Janina Baumann Janina Baumann: Als Mädchen im Warschauer Ghetto - Ein Überlebensbericht

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Inhaltsangabe zu „Janina Baumann: Als Mädchen im Warschauer Ghetto - Ein Überlebensbericht“ von Janina Baumann

Erschütternd und aufwühlend

— Kerstin_KeJasBlog
Kerstin_KeJasBlog
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  • Janina Baumann: Als Mädchen im Warschauer Ghetto - Ein Überlebensbericht

    Janina Baumann: Als Mädchen im Warschauer Ghetto - Ein Überlebensbericht
    FabAusten

    FabAusten

    In ihrem Buch erinnert sich Janina Bauman vierzig Jahre später an ihre Zeit Als Mädchen im Warschauer Ghetto. Ergänzt durch Tagebucheintragungen wird der Weg, den sie mit ihrer Mutter und Schwester ins Ghetto und später in den Untergrund außerhalb der Ghettomauern nahm, akribisch nachgezeichnet. Immer wieder müssen die Frauen um ihr Leben und das ihrer Verwandten bangen, immer neue Verstecke suchen, mit Kollaborateuren, Hunger und Krankheiten fertig werden. Der Bericht endet mit dem Krieg und wird durch einen kurzen Nachtrag ergänzt. Janina Bauman ist eine sehr begabte Erzählerin und ihr einnehmender Sprachstil nimmt den Leser mit in eine noch nicht allzu ferne und grausame Vergangenheit. Er lernt ihre Lebensumstände und Familie kennen und wie sich alles mit der Invasion der Deutschen zum Schlechten verändert. All das wird sehr lebendig, einfühlsam und auch interessant beschrieben. Obwohl es immer wieder lebensgefährliche Situationen gab, befand sich Janina Bauman nichtsdestotrotz in einer privilegierten Position. Über weite Strecken besaß die Familie finanzielle Mittel, um zu überleben. Während auf den Straßen des Ghettos Menschen verhungerten, konnte Janina Unterricht nehmen und sogar seltene Feste mit ihren Mitschülern feiern. Die Bekanntschaft und Verwandtschaft war groß und man half sich gegenseitig, wo es ging. Besonders die Verbindung zu einer nichtjüdischen Bekannten war über-lebenswichtig. Als Janina mit Mutter und Schwester außerhalb des Ghettos untertaucht und die Verstecke häufig wechseln muss, finden sie glücklicherweise immer wieder Obdach. Auch müssen die Frauen sich immer nur für kurze Zeit trennen. Dies schmälert nicht die Grausamkeiten, die sie erfahren mussten, hebt aber die Unterschiedlichkeit der Lebenssituationen und Erfahrungen der Ghettobewohner hervor. Die Autorin ist sehr ehrlich und erzählt auch Dinge, die ihr nicht immer zum Vorteil gereichen. Sie war damals ein junges Mädchen und hat nicht immer so gehandelt, wie sie es vielleicht Jahrzehnte später getan hätte. Manchmal ist sie einfach unvorsichtig, hin und wieder ist ihr Handeln nicht ganz nachvollziehbar oder wirkt sogar ein bisschen unsympathisch. So behält sie ein Amulett, das sie von einem Jungen geschenkt bekommen hat, während ihre Mutter Schmuckstücke verscherbeln muss, die von ihrem toten Ehemann stammten. Selbstverständlich obliegt es dem Leser nicht, Janinas Handeln zu bewerten, denn niemand kann sie auch nur annähernd vorstellen, wie man selbst in derartigen Ausnahmesituationen agieren würde. Andererseits zeigen ihre ehrlichen Beschreibungen, dass sie ein Mensch wie jeder andere ist. Der Holocaust machte niemanden zu einem Heiligen. Vielmehr haben Menschen nun einmal Fehler, verhalten sich irrational oder auch unverständlich. Und genau dieser Umstand und der freimütige Umgang damit, vergrößern die Nähe zwischen ihr und dem Leser. Er kann sich noch mehr mit ihr identifizieren und besser verstehen, wie sich die Autorin als junges Mädchen in solchen Ausnahmesituationen gefühlt hat. Darüber hinaus zeigt der Bericht eindrücklich, wie sehr das Geschick der Verfolgten von den polnischen Mitbürgern abhing. So gab es viele, die ihnen hilfreich zur Seite standen, aber auch sehr viele, denen das Schicksal der Untergetauchten egal war, die sie bestahlen oder vor Denunziation nicht zurückschraken. Jeder Erfahrungsbericht aus der Zeit des Nationalsozialismus und über den Holocaust ist von großer Bedeutung. Jeder Mensch hatte mit individuellen Voraussetzungen und Problemen umzugehen. Jedes Schicksal hat seine eigene Geschichte. Jedes hat ein Anrecht darauf, gehört und anerkannt zu werden. Janina Bauman schenkt der Welt einen sehr persönlichen, einfühlsam und lebendig erzählten Bericht von ihren Jahren Als Mädchen im Warschauer Ghetto. Der Leser wird sich sicher noch häufig daran erinnern.

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    • 5
  • Es ist nicht die Hoffnung die zuletzt stirbt, sondern die Menschlichkeit

    Janina Baumann: Als Mädchen im Warschauer Ghetto - Ein Überlebensbericht
    Kerstin_KeJasBlog

    Kerstin_KeJasBlog

    22. June 2015 um 17:48

    "Vielleicht ist der Mensch nur bis zu einer gewissen Grenze imstande, in großer Angst zu leben, vielleicht gewöhnt man sich an den Schrecken." Es fällt mir immer schwer ein Buch mit so einem ernsten Hintergrund als schön oder gut zu bezeichnen, dennoch empfand ich beim lesen eine Art Freude angesichts der Tatsache das hier eine Frau ihre furchtbare und persönliche Geschicht aus dem Warschauer Ghetto erzählten konnte. Denn die Tasache das sie es konnte machte mir bewußt - sie hat überlebt und das ist mehr als gut. Janina Baumann erzählt in einem ganz alltäglichem, nüchternen, naiven, kindlichen Stil ihre Geschichte. Als gutsituierte Familie konnten sich ihre Eltern und die Familie im Warschau der 30er und 40er Jahre einiges leisten, Urlaub, Reisen, Feste und Gesellschaften. Janina besuchte eine gute Schule, hatte Freunde und Spaß am leben. Bis zu dem verhängnisvollem Tag im August 1939. Janina hört im Radio vom Nichtangriffspakt zwischen Hitler und Stalin und das Aufgrund einer Kriegsangst die Ferien etwas länger dauern. "Vielleicht muss ich dann diese verdammten lateinischen Vokablen nicht lernen.", war ihr kindliches Denken. Als der Krieg tatsächlich am 31. August beginnt und Warschau belagert, bekämpft und zerstört wird, ist es Janina trotz ihrer gerade mal 13 Jahre absolut bewußt, dass sich alles ändert. Die bereits im Vorfeld stattgefundenen Repressalien gegenüber Juden konnte sie nicht wirklich nachvollziehen, da Janina den Unterschied zwischen den religösen Unterschieden kaum kannte und es sie auch nicht interessierte, wer wie oder was glaubt. Als Janina 14 Jahre alt ist beginnt die Umsiedlung der Juden innerhalb Warschaus, alle mussten in den nördlichen Teil ziehen. Ihre Wohnungen aufgeben, Hab und Gut zurücklassen um dann mit vielen anderen zusammen in den kleinsten Zimmern unterzukommen - das Warschauer Ghetto entstand. Ein Synonym für die Schreckensherrschaft von Nationalsozialismus und Judenvernichtung- aber auch für den Mut und die Entschlossenheit sich dagegenzustellen. Janina nimmt beim erzählen kein Blatt vor den Mund. Es wird nicht aufgetragen, verschönt oder verharmlost. Sie erzählt so, wie sie es in den einzelnen Momenten erlebte und genau das hat mich sehr erschüttert. Ausgangssperre, räumliche Enge, Hunger, Krankheiten wie Thypus, Willkür von Besatzern, regelmäßige Schikanen und das ständige Erleben von Abholungen und Erschießungen war das was die Menschen dort täglich erlebten. Janina spricht darüber, den Verhungernden in den Straßen, den Totgeschlagenen, der Angst und dem Grauen. Aber sie spricht auch über Hoffnung, Überleben durch die Hilfe von außen, Menschen die bereit sind sich selbst in Gefahr zu bringen um zu helfen. Janina kann dem Ghetto entkommen, bevor es dem Erboden gleichgemacht wird. Eine lange Zeit bis zum Kriegsende versteckt, wieder unter unmenschlichen Bedingungen, aber nie alleine.  Denn Menschen die Menschlichkeit leben begleiten sie. Ja doch, es ist eine gute Geschichte, denn dieses Mädchen hat überlebt und kann berichten. Egal wie lange es her ist. Deshalb vergebe ich 5 von 5 Sternen. c)K.B 06 / 2015

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