Janet Frame Wenn Eulen schrein

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Inhaltsangabe zu „Wenn Eulen schrein“ von Janet Frame

B ob Withers’ Familie wird geradezu heim- gesucht von Unglück und Krankheit. Ein Gegengewicht fi nden seine Kinder in Märchen, Geschichten – und in einer Abfallgrube, aus der sie ihre Schätze bergen: stockfl eckige Bücher, zerknülltes Silberpapier, ausrangierte Reifen. Ihre hochfl iegenden Träume aber werden nicht in Erfüllung gehen. In luzider, kraftvoller und poetischer Sprache erzählt Janet Frame vom herzzerreißenden Schicksal der vier Geschwister.

Eine ganz besondere Sprache und Intensität. Für den Leser wird es schwer, all das Leid und die Tragik zu verarbeiten...

— Floh
Floh

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    Wenn Eulen schrein
    Babscha

    Babscha

    10. August 2016 um 21:16

    Die Geschichte der Familie Withers. Vater Bob, ein mental simpel strukturierter Eisenbahner, der seine Familie mit harter Hand regiert und drangsaliert, seine Frau Amy, die sich ihm bedingungslos beugt und versucht, die Familie irgendwie zusammen zu halten. Und ihre vier Kinder. Francie , die Älteste, die als Teenager durch einen Unfall tragisch ums Leben kommt, dann Toby, von klein auf mit Epilepsie geschlagen, die unauffällige Daphne, die später ihr Leben psychotisch in einer geschlossenen Anstalt verbringen wird, und zuletzt Teresa, die Jüngste, die als Erwachsene unaufhörlich und krankhaft um gesellschaftlichen Aufstieg und Anerkennung kämpfen wird. Sie alle leben in Waimaru, einer Kleinstadt in Neuseeland in trostlosen, bitterarmen Verhältnissen. Ihre Kindheitsgeschichte erzählt das Buch und macht dann einen Sprung zwanzig Jahre nach vorn in die Mitte des vergangenen Jahrhunderts. Die Autorin hat ihr mitreißendes, sehr mutiges und gesellschaftskritisches Buch bereits vor über fünfzig Jahren geschrieben. Es ist ein Werk voller zeitloser Poesie und beleuchtet in einer ganz speziellen Mischung aus Melancholie, unterschwelliger Wut und tiefer Traurigkeit das Werden und Vergehen einer geschlagenen Familie ohne jede Chance, sei es aufgrund menschlicher Unzulänglichkeit, tragischer Schicksalsschläge oder einfach wegen genetischer Defekte und Vorbelastungen. Ein Werk, das gerade aufgrund des Kontrastes zwischen seiner leicht antiquierten Sprache und der überholten gesellschaftlichen Lebensumstände des frühen 20. Jahrhunderts einerseits und dem zwischen den Zeilen klar herauslesbaren freidenkenden, klaren Verstandes und Anliegens seiner Autorin andererseits überzeugt. Lektüre abseits des Mainstreams, wie man es heutzutage bezeichnen würde.

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  • Bewegtes Familiendrama des 20. Jahrhunderts. Beinahe eine autobiografische Geschichte, leiser Töne.

    Wenn Eulen schrein
    Floh

    Floh

    30. July 2016 um 04:56

    Nach dem Beenden dieses beinahe poetischen und sehr tiefgründigen, wie auch erschreckenden Romans, musste ich zunächst einmal in mich gehen und all diese neuen und besonderen Eindrücke und Kostbarkeiten des Lesens aufnehmen, wirken lassen und reflektieren. Ja, dieses Buch der neuseeländischen Autorin Janet Frame wird nicht zu Unrecht als Meisterwerk betitelt und für den Literaturpreis mehrfach nominiert. „Wenn Eulen schrein“ ist ein ganz besonders leises Buch, was mit Zitaten, Botschaften, Poesie, Gedichten und Gedanken durchwebt und durchzogen ist. Es ist ein Meisterwerk am Rande der Masse, der seine Eindringlichkeit durch das erlebte Schicksal der ärmlichen Familie mit autobiografischen Ähnlichkeiten zur Autorin und ihres Lebensweges erzählt. Wenn es einer Autorin gelingt, den Grat zwischen authentischer Kulisse, Vergangenheit und finsterer Erlebnisse und Schicksalsschläge einer hart arbeitenden Familie in einem Roman zu vereinen, dann kann man sicherlich von einem besonderen schriftstellerischen Talent sprechen. Erschienen im dtv Verlag (http://www.dtv.de/)Inhalt:„Ein Meisterwerk des 20. Jahrhunderts - Bob Withers’ Familie wird geradezu heimgesucht von Unglück und Krankheit. Ein Gegengewicht finden seine Kinder in Märchen, Geschichten – und in einer Abfallgrube, aus der sie ihre Schätze bergen: stockfleckige Bücher, zerknülltes Silberpapier, ausrangierte Reifen. Ihre hochfliegenden Träume aber werden nicht in Erfüllung gehen.In luzider, kraftvoller und poetischer Sprache erzählt Janet Frame vom herzzerreißenden Schicksal der vier Geschwister.“Handlung:In diesem Buch taucht der Leser ein in eine Geschichte einer armen Eisenbahnerfamilie aus Neuseeland. Doch diese Geschichte wird nicht lange bloß eine Geschichte bleiben, sondern die Geschichte der Autorin und aufgrund der Intensität auch die Geschichte der Leser. Der Familienvater von vier Kindern, Bob Withers, verdient als Eisenbahner gerade so viel, dass seine Familie das Nötigste zum Leben hat, oft genug müssen sie im Laden anschreiben lassen, und neue Dinge sind ein nicht zu leistender Luxus. Vier Kinder leben in dem kleinen Haus in ärmlichen und dreckigen Verhältnissen, sind oft genug aufeinander angewiesen, weil sie überall sonst eher Außenseiter sind. Ein Leben am Rande der Gesellschaft. Hinzu kommt, dass die Familie scheinbar von Unglücken und Krankheit verfolgt wird. Francie, die älteste Tochter, hat mit 13 gerade die Schule verlassen und ihre erste Arbeitsstelle angetreten, als sie tödlich verunglückt. Daphne, die Zweitälteste, entwickelt eine psychische Erkrankung, die die Eltern schließlich veranlasst, ihre Tochter in eine Heilanstalt zu geben, wo sie jahrelang verbleibt. Der Sohn Toby erleidet epileptische Anfälle und bleibt in der Schule hinter seinen Altersgenossen zurück. Einzig die jüngste Tochter, Teresa, scheint ohne große Narben aufzuwachsen, heiratet dann aber früh und zieht weg aus der Kleinstadt…Der Roman breitet seinen Lesern die Handlung in zwei Teilen aus. Zunächst werden wir mit der Armut und Lebenssituation der Familie Withers konfrontiert. Nach dem ersten schrecklichen Unglück trauern wir mit der Familie um Francie, die die Schule früh verlassen hat um Geld zu verdienen und bei einem tödlichen Unfall stirbt. Das Leben der Kinder und der Familie, die Ärmlichkeit, der Dreck, die Suche nach Schätzen auf der Müllhalde - und einmal 20 Jahre später über das Erleben einzelner Familienmitglieder, ihre Tätigkeit, ihre Ziele, ihr Denken, ihre Gefühle, ihre Pläne für die Zukunft. Sehr düster und beinahe depressiv gestaltet sich hier die Erzählung. Vieles wird nur angedeutet, angerissen, alles verharrt stumpf in einer resignierten Verzweiflung - es wird sich doch nichts ändern. Die einzige, die die Verlogenheit und Vergeblichkeit der Bemühungen zu durchschauen scheint, ist ausgerechnet Daphne, die, sprachlos zwar und seit Jahren weggesperrt, dafür aber ungeheuer klarsichtig hinter die Dinge zu schauen vermag.Schreibstil:Der Autorin Janet Frame ist ein trauriger, beklemmender und sinnbildlicher Roman der düsteren, aber auch sehr emotionalen und atmosphärischen Töne gelungen, der nicht nur aufgrund der authentischen und biografischen Geschichte und der bewegenden Schicksalsschläge der einfachen Leute Withers und der hiesigen Begebenheiten intensiv erscheint. Besonders der geschickte Aufbau des Romans, bei dem zwischen Vergangenheit und handelnder Gegenwart immer wieder aus Sicht der Kinder berichtet wird und Tagebucheinträge dem Geschehen ein Gesicht verleihen. Hier braucht der Leser ein Auge für besondere Schreibkunst, um diese Stilmittel, die alles andere als alltäglich sind, zu schätzen zu wissen. Mir fehlt hier scheinbar an vielen Stellen der feine Empfänger für diese Wortgewalt der stillen Botschaften. Die Beschreibungen des harten Lebens, des Verlustes, das Leben mit den vielen Aufgaben, dem Glauben, der Sitten und Gepflogenheiten, die Schicksale, die Einsamkeit, die Hoffnungslosigkeit, das Hinvegetieren usw. sind von der Autorin voller Verbundenheit und Herzblut niedergeschrieben und werden so enorm nachempfindbar für den Leser. Ich jedoch kam nicht immer damit klar, dass die Ereignisse so eindringlich sind. Meinung / Eindrücke:Das Buch ist definitiv kein reißerischer oder lebhafter Roman, es ist ein Werk der ruhigeren Töne, der großen Emotionen und der beschatteten Ereignisse. Den Aussagen und Gefühlen, denen die Autorin hier so viel Intensität verleiht, kann man sich als Leser einfach nur schwer hingeben, da sie sehr beklemmend und traurig sind. Am Talent der Autorin mag ich gar keine Kritik äußern, genauso wenig wie an der Arbeit der beiden Übersetzerinnen und an der Aussagekraft des Buches. … Jedoch sehe ich das Buch auch etwas zweigespalten… Als ich die vielen Literaturkritiken zum preisgekönten „Meisterwerk des 20. Jahrhunderts“ las, wurde ich natürlich sehr neugierig. Hier wurde die Sprachkunst in höchsten Tönen gelobt. Zu Recht. Hier wurde von einer bewegenden Handlung, eines sagenhaft aufwühlenden Romans gesprochen. So ist es dann auch. Doch die Gewalt, der Worte, die die Autorin Janet Frames in ihren sinnbildlichen Umschreibungen und wenigen Dialogen bietet, ist schon etwas arg fremd und muss erst einmal beim Leser auf Zuspruch treffen. Ich habe wirklich lange gebraucht um mich an diesen Stil zu gewöhnen und wurde leider nur schwer von den Worten beflügelt. Eher wurde ich trüb und hinuntergezogen. Der Roman bleibt von der Handlung und vom Aufbau doch eher dezent, zwar mahnend und tragisch, aber es ist eher eine Erzählung mit biografischen Zügen. Für mich ist dieses Buch trotz seiner Schwere und Tragik ein eher ruhiges Buch, was aber auch sehr traurig stimmt. … Das Buch bietet auf so wenigen Seiten so viel. Man muss es nur erkennen und mit offenen Augen durch die Zeilen gleiten und sich hier und da einfach festhalten und durchatmen. Ein stiller, anmutiger und sehr leiser Roman, der an einzelne Ereignisse des Lebens der Familie Withers in Neuseeland erinnert. Die allergrößte Besonderheit in diesem Roman, der mich zwar durch die gehobene und eindringliche Sprache der Poesie und inneren Gefühlslagen als Roman selbst nicht immer überzeugen konnte, dafür aber mit einer Emotionsgewalt aufwartete, die mich doch sehr überrascht und bewegt hat. Wunderbar. Dieses Buch ist durchwebt und durchtränkt mit wahren Worten und Botschaften, die sich auf das heutige Leben beziehen können. Man merkt beim Lesen dieser Romanerzählung mit diesen biografischen Zügen sofort, dass die Autorin weiß wovon sie erzählt, da sie ein sehr beeinflusstes und besonderes Leben führt. Sie hat ein ähnliches Leben gelebt und erfahren, und konnte somit viele Eindrücke und Einflüsse mitnehmen, die sie nun in ihre Worte kleidet und in diese bewegende Familiengeschichte der Withers verpackt. Bisher war mir diese Autorin unbekannt, leider ist sie inzwischen schon verstorben, doch ich hoffe, dass sie noch weitere Erfolge mit ihren Büchern feiern wird. Klare Leseempfehlung für all diejenigen, die sich auf einen leisen und dennoch eindringlichen Gesellschaftsroman samt hoher Gefühlswelle und besonderer Schreibkunst fern der Masse einlassen wollen. Ein Buch, welches mit Sanftmut und Offenheit gelesen werden sollte. Dieses Buch verlangt ein besonderes Gespür und einen besonderen Blick. Auch wenn ich persönlich diesen erkennenden Blick nicht gänzlich hatte und mit anderen Erwartungen an das Buch gegangen bin, so lobe ich die fantastische Umsetzung, die ich daraus erkenne. Die Autorin:„Janet Frame wurde 1924 als drittes von fünf Kindern eines Eisenbahnarbeiters in Dunedin, Neuseeland, geboren, wo sie 2004 auch starb. Die Familienverhältnisse waren tragisch, sie selbst wurde zu Unrecht als Schizophrene über Jahre in Nervenheilanstalten behandelt, u.a. mit Elektroschocks. Frame ist Autorin von zwölf Romanen, darunter ›Dem neuen Sommer entgegen‹ und ›Wenn Eulen schrein‹, fünf Erzählsammlungen, Gedichte und ein Kinderbuch. Mehrmals wurde sie für den Literaturnobelpreis vorgeschlagen. Ihre Autobiografie ›Ein Engel an meiner Tafel‹, die von Jane Campion verfilmt wurde, gehört zu den bedeutendsten Beispielen für dieses Genre im 20. Jahrhundert.“Die Übersetzung durch Karen Nölle und Ruth MalchowFür mich liegt das Meisterwerk in der Arbeit dieser beiden Übersetzerinnen. Ein mit Liebe und Gewissen, sowie Respekt übersetztes Buch. Die Übersetzerinnen hatten hier sicherlich keine leichte Aufgabe, die Poesie und den Glanz der Worte ins Deutsche zu adaptieren. So wie ich diesen Roman nun nachgespürt habe, muss ich ihre Arbeit einfach loben. Neben der Autorin selbst, haben auch die beiden Übersetzerinnen ein kleines Meisterwerk vollbracht, indem sie uns diesen Roman in seiner Ursprünglichkeit und Wirkung der Worte überlassen und übersetzt haben. Das Cover:Das Cover ist schlicht und typisch für einen Klassiker fernab der Masse. Mich hat hier eher der Titel angesprochen, der mich an einen bekannten Dichter denken lies. Fazit:Ein sehr emotionales, leises und bestimmtes Buch. Die Autorin hat Wiedererkennungswert und setzt sich mit „Wenn Eulen schrein“ ein Mal. Ein Meisterwerk! 3 Sterne vergebe ich für meine persönlichen Leseeindrücke. 5 Sterne vergebe ich für das Talent und dem atemberaubenden Können der Autorin und der Übersetzerinnen selbst. Insgesamt hat mich der Roman eher beeindruckt als bezaubert. Die Sprache ist beachtlich - nicht umsonst wurde Janet Frame seinerzeit auch für den Nobelpreis nominiert. Doch diese hoffnungs- und trostlose Einsamkeit eines jeden Einzelnen will auch erst einmal ertragen werden. Mir fiel es manchmal erstaunlich schwer...

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    • 8
  • Rezension zu "Wenn Eulen schrein" von Janet Frame

    Wenn Eulen schrein
    19angelika63

    19angelika63

    Klappentext „Die Familie des Eisenbahners Bob Withers in der neuseeländischen Kleinstadt Waimaru wird von Unglück und Krankheit geplagt: Eine Tochter, Francie, stirbt durch einen tragischen Unfall, eine andere Daphne, erkrankt psychisch so schwer, dass sie in eine Heilanstalt eingewiesen werden muss, ihr Bruder Toby hat epileptische Anfälle. Hinter dem Drama der Familie werden aber auch gesellschaftliche Konflikte sichtbar: Kann man im ganz anders gearteten Kosmos Neuseelands einfach die Werte und Bildungsstandards des weißen Europas vermitteln, ohne Rücksicht auf die angestammt Kultur? Dieses Buch hat eine sehr traurige Grundstimmung. Durch die vielen Tragödien und Schicksale der Familie Withers kommt kein Glücksgefühl auf. Obwohl alle Kinder versuchen ihr Glück zu finden, jedes auf seine Weise, ist es ihnen letztendlich nicht wirklich möglich es zu finden. Nicht das von dem jeder Einzelne der Familie träumt. Das Buch ist in mehrere Kapitel gegliedert. In jedem Kapitel geht es um die Geschichte eines Familienmitglieds und wie seine Geschichte sich auf die anderen auswirkt. Für mich am schlimmsten war es zu lesen, wie Daphne in der Heilanstalt dahinvegetiert. Sie lebt in ihrer eigenen Welt. Hier entdecke ich auch autobiographische Züge, denn Janet Frame selber hat Jahre zu Unrecht wegen Schizophrenie in einer Heilanstalt verbracht. Unter anderem hat man sie mit Elektroschocks behandelt. Für mich ist dies ein einzigartiges Buch. Ein Buch, das mit einer poetischen Sprache das Schicksal und das Unglück von Menschen beschreibt, dass es einem unter die Haut geht. Es erscheint dem Leser surreal, dass man mit solch einer schönen Sprache solch eine Tragödie beschreiben kann. Einzigartig … Wundervoll …

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    • 2
  • So hoffnungslos einsam und trostlos...

    Wenn Eulen schrein
    parden

    parden

    SO HOFFNUNGSLOS EINSAM UND TROSTLOS... Erzählt wird die Geschichte einer armen Eisenbahnerfamilie aus Neuseeland. Bob Withers verdient als Eisenbahner gerade so viel, dass die Familie das Nötigste zum Leben hat, oft genug müssen sie im Laden anschreiben lassen, und neue Dinge sind ein nicht zu leistender Luxus. Vier Kinder leben in dem kleinen Haus in ärmlichen und dreckigen Verhältnissen, sind oft genug aufeinander angewiesen, weil sie überall sonst eher Außenseiter sind. Hinzu kommt, dass die Familie von Unglück und Krankheit verfolgt wird. Francie, die älteste Tochter, hat mit 13 gerade die Schule verlassen und ihre erste Arbeitsstelle angetreten, als sie tödlich verunglückt. Daphne, die Zweitälteste, entwickelt eine psychische Erkrankung, die die Eltern schließlich veranlasst, ihre Tochter in eine Heilanstalt zu geben, wo sie jahrelang verbleibt. Der Sohn Toby erleidet epileptische Anfälle und bleibt in der Schule hinter seinen Altersgenossen zurück. Einzig die jüngste Tochter, Teresa, scheint ohne große Narben aufzuwachsen, heiratet dann aber früh und zieht weg aus der Kleinstadt. In zwei Teilen wird das Buch erzählt - einmal über die Geschehnisse rund um den tödlichen Unfall von Francie, das Leben der Kinder und der Familie, die Ärmlichkeit, der Dreck, die Suche nach Schätzen auf der Müllhalde - und einmal 20 Jahre später über das Erleben einzelner Familienmitglieder, ihre Tätigkeit, ihre Ziele, ihr Denken, ihre Gefühle, ihre Pläne für die Zukunft. Dabei ereignet sich nichts von wirklicher Bedeutung, jeder scheint gefangen in seiner Welt, tagein tagaus derselbe Ablauf, alles vorhersagbar, so wie es war von Anbeginn aller Zeiten. Vieles wird nur angedeutet, angerissen, alles verharrt stumpf in einer resignierten Verzweiflung - es wird sich doch nichts ändern. Die Bemühungen, dem Leben einen Sinn zu geben, eine andere Bahn, wirken hilflos und traurig. Geld anzuhäufen und dabei nach wie vor vom Müll zu leben versucht der eine, ein krampfhaftes Buhlen um gesellschaftliche Anerkennung die andere: "Was kann ich mehr vom Leben verlangen, als gern gesehen und beliebt zu sein." Die einzige, die die Verlogenheit und Vergeblichkeit der Bemühungen zu durchschauen scheint, ist ausgerechnet Daphne, die, sprachlos zwar und seit Jahren weggesperrt, dafür aber ungeheuer klarsichtig hinter die Dinge zu schauen vermag. Unterstrichen wird die hoffnungslose Einsamkeit jedes einzelnen Familienmitglieds durch die besondere Sprache Janet Frames. Poetisch aber nicht lieblich, dafür voller Metaphern und meist düsterer Bildhaftigkeit. Selbst sonst oft positiv besetzte Dinge wie die Sonne oder das Meer bekommen hier eine düstere Ausstrahlung bis hin zur Bedrohlichkeit. Manche Kapitel, meist dann wenn von Daphne die Rede war, gerieten sprachlich nahezu ins Surreale, weil die Autorin dort dem Mädchen in die psychische Erkrankung folgt. Das waren Momente äußerster Bedrückung für mich, sowohl was die angedeuteten Erlebnisse anbelangt (Elektroschocks, Isolierung) als auch die wirre und gleichzeitig real wirkende Gedankenwelt Daphnes. Aber stellenweise war der Text für mich auch einfach unverständlich, selbst nach mehrfachem Lesen der Passagen erschloss sich mir deren Sinn nicht wirklich. Nachhaltig bedrückend wird der Text mit dem Hintergrundwissen, dass die Autorin viele autobiographische Bezüge in den Roman eingearbeitet hat. Auch Janet Frame stammte aus einer armen Eisenbahnerfamilie in Neuseeland und verbrachte viele Jahre in der Psychiatrie. Sie galt zu Unrecht als schizophren. Insgesamt hat mich der Roman eher beeindruckt als bezaubert. Die Sprache ist beachtlich - nicht umsonst wurde Janet Frame seinerzeit auch für den Nobelpreis nominiert. Doch diese hoffnungs- und trostlose Einsamkeit eines jeden Einzelnen will auch erst einmal ertragen werden. Mir fiel es manchesmal recht schwer... © Parden

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    • 2
  • Es geschieht alles nach dem Willen des Herrn

    Wenn Eulen schrein
    dicketilla

    dicketilla

    02. March 2014 um 11:07

    Waimaru, eine Stadt in Neuseeland, zwischen Südpol und Äquator, 45. Längengrad,mit einer ständig wachsenden Bevölkerung.In ihr lebt die Familie Withers, arm und dreckig, so werden sie von ihrer Umwelt wahrgenommen. Amy, Hausfrau und Mutter, Bob der Eisenbahner, ihre Kinder Francie, Toby, Daphne und Nesthäkchen Chick.Francie die mit 12 die Schule beenden muss, sollte ihren Weg in die Welt machen, wie der Vater meinte, wegen Geldmangel als Haushalshilfe dazu verdienen muss.Daphne die in der Welt der Märchen lebt, Toby der Außenseiter, an epileptischen Anfällen leidet. Immer auf der Suche nach Schätzen, die sie versuchen auf der Müllhalde zu finden, Glück, was andere nicht mehr für wichtig empfinden.Doch dann beginnt das Familienleben zu bröckeln.Francie verunglückt, und ihre Geschwister müssen es mit ansehen, wodurch Daphne in eine Anstalt gesteckt wird. 2o Jahre später lebt Toby immer noch unverheiratet bei den Eltern.Glück bedeutet für ihn Geld, Geld anhäufen und er vergisst darüber sein eigenes Leben.Daphne wird noch immer in der Anstalt gehalten und als schizophren eingestuft,und muss qualvolle Elektroschocks erleiden.Chicks, jetzt Teresa lebt mit Mann und ihren drei Kindern in etwas Wohlstand,und passt sich an, weit weg von ihrer Familie. Wenn Eulen schrein ist ein Buch außerhalb der Norm.Eine etwas andere Familiengeschichte, in der es um die Suche nach dem Glück im Leben geht, dem Ausbrechen aus einer gefangenen Gesellschaft. Bis zum Schluss bangt man mit den Personen, um dann doch dem Unausweichlichem zu begegnen. Herausragend die Darstellung Daphnes Leidensweges, der mich besonders erschüttert hatte.Janet Frame bedient sich einer außergewöhnlichen Sprache. Immer wieder schwelgt die Handlung in poetische Schilderungen, mit wunderbaren Bildern, was das Lesen zwar nicht einfach, aber außergewöhnlich macht.Anfangs fiel es mir schwer der Handlung zu folgen, dann ließ ich mich total von der Schreibweise begeistern.Ein Gefühlschaos von sicher vielen autobiographischen Zügen durchwachsen. Kein Buch für einfach mal zwischendurch, Zeit benötigt, um dem Buch die nötig Aufmerksamkeit zu widmen.

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  • Wenn Eulen schrein

    Wenn Eulen schrein
    *Arienette*

    *Arienette*

    16. October 2013 um 11:07

    Wo die Bien, saug ich mich ein, Bette mich in Maiglöcklein, Lausche da, wenn Eulen schrein, Fliege mit der Schwalben Reihn Lustig hinterm Sommer drein. Der Sturm Der Buchtitel stammt aus dem Gedicht von Shakespeare's "Sturm. "Wenn Eulen schrein" ist der Debütroman von Janet Frame, welches erstmalig im Jahre 1957 erschien und ihren literarischen Ruhm begründet. Erzählt wird die Geschichte der neuseeländischen Familie Withers, die in einem kleinen aufstrebenden Ort, namens Waimaru lebt. Der Ort lebt von der Schafzucht; Wollspinnerei und Schlachthöfe geben den Bewohnern Arbeit. Die Familie ist arm, der Vater arbeitet bei der Eisenbahn, die Mutter Amy versorgt die vier Kinder. Diese spielen auf der Müllhalde, träumen jedoch von Märchenprinzen. Schon mit 12 Jahren muss die Älteste, Francie, von der Schule abgehen und arbeiten gehen. Die Familie ist von Pech verfolgt. Der Sohn, Toby, leidet unter Epilepsie und ist unbeholfen. Francie verunglückt tödlich und die sensible Daphne landet in der Nervenheilanstalt, wo sie mit Elektroschocks behandelt wird. Lediglich die Jüngste, genannt Chicks, wird ein konventionelles Leben führen. Das erträumte Glück findet jedoch keines der vier Geschwister. Der Roman ist autobiographisch eingefärbt. Zwei der Geschwister von Janet Frame ertranken, ihr Bruder litt unter Epilepsie und bei Janet Frame wurde fälschlicherweise Schizophrenie diagnostiziert. Sie wurde für acht Jahre in verschiedene Nervenheilanstalten eingesperrt und mit Elektroschocks behandelt. Nur knapp entkam sie der Lobotomie. Gerade die Passagen über Daphne in der Nervenheilanstalt, die Beschreibung der Behandlung mit Elektroschocks sind schwer erträglich. Man muss sich einlassen auf die Sprache von Janet Frame - sie ist plastisch und einfühlsam, ohne kitschig zu werden. Prall gefüllt mit Bildern sind besonders die Passagen um Daphne (als Beispiele: ) Und dort lebte Daphne viele Jahre allein, inmitten von Angriffen und Übergriffen durch Geräusche, an Tagen ohne Glanz und in Nächten ohne Dunkelheit; zuerst ruft die Farm vom Berg, durch den Morgennebel schwingt immer aufs Neue das Lasso brandender Tierlaute; das Ohr wird iin einer Schlinge aus Bellen, Krähen, Brüllen gewürgt, und aus Geschrei von der anderen Farm, der unteren, mit ihrer Reihe von Ställen voll von dampfenden Dung Schwachsinniger und längst verstorbener Wahnsinniger, die in dem kleinen Bergzimmer mit vier Ecken un dem kleinen hölzernen Kassettenfenster ihren täglichen Schatz ausbrüten. Immer bemüht, die Zeit zwischen den schmalen Schattenstäben einer unwirklichen Sonne festzuhalten, denn dort ist der Tag Tag und doch niemals." S. 216 „Zuerst ließ sich das Picknick sehr gut an. Die auserwählten Patienten saßen, geschniegelt und geputzt, wie tote, angezogene Weihnachtspuppen in einem Schaufenster der Welt und warteten darauf, dass jemand sie auswählte und nahm und aufzog, damit sie gingen und sprachen und tanzten und lebendig wurden. S. 234 Schon "Dem Sommer entgegen" habe ich sehr gerne gelesen und auch diesen Roman kann ich nur empfehlen. Janet Frame wurde im Jahr 2003 für den Literaturnobelpreis vorgeschlagen. Ihr Roman "Ein Engel an meiner Tafel" wurde 1990 von Jane Campion verfilmt.

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  • Rezension zu "Wenn Eulen schrein" von Janet Frame

    Wenn Eulen schrein
    leserin

    leserin

    28. September 2012 um 09:56

    Grandioses, sehr poetisches Buch
    Zu den hier verfaßten Rezensionen kann ich nichts mehr hinzufügen

  • Rezension zu "Wenn Eulen schrein" von Janet Frame

    Wenn Eulen schrein
    Wolkenatlas

    Wolkenatlas

    Eine packende Geschichte aus Neuseeland Die Veröffentlichung von Janet Frames erstem Roman "Wenn Eulen schrein" in einer überarbeiteten Übersetzung ist ein absoluter Lichtblick im Dickicht der Neuveröffentlichungen der letzten Monate. Es ist wahrscheinlich unmöglich und unsinnig, die Literatur der am 28. August 1924 im neuseeländischen Dunedin geborenen und am 29. Jänner 2004 ebenso in Dunedin verstorbenen großen Autorin ohne Kenntnis ihrer Lebensumstände zu betrachten, obwohl die Qualität ihrer Werke auch so unschwer erkennbar ist. Janet Frame galt, als schüchternes, verträumtes und introvertiertes Kind, bereits in der Schule als Außenseiterin. Die Tochter eines Bahnbediensteten lebte mit ihren vier Geschwistern in äußerst ärmlichen Verhältnissen ohne Warmwasser und Strom in einem schlecht isolierten und im Winter daher eiskalten Haus. Zwei Schwestern ertrinken auf unterschiedliche Art und Weise, der Bruder George ist Epileptiker. Schon während der Schulzeit versuchte sie sich an ersten literarischen Arbeiten und Gedichten, die ihr über die verschiedenen Widrigkeiten des Lebens hinweghalfen. Sie wird Lehrerin, bis sie ungefähr ein Jahr nach Dienstantritt während einer Schulstunde aus dem Klassenzimmer läuft, da sie die Aussicht, für den Rest ihres Lebens zu unterrichten, unmöglich findet. Als ihr anschließender Selbstmordversuch scheitert, wird sie in eine psychiatrische Klinik eingeliefert und dort fälschlicherweise als schizophren diagnostiziert. Sie wird acht Jahre lang in dieser Klinik mit entsetzlichen Methoden behandelt, von ungefähr zweihundert Elektroschockbehandlungen bis hin zum Ziehen aller Zähne. Hier entsteht ihre erste Kurzgeschichtensammlung, deren Verkaufserfolg und die Verleihung des "Hubert Church Preises" eine bereits vorgesehene Lobotomie verhindert. Nach der Entlassung aus der Klinik beginnt sie, untergebracht beim Schriftsteller Frank Sargeson, mit der Arbeit an dem Roman "Wenn Eulen schrein" ("Owls do cry"), der unter Anderem natürlich eine Verarbeitung ihrer Kindheit ist. Ihr Roman geht allerdings ganz eigensinnige literarische Weg, fordert den Leser auf, sich uneingeschränkt hinzugeben und auf das Buch einzulassen. Vor allem ist der erste Teil, der Jugendteil, immer zwischen den etwas abwegigen und fast surrealen Gedankengängen und dem wirklichen Geschehen hin- und herpendelnd, teilweise verwirrend, aber ungemein spannend, der jungen Protagonistin auf der Spur zu bleiben. Janet Frame zeichnet ein bestechend genaues und ins Mark treffendes Bild einer armen neuseeländischen Familie, deren Mitglieder, so meint man, allesamt etwas wahnsinnig sind, wenn man herkömmliche Maßstäbe anlegt, die aber auch vermuten lassen, dass die Normalität der Mitmenschen dem Wahnsinn und der Verrücktheit möglicherweise näher ist als die vermeintliche eigene Verrücktheit. Während der Vater immer arbeitet, der Bruder an seinen epileptischen Anfällen leidet, und die Mutter versucht, alle Konflikte mit selbstgebackenen Plätzchen zu lösen, stirbt die ältere Schwester in einem tragischen Unfall. Gleichzeitig singt Daphne ihre Lieder aus der Irrenanstalt. "Und Kindheit ist nichts, sie ist nur der Wind in der Telegrafenleitung, der dort hängt, weil er geheult hat, das Zahnweh im schwarzen Loch der Nacht, der zu große Körper, der sich im zu kleinen Kinderbett krümmt, die Großmutter, die sich in der heißen Sonne Virginias schindet, Großmutter, was hast du für große Augen; und der Junge im Bauch des Fuchses, schnipp, schnipp, aufgetrennt, Junge, Mädchen oder Tag gefangen im luftlosen Bauch der Erinnerung." Alltag pur, mit vielen Beschreibungen der ärmlichen Kleidung der Kinder, detailgenauer Beschreibung der Müllhalden, die den Kindern als Spielstätten dienen. Doch ist dieser Alltag, mit allen seinen detaillierten Zuständen und Schilderungen, spannender erzählt als ein wirklich guter Krimi. "Ich scheine tatsächlich nie mehr als das Datum zu wissen, seit ich mein altes Tagebuch verloren und das neue angefangen habe. Ich kann nicht begreifen, was mit dem alten passiert ist. Tim zieht mich auf und sagt, er habe es versteckt und lese es mit großem Spaß; aber ich weiß, dass er mich nur aufzieht. Ich erinnere mich, ich habe es verloren, nachdem Toby abgefahren war, und Toby ist ganz plötzlich abgefahren, die Kinder hätten in der Nacht glatt verbrennen können ..." Janet Frame schafft Passagen von so ungeheuerlich evozierender, von jeglicher Kontrolle losgelöster Angst, wie sie wahrscheinlich nur möglich sind, wenn die Selbstkontrolle durch Elektroschock außer Kraft gesetzt wird. Besonders eingeprägt haben sich die Gesänge Daphnes aus der Anstalt sowie die Tagebucheinträge der jungen Chicks (Teresa), die nur so perfekt und angepasst sein will, wie alle vermeintlich sind, die aber draufkommen muss, dass selbst die scheinbar perfekten Nachbarn nicht so perfekt sind, wie sie sich gerne geben. Janet Frames Prosa ist poetisch und extrem wandelbar, sie findet für jede Figur eine eigene Stimme, die Neubearbeitung der alten Übersetzung von Ruth Malchow durch Karin Nölle hat diesen Roman nun näher an das wunderbare englische Original gebracht. Ein wunderbarer, trauriger, mitreißender Roman einer ganz großen, im deutschsprachigen Raum extrem unterschätzten bzw. viel zu unbekannten Autorin. Der Rezensent hofft, dass durch diese Veröffentlichung und die Einladung an Neuseeland als Gastland bei der "Frankfurter Buchmesse" 2012 weitere Schätze von Janet Frame in deutscher Sprache neu aufgelegt oder gar neu- oder erstübersetzt werden. Absolute Empfehlung. (Roland Freisitzer; 04/2012)

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  • Rezension zu "Wenn Eulen schrein" von Janet Frame

    Wenn Eulen schrein
    Clari

    Clari

    16. June 2012 um 16:21

    Psychogramm einer sonderbaren Familie. In der kleinen Stadt Waimaru in Neuseeland lebt die Familie von Bob Withers. Er ist Eisenbahner, und seine Familie zählt zu den Armen der Stadt. Vier Kinder müssen versorgt und ernährt werden. Da muss jeder/jede schon bald mit anpacken. Die älteste Tochter Francie arbeitet in einer Familie, die kleineren Kinder gehen zur Schule oder sind zu Hause. Sie spielen gerne auf der Müllkippe. Dort passiert eines Tages das Unglück, bei dem Francie ums Leben kommt. Die Trauer bei den Eltern und Geschwistern ist groß! Daphne und Francie standen sich sehr nahe. Erstere lebt in einer wirren Wahnwelt, die man aber erst ganz allmählich begreift. Toby leidet an epileptischen Anfällen. So viel Unglück auf einmal in einer Familie ist selten. Janet Frame schreibt in einer Art visionärer Sprache. Sätze fliegen vorbei und Assoziationen vermitteln den Eindruck, dass alles Erlebte flüchtig ist. Zwischen Faszination und Staunen erlebt man eine uns sehr ferne Welt, in der es arm, emotional kühl und auch sehr streng zuzugehen scheint. Der erste Teil des Romans gilt der ganzen Familie. In einem zweiten Teil erlebt man die Protagonisten zwanzig Jahre später. Jedes der Geschwister kommt hier auf seine Weise zu Wort. Chicks war die Jüngste der Geschwister. Eigentlich heißt sie Teresa. Sie hat einen Mann und drei Kinder und lebt verhältnismäßig zufrieden im Norden der Insel Neuseelands sehr bemüht um gesellschaftliche Anerkennung. Doch auch diese erweist sich als brüchig und hohl. Ihre Angehörigen mit ihren diversen Macken sind ihr peinlich. Als einzige verkörpert Teresa einen gewissen Anspruch auf Normalität. Daphne ist inzwischen in einer Nervenheilanstalt und Toby wurschtelt sich als Müllhändler durch. Eine Familie hat er nach dem Tod seiner Mutter und dem Auseinanderdriften der ganzen Familie nicht mehr. Ab und zu erleidet er seine epileptischen Anfälle. Die Gedanken und Handlungen der Protagonisten sind einfach, überschaubar und von fast simpler Unbedarftheit. Nichts Welt bewegendes ereignet sich. Janet Frame scheint autobiographische Erfahrungen für ihren Roman mit verwendet zu haben. Auch sie stammt aus einer armen Eisenbahnerfamilie in Neuseeland und verbrachte viele Jahre in der Psychiatrie. Sie galt zu Unrecht als schizophren. Was macht das Buch so lesenswert? Es ist eine sehr poetische, einem Gesang gleichende Sprache, die faszinierend vom Untergang berichtet. Da blüht kein wirkliches Glück und niemand erfährt Freude. Man bleibt diesem gleichmütigen Leben abseits von allen erhebenden Ereignissen ebenso hilflos ausgeliefert wie die Protagonisten selbst. Doch bis zuletzt behält der Roman seine subtile Spannung, ob sich nicht doch noch alles zum Guten wenden möchte! Janet Frame hat mit diesem Roman 1957 ihren Durchbruch erlangt. Sie ist eine hoch anerkannte Schriftstellerin Neuseelands, die sogar als Anwärterin für den Nobelpreis gehandelt wurde.

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