinzipiell sind die vermittelten Botschaften zur eigenen Wahrnehmung und Selbstfürsorge sicher nicht ganz falsch. Allerdings klang es aber zunehmend danach, dass jede Person selbst für das eigene Selbstbewusstsein/Mindset verantwortlich ist. Und wenn man nur genug an sich arbeitet, dann wird alles gut. Für mich problematisch, da es eben die Lebensrealität vieler verkennt und oft eben jahrelange Therapie für Veränderungen nötig ist. Darüber hinaus überhöht die Autorin meiner Meinung nach völlig den Wert von Meditation und heilt in ihrer Geschichte damit mal eben ein Kindheitstrauma. Ein weiterer Kritikpunkt war für mich außerdem Tildas doch sehr privilegierte Situation und jegliche feministische Botschaft verliert sich sowieso im schnulzigen Happy End mit einem gutaussehenden Traummann. Was so vielversprechend begann ließ mich letztendlich enttäuscht zurück. Da ich noch mehr Kritikpunkte vorbringen könnte, wie etwa der besorgniserregende Alkoholkonsum mehrerer Charaktere, hilft es leider auch nicht viel das der Schreibstil durchaus angenehm zu lesen ist. Mit viel Wohlwollen und weil zahlreiche wichtige Themen zumindest kurz angesprochen werden, vergebe ich 3 Sterne.
Jane Tara

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Quelle: Verlag / vlb
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Neue Rezensionen zu Jane Tara
Die aus Australien stammende Autorin Jane Tara hat ihren bemerkenswerten Roman “Mit anderen Augen” über die Bedeutung der reiferen Frau in der Gesellschaft vorgelegt. Schon auf dem gelungenen Hardcover kann man die Intention des Buches erkennen, das Frauen, egal welchen Alters, dazu ermutigen will, vor den Vorhang zu treten.
Tilda ist zweiundfünfzig, betreibt eine eigene Firma, die Motivationssprüche auf diverse Artikel wie beispielsweise Kaffeetassen druckt. Sie hat erwachsene Zwillingstöchter und wunderbare Freundinnen. Aber sie hat keinen Partner, ihr Ehemann hat sie für eine jüngere Frau verlassen. Als Tilda eines Tages bemerkt, dass ihre Körperteile sukzessive verschwinden, erhält sie die Diagnose “Unsichtbarkeit”, nicht heilbar! Doch Tilda nimmt Hilfe in Anspruch, eine berühmte Therapeutin verspricht Genesung. Dazu muss Tilda sich klar werden über ihr Selbstbild und ihre negativen Gedanken, die sie ständig begleiten. In einer Selbsthilfegruppe- denn sehr viele Frauen sind auch von Tildas Krankheitsbild betroffen- fühlt sich Tilda nicht wohl, Meditation und Schweigen scheinen einen Weg zu weisen. Und ihr Jugendtraum, Porträts zu fotografieren, tritt wieder in den Vordergrund. Auch ein attraktiver Mann, der ihre Makel nicht bemerkt, zeigt Interesse an Tilda. Unsichtbarkeit, ein Schicksal?
Jane Tara bettet die Geschichte von Tilda in eine allgemeine Analyse des Lebens von Frauen, die das gebärfähige Alter hinter sich haben. Sind sie deswegen weniger begehrenswert? Werden sie tatsächlich nicht mehr gesehen, vor allem von den Männern? Stellen sie für die Gesellschaft keine Bereicherung mehr dar, vielleicht sogar eine Last?
All diese Fragen verwebt die Autorin mit Tildas Leidensweg. Vielleicht mag es irritieren, dass die Autorin hier als Protagonistin eine Frau wählt, die in komfortablen Verhältnissen lebt, über viele Sozialkontakte verfügt und ökonomisch keine Probleme hat. Dennoch ist die Annahme richtig, dass dieses Gefühl des Verschwindens, des nicht wahrgenommen Werdens, jede Frau, ganz unabhängig von ihrer Situation, betreffen kann. Oft ist die Unsichtbarkeit eine Folge von Traumata in der Kindheit, die Muster für die Partnerwahl im späteren Leben geprägt haben und die Frauen gelehrt haben, dass sie Konflikten am ehesten aus dem Weg gehen, wenn sie so unbemerkt wie möglich bleiben. Auch negative Gedankenspiralen zerstören den Selbstwert. Für Tilda scheinen die Hinwendung zur Selbstliebe und Meditation ein Heilmittel zu sein. Hier verallgemeinert die Autorin nicht, sondern zeigt Wege auf, die aus einer scheinbar aussichtslosen Situation, wenn man sich selbst aus dem Blick verloren hat, herausführen können.
Natürlich hilft Tilda auch die Liebesgeschichte, die Jane Tara gekonnt in das Geschehen einbaut. In diesem Zusammenhang mögen sich die Lesenden fragen, ob von Bedeutung ist, dass der Mann, Patrick, superreich, attraktiv und empathisch ist. Wird nicht zu sehr die Außensicht betont? Genau hier liegt aber Patricks Defizit, diese Sicht des Äußeren ist ihm verwehrt.
“Mit anderen Augen” greift ernste gesellschaftliche Entwicklungen auf, dennoch besticht das Buch immer wieder mit subtilem Humor. In klarer Sprache führt die Autorin durch ein Frauenleben, das zu kippen droht, dennoch fehlt es dem Buch nicht an Spannung und Zuversicht. Damit bietet der Roman in großen Linien soziologische Befunde über den Bedeutungsverlust von Weiblichkeit, jedoch führt er beschwingt, aber gelassen durch ein schwieriges Thema. So bietet “Mit anderen Augen” vieles, was gute Literatur erfüllen soll: Der Roman ermöglicht Diskussion und kritische Betrachtung, er regt an, dem Geschehen in eigenen Gedanken nachzuspüren. “Mit anderen Augen” ist ein empfehlenswertes Buch, das nicht nur Frauen lesen sollten.
Der humorvolle Schreibstil hat mir direkt gefallen und auch die Grundidee fand ich richtig stark. Dass Tildas Körperteile verschwinden und damit gezeigt wird, wie unsichtbar sich viele Frauen irgendwann fühlen, ist kreativ und gesellschaftskritisch umgesetzt.
Tilda's Charakter mochte ich gerne, sie ist total sympathisch und ihre Entwicklung innerhalb des Buchs fand ich schön. Manchmal waren mir die wiederkehrenden Witze aber etwas zu viel, weil dadurch die ernsteren Momente ein bisschen untergegangen sind. Trotzdem mochte ich die Mischung aus Humor, Selbstfindung und Themen wie Selbstwert, Achtsamkeit und weiblicher Solidarität.
Allerdings hatte ich nach dem Klappentext etwas mehr Gesellschaftskritik und Feminismus erwartet. Stattdessen ging es später eher in Richtung Selbstliebe- und Ratgeberroman. Das war zwar interessant, aber nicht ganz das, was ich erwartet hatte. Außerdem war mir das Ende etwas zu kitschig und vorhersehbar.
Trotzdem kann ich das Buch empfehlen, weil die Idee originell ist, es sich super leicht lesen lässt und einige schöne Denkanstöße mitgibt.
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Tilda Finch ist zweiundfünfzig, eine erfolgreiche Geschäftsfrau und Mutter von erwachsenen Zwillingstöchtern. Als sie sich eines Morgens an den Schreibtisch setzt, bemerkt sie, dass ihr kleiner Finger verschwunden ist. Es folgen die Nase und das Ohr… Von ihrer Ärztin bekommt sie die Diagnose: Unsichtbarkeit. Die Krankheit würde bei Frauen ab einem gewissen Alter häufig auftreten. Nachdem der erste Schock verklungen ist, stemmt sich Tilda mit Witz und Mut gegen ihr langsames Verblassen aus der Welt.
"Mit anderen Augen" von Jane Tara steht auf Oprah Winfreys persönlicher Leseliste!
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