Janet Lewis

 4.1 Sterne bei 29 Bewertungen
Autor von Die Frau, die liebte, Die Frau, die liebte und weiteren Büchern.

Alle Bücher von Janet Lewis

Die Frau, die liebte

Die Frau, die liebte

 (28)
Erschienen am 29.03.2018
Die Frau, die liebte

Die Frau, die liebte

 (1)
Erscheint am 25.10.2019
Der Mann, der seinem Gewissen folgte

Der Mann, der seinem Gewissen folgte

 (0)
Erscheint am 15.11.2019

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Rezension zu "Die Frau, die liebte" von Janet Lewis

Grandios
Naddiwisevor 16 Tagen

Dieses auf wahren Begebenheiten beruhende Justizdrama ereignete sich 1560 in Frankreich.

Als der junge Martin den Zorn seines Vaters auf sich zieht, verlässt er seine junge Frau und verschwindet in die Ferne. Geplant ist eine Flucht auf Zeit, bis sich das Gemüt des Vaters wieder beruhigt hat und Martin wieder heimkehren kann. 
Seine Frau Bertrande bleibt mit dem gemeinsamen Sohn zurück und wartet sehnsüchtig auf die Heimkehr ihres Mannes.
Als die Jahre ins Land ziehen und Martins Eltern nacheinander sterben, herrscht nur noch betrübliche Stimmung auf dem Hof der Familie und niemand glaubt mehr so recht daran, dass Martin heimkehren wird.
Bertrande wartet jedoch nach wie vor sehnsuchtsvoll auf ihren Mann. Einer seiner Onkel hat mittlerweile den Hof übernommen und Bertrandes Traum von einem eigenen Hof für ihre eigene Familie rückt in unerreichbare Ferne.

Als Martin endlich nach zehn Jahren wieder heimkehrt kann Bertrande ihr Glück kaum fassen und alle anderen auf dem Hof und im Dorf brechen regelrecht in Freudentaumel aus.
Doch schnell kommen Bertrande Zweifel, ob dieser Mann tatsächlich ihr Martin ist. Er sieht ihrem Mann zwar sehr ähnlich, aber nach 10 Jahren der Trennung kann sie sich trotzdem nicht sicher sein. Er weiß auch eine Menge über die kurze gemeinsame Zeit, die sie miteinander verbracht haben, aber trotzdem hat er sich in der Ferne sehr verändert und scheint irgendwie doch ein anderer Mensch zu sein.
Sie spricht mit verschiedenen Familienmitgliedern über ihre Zweifel und versucht auch immer wieder Martin auf den Zahn zu fühlen. Alle anderen erklären sie zunehmend für verrückt, abgesehen vom Onkel, dem der Hof mittlerweile gehört.
Er sorgt dafür, dass Martin des Betrugs angeklagt und vor Gericht gebracht wird.

Dieses recht dünne Büchlein war für mich ein absolutes Lesehighlight. 
Janet Lewis schaffte es mit einfachen literarischen Mitteln die ganze Bandbreite der menschlichen Gefühlswelt zu verarbeiten und aus einem tatsächlich stattgefundenen Ereignis aus längst vergangener Zeit, einen Spannungsroman der Extraklasse zu machen.

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Rezension zu "Die Frau, die liebte" von Janet Lewis

Fesselndes historisches Drama
anushkavor 5 Monaten

Frankreich, 1539, ein Dorf in einem der Täler der Pyrenäen. Mit 11 Jahren werden Bertrande und Martin verheiratet um zwei Großbauernfamilien zu vereinen. Mit 14 Jahren zieht Bertrande auf den Hof ihres Mannes und lernt dort, ihren zukünftigen Haushalt zu führen. Langsam nähert sich ihrem Mann an und hält zu ihm, wenn er gegen seinen Vater aufbegehrt. Doch eines Tages muss er die Familie verlassen. Und kehrt erst 8 Jahre später zurück. Oder ist er es doch nicht? Hat sich Bertrande versündigt und sich des Ehebruchs schuldig gemacht?

Janet Lewis hat dieses Buch bereits in den 1940ern geschrieben, doch es wirkt kein bisschen veraltet oder altmodisch. Die Autorin hat dabei einen wahren Fall aufgegriffen, der in einem Sammelwerk berühmter Indizienprozesse landete. Den Fall des Martin Guerre kann man im Internet weitergehend recherchieren, sich als Film anschauen oder weitere Bücher darüber lesen. In "Die Frau, die liebte" geht es nicht um Martin Guerre, sondern um dessen Frau Bertrande und das harte Leben im Mittelalter. Nach Jahren der Sehnsucht und der unklaren Stellung Bertrandes, die weder Ehefrau noch Witwe ist in dieser Zeit, kehrt der lang Vermisste zurück. Er scheint verändert, doch nicht zum Schlechteren. Er ist aufmerksam, liebevoll, bei allen beliebt. Das Leben scheint perfekt. Doch Bertrande beginnt zu Zweifeln und letztlich steht das Pflichtgefühl über dem persönlichen Glück. Bertrande klagt Martin an, ein Hochstapler zu sein und tritt damit unaufhaltsam Ereignisse auslöst, deren Tragweite ihr zunächst nicht bewusst sind.

Obwohl ein sehr dünnes Buch, ist die Geschichte sehr eindringlich, fesselnd und dramatisch. Auch wenn sich die Perspektive weitet und zunehmend von Bertrande entfernt, gelingt es, sie eingängig darzustellen und ihr Innenleben anschaulich zu machen. Bertrandes Handeln mag logisch, aber nicht immer emotional nachvollziehbar sein, dennoch hat mich die Geschichte sehr berührt und viel zum Nachdenken gegeben. "Die Frau, die liebte" ist ein richtiger, kleiner literarischer Schatz.

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Rezension zu "Die Frau, die liebte" von Janet Lewis

Zurückgekehrt ist nicht der Deine
jenvo82vor 6 Monaten

„Sie sah, wie sie hilflos auf einer großen Welle der Missverständnisse und verfehlten Gelegenheiten nach vorn getragen wurde und im Begriff war, eine noch größere Sünde zu begehen als die, vor der sie sich gefürchtet hatte.“


Inhalt

Bertrande de Rols wird bereits als Kind mit Martin Guerre verheiratet, weil die Eltern diese Verbindung gutheißen und sich davon Sicherheit und Wohlstand erhoffen. Sie hat das große Glück, sich sowohl mit ihren Schwiegereltern als auch mit dem Gemahl immer besser zu verstehen. Tatsächlich wird aus der Zweckverbindung eine große Liebesbeziehung, die bald schon mit einem gemeinsamen Kind gekrönt wird. Doch der junge Martin möchte selbstständig handeln und sich nicht mehr hinter die Wünsche und Vorhaben seines Vaters stellen. Eigenmächtig trifft er Entscheidungen, zu denen er nicht befugt ist und bespricht mit seiner Frau, dass er nun zumindest für eine Weile dem elterlichen Hof den Rücken kehren wird, bis Gras über die Sache gewachsen ist. Bertrande verschweigt ihr Mitwissen und wartet sehnsüchtig auf Martins Rückkehr.

 Doch die Jahre vergehen und aus Hoffnung wird Betrübnis, allein muss sie nun den Sohn großziehen und ihr Geliebter ist wahrscheinlich im Kampf gefallen. Als schließlich der Hausherr verstirbt, kehrt plötzlich und unerwartet Martin zurück, merklich gealtert aber voller Elan an der Fortführung seines Haushalts. Mit offenen Armen wird der Zurückgekehrte empfangen, nur Bertrande beschleichen immer wieder Zweifel. Sie erkennt den Mann nicht wieder, ist sich unsicher, ob er es wirklich ist und bringt schließlich mit einer initiierten Gerichtsverhandlung den Stein ins Rollen. Und während die Richter sich alle Zeugenaussagen anhören, wird Bertrande klar, dass jedes Urteil in diesem Fall ihr persönlicher Untergang sein wird …


Meinung


Die 1998 verstorbene amerikanische Autorin Janet Lewis greift in diesem Roman einen der berühmtesten Rechtsfälle Frankreichs auf und beleuchtet mit einer fiktiven Geschichte die historischen Überlieferungen. Ein sehr gelungener Mix, der trotz seiner Unglaublichkeit in den Bann zieht. Bertrande de Rols wird dabei als eine starke, entscheidungsfreudige Frau dargestellt, die mit aller Macht an das Gute und an die Liebe glaubt, sukzessive wird dieses Urvertrauen jedoch unterwandert und aus der hoffnungsfrohen jungen Frau wird eine leidgeplagte Mittdreißigerin, die ihren Wünschen und Sehnsüchten nichts zu geben vermag. Die Autorin schafft genau die richtige Basis, damit der Leser sich der Protagonistin entsprechend nahe fühlt, und sich mit Tiefe und Empathie in deren Leben einfühlen kann.


Umso spektakulärer und erschütternder ist nun der Fortgang der Handlung, denn als gottgläubige Frau, die ihrem Gemahl treu ergeben ist, wäre ein Ehebruch eine Sünde und dann auch noch eine selbstverschuldete, da sie den neuen Mann zunächst durchaus willig aufgenommen hat und mit ihm ein weiteres Kind zeugte. Die Seelenqualen und Zweifel der jungen Frau sind spürbar und konsequent, so dass man sich als Leser tatsächlich eine Aufklärung erhofft.


Das besondere an dieser Erzählung ist die Perspektive, die der Leser einnimmt, denn obwohl man sehr genau die Zerrissenheit der jungen Frau wahrnimmt, bleibt das tatsächliche Verschwinden des Martin Guerre ziemlich schwammig. Mir drängte sich stark die Frage auf: „Warum ist er so lange fortgeblieben?“ oder „War es wirklich nur die Angst vor dem Zorn des Vaters, die ihn aufgehalten hat?“ vielleicht auch nur „Warum hat er Frau und Sohn, für die er doch starke Gefühle hegte, so ohne weiteres verlassen?“. Und da diese Hintergründe bis zum Schluss ungeklärt bleiben, komme ich nicht umhin, eine eher negative persönliche Meinung über Martin Guerre zu haben. Und auch das Ende lässt mich betrübt zurück, kann man doch davon ausgehen, dass die Liebe der Bertrande de Rols einfach nicht reichte, um Bestand zu haben.


Fazit


Ich vergebe gute 4 Lesesterne für diesen höchst interessanten, dramatischen, historisch inspirierten Roman, der sich minutiös mit Gewissensfragen einer geplagten Seele beschäftigt. Der empathisch und ehrlich erzählt, wie es sich anfühlt, wenn man die eigene feste Überzeugung ziehen lassen muss und sich mit bitteren Wahrheiten konfrontiert sieht. Ein kleines, feines Büchlein für schöne Lesestunden, welches zu Fragen über den Bestand der Liebe anregt, über den willkürlichen Verlauf des Schicksals und die Kraft der Wahrheit. Ich kann es getrost weiterempfehlen, es hat mir gut gefallen, sowohl was den Unterhaltungswert anbelangt als auch die erzählerische Dichte.

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